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29. August 2014 in Interview, 2 Lesermeinungen
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Erzbischof Nona von Mossul: „Dazu gehört auch, die unterstützenden Staaten der Terrorgruppe offen beim Namen zu nennen.“ – Er hatte enge Freunde unter moderaten Muslime, „bis heute hat sich niemand nach mir erkundigt“. Von Christoph Scholz (KNA)


Berlin (kath.net/KNA) Der chaldäisch-katholische Erzbischof von Mossul, Emil Schamoun Nona (Archivfoto), hat sich für einige Tage auf Einladung der Diözese Essen in Deutschland aufgehalten. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) zeichnet er ein dramatisches Bild der Lage im Nordirak. Der 46-Jährige ist seit 2010 Erzbischof der nordirakischen Millionenmetropole. Sein Vorgänger wurde 2008 entführt und ermordet. Nun haben die Extremisten der Gruppe «Islamischer Staat» (IS) den Sitz der Erzdiözese als Hauptquartier genommen.

KNA: Herr Erzbischof, wie ist die derzeitige Lage der christlichen und jesidischen Flüchtlinge im Nordirak?

Nona Sie ist katastrophal. Und sie droht noch schlimmer zu werden. Die mehr als 100.000 vertriebenen Christen und Angehörige anderer Minderheiten aus Mossul und den christlichen Dörfern leben nun in Erbil und der Umgebung.

KNA: Wie sind die Lebensbedingungen?

Nona Die Menschen konnten nur mitnehmen, was sie am Leib trugen. Es fehlt an allem, Wasser, Lebensmittel, Wohnraum. Sie sind in leerstehenden Gebäuden, öffentlichen Schulen oder Kirchen untergekommen. 30 bis 40 Personen teilen sich ein Klassenzimmer. Viele leben auf der Straße, und das bei bis zu 50 Grad Celsius. Nachts schlafen sie auf dem nackten Boden. Bald kommt die Regenzeit. Dann wird es noch dramatischer.

KNA: Wie ertragen die Schutzsuchenden die Situation?

Nona Viele sind völlig verzweifelt. Sie sehen für sich keine Zukunft mehr im Irak, vor allem die jüngeren. Mossul war stets eine gefährliche Stadt. Die Christenverfolgung begann 2003. Doch noch nie war es so schlimm wie jetzt. Erstmals seit 2.000 Jahren droht die christliche Präsenz in der Ebene von Ninive zu verschwinden.


KNA: Wie ging die Vertreibung vor sich?

Nona In Mossul waren 53.000 hochgerüstete Soldaten der irakischen Armee. Sie verließen die Stadt innerhalb von einer halben Stunde, die Kommandeure mit dem Flugzeug. Anfangs waren gerade mal 500 IS-Kämpfer in der Stadt, später dann 3.000. Ich kann es mir bis heute nicht erklären.

KNA : Was geschah mit den Christen?

Nona Sie fanden am Morgen das «N» für Nazarener/Christ an ihre Haustür geschrieben. Innerhalb von zwei Stunden mussten Zehntausende Christen ihre Häuser und Wohnungen verlassen und durften nur mitnehmen, was sie am Leib trugen. Betagte, Kranke, Frauen, Kinder musste bis zu sechs Stunden zu Fuß in die kurdischen Gebiete laufen. Als sie ankamen, waren sie völlig entkräftet.

KNA: Trat niemand für sie ein?

Nona In etlichen Fällen war es so, dass die muslimischen Nachbarn, mit denen man über Jahrzehnte Tür an Tür lebte, die Wohnungen als erste plünderten. Viele sind dadurch noch tiefer verletzt und traumatisiert als durch den IS. In einem unserer Klöster betreute ein Muslim 30 Jahre die Pforte. Als der IS kam, bereitete er alle Traktoren vor, um sämtliches Hab und Gut mitzunehmen.

KNA: Wie stand es um die moderaten Muslime?

Nona Ich hatte sehr enge Freunde unter ihnen: Ärzte, Rechtsanwälte. Bis heute hat sich niemand nach mir erkundigt.

KNA: Was ist mit Ihrem Bischofssitz in Mossul?

Nona Die IS-Terroristen haben ihn als Hauptquartier genommen. Sie haben viele kirchliche Einrichtungen oder Kirchen als Depots, Quartiere oder Gefängnis übernommen, auch um sich besser vor Bombenangriffen zu schützen. In Mossul sind weniger als eine Handvoll Christen verblieben und einige Familien in den Dörfern. Mein Bischofssitz ist jetzt das Auto, mit dem ich die Flüchtlinge aufsuche.

KNA: Was erwarten Sie von den moderaten geistlichen Führern der Muslime?

Nona Von muslimischen Führern hat bislang keiner die Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Brutalität der IS verurteilt. Also haben sie entweder Angst, oder sie akzeptieren es.

KNA: Was kann Europa und Deutschland tun?

Nona Neben der dringend benötigten Nothilfe brauchen wir eine Perspektive. Sonst werden die Menschen sich auf die Flucht machen. In diesen unwürdigen Verhältnissen können sie nicht bleiben.

KNA: Wie steht es mit Waffenlieferungen?

Nona Mir fällt es schwer, das Zögern zu verstehen.

KNA: Wie schätzen Sie den IS ein?

Nona Der IS wird massiv wirtschaftlich und finanziell vom Ausland unterstützt. Sie haben eine religiöse Basis in der Tradition des Islam und eine hoch professionelle Propaganda. Die unerhörte Grausamkeit gehört mit zu ihrem Vorgehen. Am brutalsten sind die langbärtigen Kämpfer aus dem Ausland, auch aus Europa, Tschetschenien, Libyen, Großbritannien, Deutschland. Sie sind wie eine mobile Sondereinheit.

KNA: Welche Verantwortung hat Deutschland?

Nona Deutschland gilt als starkes Land. Es sollte sich mutiger einmischen. Dazu gehört auch, die unterstützenden Staaten der Terrorgruppe offen beim Namen zu nennen. Das Wichtigste im Kampf gegen die Terroristen ist es, die Wahrheit auszusprechen. Für uns Christen bedeutet das, dass wir uns wirklich als überzeugte Christen zeigen. Deshalb haben wir uns geweigert, die Kopfsteuer zu zahlen oder zu konvertieren.

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(C) 2014 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Archivfoto Erzbischof Amil Shamaaoun Nona in einer nun verlassenen Kirche in Mossul (2011) (c) KIRCHE IN NOT


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Lesermeinungen

 speedy 29. August 2014 
 

es mischt sich schon ein, indem es mehr Waffen verkaufen will- vielleicht geht der Schuss nach hinten los, ich hoffe sie wollen genauso viele Verbandskästen verkaufen,


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 huegel76 29. August 2014 

Gehört IS zum Islam?

Wenn ich das von Erzbischof Nona beschriebe Verhalten muslimischer Ex-Nachbarn und Freunde betrachte, fällt es mir schwer, das Gegenteil zu glauben.


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