31 Dezember 2015, 11:30
Mit Maria ins Neue Jahr!
 
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Ein Impuls aus Maria Vesperbild von Wilhelm Imkamp.

Ziemetshausen (kath.net)
AUCH WENN DER Jahreswechsel heute nicht mehr von den Bräuchen umgeben ist, wie sie zum Beispiel im Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens unter dem Stichwort „Neujahr" geschildert werden, geht doch wohl keiner von uns unbefangen in den Übergang vom 31. Dezember zum i. Januar, und das zeigt sich auch in der Gestaltung dieses Wechsels.

Ignoriert wird er von keinem, und kaum einer wird an diesem Tag Gedanken an das vergangene Jahr und Hoffnungen oder bange Erwartungen für das neue Jahr vermeiden können. „Was bringt die Zukunft?“ — diese Frage brennt sich an diesen Tagen durch jedes Phlegma durch. Es ist die Hoch-Zeit modernen Aberglaubens, der noch in keinem Lexikon erfaßt ist. Unglückspropheten und Katastrophenfetischisten, Astrologen und Kartenleger haben Hochkonjunktur.

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In dieses hektisch-kopflose Getriebe zum Jahreswechsel stellt nun die Kirche die Gottesmutter. Sie tut es ganz bewußt, und sie tut es noch nicht lange: das Hochfest der Gottesmutter am ersten Tag des neuen Jahres ist ein Geschenk der Liturgiereform unter Papst Paul VI. in Folge des II. Vatikanischen Konzils; dabei wurden uralte Elemente aus der stadtrömischen Liturgie wieder aufgenommen; im Mittelpunkt steht vor allem die Gestalt Mariens als Gottesgebärerin, als Mutter. Die liturgischen Texte sind von Freude, ja Jubel durchdrungen.

Wie keine andere Gestalt greift Maria besonders an ihrem Fest zum Jahresanfang „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute" (Vatikanum, II, Gaudium et Spes, Nr. 1) auf. Sie ist gerade als Mutter der Kirche, wie sie in der Schlußoration des heutigen Meßformulars genannt wird, Wegbegleiterin durch das neue Jahr; Maria bringt uns Freude und Hoffnung, denn sie hat uns ja den Erlöser geboren. Sie ist als erster Mensch Christusträgerin. Ihre Gestalt ist durchsichtig auf den Erlöser: Die Christustransparenz Mariens schenkt uns das göttliche Licht. Durch Maria und in Maria immer Christus sehen, das ist der Weg der Freude und Hoffnung, wie ihn uns die Gottesmutter vorgelebt hat. Mariens Leben hilft uns, Freude und Hoffnung in unser Leben zu holen; zu Maria aufschauen heißt Christus finden.

In Maria dürfen wir auch die Kirche sehen, vieles, was wir von der Gottesmutter sagen, können wir auch von der Kirche sagen, auch sie — die Kirche —bringt uns Christus, vermittelt uns, vor allem durch die heiligen Sakramente, das Heil. So führt uns die Gestalt Mariens als Mutter der Kirche auch zur Kirche als heilsgeschichtlicher Größe. Wer von Maria redet, kann von der Kirche nicht schweigen.

Aber unser Leben wird nicht nur von Freude und Hoffnung bestimmt, es ist ziemlich sicher, daß uns im neuen Jahr mich „Trauer und Angst" erwarten. Und auch dann wird die Frau, die die Kirche als ihr eigenes Ur- und Abbild an den Anfang des Jahres gestellt hat, uns helfend nahe sein. Sie hilft durch ihr Beispiel: Auch ihr Leben kannte nämlich Trauer und Angst; und die Mariendarstellungen, die gerade diese Seite ihres Lebens bildlich erfassen, sind häufig durch die Jahrhunderte hindurch ganz besondere Quellen des Trostes und der Zuversicht geblieben. Maria hat Trauer und Angst verarbeitet, ist von ihnen nicht überwältigt worden, sondern hat sie bewältigt. Die Gelöstheit und Heiterkeit des Glaubens, die sich im Glaubensgehorsam vollzieht, ist das marianische Rezept für Trauerarbeit und Angstbewältigung.

Maria ist aber nicht nur Beispiel, sondern auch aktiv Handelnde; im Gebet finden wir Kontakt zu ihr, können ihr unsere Sorgen vortragen; sie ist immer für uns da; sie kann uns unmittelbar helfen und tut das auch! Die alten Lieder und Bräuche der Volksfrömmigkeit wissen sehr genau darum. Und es ist kein Zufall, daß Maria in der Volksfrömmigkeit aller Jahrhunderte einen so festen Platz hat. Volksfrömmigkeit ist Theologie von unten.

In der Volksfrömmigkeit kristallisiert sich das religiöse Empfinden der Basis, das mehr verdient als ethnologisches Interesse, intellektuelle Überheblichkeit oder pseudotheologische Besserwisserei. Auch dazu kann uns das Hochfest der Gottesmutter am 1. Januar ermuntern: ein unbefangeneres Verhältnis zur Volksfrömmigkeit zu pflegen' Da, wo Maria im Bewußtsein der Gläubigen lebendig ist, da, wo Maria kindlich verehrt wird, da hat der Aberglaube keine Zukunft, da werden Trauerarbeit und Angstbewältigung geleistet, da haben Freude und Hoffnung breiten Zugang. Mit Maria ins neue Jahr, vielleicht das neue Jahr mit einer kleinen Wallfahrt beginnen, das heißt, der Freude und der Hoffnung auch im neuen Jahr eine Chance geben.

Aus: Wilhelm Imkamp, Moment mal!, Sank Ulrich-Verlag, Augsburg, 2003, S. 24 – 28







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