Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Ein Signal des Himmels?
  2. Emeritierter Kurienkardinal Sarah: „Riten können nicht willkürlich abgeschafft werden“
  3. Das Schweigen der Bischöfe zur Causa Spahn
  4. ‚Dialogpredigt‘ und ‚meditativer Tanz’ während der Messe zum Magdalenenfest in München
  5. „Sehr geehrter Herr Erzbischof Koch, mit großer Verwunderung haben wir Ihr Statement zum CSD…“
  6. Die Liturgie: das Gebet der Kirche und Atem des Geistes
  7. Leihmutter soll gezwungen werden, das Leben des herzkranken Babys zu beenden!
  8. Fulda: Werbung für Christopher Street Day mit dem heiligen Bonifatius
  9. BILD-Kommentatorin Ruhs fordert „Festung Europa“: „Es geht nicht mehr anders“
  10. Erdbebengefahr bei Neapel: Italiens Kirche ruft zum Gebet auf
  11. Kardinal Burke ruft zu Einsatz für Ehe und Familie auf – bis zum Martyrium
  12. 'Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt; ich werde Dir den Weg zum Himmel zeigen'
  13. IRRE! - Moskauer Patriarch Kyrill legitimiert nun auch Atombombe
  14. „Größer als [australischer] Football: Die unstoppbare Wiederbelebung des Glaubens“
  15. Frust beim Klima-Kleber-Jesuiten

Gauck mahnt Debatte an: Herz weit - Möglichkeiten begrenzt

5. Februar 2016 in Deutschland, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Unterscheiden zwischen denen, die eine rechte Gesinnung haben und Migranten ablehnen und denen, die fragen, wie Deutschland die Flüchtlingskrise bewältigen könne. Es sei möglich, zugleich hilfsbereit und sorgenvoll zu sein. Von Christoph Arens (KNA)


Köln (kath.net/KNA) «Unser Herz ist weit. Aber unsere Möglichkeiten sind endlich.» Mit diesen Worten hatte Bundespräsident Joachim Gauck schon im vergangenen September von den Grenzen der Aufnahmefähigkeit für Flüchtlinge gesprochen. Auch am 3. Oktober sowie beim Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos forderte er erneut eine offene Debatte darüber, wie viele Flüchtlinge Deutschland noch aufnehmen kann. «Für Aufnahmefähigkeit gibt es keine magische mathematische Formel», sagte er Mitte Januar - wohl auch in Abgrenzung zur aus CSU-Kreisen immer wieder geforderten Obergrenze. Aber das, was Deutschland in der Flüchtlingskrise aktuell leiste, übersteige seine Möglichkeiten.

Dass Gauck am Freitag im WDR erneut öffentlich über «Begrenzungsstrategien» redete und zugestand, dass sie «moralisch und politisch geboten» sein könnten, zeigt, dass der Druck auf die
Politik stark gewachsen ist. Deutlich wird das auch in Gaucks Begründung: Wenn in der Mehrheitsgesellschaft das Gefühl für Solidarität schwinde und «eine kollektive Identität sich entwickeln würde, die immer nur schreit: Das Boot ist voll», dann gebe es eben auch «ein moralisches Problem und nicht nur ein politisches», sagte er. Gerade in dem Bemühen, möglichst vielen helfend zur Seite zu stehen, könne es begründet sein, «dass man nicht allen hilft».


Klar ist: Die Themen Migration und Flüchtlinge werden Deutschland und Europa noch lange beschäftigen. Selbst wenn der Bürgerkrieg in Syrien schnell beendet würde: Nicht nur nach Einschätzung der CDU-Entwicklungspolitikerin Claudia Lücking-Michel und des Menschenrechtsaktivisten Rupert Neudeck ist Afrika langfristig mit Blick auf Stabilität und Flüchtlinge das größere Problem.

«2015 markiert das Ende der zentralen Lebenslüge einer ganzen europäischen Generation», schrieb kürzlich der Chefredakteur des «philosophie Magazin», Wolfram Eilenberger. Europa werde das Leid von Milliarden Menschen in Afrika, Asien und im Nahen Osten nicht auf Distanz halten und ein «mauerloser Paradiesgarten in einer Welt des Elends» bleiben können.

