Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Wie wird das „pro multis“ im neuen Messbuch übersetzt werden?
  2. Freikirche oder katholische Kirche? Überlegungen eines Konvertiten
  3. Bischof Wilmer: "Wir wollen keinen deutschen Sonderweg"
  4. ‚Ein Doktor der Theologie hat keine Ahnung von der Auswirkung von Gruppeneffekten‘
  5. Der anderskatholische Papstkritiker
  6. Bätzing gegen Papst Leo
  7. „Brot für die Vögel?“ – Können Protestanten zur Hl. Kommunion zugelassen werden?
  8. Scott Hahn: Die frühe Kirche war nicht protestantisch
  9. Kardinal Fernández räumt geringes Interesse an seinem Dokument über Mission ein
  10. Revision des Messbuchs geht in nächste Phase - Erprobung 2027 geplant
  11. Musikerlegende Bob Dylan bei Papst Leo XIV. im Vatikan
  12. ‚Entschuldigung, aber … was?‘
  13. Drei Stunden im Fegefeuer
  14. Auf zu den Friedhöfen! Wir bitten für unsere Verstorbenen um Gottes Gnade!
  15. Warum ausgerechnet ein Augustiner-Pater Patron der armen Seelen ist

'Eine Inspiration für Katholiken, ihr Leben in Gottes Hände zu geben'

1. Februar 2017 in Buchtipp, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Buchbesprechung zu „Ein Lied für Nagasaki. Über das Leben von Takashi Nagai. Wissenschaftler, Konvertit und Überlebender des Atombombenabwurfes“. Gastbeitrag von Martin Bürger


Illertissen (kath.net) Nagasaki ist einer der wenigen Orte auf der Welt, mit dem ein großer Teil der Menschheit etwas verbinden kann. Über der japanischen Stadt wurde am 9. August 1945 nach Hiroshima die zweite US-amerikanische Atombombe abgeworfen. Paul Glynn, Maristenpater und langjähriger Missionar in Japan, zeichnet in „Ein Lied für Nagasaki“ das Porträt eines Überlebenden des Atombombenabwurfs. Das kurze Vorwort der beim Media Maria Verlag in deutscher Übersetzung von Petra Trischler veröffentlichen Biografie stammt übrigens von Shusaku Endo, dessen Roman „Schweigen“ über die japanische Christenverfolgung kürzlich von Martin Scorsese verfilmt wurde.

Takashi Nagai war natürlich nicht einfach ein Überlebender der großen Tragödie von 1945. Geboren im Jahre 1908, wuchs Nagai als Arztsohn innerhalb des religiösen Rahmens des Shintoismus auf. Spätestens an der Universität änderte sich jedoch seine Sicht der Dinge: „Nagai war überwältigt von dem neuen westlichen Denken und der Wissenschaft, die alles veränderte, was vorher in der Matsue-Highschool gelehrt worden war. Die späten 1800er- und frühen 1900er-Jahre waren eine Epoche, in der der Atheismus unter den japanischen Lehrern sehr modern war, weil er Teil der anregenden, wissenschaftlich basierten Philosophie war, die aus dem Westen kam.“

Während seines Medizinstudiums in Nagasaki entdeckte Nagai das Werk „Les Pensées“ von Blaise Pascal. Als Wissenschaftler schätzte er Pascal bereits, doch erst im Laufe der Zeit öffnete sich Nagai auch für die über das naturwissenschaftliche Denken hinausgehenden Dimensionen, die Pascal präsentiert. „Er wollte finden, was Pascal ‚die absolute Wahrheit‘ genannt hatte. Gab es diese tatsächlich oder hatte Pascal nur ins Blaue hinein gesprochen?“

Allerdings wurde Nagai 1933 erst einmal zum Militärdienst einberufen. Midori, die später seine Frau werden sollte, hatte ihm einen Katechismus geschickt. „In dem Buch standen in präzisen, wenn auch teilweise eigenartigen Worten die Antworten genau auf die Fragen, über die er sich schon seit Langem den Kopf zerbrochen hatte […].“ Nach dem Studium der Zehn Gebote fühlte Nagai sich „plötzlich schmutzig. Wenn es einen Gott und wenn es einen Teufel gab, dann hatte ich mein ganzes Leben damit verbracht, die Zehn Gebote des Teufels zu erfüllen – Stolz, Lust, Habsucht, Völlerei, Zorn … Ich hatte alles getan, was dieses Buch als falsch bezeichnete.“

Bald nach seiner Rückkehr an die Universität von Nagasaki, wandte sich der junge Mediziner an einen katholischen Priester, der ihn Mitte 1934 schließlich taufte. Bald heiratete er Midori, die ihm drei Kinder gebar, von denen eines jedoch früh starb. Durch seine Tätigkeit in der Röntgenabteilung der Universität war Nagai täglich viele Stunden der Strahlung ausgesetzt, sodass er an Leukämie erkrankte. Trotz allem wirkte er weiter mit großem Eifer als Arzt.

Die beiden noch lebenden Kinder von Midori und Takashi Nagai waren wenige Tage vor der Explosion der Atombombe in Nagasaki aus der Stand gebracht worden. Midori befand sich zu Hause und war sofort tot, während Takashi an der Universität arbeite und lediglich verletzt wurde. Gemeinsam mit anderen Überlebenden begann Nagai, die Verletzten zu versorgen, die besonders unter massiven Verbrennungen zu leiden hatten. Durch die Zerstörung fast aller medizinischen Ausrüstung stellte dies eine enorme Herausforderung dar.


