29 April 2016, 10:00
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Wenn Bischöfe den Islam hofieren, der Kölner Kardinal den Unterschied zwischen Kirchturm und Minarett nicht mehr erkennt und der EKD-Ratsvorsitzende Mitglied eines Moscheenbauvereins ist, ist das dramatisch. Gastkommentar von Prof. Hubert Windisch

Regensburg-Freiburg (kath.net) Im Augenblick wird eine erregte Debatte über den Islam in Deutschland geführt. Auf den ersten Blick mag die Äußerung des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Dieter Grimm in der FAZ vom 22. April 2016 (kath.net berichtete), wonach die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, grundgesetzlich irrelevant sei, beruhigend wirken. Jedoch nur auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen erkennt man in dieser Aussage einen einseitig rechtspositivistischen Ansatz, der rein formal von der grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit schon auf das Recht des Islams, in Deutschland Religion zu sein, schließt. Der Islam gehöre demnach zu Deutschland. Man müsse sich nur jeweils gegen extremistische Verformungen des Islams zur Wehr setzen. Denn nicht nur Islam und Islamismus seien zu trennen, sondern auch der Islam und die private Praxis dieser Religion seien zwei paar Stiefel.

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Doch so einfach geht diese Gleichung nicht auf. Abgesehen davon, dass man mit Sorge beobachten muss, wie mit steigendem muslimischen Anteil in der Bevölkerung auch immer mehr grundgesetzliche Achtsamkeit gefordert ist, vergisst man dabei, grundsätzlich danach zu fragen, welche theoretischen bzw. ideologischen Grundlagen den Islam als Religion bestimmen. Jede religiöse Praxis hat ja eine theoretische Grundlage. Jede Religion hat Inhalte.

Man darf nicht nur, man muss sogar fragen, ob die jeweiligen theoretischen Grundlagen bzw. Inhalte einer Religion grundgesetzkonform sind.

Man weicht dieser Frage gerne durch den Hinweis aus, dass sich die Mehrheit der bei uns lebenden Muslime friedlich bzw. grundgesetzkonform verhalte.

Das kann allerdings daher kommen, dass die Mehrzahl der Muslime entweder die theoretischen Grundlagen ihrer Religion nicht kennt oder nicht ernst nimmt oder taktisch verschweigt. Übersehen wird dabei, aus welchen Gründen auch immer, das gewalt- und sexualpathologische Potential im Islam, bei Mohammed ebenso wie im Koran. Man übersieht ferner, dass es im Islam letztlich keine Trennung von Staat und Religion gibt, und man übersieht schließlich, dass der Islam überall dort, wo er sich ausbreitet und an Macht gewinnt, ein an unseren Maßstäben gemessen menschenverachtendes gesellschaftspolitisches System durchzusetzen versucht: die Scharia.

Das bundesdeutsche Grundgesetz ist sicher nicht vom Himmel gefallen. Es ist ein menschliches, in einer bestimmten geschichtlichen Situation geschriebenes Konstrukt. Aber es ist aus den leidvollen Erfahrungen mit Hitlerdeutschland heraus in bewusster Anlehnung an das jüdisch-christliche Erbe Deutschlands und Europas formuliert.

Dass der Islam bei der Abfassung des Grundgesetzes Pate gestanden habe, ist nicht bekannt.

Es könnte allerdings sein, dass ein mehrheitlich islamisch bestimmtes Deutschland auch ein dementsprechendes „Grundgesetz“ bekäme.

Wohin dann mit den romanischen und gotischen Kathedralen, wohin mit der Pracht des Barocks, wohin mit Grünewald, Bach und Mozart, wohin mit Luther, Kant und Goethe, wohin mit unserer Sprache, wohin mit unserer zwischenmenschlichen Kultur, wohin mit der Wertschätzung der Frau, wohin mit der freiheitlichen Essenskultur und auch dem Wein und dem Bier? Wohin?

Viele hoffen auf einen positiven Beitrag der Kirche in der augenblicklichen Debatte. Viele werden diesbezüglich enttäuscht, obwohl gerade die Kirche aufgrund eigener schmerzhafter Erfahrung für die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört oder nicht, etwas zutiefst Dienliches und Kostbares zu bieten hätte: die Religionskritik.

Wenn dagegen Bischöfe den Islam hofieren, der Kardinal von Köln den Unterschied zwischen Kirchturm und Minarett nicht mehr erkennt und der Ratsvorsitzende der EKD Mitglied eines Moscheenbauvereins ist, dann ist das nicht mehr nur noch peinlich, sondern dramatisch. Immer mehr Gläubige fragen den Pfarrer vor Ort, ob damit nicht das Christentum verraten wird.

Es erscheint vor diesem Hintergrund dringend notwendig, dass sich die deutschsprachigen Bischöfe bei einer mehrtägigen Klausur mit der großen Rede, die Papst Benedikt XVI. am 12. September 2006 im Audimax der Regensburger Universität gehalten hat, auseinandersetzen, nicht nur, um den Gläubigen und Zeitgenossen in einer individual- und sozialexistentiellen Frage Orientierung bieten zu können, sondern vor allem auch, um als Hirten selbst wieder Klarheit und Kraft zu gewinnen. Nicht nur die Christen in unserer Gesellschaft würden es ihnen danken.

Prof. Dr. Hubert Windisch (Foto) ist emeritierter Professor für Pastoraltheologie der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg.



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