08 Juli 2015, 10:45
Dritter Akt: Als das Gay-Bild bei Radio Vatikan wieder verschwand
 
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Deutschsprachige Abteilung von Radio Vatikan bietet derzeit bei einem Gay-Artikel ein spannendes Sommertheater. Zum Hauptakteur entpuppt sich dabei P. Bernd Hagenkord, der in seinem Blog Kritiker als „krank“ bezeichnet. Ein Kommentar von Roland Noé

Linz (kath.net)
Das Drehbuch im Sommertheater der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan rund um einen Homo-Artikel und ein merkwürdiges Bild ist durchaus spannend. Zuerst wird bei einem umstrittenen Artikel über das Lieblingsthema von gewissen Journalisten mit einem entsprechenden gekauften Bild einer Agentur bewusst provoziert. Dass es hier Reaktionen von Zuhörern und Lesern von Radio Vatikan geben würde, war so klar wie das Amen wie in der Kirche. Schnell hatte sich das einmalige Vorgehen auch im Vatikan selbst rumgesprochen. Es folgten Interventionen.

Akt 2 im Sommertheater: Der Artikel musste wieder runter, das Bild auch. Jetzt folgte eine Publikumsbeschimpfung durch Pater Bernd Hagenkord SJ, der wieder einmal auf seinem privaten Blog bei „Radio Vatikan“ Kirchenpolitik machen möchte. Nein, ein Skandal ist das Bild für P. Hagenkord keines. Immerhin gibt er zu, dass es „ vielleicht nicht allzu klug gewählt“ ist. Keine Frage: Es gibt sicherlich Bilder, die skandalöser sind und in Zeiten wie diesen regt so ein Bild, dass man fast täglich in verschiedensten Medien sieht, nur mehr bedingt auf. Da haben gläubige Katholiken wirklich größere und andere Sorgen.

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Das Tragische ist aber trotzdem, dass Hagenkord mit seiner Agitation genau das Gegenteil von dem betreibt, was Papst Benedikt bei seiner bekannten Deutschland-Rede in Freiburg gefordert hat. Der Jesuitenpater betreibt nicht Entweltlichung sondern huldigt dem Weltgeist. Besonders bizarr ist die Rechtfertigung von Hagenkord in seinem Blog. Dort beschwert er sich über den Tonfall von Reaktionen. Zugegeben: Jeder weiß, dass hier manche schnell übers Ziel hinausschießen. „Es war der Tonfall, der uns überfiel und der mich überraschte“, schreibt der Chef der deutschsprachigen Abteilung dann und meint, dass einige Menschen da draußen „wirklich ganz übel fixiert“ sind und diese es nicht ertragen können, dass manche Menschen anders sind. Doch wer ist hier fixiert? Die Menschen, die sich über die offensichtliche dumme Provokation aufregen, oder katholische Journalisten, die hier etwas pushen möchten und bei ihrem Lieblingsthema „Homosexualität“ sich nicht an der Lehre der Kirche orientieren?

Zum Tonfall selber findet man in seinem Blog übrigens ein interessantes Phänomen. P. Hagenkord lässt ohne Probleme unter anderem folgende Zitate von Usern veröffentlichen: „Diese Leute sind einfach ein Fall für den Psychiater“ oder „Wer so widerlich gegen Homosexuelle etc. hetzt, hat ein Problem mit seiner eigenen Homosexualität.“ oder „Dieses rechtsradikale Gehetze wird sich nicht einfach so legen.“ Hagenkord meint dann in einer Antwort, dass er die Kritik zwar nicht als rechtsradikal einstufe. Aber zumindest „krank“ seien die Kritiker schon. Am Ende seines Blogbeitrags meint der Jesuitenpater dann, dass innerkirchlich der Ton rauer werde und dass man selber aber nicht dieses Spiel mitmachen möchte. Natürlich, aber als Kranker darf man Kritiker natürlich beschimpfen. Dazu sei nur auf ein Zitat von Hagenkord aus seinem Blog verwiesen: „Was das mit Nächstenliebe oder auch nur normalem zwischenmenschlichen Verhalten zu tun haben soll, entzieht sich mir.“

Unabhängig von diesem schlechten Sommertheater sollte man durchaus einmal einige Grundsatzfragen stellen. Wie ist es möglich, dass ein Jesuitenpater auf einer offiziellen Website des Vatikans seine Privatmeinung veröffentlichen und Katholiken, die übrigens durch den Kirchensteuerbeitrag die deutschsprachige Abteilung von Radio Vatikan mitfinanzieren, verunglimpfen darf? Denn der Blog von Hagenkord ist ein Unikum. So etwas gibt es bei keiner anderen Stelle des Vatikans. Hagenkord sollte sich besser früher als später daran erinnern, dass Radio Vatikan nicht dazu dient, persönliche Meinungen zu verbreiten, sondern aus dem Vatikan und über die Weltkirche zu berichten. Radio Vatikan hat in den verschiedensten Sprachabteilungen (auch in der deutschsprachigen!) großartige Journalisten, die sich für Papst und Kirche engagieren. Nur in so mancher Ecke bei der deutschsprachigen Abteilung ist offensichtlich ein Hund begraben. Was würde Papst Franziskus denken, wenn er derartiges sehen würde?

Wir befinden uns jetzt übrigens im 3. Akt des Sommertheaters. Der Artikel ist aktuell online, das Bild musste wieder entfernt werden. Was würde jetzt noch fehlen? Vielleicht die übliche Publikumsbeschimpfung durch Pater Hagenkord? Oder wie wärs zur Abwechslung einmal mit einem Mea Culpa?

Links:
- Beitrag von Pater Hagenkord im "Laudetur Jesus Christus. Radio Vatikan Blog"

- Der Radio-Vatikanartikel steht derzeit ohne das umstrittene Foto online: Moraltheologe: „Kirchliche Sexualmoral ist in Bewegung“


Foto oben (c) Radio Vatikan/Screenshot







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