Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Fernández: „Miterlöserin“ in offiziellen Vatikandokumenten tabu, in der privaten Andacht erlaubt
  2. Vatikan macht sich für Monogamie in der Ehe stark
  3. Karmeliten-Pater Joshy Pottackal wird neuer Weihbischof im Bistum Mainz
  4. „Als katholischer Christ und als Hochschullehrer macht mich dieser Vorgang tief traurig“
  5. Papst Leo XIV. empfängt deutsche Theologin und Bätzing-Marx-Kritikerin Katharina Westerhorstmann
  6. Latein nicht mehr erste Amtssprache im Vatikan
  7. 'Für mich gilt: Mein Leben liegt in der Hand Gottes'
  8. Mutig: Fürst Albert II. verweigert für Monaco die Ausweitung der legalisierten Abtreibung
  9. Papst will für 2033 Treffen aller Kirchen in Jerusalem
  10. R.I.P. Martin Lohmann
  11. "Hassprediger und Hofnarr"
  12. Salzburg: Die drei Goldensteiner Ordensfrauen dürfen im Kloster bleiben, ABER...
  13. „Wir bestreiten das Recht einiger Bischöfe, für alle Bischöfe zu sprechen und handeln“
  14. Die (w)irren Begründungen der Diözese Linz bei dutzenden Pfarrauflösungen
  15. Polnische Bischofskonferenz: „Wir appellieren um Respekt vor dem hl. Johannes Paul II.“

Ausgrenzung und Diskriminierung von Christen in Europa

13. Oktober 2016 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Schon das hartnäckige und langjährige Schweigen westlicher Eliten zur Christenverfolgung auf anderen Kontinenten ist ein Zeichen dafür, dass etwas nicht im Lot ist. Gastkommentar von Martin Kugler


Wien (kath.net) Der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) hat vor wenigen Tagen einen Appell an die Regierungen gegen eine Zurückdrängung der Religion aus dem öffentlichen Leben gerichtet. Bei dieser Versammlung der CCEE in Moncaco referierte vor den europäischen Bischöfen der Wiener Historiker Dr. Martin Kugler vom „Observatory on intolerance and discrimination against Christian in Europe“ über Religionsfreiheit und Intoleranz (Foto). Seinen frei gehaltenen Vortrag fasste er für kath.net zusammen.

Nie war die Lage gläubiger Christen weltweit so prekär wie heute. Historisch betrachtet zählen die Jahre 2015 und 2016 zu den schlimmsten „Momenten“ überhaupt und sogar in der westlichen Welt wird die Lage für Menschen die ihren Glauben ernst nehmen immer schwieriger.

Papst Franziskus hat dieses Jahr bereits mehrmals „neue Arten der Christenverfolgung“ kritisiert. Dazu gehöre etwa der „kulturelle Ausschluss“ von Christen aus der Gesellschaft. Am 12. April sagte der Papst bei der Morgenmesse: „Ich denke hierbei an jene Verfolgungen, bei denen ein Mensch nicht wegen seiner Bezeugung des Namens Christi verfolgt wird, sondern weil er die Werte des Gottessohnes vertreten will.“ Franziskus bezeichnete dieses Phänomen mit ironischem Unterton als „höfliche“ Verfolgung. Diese trete oft „verkleidet als Kultur, Modernität oder Fortschritt“ auf, und es werde nur wenig darüber gesprochen. Die Mächtigen dieser Welt machen Gesetze, „und eine Nation, die jenen sogenannten modernen und aufgeklärten Gesetzen nicht folgt oder sie nicht in ihrer Gesetzgebung haben will, wird angeklagt und auf höfliche Weise verfolgt“. Diese Art der Verfolgung raube dem Menschen seine Freiheit – „auch diejenige der Ablehnung aus Gewissensgründen“.

Natürlich gehört dies – könnte man sagen – zur Nachfolge Christi. Und angesichts der existentiellen Bedrohung von Christen in vielen Ländern der Welt ist die Situation in Europa ohne jedes Selbstmitleid zu sehen – und auch völlig anders zu bewerten. Aber schon das hartnäckige und langjährige Schweigen westlicher Eliten zur Verfolgung auf anderen Kontinenten ist ein Zeichen dafür, dass etwas nicht im Lot ist.


Das in Wien ansässige Dokumentationsarchiv für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen (kurz „Observatory“ genannt) will gerade für Europa eine Stimme für die Gläubigen sein und richtet sich an alle Menschen guten Willens. Wir untersuchen Fälle von Intoleranz – die soziale Dimension von Ausgrenzung: Ausgrenzung bekennender Christen aus dem öffentlichen Leben, Ausgrenzung von christlichen Symbolen und Grundwerten, gesellschaftliche Nachteile, Aufhetzung und Mobbing, negative Stereotypen in den Medien. Ebenso prüfen wir Fälle von Diskriminierung – die legale bzw. politische Dimension: Das Vorenthalten gleicher Rechte, Einseitigkeit in den Gerichtssälen; Verstöße gegen die Gewissensfreiheit, gegen Meinungsfreiheit, z.B. am Arbeitsplatz. Verletzungen des Rechts der Eltern, die Erziehung ihrer Kinder (etwa im Sexualunterricht) mitzubestimmen; sogenannte „Gleichheitsgesetze“ die in Diskriminierungen münden. Und Gewaltdelikte: Hassverbrechen und stark ansteigender Vandalismus in Kirchen.

Während der Umgang mit Christen in Europa natürlich nicht bis zum Level echter Verfolgung geht, erkennen wir erschreckende Trends von Marginalisierung und „politischer Verfolgung“: es gibt zunehmend Drohungen gegen Persönlichkeiten und Organisationen, die in der Öffentlichkeit für das umfassende Lebensrecht und die Menschenwürde eintreten. Gewalttätige Gegendemonstrationen bei Pro Life-Veranstaltungen sind in vielen Ländern „normal“ und werden medial kaum kritisiert. Besonders im Gesundheitswesen ist der Gewissensvorbehalt bei unethischen Handlungen ein großes Thema: Ärzte, Hebammen, Krankenschwestern und auch Apothekerinnen müssen wählen zwischen ihrer Karriere und ihren religiösen Überzeugungen. Zudem bedrohen „Anti – Fundamentalismus“- Gesetze Programme christlicher Schulen und die Meinungsfreiheit. Und fast überall gibt es Bereiche, wo Jesus Christus von Weihnachten „entfernt“ wird, wie z.B. in Kindertagesstätten in Kassel, wie dieser Tage bekannt wurde.

Gleichzeitig existiert seit einem Jahr eine neue Herausforderung für Europa, der Schutz für die am meisten bedrohten Asylsuchenden: die Christen, die vor Verfolgung und Genozid flüchten. Nachdem sie ihr Leben aufs Spiel setzten um nach Europa zu gelangen, schlägt ihnen hier oft erneut Gewalt, Bedrohung und Diskriminierung aufgrund ihres christlichen Glaubens entgegen. Das „Observatory“ hat sich dazu verpflichtet, die Schwierigkeiten und Nöte der nach Europa kommenden Flüchtlinge zu dokumentieren und darüber zu berichten. Wir brachten bereits Beiträge in die öffentliche Debatte ein und lieferten konkrete Vorschläge für politische Entscheidungsträger.

Hat sich die Situation für Christen in Europa also in den letzten Jahren verschlechtert?

Auf der einen Seite hat sich die Situation sicherlich verschlechtert. Es gibt das neue Phänomen der Diskriminierung christlicher Flüchtlinge und es gibt deutlich mehr Fälle von Intoleranz und rechtlicher Einschränkung für gläubige Christen in unserer „westlichen Gesellschaft“, was teilweise dramatische Züge annimmt.

