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Ausgrenzung und Diskriminierung von Christen in Europa

13. Oktober 2016 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
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Schon das hartnäckige und langjährige Schweigen westlicher Eliten zur Christenverfolgung auf anderen Kontinenten ist ein Zeichen dafür, dass etwas nicht im Lot ist. Gastkommentar von Martin Kugler


Wien (kath.net) Der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) hat vor wenigen Tagen einen Appell an die Regierungen gegen eine Zurückdrängung der Religion aus dem öffentlichen Leben gerichtet. Bei dieser Versammlung der CCEE in Moncaco referierte vor den europäischen Bischöfen der Wiener Historiker Dr. Martin Kugler vom „Observatory on intolerance and discrimination against Christian in Europe“ über Religionsfreiheit und Intoleranz (Foto). Seinen frei gehaltenen Vortrag fasste er für kath.net zusammen.

Nie war die Lage gläubiger Christen weltweit so prekär wie heute. Historisch betrachtet zählen die Jahre 2015 und 2016 zu den schlimmsten „Momenten“ überhaupt und sogar in der westlichen Welt wird die Lage für Menschen die ihren Glauben ernst nehmen immer schwieriger.

Papst Franziskus hat dieses Jahr bereits mehrmals „neue Arten der Christenverfolgung“ kritisiert. Dazu gehöre etwa der „kulturelle Ausschluss“ von Christen aus der Gesellschaft. Am 12. April sagte der Papst bei der Morgenmesse: „Ich denke hierbei an jene Verfolgungen, bei denen ein Mensch nicht wegen seiner Bezeugung des Namens Christi verfolgt wird, sondern weil er die Werte des Gottessohnes vertreten will.“ Franziskus bezeichnete dieses Phänomen mit ironischem Unterton als „höfliche“ Verfolgung. Diese trete oft „verkleidet als Kultur, Modernität oder Fortschritt“ auf, und es werde nur wenig darüber gesprochen. Die Mächtigen dieser Welt machen Gesetze, „und eine Nation, die jenen sogenannten modernen und aufgeklärten Gesetzen nicht folgt oder sie nicht in ihrer Gesetzgebung haben will, wird angeklagt und auf höfliche Weise verfolgt“. Diese Art der Verfolgung raube dem Menschen seine Freiheit – „auch diejenige der Ablehnung aus Gewissensgründen“.

Natürlich gehört dies – könnte man sagen – zur Nachfolge Christi. Und angesichts der existentiellen Bedrohung von Christen in vielen Ländern der Welt ist die Situation in Europa ohne jedes Selbstmitleid zu sehen – und auch völlig anders zu bewerten. Aber schon das hartnäckige und langjährige Schweigen westlicher Eliten zur Verfolgung auf anderen Kontinenten ist ein Zeichen dafür, dass etwas nicht im Lot ist.


Das in Wien ansässige Dokumentationsarchiv für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen (kurz „Observatory“ genannt) will gerade für Europa eine Stimme für die Gläubigen sein und richtet sich an alle Menschen guten Willens. Wir untersuchen Fälle von Intoleranz – die soziale Dimension von Ausgrenzung: Ausgrenzung bekennender Christen aus dem öffentlichen Leben, Ausgrenzung von christlichen Symbolen und Grundwerten, gesellschaftliche Nachteile, Aufhetzung und Mobbing, negative Stereotypen in den Medien. Ebenso prüfen wir Fälle von Diskriminierung – die legale bzw. politische Dimension: Das Vorenthalten gleicher Rechte, Einseitigkeit in den Gerichtssälen; Verstöße gegen die Gewissensfreiheit, gegen Meinungsfreiheit, z.B. am Arbeitsplatz. Verletzungen des Rechts der Eltern, die Erziehung ihrer Kinder (etwa im Sexualunterricht) mitzubestimmen; sogenannte „Gleichheitsgesetze“ die in Diskriminierungen münden. Und Gewaltdelikte: Hassverbrechen und stark ansteigender Vandalismus in Kirchen.

Während der Umgang mit Christen in Europa natürlich nicht bis zum Level echter Verfolgung geht, erkennen wir erschreckende Trends von Marginalisierung und „politischer Verfolgung“: es gibt zunehmend Drohungen gegen Persönlichkeiten und Organisationen, die in der Öffentlichkeit für das umfassende Lebensrecht und die Menschenwürde eintreten. Gewalttätige Gegendemonstrationen bei Pro Life-Veranstaltungen sind in vielen Ländern „normal“ und werden medial kaum kritisiert. Besonders im Gesundheitswesen ist der Gewissensvorbehalt bei unethischen Handlungen ein großes Thema: Ärzte, Hebammen, Krankenschwestern und auch Apothekerinnen müssen wählen zwischen ihrer Karriere und ihren religiösen Überzeugungen. Zudem bedrohen „Anti – Fundamentalismus“- Gesetze Programme christlicher Schulen und die Meinungsfreiheit. Und fast überall gibt es Bereiche, wo Jesus Christus von Weihnachten „entfernt“ wird, wie z.B. in Kindertagesstätten in Kassel, wie dieser Tage bekannt wurde.

Gleichzeitig existiert seit einem Jahr eine neue Herausforderung für Europa, der Schutz für die am meisten bedrohten Asylsuchenden: die Christen, die vor Verfolgung und Genozid flüchten. Nachdem sie ihr Leben aufs Spiel setzten um nach Europa zu gelangen, schlägt ihnen hier oft erneut Gewalt, Bedrohung und Diskriminierung aufgrund ihres christlichen Glaubens entgegen. Das „Observatory“ hat sich dazu verpflichtet, die Schwierigkeiten und Nöte der nach Europa kommenden Flüchtlinge zu dokumentieren und darüber zu berichten. Wir brachten bereits Beiträge in die öffentliche Debatte ein und lieferten konkrete Vorschläge für politische Entscheidungsträger.

Hat sich die Situation für Christen in Europa also in den letzten Jahren verschlechtert?

Auf der einen Seite hat sich die Situation sicherlich verschlechtert. Es gibt das neue Phänomen der Diskriminierung christlicher Flüchtlinge und es gibt deutlich mehr Fälle von Intoleranz und rechtlicher Einschränkung für gläubige Christen in unserer „westlichen Gesellschaft“, was teilweise dramatische Züge annimmt.

Auf der anderen Seite reagieren Christen besser auf diese Probleme und es gibt ein stärkeres Bewusstsein dafür. Das ist ermutigend. Vor zehn Jahren war es fast undenkbar, dass der Europarat oder die OSZE solche Missstände auf sinnvolle Weise in Angriff nimmt. Wenn sich damals jemand dazu geäußert hat, wurde er abgewiesen mit dem Argument, dass Christen ohnehin die Mehrheit in Europa sind und sie daher „gar nicht diskriminiert werden können“. Jetzt gibt es viele Menschen, die sehen, dass es keine Frage der Mehrheit ist, sondern eine Frage der Rechte. Einige wirklich dramatische Fälle wurden zu Alarmglocken für Christen in Europa: der „Fall Buttiglione“ oder evangelikale Pastoren die (wegen ihren Anmerkungen zu Homosexualität) ins Gefängnis kamen oder zumindest vor Gericht gestellt wurden. Spanische Bischöfe, die aus dem gleichen Grund angezeigt und politisch isoliert wurden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass engagierte Christen besser gelernt haben, wie eine „kreative Minderheit“ zu handeln anstatt wie eine beleidigte Mehrheit, die sich aufregt aber nichts unternimmt.

Konkrete Fälle und weiterführende Texte: http://www.intoleranceagainstchristians.eu/.

Martin Kugler während seines Vortrags vor dem Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE)




Foto (c) Martin Kugler


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