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Nigeria: Boko Haram führt 'Krieg' gegen Christen

24. Mai 2014 in Chronik, keine Lesermeinung
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Anführer: Anschläge sind die Reaktion auf westliche Militäreinsätze


Jos/Kano (kath.net/idea) In Nigeria setzt die radikal-islamische Organisation Boko Haram (Westliche Bildung ist Sünde) ihren Terror unvermindert fort. Die Gruppe, die 245 Schülerinnen – meist Christen – seit dem 14. April als Sklavinnen in ihrer Gewalt hat (siehe Foto), richtete am 20. Mai ein Blutbad in der Stadt Jos an. Bei einem Doppelanschlag auf einem belebten Markt wurden mindestens 118 Personen getötet und 45 durch die Sprengsätze verletzt. Zwei Tage zuvor kamen mindestens fünf Menschen bei einem Bombenanschlag in einem christlichen Viertel der Stadt Kano ums Leben. Boko Haram will im muslimisch dominierten Norden Nigerias und in anderen Ländern Afrikas mit Gewalt einen islamischen Gottesstaat errichten, dem sich alle Bürger unterwerfen müssen. Die Terrororganisation verübt seit fünf Jahren Anschläge vor allem auf Schulen und Kirchen. Allein in diesem Jahr sind ihnen mindestens 2.000 Menschen zum Opfer gefallen.


Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau erklärte der Internetzeitung Christian Post zufolge in einem Video, der „Krieg“ richte sich gegen die „schädlichen Einflüsse“ von Christen in Nigeria. Er sei auch eine Reaktion auf Militäreinsätze des Westens in Irak und Afghanistan, die „im Namen der Christenheit“ geführt worden seien. Shekau hatte sich zuvor damit gebrüstet, dass die entführten Schülerinnen für umgerechnet neun Euro als „Sklavinnen“ an Muslime veräußert und zwangsverheiratet würden. Damit gelten sie als Musliminnen. Shekau: „Es gibt einen Markt für Mädchen. Ich werde sie auf dem Markt verkaufen. Allah will es so.“

Kirchenleiter: Boko Haram unterwandert den Staatsapparat

Unterdessen hat der Präsident der 180.000 Mitglieder zählenden protestantischen „Kirche der Brüder“ in Nigeria, Pastor Samuel Dali (Mubi/Bundesstaat Adamawa), schwere Anschuldigungen gegen die staatlichen Behörden erhoben. Weite Teile des Staatsapparats, besonders des Militärs und der Polizei, seien von Boko Haram unterwandert, sagte er gegenüber der britischen Rundfunkanstalt BBC. Sicherheitskräfte reagierten daher oft zu spät auf Warnungen vor Terroranschlägen. Viele Christen fragten sich, ob die verschleppten Mädchen trotz der internationalen Unterstützung bei der Suche jemals wieder freikämen. Die Schülerinnen stammen zum größten Teil aus Familien der Kirche der Brüder. An der Spitze des westafrikanischen Staates steht der christliche Präsident Goodluck Jonathan.

Katholische Kirche veröffentlicht Opferstatistik

Die katholische Kirche in Nigeria hat jetzt eine Opferstatistik veröffentlicht. Danach sind den Anschlägen von Boko Haram seit 2009 mindestens 500 erwachsene Katholiken und 170 katholische Kinder zum Opfer gefallen. 300 Frauen seien zu Witwen geworden und 1.500 Kinder zu Waisen. 50 Kirchen und Gebetsräume wurden niedergebrannt. Von den 169 Millionen Einwohnern des westafrikanischen Nigerias sind etwa 50 Prozent Muslime und 48 Prozent Christen. Die übrigen sind Anhänger von Naturreligionen.


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