Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Wie die Piusbrüder - Linker belgischer Bischof plant weiterhin verbotene Weihen
  2. Ist der Islam ‚eine alternative Form des byzantinischen Christentums‘?
  3. Vatikan genehmigte 2025 in 34 Diözesen die Feier der Alten Messe in Pfarrkirchen
  4. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  5. 'Amoris Laetitia' oder das Lehramt, das sich selbst abschafft
  6. Asymmetrisch blinder Blick auf die deutsche Landschaft
  7. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  8. „Das Ende von Maria 2.0“
  9. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  10. Die Deutsche Bischofskonferenz will keine 'Demontage' des deutschen Staatsfunks
  11. US-Diözese führt Rosenkranzwochenende ein
  12. ‚Der Segen für Marie-Garance war auch ein Segen für ihre biologischen Eltern‘
  13. Papst versetzt umstrittenen Kurienkardinal Gambetti vom Petersdom in die Provinz
  14. Vatikan bestätigt Sexualverbrechen des toten Ordensgründers Buela
  15. Einbürgerung als Wahlstrategie? Linke profitiert massiv von muslimischen Wählern in Berlin

Bischof Scheuer bekräftigt Verbot des antijüdischen Anderl-Kultes

9. Juli 2015 in Österreich, 19 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


"Kleine Privatinitiativen", die das nicht wahrhaben wollen, "stellen sich eindeutig außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft" – Auch die beiden Vorgänger des Bischofs hatten der antijüdischen Ritualmordlegende bereits eine klare Absage erteilt.


Innsbruck (kath.net/KAP) Der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer (Foto) hat das Verbot des Kultes um Anderl von Rinn bekräftigt. Er folgt damit der klaren Linie seiner Vorgänger Reinhold Stecher und Alois Kothgasser, die der antijüdischen Ritualmordlegende ebenfalls eine klare Absage erteilten. Im Vorfeld der dennoch alljährlich am Sonntag nach dem 12. Juli privat organisierten Wanderung zum "Judenstein" bei Rinn veröffentlichte Scheuer am Mittwoch eine Erklärung, die die schuldbewusste Abkehr der katholischen Kirche von jedem Antijudaismus in der Konzilserklärung "Nostra aetate" ebenso in Erinnerung ruft wie die Haltung von Papst Franziskus, der sagte, wegen der gemeinsamen Wurzeln der beiden Religionen "kann ein Christ nicht Antisemit sein".

Hin und wieder gebe es Initiativen und Beiträge, die den Anschein erwecken könnten, der "Anderlkult" sei immer noch lebendig, schrieb Scheuer. Wörtlich setzte er fort: "Mit aller Klarheit und Entschiedenheit halte ich fest: Kirchlich betrachtet ist der Kult tot! Kleine Privatinitiativen stellen sich eindeutig außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft."

Der dreijährige Anderl Oxner wurde laut einer Ritualmordlegende des 17. Jahrhunderts am 12. Juli 1462 im Nordtiroler Dorf Rinn Opfer von ortsfremden Juden. Die Kirche Mariä Heimsuchung wurde wegen der Aufbahrung der angeblichen Gebeine des ermordeten Buben über Jahrhunderte Ziel einer Wallfahrt, die erst Bischof Stecher 1985 für kirchlich unzulässig erklärte. Die Gebeine wurden aus dem Altar entfernt und in der Seitenmauer der Kirche beigesetzt, das antisemitische Deckenfresko wurde übermalt. "Entgegen allen Versuchungen, die falsche Tradition im Rahmen solcher Umgestaltungsprozesse totzuschweigen", wurden aufklärende Tafeln angebracht, wies Bischof Scheuer hin.


Darauf wird gegen die "völlig unbewiesene Beschuldigung" von Juden dargelegt, dass Anderl "zwar nicht als Märtyrer der Kirche" in der Kirche ruht, "aber als mahnende Erinnerung an die vielen Kinder, die bis zum heutigen Tag Opfer der Gewalt und der Missachtung des Lebens wurden". Eine Tafel bekenne - so Scheuer - auch deutlich "manches Unrecht, das von Christen an Juden begangen wurde" und setze ein Zeichen für die Versöhnung mit jenem Volk, "aus dem uns der Erlöser entstand". Nach vielen Diskussionen und Veranstaltungen rund um den Anderl-Kult erklärte Bischof Stecher diesen 1994 endgültig für "verboten". Manfred Scheuer dazu: "An dieser klaren Haltung hielt auch sein Nachfolger Bischof Alois Kothgasser fest, genauso wie auch ich dies tue."

