10 Januar 2017, 10:30
Kirche in Deutschland – ein Trauerspiel
 
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„Wir wundern uns über eine reizlose Kirche, in der die Lichter auszugehen drohen?“ Gastbeitrag von Heike Sander

Bonn (kath.net/Blog Heike Sander) Man möchte verzweifeln, vor Wut in die Tischplatte beißen, das HB-Männchen geben - oder sich einfach wortlos umdrehen und gehen.

Gerne werden kirchlicherseits die sich stetig weiter leerenden Kirchen beklagt.

Was tut man dagegen?

Man schließt Kirchen, verkauft sie, verwandelt sie in Wohnhäuser, Kletterkirchen oder "bestenfalls“ in steinerne Friedhöfe.

Ebenfalls gerne genommen werden Klagen über sinkendes bis nicht mehr vorhandenes Glaubenswissen und über sinnentleerte kirchliche Festtage.

Was tut man dagegen?

Man holt die Menschen dort ab, wo sie stehen, und bringt sie – nirgendwohin.

„Houston, wir haben ein Problem.“

Eines? Oder viele? Schauen wir doch mal...

Es sind die Bischöfe, die von der Kirche „nach außen“ hin reden machen. Und was hört man? Man hört von der „Zulassung zur Kommunion wiederverheiratet Geschiedener“. Pro und Contra. Das Thema ist wie ein alter Kaugummi, der seit Jahren unter der Tischkante klebt, um bei jeder Gelegenheit wieder und wieder durchgekauft zu werden. Gelegentlich – der Abwechslung halber – greift man noch zur zweiten Geschmacksrichtung namens „Frauenpriestertum“. Auch schon bestens durchgekaut.

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Jau! Das wird die Kirchen füllen und die Christen zurück zum Glauben führen. Klappt bei Evangelens erwiesenermaßen ja auch hervorragend.

Das Gros der Deutschen zeigt bei diesen Kaugummithemen die achselzuckende Statler-und-Waldorf-Reaktion:
„The question is: WHO CARES?“
(„Die Frage lautet: Wen interessierts?“)
Und wie nehmen wir unsere Kirchenoberen sonst wahr?

Wir erfahren, dass sie in vorauseilendem Gehorsam gerne auch schon mal ihr Kreuz abnehmen, wenn es gewünscht wird. Man will ja nicht anecken, oder gar auf alberne Weise stur wirken. (War da nicht mal was? So mit dem Kreuz als Torheit und Ärgernis? Ach, egal.)

Wir hören auch, dass sie sich lieber nicht einmischen, wenn es um bedrohte und verfolgte Christen in deutschen Flüchtlingsunterkünften geht. Man will lieber nicht Partei ergreifen. Nicht mal für die „eigenen Leute“.

Und was passiert vor Ort? In den Gemeinden, in den Kirchen?

Da werden „CityKirchen“ geschaffen, in denen munter Kaffee getrunken, Suppe gegessen, Handel betrieben, musiziert und vor dem Altar getanzt wird. Das wollen die Leute so, besonders die „jungen Leute“. Komisch, dass man zu solchen Anlässen aber immer nur ergrauten Alt-68ern begegnet.

Die jungen Leute findet man stattdessen z.B. auf Nightfever-Events. Nightfever, das ist eine im Jahr 2005 auf dem Kölner Weltjugendtag gestartete Initiative, die sich anschließend als Selbstläufer erst über Deutschland und dann in aller Herren Länder verbreitet hat. Und was machen sie da, die Veranstalter und all die Menschen, die an solchen Abenden mal so „aus Versehen“ in eine Kirche geraten? Die beten! Eucharistische Anbetung. Mit sowas kann man eine weltweite Bewegung starten. Gut nur, dass vorher niemand gefragt hat, wie „Kirche“ dafür die Chancen einschätzt.

Die Menschen sollen doch bitte wieder zur Messe gehen, zur Eucharistie, so der Wunsch. Aber die sehen den sonntäglichen Kirchgang nur noch als lästige Zeitverschwendung an - und nehmen Abstand. Wieso auch nicht? Schaut man sich an, wie so mancherorts Eucharistie „gefeiert“ wird, kann man es ihnen nicht verdenken. „Feiern“ hat etwas mit „feierlich“ zu tun, und davon ist die heutige Messe in Deutschland sehr oft sehr weit entfernt. Ich habe Messen erlebt, in denen wirklich gefeiert wurde - nicht in großen Kathedralen, und ganz sicher nicht in „CityKirchen“. Es waren kleine Kirchen, aber seltsamerweise waren diese Messen zu jeder Zeit bestens besucht. Fast, als hätten die Menschen, jung und alt, eben doch noch ein Gespür dafür, was die Eucharistie ihnen bedeuten kann. Es muss eben, einfach ausgedrückt, am Altar verstanden, gefühlt und umgesetzt werden, was auch in der letzten Kirchenbankreihe ankommen soll.

