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Lehre und Lebenswelt

27. Mai 2015 in Kommentar, 1 Lesermeinung
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Wer schlägt eigentlich eine Brücke und von wo nach wohin? Geht es der ZdK-Formulierungs-Akrobatik möglicherweise um Bau einer mehrspurigen Einbahnstraße von Lebenspraxis der „Welt“ in Lehre und Praxis der Kirche? Gastkommentar von Michael Schäfer


Bonn (kath.net) Eine Brücke zu bauen von der Lehre der Kirche zur Lebenswelt des heutigen Menschen; das ist der Anspruch des jüngsten Textes des Zentralkomitees der „Deutschen Katholiken“ – ein wahrhaft „pontifikaler“ Anspruch, könnte man schmunzelnd hinzufügen.

Aber zum Schmunzeln ist weder dieser Anspruch noch die Art und Weise, wie die Spitze der deutsch-katholischen Räterepublik ihn einzulösen gedenkt.

Die ganze Brückenkonstruktion funktioniert nämlich nur, wenn man „Lehre“ und „Lebenswelt“ als ein Gegensatzpaar versteht, analog zu „Theorie“ und „Praxis“. Recht eindeutig ist dabei die Rolle der kirchlichen Lehre: blutleer, dogmatisch und lebensfremd – reine Theorie eben. Die Schwierigkeiten beginnen dort, wo man das Wort „Lebenswelt“ inhaltlich verstehen möchte. Ist es ganz allgemein die Welt, in der wir leben? Oder die konkrete Lebenspraxis in Bezug auf Ehe und Familie? Wenn letzteres: die Lebenspraxis der Katholiken oder diejenige des durchschnittlichen „Weltmenschen“?

Und wer ist hier eigentlich der „Pontifex“, der Brückenbauer? Das Zentralkomitee als Vertretung von „Kirche“ (ohne Artikel)? Oder doch „die Kirche“? Falls letzteres: Muss die Kirche dann quasi selbst eine Brücke von ihrer Lehre zur „Lebenswelt“ bauen? Warum aber hat sie dann eine solche „Lehre“, von der aus man erst wieder Brücken zur „Lebenswelt“ bauen muss, anstatt sie einfach in der Welt zu leben? Liegt es daran, dass die Lehre zu theoretisch ist? Oder ist vielleicht doch die Praxis zu leer?


Fragen über Fragen, könnte man meinen und die Sache für kompliziert halten. Das ist sie aber gar nicht. Kompliziert wird alles nur – wie so oft im Leben! – weil an der Wurzel der ganzen Angelegenheit eine Lüge steht. Mitnichten geht es bei der ganzen Formulierungs-Akrobatik des Zentralkomitees um irgendeinen Brückenschlag. Sondern schlicht um den Bau einer mehrspurigen Einbahnstraße von der durchschnittlichen Lebenspraxis der „Welt“ in Lehre und Praxis der Kirche.

Versuchen wir ein wenig aufzuräumen.

Da ist zunächst die scheinbar ach so neue „Lebenswelt“, mit der sich die kirchliche Lehre auseinanderzusetzen habe. Bei Licht besehen ist nichts daran auch nur ansatzweise neu. Sexualität ohne Bindung, Partnerschaft ohne Trauschein, Prostitution, offen gelebte Homosexualität – nichts davon hat es nicht zu irgendeiner Zeit auch als gesellschaftliches Massenphänomen gegeben. Neu ist auch nicht, dass Menschen die kirchliche Lehre wegen ihrer Klarheit in diesen Fragen abgelehnt haben. Ein wenig neu ist bestenfalls die Tatsache, dass es ein gewisses Bedürfnis zu geben scheint, auf jede noch so weit von dieser Lehre abweichende Praxis einen kirchlichen „Wertschätzungs“-Stempel drücken zu wollen.

Weit schwerwiegender als dieses Phantom der neuen Lebenswelt ist das Zerrbild, das in der Brückenkonstruktion des ZdK von der kirchlichen Lehre gezeichnet wird. Sie ist nämlich alles andere als eine Theorie. Sie hat ihren Ursprung in dem, der von sich sagt, dass er das Leben selbst ist. Und sie ist beglaubigt und gesättigt durch die ihr folgende Lebenspraxis der großen und kleinen, der bekannten und der unbekannten Heiligen der christlichen Jahrhunderte. Sie war in Bezug auf Ehe und Sexualität immer Stein des Anstoßes und es war nie leicht, ihr zu folgen. Aber sie hat die Verkündigung Jesu und bereits der frühesten uns bekannten christlichen Zeugnisse auf ihrer Seite, während das Zentralkomitee in seinem Pamphlet nicht einmal mehr den Versuch unternimmt, die eigenen Forderungen mit der Hl. Schrift oder der kirchlichen Tradition zu begründen.

Im Gegensatz zu seiner Perversion durch das ZdK lässt sich das Bild vom Brückenschlag sehr wohl christlich deuten. In dieser Deutung ist die Lehre selbst eine, ja die Brücke: von der vergänglichen, gebrochenen Lebenswelt zum wahren, unvergänglichen Leben des Reiches Gottes. Lehrmeister auf dem Weg über diese Brücke ist nicht irgendein Verein, der behauptet „Kirche“ zu sein, sondern die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche unseres Herrn Jesus Christus. Und der amtierende oberste Brückenbauer (Pontifex Maximus) ist nicht Herr Glück, sondern Papst Franziskus. Zum Glück.

Dr. phil. Michael Schäfer war Mitarbeiter am Romano-Guardini-Lehrstuhl der LMU München und arbeitet heute in der Geschäftsführung einer in Stuttgart ansässigen, international tätigen Unternehmensberatung. Er führt den Blog summa-summarum.blogspot.de.


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Lesermeinungen

 Charlene 27. Mai 2015 

Vespers Erfolg

Schäfers Analyse enthüllt das ZdK-Erfolgsrezept. Der Beitrag zieht der Worthülse des Zentralkomitees die Hosen herunter. Was zuvor so wohl klang, scheppert jetzt nur noch misslich im Ohr. Es war eine Worthülse von hunderten. In deren Produktion ist Vespertruppe meisterhaft. Der Routinier setzt solche Worthülsen am laufenden Band in die Welt. Das ist viel einfacher, als ernsthaft einen Gedanken zu erarbeiten und durchzudenken. Es ist schier nicht zu leisten, dem Herumgequäke der Komitee-Schalmeien regelmäßig richtige Musik entgegenzusetzen. Umso herzlicheren Dank der Arbeit Herrn Dr. Schäfers.


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