"Antijüdische Stereotypen" in der Kirche

Der Kult um Anderl von Rinn sei im Kontext von Jahrhunderte lang tradierten antijüdischen Stereotypen in der christlichen Theologie zu sehen, wies Scheuer hin. Die Anklage der Juden als Gottesmörder hätten zu "Selbstgerechtigkeit" der Christen und später zu mangelnder Solidarität mit den jüdischen Opfern des Nazi-Regimes geführt. Auch die katholische Kirche in Tirol habe "im Kontext dieser schmerzhaften Verstrickung" Schuld auf sich geladen. Scheuer nannte neben der Wahlfahrt zu Anderl von Rinn auch den "Antisemitenbund" nach dem Ersten Weltkrieg, dem auch Tiroler Priester angehörten.

Seiner Stellungnahme stellte Bischof Scheuer einen Appell aus der Juden wie Christen als Heilige Schrift geltenden Thora voran: "Denk an die Tage der Vergangenheit, lerne aus den Jahren der Geschichte" (Dtn 32,7). Und er schloss mit den Worten: "Mit tiefer Dankbarkeit gegenüber dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und dem Vater Jesu Christi nehme ich als Bischof von Innsbruck das positive Verhältnis zwischen der Israelitischen Kultusgemeinde und der Katholischen Kirche in der Diözese Innsbruck wahr."

Papst Franziskus empfing jüdische Leitungspersönlichkeiten anlässlich des Gedenkens der Judendeportation aus Rom vor 70 Jahren (Rome Reports)


Kundgebung gegen Judenhass in Berlin: Rede von Dieter Graumann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, am 14.09.2014


Copyright 2015 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Foto Bischof Scheuer (c) Diözese Innsbruck


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 




Mehr zu

Antisemitismus

  1. Israel wird Charlie Kirk für dessen Einsatz gegen Antisemitismus ehren
  2. Sydneys Erzbischof: "Angriff auf Juden ist Angriff auf uns alle"
  3. „Die katholische Gemeinschaft hat heute Morgen für unsere jüdischen Nachbarn und Freunde gebetet“
  4. Wien: Erzdiözese distanziert sich "auf das Schärfste" von Palästina-Flaggen auf Votivkirche
  5. Schweizergarde: Jüdische Betroffene schildert Details zu antisemitischem Vorfall im Vatikan
  6. Eklat durch NS-Vergleich gegenüber Israel bei interreligiösem Kongress in Rom
  7. Botschaft Israel: „Ein Gotteshaus in Deutschland darf nicht für Blutlügen missbraucht werden“
  8. Jüdische Studenten und Professoren begrüßen Vorgehen der Regierung Trump gegen Antisemitismus
  9. Deutschland: Muslime eher antisemitisch als der Durchschnitt der Bevölkerung
  10. „Jerusalem Post“: Davidsstern wird von Twitter als „hasserfülltes Bild“ gesperrt







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Reliquien der Kinder von Fatima kommen nach Berlin!
  3. Bekannte US-Influencerin und Mutter von neun Kindern konvertierte zum Katholizismus
  4. Wie die Piusbrüder - Linker belgischer Bischof plant weiterhin verbotene Weihen
  5. Frankreich und das Zeichen der Wiedergeburt
  6. Einbürgerung als Wahlstrategie? Linke profitiert massiv von muslimischen Wählern in Berlin
  7. Verletzter Priester: "Wir vergeben!"
  8. 'Wir sprechen deshalb zurecht hier nicht von Neuevangelisierung, sondern von Erstevangelisierung'
  9. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  10. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  11. Papst Leo: „Diese vier Tage waren buchstäblich erfüllt mit vielen Segnungen, fast schon Wundern“
  12. Initiative Pro Fide Ecclesiae richtet dringenden Appell an deutsche Bischöfe
  13. Politisch aber auch innerkirchlich „gibt es derzeit wieder viel Konfliktpotenzial“
  14. „Das Ende von Maria 2.0“
  15. Bischöfe beauftragen Familien als Missionare

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz