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Die Ökonomie ist zur neuen Religion geworden

27. Februar 2014 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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Rund 220 Teilnehmer beim Impulstag des Kongresses christlicher Führungskräfte


Hamburg (kath.net/idea) Die Ökonomie ist in weiten Teilen der westlichen Welt zur neuen Religion geworden. Ihr größter Wert ist das Wirtschaftswachstum. Diese Ansicht vertrat der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Prof. TomᚠSedlácek (Prag) am 22. Februar in Hamburg. Er sprach dort beim Impulstag des Kongresses christlicher Führungskräfte.

Nach Sedláceks Worten haben sich die Wertigkeiten verkehrt und Dinge wurden auf den Kopf gestellt: „Wir hatten die Wirtschaft erschaffen, weil sie uns Freiheit und Wohlstand ermöglicht. Aber inzwischen sind wir Sklaven der Ökonomie geworden.“ Habe das Wirtschaftssystem ursprünglich andere gesellschaftliche Felder wie die Kunst oder das Gesundheitssystem unterstützen sollen, so müssten zunehmend alle anderen Bereiche der Wirtschaft dienen. Selbst das Eintreten bestimmter Parteien für die Familie habe letzten Endes vor allem wirtschaftliche Gründe, zeigte sich der Ökonom vor den rund 220 Teilnehmern überzeugt. Der Mensch neige dazu, an und für sich gute Dinge zu Abgöttern zu überhöhen. In der Vergangenheit seien Kriege geführt wurden um Religion, um Edelmetalle oder die Ausdehnung von Ländern. Viele Zeitgenossen der Gegenwart könnten sich darüber nur wundern. Heute drehe sich der Kampf um das stärkste Wirtschaftswachstum. „Vielleicht wird die nächste oder übernächste Generation darüber nur müde lachen können“, so Sedlácek.


Die Wirtschaft dränge den Menschen zunehmend ihre Werte auf. Einer davon laute: Maximiere deine Nützlichkeit und unterdrücke deine Gefühle! Das wiederum führe dazu, dass immer mehr Menschen Werte wie Nächstenliebe in Institutionen auslagerten. So kümmere sich kaum noch jemand selbst um Arme und Kranke. Dafür seien Versicherungen oder Hilfswerke zuständig.

Sedlácek verwies auf die bleibende Aktualität der Bibel. Was etwa die Financal Times heute zur Unterstützung Schwächerer durch Stärkere in der Euro-Krise schreibe, stehe schon im Neuen Testament: Einer trage des anderen Last (Galater 6,3). Weltweit bekannt wurde Sedlácek durch seinen Bestseller „Die Ökonomie von Gut und Böse“.

OBI-Gründer: Führungskräfte müssen Werte vorleben

Nach Worten des Gründers der OBI Bau- und Heimwerkermärkte, Prof. Manfred Maus (Leverkusen), müssen Führungskräfte ihren Mitarbeitern Werte vorleben. Es genüge nicht, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit oder Disziplin zu lehren: „Die größte unternehmerische Leistung besteht darin, dass Sie eine Unternehmenskultur aufbauen.“ Für ihn seien seit seiner Kindheit die Werte der Zehn Gebote maßgeblich, bekannte Maus, der Mitglied im Bund katholischer Unternehmer (BKU) ist. Dazu gehöre auch, auf internationalen Märkten keine Schmiergelder zu zahlen. Er selber sei beim Aufbau von OBI-Märkten in China mit solchen Erwartungen konfrontiert worden: „Aber lieber verzichte ich auf ein Geschäft, als dass ich Schmiergelder zahle.“ Auch wenn dies kurzfristig erfolgversprechend sei, so zerstöre es doch langfristig Vertrauen. Und das sei für ein Unternehmen weitaus wertvoller als Geld. Ihm persönlich gebe sein Glaube Orientierung in einer sich wandelnden Welt, sagte Maus.

Er sei manchmal gefragt worden, ob man zugleich Katholik und Unternehmer sein könne. Nach seinen Worten lohnt sich eine werteorientierte Führung auch ökonomisch. Denn zufriedene Mitarbeiter schafften zufriedene Kunden. Chefs empfahl Maus deshalb, regelmäßig die Mitarbeiterzufriedenheit zu messen und den Kontakt zu ihren Mitarbeitern nicht verlieren.

Führungskräftekongress 2015 in Hamburg zu Gast

Die Unternehmer Torsten und Henrika Oesmann von der Hagenah GmbH sowie Ute und Olaf Reiner, geschäftsführende Gesellschafter der Hartung GmbH, berichteten, wie ihnen der christliche Glaube auch im Alltag helfe und in Krisen Halt gebe. Der Vorsitzende des Kongresses, Pastor Horst Marquardt (Wetzlar), sagte, man wolle Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Kirche helfen, die richtigen Maßstäbe zu finden. Der christliche Glaube schenke Verantwortungsträgern, die mit beiden Beinen fest im Leben stünden, Mut und Zuversicht und helfe, auch mit Konflikten im Alltag umzugehen. Der Kongress christlicher Führungskräfte unter dem Thema „Mit Werten in Führung gehen“ findet seit 1999 alle zwei Jahre statt. Vom 26. bis 28. Februar 2015 wird er in Hamburg zu Gast sein. Er wird veranstaltet von der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) in Kooperation mit der Firma „tempus Akademie & Consulting“ (Giengen bei Ulm).


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