Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „Drohende Worte von Kardinal Roche: Besucht nicht die überlieferte lateinische Messe!“
  2. Warum bei dem hohen Aufkommen an Bischöfen in Deutschland eine solch vehemente Entchristlichung?
  3. Freikirche oder katholische Kirche? Überlegungen eines Konvertiten
  4. Am Grab des Petrus – Die diesjährige Romwallfahrt Ad Petri Sedem
  5. Steigende Zahl erwachsener Taufbewerber in ostdeutschen Städten, aber...
  6. „Menschen können die Kirche weder reformieren noch nach eigenem Gutdünken eine neue gründen“
  7. „Als Bischof ist es meine Pflicht, den Glauben der Kirche zu verkünden“
  8. Priester spendete bei Zugunglück in Spanien die Generalabsolution, tröstete Opfer und Angehörige
  9. Nach Christus-Verhöhnung: CDU-Politikerin Bosbach legt Beschwerde gegen Jan Böhmermann ein
  10. „Wir werden erwartet“
  11. Zisterzienserpater Isaak Maria Käfferlein aus Neuzelle: „Getauft sein reicht nicht!“
  12. Wie Halloween begann: Das Fest wurzelt in einem großen Exorzismus
  13. Auf zu den Friedhöfen! Wir bitten für unsere Verstorbenen um Gottes Gnade!
  14. ‚Entschuldigung, aber … was?‘
  15. Neuerlich umstrittene Ehrung durch Kardinal Cupich

Der Islam braucht keinen Luther – er bräuchte einen Jesus

27. November 2014 in Chronik, 6 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Denn ein Luther würde dem Islam überhaupt nichts nutzen. Gastkommentar von Sebastian Moll (The European)


Mainz (kath.net/The European) In seinem mittlerweile schon berüchtigten „Focus“-Artikel über den Islam stellt Michael Klonovsky insgesamt acht Thesen auf, von denen die achte lautet: Der Islam braucht einen Luther. Nicht ohne Grund hat der Autor diese These an das Ende seines Aufsatzes gestellt, richtet sie doch den Blick in die Zukunft, während die übrigen Thesen eher die Vergangenheit und Gegenwart des Islams beschreiben. Gerade deshalb erscheint sie mir als die wichtigste These des Artikels, gerade deshalb erscheint es mir aber auch wichtig, sie zu korrigieren. Denn ein Luther würde dem Islam überhaupt nichts nutzen.

Was Luther wollte

In einer Zeit, in der Margot Käßmann zur Luther-Botschafterin avancieren kann, obwohl sie mit dem großen Reformator ungefähr so viel gemein hat wie Harald Glööckler mit Caravaggio, ist es von enormer Wichtigkeit, sich die Ereignisse des 16. Jahrhunderts einmal genauer vor Augen zu führen.

Klonovsky hat ja zunächst einmal Recht, dass Luther durch seine Theologie entscheidend zur modernen Trennung von Staat und Kirche beigetragen hat. Luther führte aber, auch wenn ihm dies von der katholischen Kirche natürlich stets vorgeworfen wurde, keine neue Lehre ein, sondern ging lediglich zu den Quellen zurück, zu Christus selbst. Er verordnete der mittelalterlichen Kirche, in der viel vom ursprünglichen Evangelium verdunkelt worden war, eine Rückbesinnung auf den Ursprung, eine Re-Formation im eigentlichen Sinne des Wortes. Ist es das, was der Islam braucht? Kann man den Islamisten tatsächlich vorwerfen, dass sie sich nicht genügend auf den Propheten zurückbesinnen?


Die Verteidiger des Islams weisen zwar mit ermüdender Redundanz darauf hin, dass es auch in der Geschichte des Christentums schreckliche Gewalt gegeben habe. Niemand möchte das bestreiten. Aber es gab sie in der Geschichte, nicht im Ursprung. Wer zu Christus selbst zurückkehrt, wird bei ihm weder in seinem Leben noch in seinen Worten Mord und Totschlag finden. Er durchlebt das Martyrium, aber als passiv Ertragender, nicht als heroischer Krieger. Dies hat dem Christentum immer wieder aufs Neue die Kraft verliehen, sich von innen heraus zu reformieren. Aber das ist bei weitem nicht der einzige Unterschied zwischen Christentum und Islam.

Was Wulff nicht versteht

Vor wenigen Wochen wurde Christian Wulff mit dem Toleranzpreis der evangelischen Akademie Tutzing ausgezeichnet. Wer glaubte, unser ehemaliger Bundespräsident habe seinerzeit bereits mit seinem berühmten ZDF-Interview neue Maßstäbe medialer Peinlichkeit gesetzt, sah sich nun eines Besseren belehrt. In seiner Dankesrede zu diesem Preis sprach Wulff die denkwürdigen Worte: „Sie [Christen und Muslime] glauben alle an den einen Gott, der die Welt und alle Menschen erschaffen hat. Sie teilen den Auftrag, die Schöpfung zu achten und zu bewahren. Und sie glauben an das Jüngste Gericht und damit daran, dass sie einmal Rechenschaft abzulegen haben für ihr Tun auf Erden. Bei so vielen Gemeinsamkeiten sollte es eigentlich sogar leicht sein, die Unterschiede zu ertragen.“

Wieder einmal zeigen sich die fatalen Auswirkungen der Käßmannisierung des christlichen Glaubens. Wer letzteren auf das Motto „Seid nett zueinander und spart Energie“ reduziert, übersieht mitunter die doch erheblichen Unterschiede zwischen Christentum und Islam.