Auf der anderen Seite reagieren Christen besser auf diese Probleme und es gibt ein stärkeres Bewusstsein dafür. Das ist ermutigend. Vor zehn Jahren war es fast undenkbar, dass der Europarat oder die OSZE solche Missstände auf sinnvolle Weise in Angriff nimmt. Wenn sich damals jemand dazu geäußert hat, wurde er abgewiesen mit dem Argument, dass Christen ohnehin die Mehrheit in Europa sind und sie daher „gar nicht diskriminiert werden können“. Jetzt gibt es viele Menschen, die sehen, dass es keine Frage der Mehrheit ist, sondern eine Frage der Rechte. Einige wirklich dramatische Fälle wurden zu Alarmglocken für Christen in Europa: der „Fall Buttiglione“ oder evangelikale Pastoren die (wegen ihren Anmerkungen zu Homosexualität) ins Gefängnis kamen oder zumindest vor Gericht gestellt wurden. Spanische Bischöfe, die aus dem gleichen Grund angezeigt und politisch isoliert wurden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass engagierte Christen besser gelernt haben, wie eine „kreative Minderheit“ zu handeln anstatt wie eine beleidigte Mehrheit, die sich aufregt aber nichts unternimmt.

Konkrete Fälle und weiterführende Texte: http://www.intoleranceagainstchristians.eu/.

Martin Kugler während seines Vortrags vor dem Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE)




Foto (c) Martin Kugler


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Christenverfolgung

  1. Seine Freilassung war eine Gebetserhörung
  2. Nuntius Eterović: „Christen sind die weltweit am meisten wegen ihrer Religion verfolgten Menschen“
  3. Beobachtungsstelle: Tausende christenfeindliche Straftaten in Europa
  4. Angriffe auf Christen in Syrien: Kirchenführer schlagen Alarm
  5. Nigeria: Entführter Seminarist (16) in Geiselhaft verstorben
  6. Keine Religion hat derzeit einen so hohen Blutzoll zu zahlen wie das Christentum
  7. Nach fast 24 Jahren Todeszelle in Pakistan: Der Christ Anwar Kenneth (72) ist frei
  8. Die EU-Bischöfe fordern, den Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit wiedereinzusetzen
  9. Meldestelle Christenschutz: Serie von Schändungen erreicht alarmierendes Ausmaß in Wien
  10. Anhaltende Angriffe auf Christen in Nigeria






Top-15

meist-gelesen

  1. R.I.P. Martin Lohmann
  2. ISLAND-REISE - SOMMER 2026 - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  3. Papst Leo XIV. empfängt deutsche Theologin und Bätzing-Marx-Kritikerin Katharina Westerhorstmann
  4. Fairer Streiter für die Wahrheit – Ein Nachruf auf Dr. h.c. Martin Lohmann (14.3.1957-24.11.2025)
  5. „Als katholischer Christ und als Hochschullehrer macht mich dieser Vorgang tief traurig“
  6. Karmeliten-Pater Joshy Pottackal wird neuer Weihbischof im Bistum Mainz
  7. Vatikan macht sich für Monogamie in der Ehe stark
  8. Die (w)irren Begründungen der Diözese Linz bei dutzenden Pfarrauflösungen
  9. „Ich wünsche mir gebildete Laien!“ – Newman hätte Martin Lohmann als Beispiel genommen
  10. Fernández: „Miterlöserin“ in offiziellen Vatikandokumenten tabu, in der privaten Andacht erlaubt
  11. "Hassprediger und Hofnarr"
  12. Mutig: Fürst Albert II. verweigert für Monaco die Ausweitung der legalisierten Abtreibung
  13. „Wir bestreiten das Recht einiger Bischöfe, für alle Bischöfe zu sprechen und handeln“
  14. "Was kümmert es den Mond, wenn ihn der Hund anbellt"
  15. Papst ordnet Diözese Rom neu und hebt Reform des Vorgängers Papst Franziskus auf

© 2025 kath.net | Impressum | Datenschutz