Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „Wir können nicht sagen, dass das, was 1.600 Jahre lang getan wurde, jetzt nicht mehr gültig sei“
  2. Kissler-Kritik an Papst Leo XIV.: „Fatale Botschaft“ bei Lampedusa-Besuch
  3. Die US-Bischöfe fördern die natürliche Familienplanung
  4. INSA-Umfrage: Relative Mehrheit der Deutschen lehnt Leihmutterschaft ab
  5. Neues Video bringt Sea-Watch unter schweren Verdacht: Zusammenarbeit mit bewaffneten Schleusern?
  6. Gänswein wird 70: Kirchenkarriere wohl noch nicht am Ende
  7. Pax tecum – Wenn der Papst über Frieden spricht
  8. 'Weihnachten im Juli': Der Gedenktag der Heiligen Drei Könige
  9. Vatikan dementiert Berichte über Ende des Rupnik-Verfahrens
  10. Deutsches Auswärtiges Amt verzichtet auf Genderschreibweise
  11. Papst ruft zu christlichem Lebensstil im Urlaub auf
  12. Papst Leo: „So können wir als Christen das Alter leben: gebrechlich, aber zugleich berufen“
  13. Auf der Intensivstation zum ständigen Diakon geweiht: Pino Cannavò
  14. Ahmad Mansour: „Nennen wir es beim Namen: Es ist der Islamismus“
  15. Leo beruft den lehramtstreuen US-Erzbischof Cordileone in die Apostolische Signatur

Die Kirche ist keine politische Vorfeldorganisation der Regierung

27. Dezember 2016 in Kommentar, 7 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


In der Bibel heißt es „Bereitet dem Herrn den Weg“. Dort steht nirgends geschrieben: „Ebnet der Regierung die Bahn“ - Ein kath.net-Kommentar von Martin Wind zu Reaktionen aus der katholischen Kirche auf den islamistischen Anschlag in Berlin


Linz (kath.net)
Die Kirche ist keine politische Vorfeldorganisation der Regierung. In der Bibel heißt es „Bereitet dem Herrn den Weg“. Dort steht nirgends geschrieben: „Ebnet der Regierung die Bahn“. Was im Nachgang zum 12fach tödlichen Terrorangriff eines radikalen Muslims auf einen Berliner Weihnachtsmarkt von einigen Bischöfen zu hören war, wirkt teilweise leider anders. Einige Verlautbarungen klingen weniger nach Trost und Vergewisserung, als vielmehr als Aufruf zur „Ruhe in der Gesellschaft“:

„Es sei aber wichtig, diese Angst wieder zu überwinden und sich nicht der Absicht der Täter, in unserer Gesellschaft Angst und Hass zu sähen (sic!), zu ergeben.“, ließ unter anderem beispielsweise der Ruhrbischof, Dr. Franz-Josef Overbeck, durch die Pressestelle seines Bistums im Internet verbreiten. Es ist erstaunlich, dass da Begriffe wie „Hass“ und „Spaltung“ bemüht werden. Leider entsteht der Eindruck, dazwischen finde sich kaum noch etwas. Es wirkt beinahe, als würde den mündigen Christen unterstellt, sie hätten sich zu eben diesen negativ belasteten Reaktionen hinreißen lassen. Und Overbeck adressiert das keineswegs an Terroristen.


Es gibt eine ganze Bandbreite an Gefühlsregungen, die bei Menschen angesichts des Terrors muslimischer Fanatiker aufkommen: Erschrecken, Entsetzen, Trauer, Niedergeschlagenheit, Resignation, Aktionismus. Schlicht die gesamte negative Varianz menschlicher Emotionen. Und diese Emotionen sind zulässig!

Solchen Emotionen wird man als Bischof der Kirche mit den Floskeln von Angst und Hass nicht gerecht. Sie sind zu holzschnittartig und sie rufen auch Widerstand hervor. Die Menschen müssen emotional reagieren dürfen – auch mit Ablehnung. Alles andere wäre widernatürlich. Wie sonst sollte man mit seinen Gefühlen umgehen. Katholiken kennen die Frohe Botschaft und sie kennen den hohen Anspruch an ihren Umgang mit Mitmenschen. Sie wissen in der Regel, dass sie das erste Aufwallen der Gefühle und Reaktionen im Lichte der christlichen Nächstenliebe in ein erträgliches Maß gießen sollen und dass Jesus die „Feindesliebe“ gelehrt hat.

Das muss in einer Stunde, in der man noch frisch unter dem Eindruck der brutalen Ereignisse steht, nicht in den Vordergrund der Verlautbarung gerückt werden. Schon gar nicht in einer floskelhaften Sprache, die wir eher aus der Politik kennen. Moralisierend den Zeigefinger zu erheben, kann sich in solchen Situationen, in denen die Menschen eher Trost und Orientierung suchen und von Amtsträgern erwarten, negativ auswirken und zur Entfremdung führen.

Auch der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof des Erzbistums München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, kam nicht umhin, einen gesellschaftspolitischen Appell zu formulieren: „In dieser schweren Stunde für die Stadt Berlin und unser Land gilt es, dass wir als Gesellschaft zusammenstehen und zusammenhalten.“, so ist auf der Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zu lesen. Das wirkt bevormundend, das wirkt mehr staatstragend als seelsorglich. Man wird leider den Verdacht nicht los, die Bischöfen befürchteten, die Christen könnten angesichts des brutalen Terrors zu Überlegungen gelangen, die zu gesellschaftlichen Veränderungen führen könnten. Auch hier: „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!“

Doch was wäre an Veränderungen falsch? Ist es moralisch verwerflich, aus einer konkreten Bedrohungssituation heraus, auch Verantwortlichkeiten aufzuzeigen und Fehlentwicklungen zu benennen? Wären das bereits „Hass“, „Spaltung“ und mangelnder „Zusammenhalt“. Katholisch zu sein, ist politisch – in seiner ganzen Bandbreite. Und so ist es gut, wenn Katholiken Stellung beziehen, das ist gutes demokratisches Recht. Dies mag für die verantwortlichen Regierenden politisch unbequem sein. Es ist aber legitim. Vorverurteilende Unterstellungen und Ermahnungen an das Christenvolk gehören da nicht von der Kanzel herab gepredigt. Eher sollten sich die Appelle der Amtsträger an die Verantwortlichen in der Politik richten: Deren Handeln und Unterlassen sind eher Auslöser für gesellschaftlichen Unfrieden, Spaltung, Hass und Angst. Dem Volk aber gilt die ernsthafte Seelsorge und die Verkündigung der Frohen Botschaft – gerade jetzt an Weihnachten, wo wir die Menschwerdung unseres Gottes, des wahren und einzigen Gottes der Liebe und des Friedens, feiern.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Politik

  1. Bremer Grünenpolitikerin Görgü-Philipp posiert mit Holocaust-Koffer – Rücktritt nach Eklat!
  2. 'Man kann mit der Begründung, man verteidige die Demokratie, die Demokratie nämlich auch abschaffen'
  3. Interne Grünen-Mail nach Berlin-Blackout: „NICHT Täter*innen/Ermittlungen in den Mittelpunkt ziehen“
  4. Das große CDU-Chaos ODER wenn ein angebliches Plagiat schlimmer als Abtreibung im 9. Monat ist!
  5. Erfolg für den Lebensschutz – Kein Geld für Planned Parenthood aus US-Bundesbudget
  6. US-Repräsentantenhaus untersucht möglichen Missbrauch von Steuergeld durch Planned Parenthood
  7. Transgender-Debatte: Grüne Politikerin El-Nagashi verlässt die Partei
  8. Sprecher des US-Repräsentantenhauses will Subventionen für Planned Parenthood streichen
  9. Gründer der ‚Catholics for Harris‘: US-Demokraten haben ein ‚wachsendes Problem mit Gott‘
  10. Wirtschaft, Grenzsicherheit, Kriminalität waren Wählern wichtiger als radikale Abtreibungspolitik






Top-15

meist-gelesen

  1. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  2. „Wir können nicht sagen, dass das, was 1.600 Jahre lang getan wurde, jetzt nicht mehr gültig sei“
  3. Kissler-Kritik an Papst Leo XIV.: „Fatale Botschaft“ bei Lampedusa-Besuch
  4. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  5. Gänswein wird 70: Kirchenkarriere wohl noch nicht am Ende
  6. DANKE JUSTIN! - Kanadischer Sänger bringt Stadion während WM-Finale mit „Halleluja“ zum Schweigen!
  7. Krebs und Paradies – Das Leben des 17-jährigen David Buggi
  8. Auf der Intensivstation zum ständigen Diakon geweiht: Pino Cannavò
  9. Kardinal Burke: ‚Die Synodalität muss gestoppt werden‘
  10. INSA-Umfrage: Relative Mehrheit der Deutschen lehnt Leihmutterschaft ab
  11. Erzdiözese Wien bestätigt Pensionierung von Dompfarrer Faber
  12. Leo beruft den lehramtstreuen US-Erzbischof Cordileone in die Apostolische Signatur
  13. Ahmad Mansour: „Nennen wir es beim Namen: Es ist der Islamismus“
  14. Birkenstock springt auf "Nun Girl Summer"-Trend auf: Animierte Filz-Nonne in Birkenstock-Sandalen
  15. Irrtümer über den Jakobsweg

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz