Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Kardinal Burke kritisiert liturgische Änderungen nach dem II. Vatikanischen Konzil
  2. Papst an Ministranten: Denkt über Priesterberuf nach
  3. "Katholischer Medienpreis" der DBK für "korrektive Fake News"
  4. Lebensschutz ist und bleibt ein Kernthema für Christen
  5. Offensichtlich geht es heute auch ohne Religion
  6. Ist der Begriff „Neger“ mit dem des „parasitären Zellhaufens“ verfassungsrechtlich vergleichbar?
  7. 'Ich bin Protestant und glaube an die Realpräsenz der Eucharistie'
  8. Großbritannien: Junge Menschen kehren in die Kirchen zurück
  9. Die deutsche Versuchung, selbst ins Autoritäre abzugleiten!
  10. Papst Leo XIV. betet für die Opfer des Attentats auf eine katholische US-Schule
  11. Sozialethiker Rhonheimer: Jesus war kein Kapitalismuskritiker
  12. USA werden im Jahr 2100 ein katholisches Land sein
  13. Das einzige Land mit der Bibel auf seiner Flagge
  14. „Schick diese Artikel gerne an alle neugierigen und fragenden Freunde weiter!“
  15. Wir sind hier, um der Welt zu erklären, dass auch Wladimir Putin für seine Verbrechen bezahlen muss"

Vision eines erweiterten Europa mit zwei Lungenflügeln

25. November 2014 in Chronik, 3 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Als der Papst in Straßburg mehr Platz fürs Christentum forderte. Von Johannes Schidelko (KNA)


Vatikanstadt (kath.net/KNA) Es war eine Rede mit einer Vision - und sie begann mit einem ganz irdischen Paukenschlag. Bevor Johannes Paul II. vor dem Europaparlament in Straßburg am 11. Oktober 1988 sein Plädoyer für ein freies, geeintes und nach Osten und Süden offenes Europa entfaltete, sprang in der hintersten Reihe der nordirische Pastor Ian Paisley auf. Er schwenkte ein rotes Plakat mit der Aufschrift «Antichrist» und wetterte mit heiserer Stimme gegen das katholische Kirchenoberhaupt. Aus dem Plenarsaal flogen Papierknäuel in Richtung des protestierenden Presbyterianers - bis Parlamentspräsident Lord Plumb den exzentrischen Einzelkämpfer des Hauses verwies.

Den Papst am Rednerpult irritierte der Zwischenfall offensichtlich wenig. Er entfaltete in Ruhe seine Vorstellung von einem künftigen Europa. Den 500 Parlamentariern aus damals noch zwölf Mitgliedsländern stellte er sich mit den Worten vor, er komme aus Zentraleuropa und kenne die Erwartungen der «slawischen Völker - dieser anderen Lunge unserer europäischen Heimat». Sein Wunsch als oberster Hirte der Universalkirche sei es, «dass Europa sich souverän freie Institutionen gibt und eines Tages sich in die Dimensionen entfalten kann, die die Geografie und mehr noch die Geschichte ihm gegeben haben».


Dabei könne man Gott nicht ausklammern, so der Papst. Immerhin habe «die vom christlichen Glauben inspirierte Kultur die Geschichte aller Völker unseres einen Europa zutiefst geprägt», und zwar «allen Wechselfällen zum Trotz und jenseits gesellschaftlicher und ideologischer Systeme».

Entschieden wandte sich Johannes Paul II. gegen einen religiösen Integralismus, der mit dem «Genius Europa, so wie ihn die christliche Botschaft geformt hat, unvereinbar» sei. Man müsse klar unterscheiden zwischen dem «Bereich des Glaubens und dem des bürgerlichen Lebens». Zudem stellte er klar, dass der Zusammenschluss nicht die Identität seiner Völker gefährden dürfe. Nachdrücklich erinnerte er Europa an seine Verpflichtung für die Entwicklungsländer; es dürfe sich «nie im Egoismus verschließen».

Mit seiner Rede in Straßburg konkretisierte Johannes Paul II. seine Vision von Europa, die er schon zuvor mehrfach entfaltet hatte. Die Kirche ermutige zu einem Europa, das für Frieden und Zusammenarbeit stehe; in dem die Sensibilität für Menschenrechte und den Wert der Demokratie gewachsen seien. Ein solches Europa dürfe nicht bei wirtschaftlicher Zusammenarbeit stehenbleiben. Für seinen Zusammenhalt brauche es eine Seele und einen Geist. Gläubige wie Nichtglaubende sollten sich vor Augen halten, wohin der Ausschluss Gottes aus dem öffentlichen Leben führen könne, wenn man Gott als letzte Instanz der Ethik und als «höchste Garantie gegen alle Missbräuche der Macht des Menschen über den Menschen» ausklammern wolle.

Immer wieder seit Beginn seines Pontifikates 1978 brachte Johannes Paul II. die Idee eines geeinten Europa «vom Atlantik bis zum Ural» ins Gespräch. Eines Europa, das nach der Überwindung der Gegensätze zwischen den Staaten und Machtblöcken geschaffen werden könne und für das er sich mit seiner Unterstützung und Begleitung der polnischen Gewerkschaft «Solidarnosc» persönlich einsetzte - letztlich mit Erfolg. Dabei war Johannes Paul II. überzeugt, dass der Zusammenbruch des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa nur eine Frage des Wann und nicht des Ob sei.

Bereits zu Beginn der 70er Jahre hatte er deutsche Bischöfe bei deren Besuch in seiner Bischofsstadt Krakau irritiert, als er beharrlich fragte, was die Kirche nach dem Fall des Kommunismus unternehmen müsse. Für ihn schien es offenbar gar kein Problem mehr, wie überhaupt dieser Zusammenbruch zustande kommen könnte. Diese Position bezeichneten seine Gesprächspartner anschließend als etwas weltfremd. Doch die Geschichte gab ihm Recht.

Der maßgebliche Beitrag Johannes Pauls II. zum Sieg der Solidarnosc und zum Ende des Ostblocks wurde auch von seinem ideologischen Gegenspieler im Kreml, Michail Gorbatschow, anerkannt. Die visionäre Rede vor dem Europaparlament in Straßburg ein Jahr vor dem Fall der Mauer war dafür eine wichtige Etappe.

(C) 2014 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Johannes Paul II.

  1. Als Papst Johannes Paul II. gegen die „gay pride“ Parade in Rom protestierte
  2. Studie entdeckt ‚Johannes Paul II. – Effekt‘ auf Geburtenrate in Lateinamerika
  3. Die geheimnisvolle Nonne, die half, die Ermordung von Papst Johannes Paul II. zu verhindern
  4. ‚Veritatis splendor – der 30. Jahrestag einer vergessenen Enzyklika’
  5. IRRE! - Theologe der 'Päpstlichen Akadamie für das Leben' für Abtreibung bis Schmerzempfinden
  6. Unfassbar - Weiteres Mitglied der "Päpstlichen Akademie für das Leben" für Abtreibung
  7. Wie im Vatikan das Erbe von Johannes Paul II. zerstört wird
  8. 13. Mai: vor 105 Jahren das Geheimnis von Fatima
  9. Dziwisz 40 Jahre nach Papst-Attentat: Höre die Schüsse noch immer
  10. Der Papst war unbequem






Top-15

meist-gelesen

  1. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  2. Oktober 2025 mit kath.net in MEDJUGORJE mit P. Leo MAASBURG
  3. 'Ich bin Protestant und glaube an die Realpräsenz der Eucharistie'
  4. Das einzige Land mit der Bibel auf seiner Flagge
  5. Kardinal Burke kritisiert liturgische Änderungen nach dem II. Vatikanischen Konzil
  6. Großbritannien: Junge Menschen kehren in die Kirchen zurück
  7. "Katholischer Medienpreis" der DBK für "korrektive Fake News"
  8. Die deutsche Versuchung, selbst ins Autoritäre abzugleiten!
  9. USA: Dominican Sisters of St. Cecilia heißen dieses Jahr 21 Postulantinnen willkommen
  10. Lebensschutz ist und bleibt ein Kernthema für Christen
  11. Ist der Begriff „Neger“ mit dem des „parasitären Zellhaufens“ verfassungsrechtlich vergleichbar?
  12. Papst an Ministranten: Denkt über Priesterberuf nach
  13. US-Erzdiözese Denver: Pfarreien nominieren 900 junge Männer für das Priestertum
  14. Papst Leo XIV. betet für die Opfer des Attentats auf eine katholische US-Schule
  15. Wie zwei Konvertiten spannend den Glauben vermitteln

© 2025 kath.net | Impressum | Datenschutz