In einer Rede vom 23. November 1945 deutete Nagai die Zerstörung von Nagasaki: „Ich glaube, dass nicht die amerikanische Flugzeugbesatzung unseren Vorort ausgewählt hat, sondern Gottes Vorsehung, sodass die Bombe direkt über unseren Häusern abgeworfen wurde. Gibt es da nicht einen tiefgründigen Zusammenhang zwischen der Vernichtung Nagasakis und dem Ende des Krieges? War Nagasaki vielleicht das auserwählte Opfer, das Lamm ohne Makel, das als brennendes Ganzopfer auf einem Opferaltar getötet wurde und damit für die Sünden aller Nationen während des Zweiten Weltkrieges Sühne leistete?“

Als sich die Leukämie weiter verschlimmerte, war Nagai ans Bett gebunden. Seine Zeit verbrachte er, neben dem Gebet, mit dem Schreiben von Büchern und Briefen. Diese Tätigkeit, welche dabei half, die vielen Wunden des japanischen Volkes zu heilen, verschaffte ihm Aufmerksamkeit nicht nur in Japan – der japanische Kaiser persönlich besuchte Nagai im Krankenbett –, sondern auf der ganzen Welt, sogar im Vatikan. Er starb am 1. Mai 1951, dem ersten Tag des Marienmonats.

Pater Paul Glynn urteilt in seinem Epilog: „Jeder von uns muss sich mit einer Midlife-Crisis oder einer Alterskrise auseinandersetzen oder den Bericht des Pathologen oder Herzspezialisten anhören. Wir müssen am eigenen Leib oder bei Menschen in unserem Umfeld die Auswirkungen von Alkoholismus, Drogenproblemen, Verkehrsunfällen, psychischen Krankheiten oder Scheidungen miterleben. Für mich ist Nagai deshalb so anziehend, weil er solche schweren modernen Probleme durchgestanden hat und noch anziehender wurde. […] Gottes Vorsehung führte ihn durch die schlimmsten Erfahrungen des 20. Jahrhunderts, um ihn zu einem Wegbereiter für andere zu machen.“ So wird „Ein Lied für Nagasaki“ zu einer Inspiration für alle Katholiken, ihr Leben ganz in Gottes Hände zu übergeben. Die heroischen japanischen Christen, von der Zeit des heiligen Franz Xaver bis zu Takashi Nagai, sind dabei unsere Vorbilder.

kath.net-Buchtipp
Ein Lied für Nagasaki
Über das Leben von Takashi Nagai. Wissenschaftler, Konvertit und Überlebender des Atombombenabwurfes
Von Paul Glynn
Hardcover. 320 Seiten
2016 Media Maria
ISBN 978-3-945401-29-3
Preis 19.50 EUR

Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:

- Link zum kathShop

- Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus:

Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland: [email protected]

Für Bestellungen aus der Schweiz: [email protected]

Alle Bücher und Medien können direkt bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus (Auslieferung Österreich und Deutschland) und der Provini-Buchhandlung (Auslieferung Schweiz) bestellt werden. Es werden die anteiligen Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den jeweiligen Ländern (A, D, CH) aufgegeben, dadurch entstehen nur Inlandsportokosten.

Titelblatt - Paul Glynn: ´Ein Lied für Nagasaki´



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Glaube

  1. Über das Dämonische
  2. Priester sagt, in seiner Gemeinde gebe es viele religiöse Menschen, aber nur wenig Christen
  3. Bischof Ivo Muser: "Der größte Mangel, den wir in unserer Diözese haben, ist der Gläubigenmangel"
  4. „Die Generation Z, die in Manhattan zur Messe kommt, sucht keine alternative Clubszene“
  5. Katholische Influencer öffnen neue Zugänge zum Glauben für die junge Generation
  6. Kardinal Nichols: „Das kostbarste Geschenk, das der Kirche anvertraut ist: das heilige Messopfer“
  7. „Junge Menschen, die zum Glauben zurückkehren, wollen den ‚vollen fetten Glauben‘“
  8. Kardinal Arborelius: In Schweden „weiß jeder, dass die katholische Kirche Abtreibung ablehnt“
  9. US-Vizepräsident Vance kündigt Buch über seinen persönlichen Rückweg zum katholischen Glauben an
  10. Spanische Bischofskonferenz beleuchtet Verhältnis von Verstand und Emotion im persönlichen Glauben







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. „Die Kirche gewinnt an Kraft dank eines Anstiegs bei den Konversionen zum Katholizismus“
  3. Manuel Ostermann: „Ich möchte hier widersprechen, liebes WDR“
  4. ‚Entschuldigung, aber … was?‘
  5. Sozialbeauftragter des Papstes bringt Spenden in die Ukraine
  6. IMABE: Sterbehilfe-Entwicklung in Belgien wirft Fragen auf
  7. ‚Lieber ein ‚Fanatiker‘ als ein Verräter für Kataris und Dschihadisten‘
  8. Benedikt XVI.: „Wir fragen uns jedoch: Warum empfinden wir Angst vor dem Tod?“
  9. Eine unzählbare Schar von Zeugen - Heiligkeit kennt keine Grenzen
  10. Der unbekannte Bekannte: St. Martin
  11. Freikirche oder katholische Kirche? Überlegungen eines Konvertiten
  12. Allerheiligen oder Heilige für alle?
  13. Schmunzelnder Papst scherzt mit Basketballern seiner früheren Uni
  14. „Die Heiligen sind keine kleine Gruppe Auserwählter, sondern eine unzählige Schar“
  15. Brücken bauen, Wurzeln schlagen, Gemeinschaft leben. Der Glaube als gemeinsamer Ursprung und Auftrag

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz