07 November 2016, 13:00
Der Priester – munus docendi
 
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: die erste Aufgabe des Priesters – in der Verwirrung und Orientierungslosigkeit unserer Zeit das Licht des Wortes Gottes gegenwärtig machen, das Christus selbst ist. Von Armin Schwibach

Rom(kath.net/as) Das Jahr 2010 – „annus horribilis“, wie es damals der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn nannte. Der Höhepunkt des Missbrauchsskandals in der Kirche erschütterte die Grundfeste. Der Papst selbst stand im Gegenwind, verallgemeinerte Anklagen schafften eine Verdachtsituation gegenüber dem ganzen Klerus. Die Antwort Papst Benedikts XVI. auf die katastrophalen Situationen in Irland und Deutschland war: Buße!

Am 19. Juni 2009 hatte Benedikt XVI. anlässlich des 150. Jahrestags des „dies natalis“ von Johannes Maria Vianney, dem Schutzheiligen aller Pfarrer der Welt, offiziell ein „Jahr der Priester“ ausgerufen. Genau dieses Jahr, dessen Sinn es war, das Engagement einer inneren Erneuerung aller Priester für ein noch stärkeres und wirksameres Zeugnis für das Evangelium in der Welt von heute zu fördern, drohte, unter dem Schatten des Verbrechens von Klerikern an minderjährigen Schutzbefohlenen erstickt zu werden.

Benedikt XVI. vereinte sein entschlossenes Handeln gegen die Untreue mit ihren kriminellen Folgen mit einem ständigen Bemühen, Horizonte, Wesen und Sinn des priesterlichen Seins zu vertiefen. Es hatte den Anschein, dass dem Teufel dieses Jahr besonders zuwider war. Aber der Papst fuhr unbeirrt fort, die Kirche im Glauben zu stärken und sich besonders der Priester anzunehmen.

Vor dem Ende des Priesterjahres am 11. Juni betrachtete Benedikt XVI. dann ab April 2009 in den Katechesen der Generalaudienz einige Aspekte des priesterlichen Dienstes: „Ich möchte bei der fruchtbaren Wirklichkeit der Gleichgestaltung des Priesters mit Christus, dem Haupt, verweilen, in der Ausübung der ‚tria munera’, die er empfängt, also der drei Ämter des Lehrens, des Heiligens und des Leitens“. Dabei ging der Papst von der „Vertretung Christi“ durch den Priester aus:

„Um zu verstehen, was es bedeutet, dass der Priester ‚in persona Christi Capitis’ – in der Person Christi, des Hauptes – handelt, und auch um zu verstehen, welche Konsequenzen die Aufgabe mit sich bringt, den Herrn besonders in der Ausübung dieser drei Ämter zu vertreten, muss vor allem geklärt werden, was man unter ‚Vertretung’ versteht. Der Priester vertritt Christus. Was heißt, was bedeutet es, jemanden zu ‚vertreten’? Im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet es gewöhnlich, von einem Menschen beauftragt zu werden, um an seiner Stelle anwesend zu sein, an seiner Stelle zu sprechen und zu handeln, weil der Vertretene vom konkreten Schauplatz des Handelns abwesend ist. Wir fragen uns: Vertritt auch der Priester den Herrn in dieser Weise? Die Antwort lautet »nein«, denn in der Kirche ist Christus niemals abwesend; die Kirche ist sein lebendiger Leib, und das Haupt der Kirche ist er, der in ihr gegenwärtig ist und in ihr wirkt. Christus ist niemals abwesend. Er ist sogar auf eine Weise gegenwärtig, die dank der Auferstehung, die wir insbesondere jetzt in der Osterzeit betrachten, vollkommen frei ist von den Grenzen des Raumes und der Zeit“.

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„Die Tatsache, dass der Priester keine eigenen Ideen erfindet, schafft und verkündigt, insofern die Lehre, die er verkündigt, nicht seine eigene ist, sondern die Lehre Christi, bedeutet andererseits nicht, dass er neutral ist, so als wäre er ein Sprecher, der einen Text verliest, den er sich vielleicht nicht zu eigen macht. Auch hier gilt das Vorbild Christi, der gesagt hat: Ich stamme nicht aus mir, und ich lebe nicht für mich, sondern ich komme vom Vater und lebe für den Vater. In dieser tiefen Identifizierung ist die Lehre Christi also die des Vaters, und er selbst ist eins mit dem Vater.“


kath.net veröffentlicht die Katechese von Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienz vom 14. April 2010 zum „munus docendi“ des Priesters:

Liebe Brüder und Schwestern!

