Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:









Top-15

meist-diskutiert

  1. Was für ein Desaster!
  2. Ein unheiliger Zorn von Bischof Bätzing
  3. „Aus den Kirchen und ihren Amtsträgern waren bisher keine kritischen Stimmen zu hören“
  4. "Warum die Ernennung von Amy Coney Barret wichtiger als 20 Kardinalsernennungen ist"
  5. Deutscher Minister: Mehr Tote durch Lockdown als durch Coronavirus selbst
  6. Mehr protestantisch brauchen wir nicht
  7. Vatikanischer Kurienpräfekt Becciu verliert Kardinalsrechte
  8. Corona: Schönborn nimmt Politiker in Schutz gegen Vorwürfe
  9. Woelki: „Ich bin gerne bereit mich auf einen Dialog über Lebenswirklichkeiten einzulassen“, aber…
  10. Die lila „SafeAbortionDay“-Beleuchtung des Münchner Rathauses wurde kurzfristig verboten!
  11. Erzbischof Viganò: "Trump ist Verteidiger der christlichen Zivilisation"
  12. Künstler aus Eritrea malt Kanzlerin Merkel als Mutter Teresa
  13. Trump nominiert die praktizierende Katholikin Amy Coney Barrett für den Supreme Court
  14. Kardinal Becciu verteidigt sich: Habe kein Geld unterschlagen
  15. Europarlamentarier weigern sich belarussischen Christdemokraten zu unterstützen

Das Geschäft mit der Sünde - Ablass und Ablasswesen im Mittelalter

1. Dezember 2016 in Buchtipp, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Die Autorin Christiane Laudage setzt sich äußerst fair mit dieser komplexen und für die Kirchengeschichte (Stichwort: Martin Luther) so bedeutsamen Thematik auseinander. Buchbesprechung von Hans Jakob Bürger


Linz (kath.net) „Das Geschäft mit der Sünde“ ist der Titel eines soeben im Herder-Verlag erschienenen Buches, das sich mit „Ablass und Ablasswesen im Mittelalter“ beschäftigt. Anders als es der Titel möglicherweise vermuten lässt, setzt sich die Autorin, Christiane Laudage, auf rund 260 Seiten äußerst fair mit dieser komplexen und für die Kirchengeschichte (Stichwort: Martin Luther) so bedeutsamen Thematik auseinander, woran sich noch einmal mehr als 60 Seiten mit Anmerkungen anschließen.

In ihrem Vorwort formuliert Laudage ihr Ziel wie folgt: „Wenn der Leser im Anschluss an die Lektüre bereit ist, seine Vorurteile wenigstens zu hinterfragen, freue ich mich, denn dann hat sich die Mühe gelohnt. Dieses Buch ist in erster Linie für eine breite Leserschaft gedacht, die Interesse an diesem Thema hat; das Reformationsjubiläum mag ein solches Interesse beflügeln.“ Die „breite Leserschaft“ sollte im Prinzip keine Schwierigkeiten haben, das Buch zu lesen. An dieser Stelle könnte man höchstens bemängeln, dass diverse Texte aus der mittelalterlichen deutschen Sprache im Original gebracht werden und so nicht ganz leicht zu entschlüsseln sind.

Insgesamt besteht „Das Geschäft mit der Sünde“ aus drei Teilen: „Von der Peripherie ins Zentrum“, „Ablasswesen im Kontext“ sowie „Die Plenarablässe“. Laudage beschränkt sich auf eine streng historische Beschäftigung mit ihrer Thematik. Naheliegende Fragen wie die nach der Gültigkeit von gefälschten Ablässen, die leider relativ häufig im Umlauf waren, stellen sich der Autorin nicht.


Unerlässlich für das Verständnis des Buches sind die ersten Kapitel, da dort wichtige Begriffe eingeführt und erklärt werden. Heutzutage sind die Bußen, die dem Sünder auferlegt werden, weitaus geringer. Wer selbst nach schweren Sünden von seinem Beichtvater, um es mit einem Augenzwinkern zu sagen, schlimmstenfalls anderthalb Vater unser als Buße aufgetragen bekommt, kann die mittelalterliche Ablassfrömmigkeit nur belächeln. Um also zu verstehen, warum Ablässe für eine bestimmte Anzahl von Tagen verliehen wurden, muss man wissen, dass Büßern „in Sack und Asche“ aufgrund bestimmter Vergehen Bußstrafen auferlegt wurden, die äußerst lange dauern konnten: „Knaben- und Tierschänder, Mörder und Giftmischer, Ehebrecher und Götzendiener – 30 Jahre.“ Ein Ablass von einigen hundert Tagen wirkt angesichts derartiger Bußzeiten nur noch wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Ablässe erstreckten sich nicht nur auf augenscheinlich fromme Werke wie den Bau von Kirchen und Klöstern, sondern auch beispielsweise auf den Bau von Brücken. Was hat es damit auf sich? Ein Missbrauch der päpstlichen bzw. bischöflichen Gewalt? Keineswegs: „Nicht jede Brücke gehörte in den Rechtsbereich der Kirche, aber generell wurde der Bau und Unterhalt einer Brücke als ein Werk am Nächsten zum Wohl der eigenen Seele betrachtet. Papst Johannes XXII. (1316-34) erklärte, dass ‚ihm unter den gottgefälligen und verdienstvollen Werken der Frömmigkeit die Errichtung von Brücken nicht als eines der geringsten gelte; werde doch dadurch der Verkehr erleichtert und für die Sicherheit der sie Überquerenden Sorge getragen. Er erachte es daher als eine Pflicht des Apostolischen Amtes, den Förderern so nützlicher Werke eine Belohnung zuteilwerden zu lassen.‘ Diese Belohnung war ein Ablass.“ Auch hier wird also deutlich, dass, zumindest im mittelalterlichen Verständnis, derartige Ablässe nichts Anstößiges an sich hatten.

