09 September 2015, 06:50
Die Salzburger Erklärung: Leben nach dem Schöpferwillen Gottes
 
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Die heutige Bedrohung der menschlichen Geschöpflichkeit und ihre Überwindung. Eine theologische Wegweisung der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften

Salzburg (kath.net) Vorbemerkung: Der folgende Text ist eine kurze Zusammenfassung der Salzburger Erklärung, die auf dem bekenntnisökumenischen Kongress der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften (IKBG/ICN) in Salzburg am 6. September 2015 mit großer Mehrheit angenommen wurde. Er wurde erstellt von Prof. Harald Seubert und von Dr. Werner Neuer überarbeitet. Zur näheren Erklärung und Begründung der Aussagen ist die ausführliche Fassung der Erklärung unverzichtbar! Auf sie beziehen sich auch die angegebenen Nummern [Nr. 1–34].

INHALTSVERZEICHNIS

Einführung: Die heutige Bedrohung der menschlichen Geschöpflichkeit und die Notwendigkeit einer ökumenischen „Ökologie des Menschen“
Was uns zu dieser Erklärung veranlasst. [Nr.1–5]

I. Das biblische Schöpfungszeugnis vom Menschen als Fundament einer „Ökologie des
Menschen“
Was wir zu Gottes Lob bezeugen und bekennen! [Nr.6–12]
II. Die gegenwärtigen Angriffe auf den Menschen und seine Geschöpflichkeit mit besonderer
Berücksichtigung der Gender-Ideologie
Was wir vor Gott und Menschen beklagen! [Nr.13–28]

III. Die Notwendigkeit einer Neubesinnung auf das biblische Schöpfungszeugnis vom Menschen
als Voraussetzung einer „Ökologie des Menschen“
Wozu wir vor Gott und Menschen aufrufen! [Nr.29–34]

Einführung: Die heutige Bedrohung der menschlichen Geschöpflichkeit und die Notwendigkeit einer ökumenischen „Ökologie des Menschen“
Was uns zu dieser Erklärung veranlasst! [Nr.1–5]

Seit den siebziger Jahren ist die Sensibilität für die Bedrohung der Natur und ihrer Ressourcen deutlich gewachsen. Viel weniger ist im öffentlichen Bewusstsein, dass nicht nur die den Menschen umgebende Umwelt, sondern auch der Mensch selbst in seiner Geschöpflichkeit und Gottebenbildlichkeit heute auch in demokratischen Staaten schwerwiegenden Gefährdungen ausgesetzt ist:

Dies zeigt sich besonders drastisch vor der Geburt in der faktischen Verleugnung der Menschenwürde durch die weithin legalisierte Abtreibung, der jährlich Millionen Kinder zum Opfer fallen, und am Ende des Lebens durch die z.T. bereits legalisierte aktive Sterbehilfe, deren europaweite Ausdehnung viele fordern.

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Es zeigt sich aber auch darin, dass die konstitutive Zweigeschlechtlichkeit des Menschen als Mann und Frau (im Feminismus und Genderismus) bestritten wird, dass die Schöpfungsordnungen von Ehe und Familie massiv abgewertet und die Fruchtbarkeit als eine wesentliche Komponente der menschlichen Sexualität weithin verneint werden. In all diesen Verfallserscheinungen vollzieht sich ein alarmierender, aber weithin in seiner Tragweite nicht erkannter Prozess der „Abschaffung des Menschen“ (C.S. Lewis) durch den Menschen.

Auf diese gefährliche Entwicklung antwortet die Salzburger Erklärung im Sinn einer „Ökologie des Menschen“ (Benedikt XVI), die dem Menschen als Geschöpf Gottes gerecht zu werden sucht und zu einem Leben nach den Schöpfungsordnungen Gottes ermutigt:

• In drei Teilen entfaltet die Erklärung zunächst das allen Kirchen vorgegebene biblische Schöpfungszeugnis als Grundlage eines schöpfungsgemäßen Lebens (s.u. I.),

• thematisiert dann die gegenwärtigen Angriffe auf den Menschen als Geschöpf und Ebenbild Gottes, weist diese als unbiblisch und unmenschlich zurück (s.u. II.)

• und ruft abschließend zu einer Umkehr und Neubesinnung auf das in der Bibel bezeugte Leben nach den Schöpfungsordnungen auf (s.u. III.).

I. Das biblische Schöpfungszeugnis vom Menschen als Fundament einer „Ökologie des Menschen“

Was wir zu Gottes Lob bezeugen und bekennen! [Nr. 6–12]

1. Wir bezeugen und bekennen die Schöpfung als Geschenk der Liebe Gottes, auf das der Mensch mit der ganzen Kreatur im Lobpreis antworten soll. Dieser Lobpreis ist in der Heiligen Schrift (v.a. in den Psalmen) und in der Geschichte der Christenheit (z.B. im Sonnengesang des hl. Franziskus) vielfach bezeugt. Der heute oft unbeachtete Geschenkcharakter allen kreatürlichen Lebens ist das Fundament jeder „Ökologie des Menschen“, die der Geschöpflichkeit gerecht werden will.

2. Wir bezeugen und bekennen mit dem biblischen Schöpfungszeugnis, dass der Mensch als Ebenbild Gottes und als Mann und Frau geschaffen ist (Gen 1, 26 f.).

3. Mann und Frau sind im Sinne der Schöpfungsordnung auch in der endlichen, von Sünde gekennzeichneten Welt dazu berufen, durch ihr Handeln die selbstlose ewige Liebe (Agape) des dreieinigen Gottes abzubilden. Dies manifestiert sich in der Ehe als auf vorbehaltlose Liebe und Treue gegründete (Gen 2, 24) lebenslange personale Bindung von Mann und Frau (Mk 10, 9; Röm 7,2). Der Lebensbund der Ehe umfasst Geist, Seele und Leib. Auf die Ehe begründet sich die Familie als Generationen umgreifende unverbrüchliche Gemeinschaft der Liebe. Ehe und Familie sind und bleiben daher die unveräußerlichen und unersetzlichen Keimzellen von Staat und Gesellschaft. Die Familie bildet die beste Voraussetzung für die Erfüllung des Kulturauftrages, die Erde von Generation zu Generation nach dem Gebot und Willen Gottes zu gestalten (Gen 1, 28). Dies bedeutet nicht, dass Ehen und Familien als Gemeinschaften sündiger Menschen nicht scheitern könnten. In diesen (leider inzwischen zahlreichen) Fällen sollten sich die Christen vor jeder moralischer Verurteilung hüten und mit liebender und barmherziger Hilfe zur Schadensbegrenzung beitragen!

4. Wir bekennen uns dazu, dass der v.a. in den Zehn Geboten (Ex 20, Dtn 5) niedergelegte Wille Gottes des Schöpfers bei allen Spaltungen und dogmatischen Unterschieden zwischen den verschiedenen Konfessionen eine universale, verbindliche, fundamentale Grundüberzeugung der ganzen Christenheit auf Erden ist. Es ist zentraler Bestandteil der großen ethischen Gemeinsamkeit der Christen in Vergangenheit und Gegenwart, zumal diese auch in wesentlichen Punkten mit der vor- und außerchristlichen Naturrechtstradition übereinstimmt, die das dem Wohl des Menschen Dienliche zum Ausdruck bringt.

Umso mehr ist zu kritisieren und zu beklagen, dass diese biblisch begründete große Gemeinsamkeit der Kirche (magnus consensus) heute unter dem Einfluss des Zeitgeistes v.a. innerhalb der protestantischen Kirchen vielfach in Zweifel gezogen wird. Den Maßstab bilden dann nicht mehr Schrift und Bekenntnis, sondern der ideologisch einseitige und weitgehend entchristlichte Zeitgeist. Auf diese Weise wird ein zentraler Bestandteil des christlichen Zeugnisses für die Welt entkräftet und die Einheit der Kirche Jesu Christi auf dem Fundament der Wahrheit und Liebe beschädigt. Wir rufen deshalb entschieden zur Neubesinnung auf (s.u. III.)!

II. Die gegenwärtigen Angriffe auf den Menschen und seine Geschöpflichkeit

Was wir vor Gott und den Menschen beklagen! [Nr. 13–28]

1. Wir beklagen vor Gott und den Menschen, dass auch ohne geschichtliche Katastrophen wie Krieg und Terror menschliches Leben gerade in den hochentwickelten westlichen Industrienationen heute vielfach bedroht ist:

a) Die größte Bedrohung erfolgt vor der Geburt durch die in vielen Ländern seit Jahren legalisierte Abtreibung. Obwohl es sich unzweifelhaft um eine Massentötung handelt, haben sich viele Menschen an diesen Zustand gewöhnt. Wir beklagen die ungezählten Kinder, die bereits Opfer dieser Massentötung geworden sind und fordern mit allem Nachdruck ein Ende aller gesetzlich legitimierten und geduldeten Tötungen!

• Die vorgeburtliche Diagnostik (z.B. Amniozentese, Chorionbiopsie) wird vielfach dazu missbraucht, kranke und behinderte Kinder vor der Geburt zu entdecken und abzutreiben. Wir erklären dazu: Eine Gesellschaft, die das Lebensrecht des kranken und beschädigten Lebens infrage stellt, verstößt gegen die Menschenwürde und das unantastbare Recht jedes Menschen auf Leben. Sie untergräbt damit ihre eigenen ethischen und rechtlichen Fundamente, wie sie etwa im Grundgesetz und in jeder zivilisierten Verfassung niedergelegt sind.

• Wir beklagen alle Formen vorgeburtlicher Tötung durch pharmakologisch bewusst herbeigeführte oder in Kauf genommene Nidationshemmung (Verhinderung der Einnistung eines bereits befruchteten Eies in die Gebärmutter). Wir beklagen, dass solche Formen des Tötens vor der Nidation heute vielfach überhaupt nicht mehr als Tötungen von Menschen wahrgenommen und verworfen werden, weil der biologisch eindeutige Beginn menschlichen Lebens mit der Befruchtung (Vereinigung von Ei- und Samenzelle) heute vielfach nicht mehr anerkannt wird.
• Ebenso nachdrücklich verwerfen wir den verantwortungslosen Umgang mit Ungeborenen bei der Reagenzglasbefruchtung, durch die das Leben vieler überzähliger Embryonen gefährdet oder preisgegeben wird. Auch hier wird die gebotene Ehrfurcht vor dem unantastbaren Lebensrecht des Menschen missachtet.

b) Auch das menschliche Leben nach der Geburt ist an seinem Ende in wachsendem Maße bedroht: Durch zunehmende Legalisierung der sog. aktiven Sterbehilfe („Euthanasie“) wird die längst bestehende „Kultur des Todes“ (Johannes Paul II.) gefördert und zementiert. Dies ist umso verwerflicher, als die moderne Palliativmedizin vor allem in der Schmerzbekämpfung große Fortschritte gemacht hat. Wir rufen daher alle christlichen Kirchen dazu auf, sich dem Dammbruch einer europa- oder weltweiten Euthanasie entschieden zu verweigern und alles ihnen Mögliche zu tun, um ihn zu verhindern. Damit verbindet sich der christliche Auftrag, den Sterbenden die Hoffnung des ewigen Lebens zu bezeugen und ihnen in Wort und Tat ein menschenwürdiges Sterben zu ermöglichen.

2. Wir beklagen vor Gott und Menschen die Bedrohung der menschlichen Geschöpflichkeit, wie sie heute vor allem in der Genderideologie (Genderismus) und ihren zerstörerischen Konsequenzen deutlich wird.

a) Die Gender-Ideologie, die inzwischen auf den politischen Ebenen von Regierung, EU und UNO zur handlungsbestimmenden Leitideologie geworden ist, bestreitet die natürlich vorgegebene Zweigeschlechtlichkeit des Menschen als Mann und Frau (engl. sex) und missdeutet das Geschlecht als lediglich soziale und individuelle Konstruktion (engl. gender), über die letztlich jeder Mensch selbst verfügen kann und soll. Damit wird auf eine unbedingte Freiheit abgezielt, die sich von Gottes Schöpfungsordnungen (Ehe, Familie, [Hetero-] Sexualität etc.) radikal löst, obwohl diese dem Wohl des Menschen dienen und sich als Ordnungen der Liebe erweisen, Indem sich die hier propagierte Freiheit von den Schöpfungsordnungen loslöst, löst sie sich vom konkreten Menschen und den kreatürlichen Bedingungen seines Daseins ab und wird so zu einer Freiheit ohne Liebe, weil sie den konkreten Menschen in seiner vorgegebenen Kreatürlichkeit verfehlt. Der Mensch wird bei dieser Verleugnung der kreatürlichen Grundlagen seines Menschseins zum beliebigen Erfinder seiner selbst erklärt. Er will in letzter Konsequenz wieder einmal „sein wie Gott“. Wie bereits die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus I., mehrere Bischofskonferenzen und zahlreiche Stellungnahmen bekennender Christen und Theologen unterschiedlicher Kirchenzugehörigkeit bekundet haben, ist dieser Anmassung der Gender-Ideologie christlich entschieden zu widersprechen und ihr gegenüber festzustellen: Das Menschenbild des Genderismus ist völlig unvereinbar mit dem Menschenbild der biblischen Offenbarung. Die Christenheit ist unbeschadet ihrer konfessionellen Differenzen gegenüber einer forcierten Gender-Mainstreaming-Agenda zu einem möglichst gemeinsamen und möglichst entschiedenem bekenntnisökumenischen Widerstand aufgerufen! – Wir halten mit der biblischen „Ökologie des Menschen“ zugleich fest, dass Mann und Frau in ihrer Unterschiedlichkeit gleich-würdige Geschöpfe und Ebenbilder Gottes sind, die einander bedürfen und zum liebenden und ergänzenden Für- und Miteinander in der Ehe und zur Würde und Aufgabe von Vater- und Mutterschaft in der Familie berufen sind, die als Keimzelle der Gesellschaft zugleich Keimzelle einer menschenwürdigen Zukunft ist. Es liegt auf der Hand, dass die Genderideologie für Ehe, Familie und Gesellschaft zerstörerische Konsequenzen unabsehbaren Ausmaßes zur Folge hat (s.u. b)).

b) Die Konsequenzen der Genderideologie für Ehe und Familie, Vaterschaft und Mutterschaft, Sexualität und Fortpflanzung sind in vieler Hinsicht zerstörerisch, da sie die Fundamente des Menschseins und des menschlichen Miteinanders in einer bisher nie gekannten Radikalität verleugnen und untergraben:

• Ehe und Familie haben heute weitgehend die Anerkennung und Wertschätzung verloren, die ihnen aufgrund ihrer fundamentalen Bedeutung für das Wohl der Partner, der Kinder und der Gesellschaft insgesamt zukommt, obwohl selbst die Verfassungen der Rechtsstaaten ihre schutz- und förderungswürdige Sonderstellung anerkennen. Angesichts dessen hat die Kirche hat mehr denn je die Aufgabe, die Unüberbietbarkeit von Ehe und Familie als gute Schöpfungsordnungen Gottes zu betonen. Die christlichen Kirchen können daher aufgrund ihrer Bekenntnisbindung die soziale, begriffliche und rechtliche Gleichstellung von Ehe und homosexuellen Partnerschaften nicht akzeptieren. Was nach Gottes Willen verschieden ist, darf vom Menschen nicht als gleich angesehen und behandelt werden. Damit werden weder homosexuelle Menschen diskriminiert noch solche, die unverheiratet sind.

• Auch Vaterschaft und Mutterschaft als äußeres und inneres Fundament der Familie haben die ihnen zukommende Wertschätzung weithin verloren, insofern sie vielfach auf ihre biologische Zeugungsfunktion reduziert werden und ihre eminente psychologische, religiöse und soziale Bedeutung für die nachwachsende Generation ignoriert wird. Eine radikale Aufwertung insbesondere der (heute oft diskriminierten!) Mutterschaft, aber auch der Vaterschaft wäre dem Wohl der Kinder und Enkel, aber auch der ganzen Gesellschaft dringend zu wünschen.

• Die heute vielfach vollzogene Trennung von Sexualität und Fortpflanzung ist zwar schon seit den 1960er Jahren zu beobachten und hat bereits zu einem in Friedenszeiten historisch einmaligen Geburtenrückgang geführt, wird aber durch den Genderismus weiter verstärkt, weil für diesen die Heterosexualität aufgrund ihrer Zeugungsfähigkeit gegenüber den anderen (nicht zeugungsfähigen) Varianten von Sexualität keinerlei besondere Qualität besitzt. Auch der Genderismus ignoriert den exklusiven, neues Leben und damit menschliche Zukunft eröffnenden Charakter der Sexualität zwischen Mann und Frau. Die dem Genderismus eigene prinzipielle Trennung von Sexualität und Fortpflanzung ist zutiefst zukunftslos und verfehlt das biblisch begründete christliche Verständnis menschlicher Sexualität, das offensichtlich (nicht ausschließlich, aber) wesentlich auf die Weckung und Entstehung neuen Lebens hingeordnet ist.

III. Die Notwendigkeit einer Neubesinnung auf das biblische Schöpfungszeugnis vom Menschen

Wozu wir vor Gott und den Menschen aufrufen! [Nr. 29–34]

1. Im Sinn der „Ökologie des Menschen“ erheben wir entschieden Einspruch gegen alle Formen der Bedrohung menschlichen Lebens vor und nach der Geburt. Ein besonders alarmierendes Signal ist es, dass das Europäische Parlament am 10. März 2015 mit dem Beschluss eines „Menschenrechts auf Abtreibung“ das Grundrecht auf Leben preisgegeben hat. Als bekennende Christen unterschiedlicher Konfessionen protestieren wir entschieden gegen diesen für die Zukunft Europas Tod bringenden Beschluss, der umgehend zurückgenommen werden muss! Als Christen sagen wir weiter unser entschiedenes Nein zu allen Lebens- und Denkformen, in denen sich der Mensch gegen die Schöpfungsordnungen Gottes auflehnt und sie zu umgehen sucht.

2. Vor Gott und den Menschen rufen wir daher zur Neubesinnung auf die biblische Offenbarung auf. Sie bezeugt, wie die schöpferische Liebe Gottes den Menschen befähigt, im Einklang mit der Schöpfung aus Liebe zu Gott und zum Mitmenschen seinem Schöpfungsauftrag gerecht zu werden. (Röm 5, 5; 1 Kor 13). Das biblische Zeugnis zeigt uns, wie kreatürliches Leben, bei aller Sündhaftigkeit und Gebrochenheit, Abglanz des göttlichen Urbildes sein und werden kann. Es ermöglicht uns, aus der Liebe als Existenzmitte zu leben und damit bereits in unserer irdischen Existenz Zeugnis von der überirdischen Herrlichkeit Gottes zu geben.

3. Vor Gott und den Menschen rufen wir zu einer biblisch begründeten Wiedergewinnung einer „Ökologie des Menschen“ auf. Denn das Leben nach den Schöpfungsordnungen Gottes vereint die Christenheit aller Konfessionen und Denominationen. Die unbedingt gebotene Rückkehr und Umkehr zu diesem Fundament bedeutet daher auch das öffentliche ökumenische Bekenntnis zur „einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche“ (una, sancta, catholica et apostolica Ecclesia).

4. Der Mensch ist von Gott als „Krone der Schöpfung“ bestimmt. Diese schöne und tiefe Wahrheit ist exemplarisch in Psalm 8 ausgedrückt, dessen staunendes Gotteslob diese Erklärung beschließen soll:

HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen,
der du zeigst deine Hoheit am Himmel!
Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen, dass du vertilgest den Feind und de den Rachgierigen.
Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk,
den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:
was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst,
und des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst?
Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott,
mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.
Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk,
alles hast du unter seine Füße getan:
Schafe und Rinder allzumal,
dazu auch die wilden Tiere,
die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer
und alles, was die Meere durchzieht.
HERR, unser Herrscher,
wie herrlich ist dein Name in allen Landen!
Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit
und in Ewigkeit.
AMEN.

Salzburg, den 6. September 2015
Internationale Konferenz Bekennender Gemeinschaften
(IKBG/IKB)
Pastor Ulrich Rüß (Präsident)
Andreas Späth (Vizepräsident)
Prof. Dr. Peter Beyerhaus DD (Ehrenpräsident)
Dozent Pfr. Dr. Werner Neuer (Vorsitzender der Theologischen Kommission)

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