Das Christentum basiert, wie sein Name bereits hintergründig andeutet, auf Jesus Christus, dem fleischgewordenen Worte Gottes. Die Inkarnation ist keine bloße Lehrformel der Dogmatik, erst durch sie wird christliche Ethik überhaupt möglich. Der Islam lehnt die Vorstellung der Menschwerdung Gottes als blasphemisch ab. Allein deshalb kann, Wulffs salbungsvollen Worten zum Trotz, niemals von überwiegenden Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam gesprochen werden. Aber nicht nur das: Durch eben diese Ablehnung ist es dem Islam verwehrt geblieben, ein Menschenbild zu entwickeln, dass dem christlichen ähnelt. Der Islam möchte, wie Klonovsky in seiner ersten These richtig sagt, das gesamte Leben der Gläubigen durch ein umfassendes Regelwerk kontrollieren. Aus diesen Zwängen hat Jesus die Christen befreit. Auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot antwortet er:

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Jesus bringt es auf den Punkt

Das gesamte Alte Testament in zwei Sätzen zusammenzufassen – das will gekonnt sein! Aber Jesus war nicht einfach nur ein wortgewandter Prediger, dem die Gabe der Vereinfachung zuteil war. In ihm und durch ihn wird erst wahr, dass Gottesliebe und Menschenliebe zwei Seiten derselben Medaille sind. Dadurch, dass Gott in Christus Mensch wurde, kann ich Gott in meinem Nächsten erkennen. „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“, bringt es Jesus auf den Punkt. „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“, lautet die prägnante Antwort des Neuen Testaments auf die offenbarte Gnade Gottes.

Gott hat sich selbst erniedrigt, um den Menschen zu erhöhen. Diese Wertschätzung, dieser ungeheuerliche Vertrauensbeweis war es, der es den Christen ermöglichte, allein aus der Liebe heraus zu leben, die kleinlichen Kultvorschriften hinter sich zu lassen und ohne Gewissensnot dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist. Ob sich der Islam auch einmal dorthin entwickelt? Jedenfalls wäre ihm ein Luther dabei keine Hilfe.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Islam

  1. Ist der Islam ‚eine alternative Form des byzantinischen Christentums‘?
  2. Meloni kündigt Burka- und Niqab-Verbot, Ausländerquoten an Italiens Schulen an
  3. Der 11. September und die Notwendigkeit eines kämpferischen Christentums
  4. Zwei muslimische Feiertage könnten bald in Kalifornien staatlich anerkannt werden
  5. Ehemaliges Priesterseminar auf Long Island soll muslimisches Internat werden
  6. 'Weil die andere Option darin bestand, in der Hölle zu brennen, ewig an meinen Haaren aufgehängt.'
  7. Historiker Raymond Ibrahim: Kreuzzüge waren Antwort auf islamische Aggression
  8. Berliner Studie: 41 Prozent der islamischen Neuntklässler geben religiösen Regeln Vorzug
  9. Dokumentation zeigt die Islamisierung Birminghams
  10. Italienischer Bischof ruft zur Evangelisierung von Muslimen auf – Unterstützung von Konvertiten







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Medienpolitik: Bald verpflichtende Quote für öffentlich-rechtliche Inhalte in sozialen Netzwerken?
  3. Medjugorje: Erster Mariologie-Kongress mit Beteiligung des Vatikans
  4. Norwegen: Daniel (18) hielt Gott für einen Mythos – heute geht er jeden Sonntag in die Kirche
  5. Warum bei dem hohen Aufkommen an Bischöfen in Deutschland eine solch vehemente Entchristlichung?
  6. Nicht Anpassung, sondern Verwandlung. Was die Kultur dem Christentum verdankt
  7. Zisterzienserpater Isaak Maria Käfferlein aus Neuzelle: „Getauft sein reicht nicht!“
  8. Neuerlich umstrittene Ehrung durch Kardinal Cupich
  9. Neue Vatikan-Kommunikationschefin Montserrat Alvarado gibt Einblick in ihre Ideen
  10. „Alles wieder in den Urzustand versetzen“: Das Oxford Oratory wird wieder einen Hochaltar errichten
  11. Wenn das Scrollen in die Gnade eintaucht
  12. Äthiopien: Mehr als 60 Tote bei Angriffen auf Christen
  13. Venezuela: Machado kehrt zurück und besucht Marienheiligtum
  14. Waffenruhe für Oleschky: Papst-Appell für besetzte Stadt greift
  15. Kardinal Fernández räumt geringes Interesse an seinem Dokument über Mission ein

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz