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'Ein ganzes halbes Jahr'

26. Juni 2016 in Familie, 3 Lesermeinungen
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„Kein Mann dieser Welt, kein Will Traynor, kein noch so guter, liebevoller, aufmerksamer, selbstloser Mann kann das Herz einer Frau komplett ausfüllen. Das kann nur …“ Gastbeitrag von Inka Hammond


Augsburg (kath.net/Blog „Alltagsliebe“) Ich habe das Buch von Jojo Moyes 'Ein ganzes halbes Jahr' gelesen und Rotz und Wasser geheult. Bis zur letzten Seite habe ich inständig gehofft, dass Will Traynor sich für das Leben entscheidet, für Lou. Aber er wählt den Weg des Sterbens, nimmt sich das Leben.

Dass die Geschichte von Lou und Will so ausgeht ist traurig. Man kann ihn aber fast verstehen: er, der Lebemann, ist seit einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt, hat Schmerzen, ist immer auf Hilfe angewiesen. Er muss mit ansehen, wie seine Exfreundin seinen besten Freund heiratet. Er sagt diesen Satz: 'Das ist nicht mehr mein Leben.' Fremdgesteuert vegetiert er dahin. Lou, die erst einfach nur Angestellte der Familie ist und sich um ihn kümmern soll, wird bald zur Freundin, dann zur engen Gefährtin. Ihr Ziel ist es, ihn aus seinen Depressionen heraus zu reißen, ihm wieder Freude am Leben zu geben. Obwohl sie sich ineinander verlieben und sie für ihn alles aufgeben würde, entscheidet er sich für den Tod und will ihr damit Freiheit geben. Er vermacht ihr Geld und eine Anleitung, wie sie endlich ihr Leben in den Griff bekommen soll und aus der muffeligen Kleinstadt, in der sie lebt, herauskommen kann.


Gestern saß ich mit meinem Mann im Kino, um mich herum Taschentuchgeknister, leises Schluchzen. (Witzigerweise war es eine Vorstellung nur für Frauen, das hat mein Mann beim Ticketkaufen nicht gemerkt - er war aber sehr mutig und hielt den Hormonüberschuss im Kinosaal sehr gut aus). Nachdem ich mal gehört habe, dass der Evangelist [Anm. d.R.: Prediger] Ben Fitzgerald nach einem Kinofilm spontan gepredigt hat, war ich ernsthaft am Überlegen. Dieser Film wirft so viele Sehnsüchte, Nöte und Fragen auf, dass es ein Einfaches wäre, da anzuknüpfen. Allerdings lag meinem Mann viel daran, den Saal recht schnell zu verlassen, nachdem das Licht wieder anging. Verständlich. Und so mutig zu predigen wäre ich wahrscheinlich sowieso nicht gewesen...

Das Weinen im Saal zeigte mir wieder einmal mehr, wie sehr Frauen sich nach Liebe sehnen. Wie empfänglich sie sind für so eine Love Story. Wie zart ihre Seelen, wie zerbrechlich ihr Herz. Sie träumen von einem Mann, der sich für sie hingibt. Der sie so sieht, wie sie sind. Der ihre Träume versteht und ihr hilft, sie zu verwirklichen. Der sie zum Lachen bringt. Der sie vor sich stellt, ihre Bedürfnisse über seine. Me before you, so lautet der englische Originaltitel des Films. Du vor mir. Ein Herzenschrei. Eine Sehnsucht.

Unwillkürlich frage ich mich wie die Geschichte ausgegangen wäre, wenn Jesus eine Rolle gespielt hätte. Wenn Will erkannt hätte, dass sein Leben noch immer einen Wert hat. Dass es zwar nicht mehr so aussieht, wie er sich immer erträumt hat und wie er es vor dem Unfall gelebt hat, aber dass Gott der Autor seiner Geschichte ist und selbst aus Leid und Schmerz Schönes und Gutes schaffen kann. Will hätte Lou vielleicht als großes Geschenk annehmen können, voller Staunen über ihre Liebe zu ihm, wo er doch nicht viel zu geben hat. Ja, da wären die Schmerzen gewesen, die ständigen Infekte, die Medikamente. Aber Jesus bringt Hoffnung in jedes Dasein, wie z.B. Samuel Koch so eindrücklich vorlebt.

Das Leben legt uns Hindernisse in den Weg und so vieles läuft nicht so wie geplant. Die großen und kleinen Katastrophen des Alltags lähmen uns oft ganz genauso, wie der Unfall Will Traynor. Wir weigern uns unsere jetzige Situation anzunehmen, trauern zerbrochenen Träumen hinterher. Aber Jesus kann mit unglaublicher Veränderungskraft in unser kaputtes Leben hineinkommen. Er nimmt die Bruchstücke und fügt ein wunderschönes Mosaik zusammen, wenn wir ihn nur lassen. Es tut oft weh abzuwarten, das Bild noch nicht zu erkennen. Aber wenn wir Glauben an die Güte Gottes haben, an das, was in der Bibel über Jesus steht, über die Treue Gottes, die jeden Morgen neu ist, dann ist jede Herausforderung machbar.

Und die Frauen mit dem Loch im Herzen, mit der Sehnsucht nach Annahme, die Lous dieser Welt, die ihren Platz nicht finden, die Männer an ihrer Seite haben, die sie nicht ernst nehmen, die sie und ihre Träume übergehen. Die verletzt sind, misshandelt, gedemütigt, allein gelassen. Der einzige der die Wunden heilen kann, ist Jesus. Der einzige, der wirkliche Erfüllung schenken kann, ist Jesus. Kein Mann dieser Welt, kein Will Traynor, kein noch so guter, liebevoller, aufmerksamer, selbstloser Mann kann das Herz einer Frau komplett ausfüllen. Das kann nur Jesus.

Und das wünsche ich den Lous und Wills dieser Welt: dass sie das Leben, wie schmerzvoll es auch sein mag, als lebenswert und wertvoll erachten. Dass sie in ihrem Leid Trost erfahren dürfen. Dass sie erfahren dürfen, was für großartige Pläne Gott für ihr Dasein hat. Dass sie ihre Hoffnung in dem finden, der das unfassbare versprochen hat:
Leben in Fülle zu schenken.




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