In dieser österlichen Zeit, die uns zum Pfingstfest hinführt und uns auch den Abschlußfeierlichkeiten des Priester-Jahres näherbringt, die für den kommenden 9., 10. und 11. Juni geplant sind, möchte ich gerne noch einige Überlegungen dem Thema des Weihepriestertums widmen. Ich möchte bei der fruchtbaren Wirklichkeit der Gleichgestaltung des Priesters mit Christus, dem Haupt, verweilen, in der Ausübung der »tria munera«, die er empfängt, also der drei Ämter des Lehrens, des Heiligens und des Leitens.

Um zu verstehen, was es bedeutet, daß der Priester »in persona Christi Capitis« – in der Person Christi, des Hauptes – handelt, und auch um zu verstehen, welche Konsequenzen die Aufgabe mit sich bringt, den Herrn besonders in der Ausübung dieser drei Ämter zu vertreten, muß vor allem geklärt werden, was man unter »Vertretung« versteht. Der Priester vertritt Christus. Was heißt, was bedeutet es, jemanden zu »vertreten«? Im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet es gewöhnlich, von einem Menschen beauftragt zu werden, um an seiner Stelle anwesend zu sein, an seiner Stelle zu sprechen und zu handeln, weil der Vertretene vom konkreten Schauplatz des Handelns abwesend ist.

Wir fragen uns: Vertritt auch der Priester den Herrn in dieser Weise? Die Antwort lautet »nein«, denn in der Kirche ist Christus niemals abwesend; die Kirche ist sein lebendiger Leib, und das Haupt der Kirche ist er, der in ihr gegenwärtig ist und in ihr wirkt. Christus ist niemals abwesend. Er ist sogar auf eine Weise gegenwärtig, die dank der Auferstehung, die wir insbesondere jetzt in der Osterzeit betrachten, vollkommen frei ist von den Grenzen des Raumes und der Zeit.

Der Priester, der »in persona Christi Capitis« und stellvertretend für den Herrn handelt, handelt niemals im Namen eines Abwesenden, sondern in der Person des auferstandenen Christus, dessen Gegenwart sich in seinem real wirkenden Handeln zeigt. Er handelt wirklich und wirkt das, was der Priester nicht tun könnte: die Wandlung von Brot und Wein in die Realpräsenz des Herrn, die Lossprechung von den Sünden. Der Herr macht sein eigenes Wirken in der Person gegenwärtig, die diese Handlungen durchführt.

Die drei Aufgaben des Priesters – die die Überlieferung in den verschiedenen Sendungsworten des Herrn erkannt hat: lehren, heiligen und leiten – sind in ihrer Verschiedenheit und in ihrer tiefen Einheit besondere Ausprägungen dieser wirksamen Stellvertretung. In Wirklichkeit sind es die drei Handlungen des auferstandenen Christus, der heute in der Kirche und in der Welt lehrt und so Glauben schafft, sein Volk vereint, die Wahrheit gegenwärtig macht und wirklich die Gemeinschaft der Universalkirche aufbaut; und er heiligt und leitet. sie.

Die erste Aufgabe, über die ich heute sprechen möchte, ist das »munus docendi«, also das Lehren. In unserem heutigen Erziehungs- und Bildungsnotstand erweist sich das durch den Dienst eines jeden Priesters konkret ausgeübte »munus docendi« der Kirche als besonders wichtig. Wir leben in einer großen Verwirrung über die grundlegenden Entscheidungen unseres Lebens und über die Fragen, was die Welt ist, woher sie kommt, wohin wir gehen, wie wir Gutes tun können, wie wir leben sollen, welches die wirklich entscheidenden Werte sind. Es gibt in diesem Zusammenhang viele einander widersprechende Philosophien, die entstehen und wieder vergehen und die Verwirrung stiften in bezug auf die grundlegenden Entscheidungen, wie wir leben sollen, weil wir im allgemeinen nicht mehr wissen, woraus und wofür wir geschaffen sind und wohin wir gehen.

In dieser Situation wird das Wort des Herrn Wirklichkeit, der Mitleid hatte mit den vielen Menschen, weil sie wie Schafe waren, die keinen Hirten haben (vgl. Mk 6,34). Der Herr hat dies gesagt, als er die Tausenden von Menschen sah, die ihm in die Wüste nachfolgten, weil sie in den verschiedenen Strömungen jener Zeit nicht mehr wußten, was der wahre Sinn der Heiligen Schrift war, was Gott sagte. Vom Mitleid bewegt legte der Herr das Wort Gottes aus, er selbst ist das Wort Gottes, und schenkte so Orientierung. Das ist die Funktion des Priesters »in persona Christi«: in der Verwirrung und Orientierungslosigkeit unserer Zeit das Licht des Wortes Gottes gegenwärtig zu machen, das Licht, das Christus selbst in dieser unserer Welt ist. Der Priester lehrt also keine eigenen Ideen, keine Philosophie, die er selbst erfunden hat, gefunden hat oder die ihm gefällt; der Priester spricht nicht aus sich heraus, er spricht nicht für sich, um sich vielleicht Bewunderer oder eine eigene Partei zu verschaffen; er sagt keine eigenen Dinge, keine eigenen Erfindungen, sondern inmitten der Verwirrung der ganzen Philosophien lehrt der Priester im Namen des gegenwärtigen Christus. Er bietet die Wahrheit an, die Christus selbst ist, sein Wort, seine Art, zu leben und voranzugehen.

Für den Priester gilt das, was Christus über sich selbst gesagt hat: »Meine Lehre stammt nicht von mir« (Joh 7,16). Christus bietet also nicht sich selbst an, sondern als Sohn ist er die Stimme, das Wort des Vaters. Auch der Priester muß immer so sprechen und handeln: »Meine Lehre stammt nicht von mir, ich verbreite nicht meine Ideen oder das, was mir gefällt, sondern ich bin Mund und Herz Christi und vergegenwärtige die einzige und allgemeine Lehre, die die universale Kirche geschaffen hat und die ewiges Leben hervorbringt. «

Die Tatsache, daß der Priester keine eigenen Ideen erfindet, schafft und verkündigt, insofern die Lehre, die er verkündigt, nicht seine eigene ist, sondern die Lehre Christi, bedeutet andererseits nicht, daß er neutral ist, so als wäre er ein Sprecher, der einen Text verliest, den er sich vielleicht nicht zu eigen macht. Auch hier gilt das Vorbild Christi, der gesagt hat: Ich stamme nicht aus mir, und ich lebe nicht für mich, sondern ich komme vom Vater und lebe für den Vater. In dieser tiefen Identifizierung ist die Lehre Christi also die des Vaters, und er selbst ist eins mit dem Vater.

Der Priester, der das Wort Christi verkündigt, den Glauben der Kirche und nicht seine eigenen Ideen, muß auch sagen: Ich lebe nicht aus mir und für mich, sondern ich lebe mit Christus und aus Christus, und daher wird das, was Christus uns gesagt hat, zu meinem Wort, auch wenn es nicht mein eigenes ist. Das Leben des Priesters muß sich mit Christus identifizieren; auf diese Weise wird das nicht eigene Wort dennoch zu einem zutiefst persönlichen Wort. Zu diesem Thema sagte der hl. Augustinus, als er über die Priester sprach: »Was sind wir? Diener (Christi), seine Knechte; denn das, was wir an euch verteilen, ist nicht unser, sondern wir nehmen es aus seinem Vorrat. Und auch wir leben davon, weil wir Diener sind, ebenso wir ihr es seid« (Predigt 229/E, 4).

Die Lehre, die der Priester anzubieten berufen ist, die Wahrheiten des Glaubens, müssen verinnerlicht und auf einem tiefgehenden persönlichen geistlichen Weg gelebt werden, damit der Priester wirklich in eine tiefe innere Gemeinschaft mit Christus eintritt. Der Priester glaubt und empfängt das, was der Herr gelehrt und was die Kirche weitergegeben hat, und er strebt danach, es in erster Linie selbst zu leben, auf jenem Weg der Identifizierung mit der eigenen Aufgabe, dessen vorbildlicher Zeuge der hl. Johannes Maria Vianney ist (vgl. Schreiben zum Beginn des Priester-Jahres). »Vereint in derselben Liebe« – so sagt wieder der hl. Augustinus – »sind wir alle Hörer dessen, der für uns im Himmel der einzige Lehrmeister ist« (Enarr. in Ps 131,1,7).

Die Stimme des Priesters könnte folglich nicht selten wie eine Stimme erscheinen, die in der Wüste ruft (vgl. Mk 1,3), aber gerade darin liegt ihre prophetische Kraft. Sie ist niemals an irgendeine Kultur oder herrschende Mentalität angepaßt, noch kann sie daran angepaßt werden, sondern sie zeigt die einzige Neuheit auf, die eine echte und tiefe Erneuerung des Menschen bewirken kann: daß Christus der Lebendige ist, der nahe Gott, der Gott, der im Leben und für das Leben der Welt wirkt und uns die Wahrheit, die Lebensweise schenkt.

In der sorgfältigen Vorbereitung der Predigten für die Sonn- und Feiertage, ohne die Wochentagspredigten auszuschließen, beim Bemühen um die katechetische Unterweisung, in den Schulen, in den akademischen Einrichtungen und insbesondere durch jenes ungeschriebene Buch, das sein eigenes Leben ist, ist der Priester stets »Lehrer«, lehrt er. Er tut dies jedoch nicht mit der Anmaßung dessen, der eigene Wahrheiten aufzwingt, sondern in der demütigen und frohen Gewißheit dessen, der der Wahrheit begegnet ist, von ihr ergriffen und umgeformt wurde und daher nicht anders kann als sie zu verkündigen.

Das Priestertum kann nämlich niemand selbst wählen, es ist kein Weg, um eine Sicherheit im Leben zu erlangen oder eine soziale Stellung zu erobern: Niemand kann es sich selbst geben oder suchen. Das Priestertum ist eine Antwort auf den Ruf des Herrn, auf seinen Willen, um Verkündiger nicht einer persönlichen Wahrheit, sondern seiner Wahrheit zu werden.

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst, das christliche Volk verlangt, in unserer Lehre die wahre kirchliche Lehre zu hören, durch die es die Begegnung mit Christus erneuern kann, der Freude, Frieden und Heil schenkt. Die Heilige Schrift, die Schriften der Kirchenväter und der Kirchenlehrer, der Katechismus der Katholischen Kirche sind in diesem Zusammenhang unverzichtbare Bezugspunkte in der Ausübung des »munus docendi«, das so wesentlich für die Bekehrung, den Weg des Glaubens und das Heil der Menschen ist. »Priesterweihe heißt: Eingetauchtwerden … in die Wahrheit« (Predigt in der »Missa Chrismatis«, 9. April 2009), jene Wahrheit, die nicht einfach nur ein Begriff oder eine Ansammlung von Ideen ist, die weitergegeben und verinnerlicht werden muß, sondern die Person Christi, mit der, für die und in der man lebt – und daraus ergibt sich notwendigerweise auch die Aktualität und die Verständlichkeit der Verkündigung. Nur das Bewußtsein um eine Wahrheit, die in der Menschwerdung des Sohnes zur Person geworden ist, rechtfertigt den Missionsauftrag: »Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! « (Mk 16,15). Nur wenn es die Wahrheit ist, ist es an alle Geschöpfe gerichtet, ist es nichts Aufgezwungenes, sondern öffnet es das Herz für das, wofür es geschaffen ist.

Liebe Brüder und Schwestern, der Herr hat den Priestern eine große Aufgabe anvertraut: Verkündiger seines Wortes zu sein, der rettenden Wahrheit, seine Stimme in der Welt zu sein, um das zu bringen, was dem wahren Wohl der Seelen und dem echten Weg des Glaubens nützt (vgl. 1 Kor 6,12). Der hl. Johannes Maria Vianney möge allen Priestern ein Vorbild sein. Er war ein Mann von großer Weisheit und heldenhafter Kraft, der dem kulturellen und sozialen Druck seiner Zeit widerstand, um die Seelen zu Gott führen zu können: Einfachheit, Treue und Direktheit waren die wesentlichen Eigenschaften seiner Predigt, Transparenz seines Glaubens und seiner Heiligkeit. Das christliche Volk wurde davon erbaut und erkannte darin, wie zu jeder Zeit in den echten Lehrmeistern, das Licht der Wahrheit. Es erkannte letztendlich das, was man in einem Priester stets erkennen sollte: die Stimme des Guten Hirten.








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