Stattdessen lautet die Devise, das Kirchenvolk - so es denn die Kirche zur Messe überhaupt noch betritt - nur ja nicht zu beunruhigen, indem man es z.B. mit einer Tageslesung aus dem Schlaf des Gerechten holt, die so gar nicht in das Wohlfühlgemauschel heutiger Gottesdienste passen will. Also wird die Lesung eingekürzt, ausgetauscht oder weggelassen, frei nach unserem Innenminister:
„Ein Teil dieser Botschaft würde Sie verunsichern.“
Aaaaaah, aber zum Glück stehen unseren Kirchenoberen, Pfarrern, Priestern und Diakonen ja heutzutage die PGR helfend zur Seite! (Wer es nicht weiß: Hiermit sind die PfarrGemeindeRäte gemeint.)

Sie verfassen z.B. die monatlichen Pfarrbriefe. Mit Informationen über Sammelbörsen, Kleidertauschbörsen, Seniorennachmittagen, Kirchenchorausflügen, Messdienerfahrten, Talentbörsen, Leprabasaren......... Gut, ok, Gott kommt da jetzt irgendwie nicht vor. Aber wir wollen uns nicht um Nichtigkeiten streiten, richtig?

Ansonsten sind sie aber wirklich hilfreich, die PGR. Erstmal wegen der Börsen und Basare und Ausflüge (siehe oben). Und die Verwaltung! Vergessen wir bloß die Verwaltung nicht! Was wäre Kirche ohne Verwaltung! Verwaltung der Leere ist schließlich auch Verwaltung.

Gelegentlich gibt es auch einen PGR, der zur Hochform aufläuft und einen aus dem Ruder gelaufenen Pfarrer mit vorgehaltener Flinte aus der Stadt jagt. Man stelle sich vor: Ein Pfarrer, der sich anmaßt, über die Gestaltung der Messfeier das letzte zu Wort haben zu wollen!

Die vorgehaltene Flinte war natürlich eine Erfindung meinerseits - sie wird lediglich ins Korn geworfen, und zwar von den Pfarrern, die letztendlich um ihre Versetzung bitten.

Und das einfache Kirchenvolk? Das noch in die Messe geht? Ja, ja...

Da hatte ich heute ein feines Erlebnis: Vollbesetzte Kirche (ja, einen von „denen“ - siehe oben), eine Bankreihe aber war noch fast frei. Dafür hätte ich an der Dame auf dem äußersten Platz direkt am Gang vorbeigemusst. Auf mein freundliches „Darf ich?“ mit Geste zu den freien Plätzen neben ihr wurde ich von oben bis unten gemustert und mit einem eisigen „Sie glauben doch nicht, dass ich für Sie aufstehe.“ bedacht. (Nein, sie war weder sehr alt noch gebrechlich noch körperbehindert.) Nein, nach dieser Antwort glaubte ich das allerdings nicht mehr. Ich kletterte also mühsam an ihr vorbei und musste mich sehr beherrschen, nicht „aus Versehen“ auf ihre Füße zu treten.

Dass sich die gute Dame keiner Schuld bewusst war - also, wirklich gar keiner Schuld, nicht nur jener der Unhöflichkeit - bewies sie durch ihre völlige Sprach- und Reglosigkeit beim Schuldbekenntnis. Naja, und natürlich durch den Empfang der Kommunion. Den ich mir nicht erlauben konnte. Wegen der Wut im Bauch, und des Gedankens „DER gebe ich gleich nicht die Hand - der Friede soll ihr im Hals steckenbleiben!“. „Der da oben“ war und ist bestimmt so gar nicht zufrieden mit mir.

Bestimmt wähnte sie sich aber völlig im Recht. Als KirchensteuerzahlerIn erkauft man sich eben gewisse Rechte. Auch die auf schlechtes Benehmen.

Ist dieser eine Fall symptomatisch für das heutige Kirchenvolk in Deutschland? Natürlich nicht. Genau wie bei den Kirchenoberen, den Pfarrern und Priestern, den PGR und allen anderen gibt es auch hier „solche“ und „solche“. Aber das Bild der Kirche von außen wird durch „solche“ geschaffen, die verärgern, abstoßen oder - noch schlimmer - die einfach nur bis zum Abwinken langweilen.
„Ihr seid das Salz der Erde.“
„Ihr seid das Licht der Welt.“
Wo ist das Salz? Wir haben ihm so viel zuckrige Süße beigemischt, dass es keine Würzkraft mehr hat.

Wo ist das Licht? Wir haben so viele Scheffel darübergestülpt, dass es keine Leuchtkraft mehr hat.

Und wir wundern uns über eine reizlose Kirche, in der die Lichter auszugehen drohen?

Symbolbild










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