05 Januar 2017, 11:30
Anbetung, Taufe, Weinwunder
 
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Im Januar feiert die Kirche die Erscheinung des Herrn, die Anbetung des Jesuskindes durch die Weisen aus dem Morgenland, die Taufe des Herrn und das Weinwunder bei der Hochzeit in Kana. Eine monatliche kath.net-Kolumne von Claudia Sperlich

Linz (kath.net)
Im Januar feiert die Kirche die Erscheinung des Herrn – die Anbetung des Jesuskindes durch die Weisen aus dem Morgenland – sowie die Taufe des Herrn und, weniger bekannt, das Weinwunder bei der Hochzeit in Kana. Vor der Liturgiereform 1970 wurde all dieser Ereignisse am 6.1. gedacht.

Nun feiern wir am 6.1. die Anbetung des Kindes, am darauffolgenden Sonntag die Taufe Jesu – und an die Hochzeit zu Kana denken wir wieder am folgenden Sonntag. Anbetung, Taufe und Weinwunder werden also gesondert betrachtet und behalten doch ihren Zusammenhang miteinander und mit dem Hochfest der Christgeburt, dessen ebenso feierliche wie ausgelassen fröhliche Zeit noch bis in den Februar hinein ausstrahlt.

Und als sie in das Haus gingen, sahen sie das Kind und Maria, seine Mutter; und sie fielen nieder und huldigten Ihm. Und sie breiteten ihre Schätze aus und brachten ihm Gaben dar: Gold und Weihrauch und Myrrhe. (Mt. 2,11)
Die Sterndeuter erkannten Ihn als König der Juden, obwohl sie ihn entweder in einem Stall oder im einfachen Haus eines Schreiners fanden. Sie folgten vermutlich verschiedenen nah aufeinanderfolgenden Konstellationen, die sie auf den „neugeborenen König der Juden“ hinwiesen (hierzu sehr interessant: Konradin Ferrari d'Occhieppo). Gott hat sich also eines heidnischen Aberglaubens (Horoskopgläubigkeit, Sterndeuterei) bedient, um „die Völker“, die Nichtjuden, zur Verehrung des Messias zu bringen. Er schreibt auf krummen Zeilen gerade!

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Die Weisen aus dem Morgenland wurden von der Legende zu Königen erhöht. Das ist nicht unsinnig. Sie waren dem Wortsinn nach wohl keine Herrscher, sondern Gelehrte. Sie sind aber Vorbild für alle Getauften. Denn als Getaufte dürfen, sollen, müssen wir Jesus huldigen, Ihn als Gott anerkennen – und zugleich den Dreieinen in der Person des Vaters als unseren Gott und Vater annehmen. Damit haben wir königliche Würde – ebenso wie jene Sterndeuter zu „Königen“ wurden, indem sie dem kleinen Jesus Ehre erwiesen.
Wir sind aufgerufen, Jesus Christus in der Hostie zu erkennen. Das ist nicht leichter, als die Göttlichkeit des Babys einfacher Leute zu erkennen – eher noch schwieriger. Aber wir haben dazu die Hilfe der Heiligen Schrift und der Kirche, die dieser Zimmermannssohn gut dreißig Jahre später auf Fels gegründet hat. Wir haben die Sicherheit, daß diese Kirche besteht, auch rund zweitausend Jahre später. Wir haben neben der Mahnung „Selig, die nicht sehen und doch glauben“ auch eine Reihe von Zeugnissen übernatürlicher Art für die Realpräsenz Jesu – Eucharistische Wunder sind selten, aber sie geschehen bis in unsere Zeit. Gott antwortet auf unseren Unglauben mit deutlichen Fingerzeigen.

Wir dürfen Jesu Wort vertrauen. Die Worte „Dies ist mein Leib“ sind nicht weniger wahr als Seine Friedensbotschaft. Wenn wir aber die Realpräsenz annehmen, so müssen wir auch vor Ihm niederknien. Zeigen wir Ihm in diesem neuen Jahr unsere Liebe durch möglichst häufige Anbetung, vor dem Tabernakel oder vor dem Allerheiligsten, und durch Ehrfurcht vor der Eucharistie! Bitten wir die Priester, für häufige Eucharistische Anbetung zu sorgen – und lassen wir sie dann nicht allein! Ahmen wir die Weisen aus dem Morgenland nach. Knien wir vor Ihm und bringen wir Ihm unsere Schätze dar – unsere Liebe, aber auch unsere Schuld, von der Er uns befreien will.

Und siehe, eine Stimme aus den Himmeln sprach: Dies ist mein geliebter Sohn, an Ihm habe Ich Wohlgefallen. (Mt. 3,17); vgl. Mk. 1,11; Lk. 3,22; Joh. 1,32-33
Geht also, macht zu Schülern alle Völker, tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Mt. 3,19)
Die Taufe reinigt von Sünden. Sie macht zum geliebten Gotteskind. Jesus, der sündenlose und ewige Gottessohn, braucht sie nicht – aber Er nimmt sie auf sich für alle Menschen, ebenso wie Er später das Kreuz auf sich nehmen wird.

Die Taufe macht zum Jünger Jesu. Sie befreit von eigener und ererbter Schuld, und sie befähigt zur Nachfolge. Diese anfängliche Befreiung und Befähigung geht nie ganz verloren, auch wenn wir die Taufgnade leider immer wieder unter einem Berg von Sünden begraben. Zum Glück gibt es die Beichte, die ja eine Art Tauferneuerung ist. Jedoch gibt es keine legitime Wiedertaufe. Selbst wenn jemand die Taufgnade scheinbar völlig verscherzt, indem er sich ganz von Gott abwendet, im schlimmsten Fall Satanist wird, steht ihm der Weg zur Umkehr bis zum Tod offen. In der Taufe wird der Mensch Jesus geschenkt, und in der Sünde nimmt er sich Jesus wieder weg und überliefert sich anderen Mächten – aber das gelingt nie vollständig, Jesus ist immer der Stärkere, der uns aus dem selbstgemachten Unheil herausreißen kann, wenn wir es nur wollen.

Gott will alle Menschen bei sich haben. Er sehnt sich danach, daß alle sich Ihm völlig verschreiben. Die Taufe ist heilsnotwendig (was nicht bedeutet, daß Gott nicht fähig wäre, Ungetaufte durch Seine Gnade aufzunehmen; die Kirche ist sich hierüber klar). So wichtig ist die Taufe, daß im Notfall jeder Mensch guten Willens (er muss nicht einmal Christ sein) sie spenden darf, wenn er nur die Taufformel und ihre Bedeutung kennt und klares Wasser da ist. Aber sie wird immer gespendet, geschenkt, durch Gottes Gnade, und niemals eigenmächtig verliehen. Niemand kann sich selbst taufen.

Als Getaufte sind wir angehalten, das Evangelium in Wort und Tat zu verkündigen. Wir sollen nach den uns eigenen Begabungen vorleben und sagen, was wir von Jesus verstanden haben – selbst wenn es wenig ist. Vor allem sollen wir im Herzen behalten, daß wir erlöst sind!

Und da sie Mangel hatten an Wein, sagte die Mutter Jesu zu Ihm: „Wein haben sie nicht.“ Und zu ihr sagte Jesus: „Was willst du von mir, Frau? Noch ist meine Stunde nicht gekommen.“ Seine Mutter sagte zu den Dienern: „Was Er euch sagt, das tut.“

Jesus hat noch kein Wunder getan, aber Seine Mutter traut Ihm offenbar zu, daß Er dem peinlichen Mangel irgendwie abhelfen kann. Jesu Antwort ist schroff – sie kann verschieden übersetzt werden, aber keine Übersetzung klingt freundlich. (Übersetzungsmöglichkeiten sind z.B. „Was habe ich mit dir zu schaffen“, „Was ist zwischen dir und mir“, „Wo willst du mich hineinziehen“.) Aber Maria gibt nicht auf; sie wendet sich an die Diener, und es wirkt, als habe Jesus statt seiner harschen Worte gesagt „Schon gut, ich komme gleich“.

Die meisten Christen kennen das Gefühl, Gott sei fern und streng – auch bei inniger Frömmigkeit und Gottesliebe gibt es solche Zeiten, in denen der Herr so erscheint, ob das nun an einer verkehrten Sichtweise des Gläubigen liegt oder ob der Herr sich tatsächlich zum Heil des Gläubigen scheinbar eine Weile von ihnen zurückzieht. Dann ist es gut, an Marias Rolle in diesem Wunder zu denken. Sie ignoriert Jesu abweisende Art und wendet sich an die Diener mit der Forderung, Sein Wort zu befolgen.
Maria überlässt damit die Entscheidung ihrem Sohn (Er hätte ja auch gar nichts sagen können oder darauf hinweisen, daß man Wein nicht unbedingt braucht).

Jesus tut Seiner Mutter zuliebe etwas, was Er für keinen anderen getan hätte. Er ist für sie mehr als ein Sohn, nämlich der Messias. Sie ist für Ihn mehr ist als die Mutter, nämlich Braut des Heiligen Geistes, mit dem Er wesensgleich ist. Er beschließt, auf ihre Bitte hin ein Wunder zu tun, das Ihm selbst zunächst widerstrebt – so wie wohl jeder für einen besonders geliebten Menschen auch etwas auf sich nimmt, was er für keinen anderen täte.

Die schroffe Antwort bleibt im Evangelium unerklärt. Möglich, daß der Herr in Seiner Menschennatur Sein Ende zwar nicht in Einzelheiten vorauswußte, aber ahnte, daß Wein im Zusammenhang mit Seiner Sendung und Seinem Ende noch eine besondere Rolle spielen werde. „Noch ist meine Stunde nicht gekommen“ - das könnte auch heißen: „Noch ist das Ende meines irdischen Lebens nicht eingeleitet“. Tatsächlich stand zwischen diesem ersten Wunder und der Einsetzung der Eucharistie kein einziges der vielen Wunder Jesu mit Wein in irgendeinem Zusammenhang. Das Weinwunder in Kana rückt durch diese Einzigartigkeit in die logische Nähe des letzten Abendmahles.
Der Herr machte Wasser zu Wein – eine verschwenderische Fülle von ungewöhnlich gutem Wein – und zeigt uns damit, daß Er uns überreich beschenken will. Nur zweierlei ist dafür von uns aus nötig: das Eingeständnis, daß wir „keinen Wein mehr“ haben, daß wir bedürftig sind – und dann das Befolgen Seiner Worte.

Das Wunder von Kana ist mehr als Hilfsbereitschaft gegenüber den Gastgebern, denen der Wein ausgegangen ist. Tatsächlich ist ja die Menge an Wein, die Jesus spendet, viel zu groß für eine normale Hochzeitsgesellschaft. Es ist über diese praktische Großzügigkeit hinaus der Hinweis auf die nie endende Überfülle von Gottes Herrlichkeit. Es ist zudem der Hinweis auf das Blut Christi, vergossen für eine unüberschaubare Zahl an Menschen. Die Hochzeiter in Kana sind gewissermaßen die ersten Empfänger der Eucharistie.
Die zwölf Krüge sind immer noch nicht leer. Wir trinken immer noch aus ihnen.







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