Natürlich gibt es auch dunkle Seiten, wie oben im Zusammenhang mit gefälschten Ablässen angedeutet. Es ist kein Geheimnis, dass Martin Luther Missbräuche im Ablasswesen zum Anlass für seine Bestrebungen der Kirchenreform nahm, was dann jedoch schnell in eine Revolte oder Revolution gegen die Kirche ausartete. Im letzten Kapitel des Buches beschäftigt sich Laudage entsprechend mit Martin Luther und die Kontroverse um die Ablässe, wobei Johann Tetzel und Kardinal Cajetan prominente Rollen spielen. Das Schlusswort endet dann mit einem bezeichnenden Zitat von Kardinal Bellarmin: „Niemand hat jemals einen so weitreichenden Ablass verkündet wie Luther, der ohne jede Mühe der Buße, ohne gute Werke alle Schuld und Strafe allein aus Glauben erließ.“ Wer also die Abspaltung Luthers von der Kirche mit dem Ablasswesen begründet, liegt vollkommen falsch. Die „Reformation“ hat ganz andere Ursachen.

kath.net-Buchtipp
Das Geschäft mit der Sünde
Ablass und Ablasswesen im Mittelalter
Von Christiane Laudage
Hardcover, 352 Seiten; m. Abb.
2016 Herder, Freiburg
ISBN 978-3-451-31598-5
Preis 25.70 EUR

Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:

- Link zum kathShop

- Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus:

Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland: [email protected]

Für Bestellungen aus der Schweiz: [email protected]
Alle Bücher und Medien können direkt bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus (Auslieferung Österreich und Deutschland) und dem RAPHAEL Buchversand (Auslieferung Schweiz) bestellt werden. Es werden die anteiligen Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den jeweiligen Ländern (A, D, CH) aufgegeben, dadurch entstehen nur Inlandsportokosten.



Foto oben: Ausschnitt Titelblatt © Herder Verlag


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 Karlmaria 1. Dezember 2016 

Der Ablass wird auch in diesem Bericht nicht verstanden

Ich habe das natürlich auch nicht verstanden. Der Ablass ist ein großes Wunder das Gott wirkt. Mit rechter Ablasspraxis bräuchten wir wahrscheinlich kein AL. Diese anderthalb Vaterunser die es eventuell nach der Beichte als Buße gibt sind nicht der Ablass. Es geht darum dass nach der Beichte die Folgen der Sünde ja immer noch da sind. Wenn jemand gelogen hat ist das Vertrauen immer noch zerstört. Wenn jemand gegen das sechste Gebot gesündigt hat könnte er sich eventuell daran gewöhnt haben und es fällt ihm schwer wieder davon los zu kommen. Bei der Beichte wird die Sünde vergeben. Aber um alles wieder so hin zu bekommen wie es sein sollte dazu braucht es oft viel mehr. Dazu kann der Ablass helfen. Sind eigentlich die Ablässe bei der Piusbruderschaft jetzt auch von Seiner Heiligkeit gültig gemacht worden?


3

0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Ablass

  1. Zum Ablass in der finsteren Zeit der Seuche
  2. Vollkommener Ablass während der Corona-Pandemie! Wortlaut: das Dekret
  3. test
  4. Den Ablass als geistlichen Schatz neu entdecken
  5. Theologin: Ablass ist Geschenk Gottes
  6. 'Der Ablass ist besser als sein Ruf'
  7. Allerseelen - wir bitten für unsere Verstorbenen um Gottes Gnade
  8. Allerseelen - wir bitten für unsere Verstorbenen um Gottes Gnade
  9. Allerseelen - wir bitten für unsere Verstorbenen um Gottes Gnade
  10. Vatikan: Vollkommener Ablass im Jahr der Priester








Top-15

meist-gelesen

  1. Ein unheiliger Zorn von Bischof Bätzing
  2. Vatikanischer Kurienpräfekt Becciu verliert Kardinalsrechte
  3. Sizilien: Kirche der Heiligen Agatha verwüstet
  4. Was für ein Desaster!
  5. "Warum die Ernennung von Amy Coney Barret wichtiger als 20 Kardinalsernennungen ist"
  6. „Aus den Kirchen und ihren Amtsträgern waren bisher keine kritischen Stimmen zu hören“
  7. Woelki: „Ich bin gerne bereit mich auf einen Dialog über Lebenswirklichkeiten einzulassen“, aber…
  8. Mehr protestantisch brauchen wir nicht
  9. KOMMEN SIE MIT! Romreise zu Ostern 2021 mit Bischof Marian Eleganti
  10. Die lila „SafeAbortionDay“-Beleuchtung des Münchner Rathauses wurde kurzfristig verboten!
  11. Kardinal Becciu verteidigt sich: Habe kein Geld unterschlagen
  12. Kardinal Woelki befürchtet "dramatische Folgen" durch "Synodalen Weg"
  13. Trump nominiert die praktizierende Katholikin Amy Coney Barrett für den Supreme Court
  14. Erzbischof Viganò: "Trump ist Verteidiger der christlichen Zivilisation"
  15. Corruptio optimi pessima – Die Entartung des Besten führt zum Schlimmsten

© 2020 kath.net | Impressum | Datenschutz