Vor diesem Hintergrund debattierten auch Philosophen und Ethiker in den vergangenen Wochen über die Grenzen der Verantwortung für Staat und Bürger. Der französische Denker Marc Crepon markierte im «philosophie Magazin» die eine Seite: Die moralische Verpflichtung, Flüchtlinge aufzunehmen, kenne keine Grenzen. Die Politik müsse sich bewusst machen, dass ein Ja oder Nein zur Aufnahme der Flüchtlinge zugleich eine Entscheidung über Leben und Tod sei. Geflüchtete zurückzuweisen, könne einer Billigung von Mord gleichkommen.

Anders der Berliner Philosoph Volker Gerhardt: Er zitierte den alten Lehrsatz «Über das Können hinaus wird niemand verpflichtet». Hilfsbereitschaft könne sowohl bei Gesellschaften als auch bei Einzelnen an Grenzen der Überforderung stoßen. Wenn diese Grenzen überschritten würden, drohe Schaden für alle. Wichtig sei, dass der Konsens einer Gesellschaft nicht verloren gehe.

Ähnlich wie er und der Bundespräsident argumentierte im Magazin «Cicero» der Philosoph Peter Sloterdijk: Da das 21. Jahrhundert ein Zeitalter der Migration werde, müsse Europa zwangsläufig eine wirksame gemeinsame Grenzpolitik entwickeln. «Auf die Dauer setzt sich der territoriale Imperativ durch. Es gibt schließlich keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung.»

Für Gauck steht allerdings zugleich fest: Deutschland sei ein solidarisches Land und werde ein solidarisches Land bleiben. Die Gesellschaft müsse klar trennen zwischen denen, die eine rechte Gesinnung haben und Migranten von vornherein ablehnen und denen, die sich fragen, wie Deutschland die Flüchtlingskrise bewältigen könne. Es sei möglich, zugleich hilfsbereit und sorgenvoll zu sein.

(C) 2016 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Jegliche mediale Nutzung und Weiterleitung nur im Rahmen
schriftlicher Vereinbarungen mit KNA erlaubt.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Flüchtlinge

  1. Dänemark: Verschärfung der Abschieberegeln für kriminelle Migranten
  2. Christlicher Konvertit Chia Rabiei darf in Deutschland bleiben
  3. Abschiebung: Erzbischof Lackner mahnt zu Menschlichkeit und Dialog
  4. Hat Kardinal Marx für EKD-Flüchtlingsschiff einen "namhaften Betrag" zur Verfügung gestellt?
  5. Zahl der Migranten übers Mittelmeer erheblich gestiegen
  6. Papst mahnt "Gewissenserforschung" im Umgang mit Flüchtlingen an
  7. "Fehler von 2015 dürfen nicht wiederholt werden"
  8. Wegen Kritik an Flüchtlingspolitik wurden Krippenfiguren gestohlen
  9. So retten, „dass Rettung nicht automatisch Einwanderung bedeutet“
  10. Theologe: "Die Kirche kann barmherzig sein, der Staat darf das nicht"






Top-15

meist-gelesen

  1. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  2. Ein Signal des Himmels?
  3. „Sehr geehrter Herr Erzbischof Koch, mit großer Verwunderung haben wir Ihr Statement zum CSD…“
  4. Das Schweigen der Bischöfe zur Causa Spahn
  5. Leihmutter soll gezwungen werden, das Leben des herzkranken Babys zu beenden!
  6. ‚Dialogpredigt‘ und ‚meditativer Tanz’ während der Messe zum Magdalenenfest in München
  7. Der "rote Priester", der die Musikwelt revolutionierte
  8. Fulda: Werbung für Christopher Street Day mit dem heiligen Bonifatius
  9. Emeritierter Kurienkardinal Sarah: „Riten können nicht willkürlich abgeschafft werden“
  10. Heute, nicht morgen! Der heilige Expeditus – Patron gegen das Aufschieben
  11. „Größer als [australischer] Football: Die unstoppbare Wiederbelebung des Glaubens“
  12. Joan Leslie: Das Hollywood-Glaubenszeugnis einer echten Heldin
  13. Medjugorje: Mladifest startet mit Papstappell zur Rückkehr zu Christus
  14. 'Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt; ich werde Dir den Weg zum Himmel zeigen'
  15. Erdbebengefahr bei Neapel: Italiens Kirche ruft zum Gebet auf

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz