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Sieben Seiten mit spontanen Papst-Antworten

12. Februar 2017 in Chronik, 8 Lesermeinungen
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Korruption, Missbrauchsfälle, Verweltlichung: Papst Franziskus scheute im dreistündigen Gespräch mit Ordensoberen keine Frage zu heißen Eisen - "Kathpress"-Korrespondentenbericht von Stefanie Stahlhofen.


Vatikanstadt (kath.net/ KAP)
Papst Franziskus setzt vermehrt auf freie Gespräche hinter verschlossenen Türen. Das ist die neue Praxis bei den sogenannten "Ad-limina" Besuchen, bei denen Bischöfe über die Situation der Kirche in ihrem Land berichten. Aber auch bei anderen Begegnungen gibt es häufig zwanglose Fragestunden mit dem Kirchenoberhaupt. So auch am 25. November 2016, als Franziskus Teilnehmer der 88. Generalversammlung der Vereinigung der Generaloberen im Vatikan empfing.

Die Ordensoberen befragten den Papst zu Missbrauchsfällen oder Korruption in der katholischen Kirche. Was er antwortete, ist nun auch nachzulesen: Der Jesuit Antonio Spadaro transkribierte die dreistündige Unterredung für die 4.000. Ausgabe der Jesuitenzeitschrift "Civilta Cattolica", die am Samstag erscheint. Journalisten erhielten die Druckfahne - davon sind sieben Seiten zur Fragestunde - bereits am Donnerstag.

Zum Thema Kindesmissbrauch sagte Franziskus demnach: "Wenn wir nicht davon überzeugt sind, dass er eine Krankheit ist, werden wir das Problem nicht gut lösen können." Er mahnte zu Vorsicht bei der Aufnahme in Orden. Es müsse immer die "affektive Reife" der Kandidaten sichergestellt sein. Bei Abweisungen andernorts sollten ausführliche Informationen über die Gründe eingeholt werden. Sexueller Missbrauch habe häufig eine Vorgeschichte, oft seien spätere Täter früher selbst Opfer sexueller Gewalt geworden. "So wird der Missbrauch der Zukunft gesät, das ist verheerend."


Probleme im Vatikan sprach er ebenfalls an. "Es gibt Korruption im Vatikan", sagte er, ohne genauer darauf einzugehen. An anderer Stelle erklärte er, viele Probleme hingen mit Finanzen zusammen. "Die Probleme kommen, wenn man in die Tasche greift." Er denke dabei etwa an die Entfremdung von Geldern. Armut sei jedoch das "Knochenmark" im Leben der Kirche.

Wer Gelder der Kirche verwalte, dürfe nicht "persönlich am Geld kleben", so der Papst. Es müsse zudem bei Banken geprüft werden, die diese Gelder investierten: Niemals dürften Kirchengelder so angelegt werden, dass sie in Waffenhandel fließen.

Der Papst sprach auch über innerkirchliche Verweltlichung. In einigen "Strukturen der Kirche" gebe es ein "weltliches und hoheitliches Klima". "Man muss gar nicht Kardinal werden, um sich als Fürst zu fühlen - es reicht schon, klerikal zu sein. Das gehört zum Schlimmsten, was es in der Organisation der Kirche gibt." Ordensleute könnten dazu beitragen, dieses "unheilvolle Klima" der Verweltlichung aufzulösen.

Franziskus äußerte sich ebenso zur Bischofssynode im Oktober 2018, bei der es um Jugend, Glaube und "die Berufungsunterscheidung" geht. Er betonte, die Kirche müsse bei der "Ausbildung junger Leute für das Leben" und besonders der Priesteramtskandidaten das Kriterium der "Unterscheidung" stärker beachten. Dies sei aktuell eines der größten Probleme in der Priesterausbildung.

"Wir sind in diesem Bereich an Formeln gewöhnt, an Schwarz und Weiß, aber nicht an die Grautöne des Lebens. Aber das, was zählt, ist das Leben, nicht die Formeln." Daher sei es wichtig, "in der Unterscheidung zu wachsen", so der Papst. "Schwarzweißlogik" führe nur zu "Abstraktion"; Unterscheidung bestehe hingegen darin, "im Grau des Lebens nach dem Willen Gottes vorzugehen". Besser als Versammlungen mit jungen Leuten seien genaues Zuhören und eine aktive Einbeziehung, etwa bei Sozialprojekten. "Jugendliche finden den Herrn im Handeln."

Franziskus nannte den Nachwuchsmangel vieler katholischer Orden im Westen besorgniserregend. Manchmal gebe die Berufungspastoral "keine Antworten auf die Erwartungen der jungen Leute". Er dämpfte die Hoffnung, neue geistliche Gemeinschaften könnten hier helfen. Nicht immer stecke dahinter wirklich der Heilige Geist. "Wenn ich höre, dass es in einer Kongregation besonders viele Berufungen gibt, mache ich mir Gedanken". Er riet dazu, das Evangelium "ohne Beruhigungsmittel" zu bezeugen.

Die traditionsreiche Jesuitenzeitschrift "Civilta Cattolica", die das Gespräch in ihrer 4.000 Ausgabe veröffentlicht, lobte der Papst, der selbst dem Jesuitenorden angehört, am Donnerstag im Vatikan als "immer weltoffener". Künftig soll die Zeitschrift auch auf Englisch, Französisch, Spanisch und Koreanisch erscheinen.

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Lesermeinungen

 Konrad Georg 17. Februar 2017 
 

Beim Punkt Kindesmißbrauch

erkenne ich keine klare Aussage.

Was ist da genau gemeint? Sind die Täter krank?


0
 
 Wiederkunft 13. Februar 2017 
 

Heilige Geist

Nicht in allen neuen Gemeinschaften ist der heilige Geist?? Wo viele Berufungen sind mache ich mir meine Gedanken?? Was soll diese Aussage bedeuten? Macht sich der Papst über Stift Heiligenkreuz Gedanken? Das wäre gut, denn dort sind sehr viele Berufungen, von diesem Orden könnte die gesamte Kirche etwas lernen!


4
 
  13. Februar 2017 
 

Fragen beantworten geht doch - Fehlen allein noch die einfache Beantwortung der Dubia


3
 
 doda 13. Februar 2017 

Ok, @Stefan Fleischer

wenn es so von Papst Franziskus gemeint sein sollte. Ich jedoch erinnerte mich an Paraguay, Bischof Llovera,das dortige Priesterseminar und an die von anderen in diesem Zusammenhang genannten Franziskaner der Immakulata. Da fiel mir der Begriff 'Visitation' wieder ein und deren Folgen...


3
 
 Stefan Fleischer 13. Februar 2017 

Es ist doch gut,

dass unser Heiliger Vater sich Gedanken macht, wenn es in einer Kongregation besonders viele Berufungen gibt. Wir müssen uns in unserer Kirche tatsächlich überlegen, weshalb gewisse Richtungen und Spiritualitäten im gläubigen Volk besser ankommen, als andere. Wir müssen uns auch überlegen, weshalb gewisse Sekten derart Zulauf haben. Ob es vielleicht daran liegt, dass der Mensch im Tiefsten doch eher Klarheit sucht statt Nebel, Leitplanken statt Beliebigkeit? Oder ob nicht der Mensch - bewusst oder unbewusst - doch weiss, dass ein Urteil im konkreten Einzelfall nur dann möglich und gerecht sein kann, wenn der Grundsatz klar ist?


3
 
 carolus romanus 13. Februar 2017 

Fern der Realität

Die diözesanen Seminare werden (sind) geschlossen. "Wenn es in einer Kongregation viele Berufungen gibt, mache ich mir Gedanken."
Papst Franziskus, müssen wir uns Gedanken machen?


6
 
 doda 13. Februar 2017 

Spontan heißt nicht automatisch gut gesagt

..."Er dämpfte die Hoffnung, neue geistliche Gemeinschaften könnten hier helfen. Nicht immer stecke dahinter wirklich der Heilige Geist. "Wenn ich höre, dass es in einer Kongregation besonders viele Berufungen gibt, mache ich mir Gedanken". ...
Daß nicht immer in der Kirche der Hl. Geist hinter allem steht ist eine Plattitüde.
Nannte Papst Franziskus denn auch konkrete Fakten bezüglich konkreter Gemeinschaften?
Darüber, daß er sich Gedanken darüber macht, wenn eine Kongregation 'besonders' viele Berufungen hat, mache ich mir jetzt Gedanken. Keine besonderen, sondern besorgte.


6
 
 Stefan Fleischer 12. Februar 2017 

Grau

"im Grau des Lebens nach dem Willen Gottes vorzugehen"
Bei diesem Satz kommt mir jenes alte Kirchenlied in den Sinn, wo es heisst: "Nebel hüllt des Menschen Pfad. Führ' ihn du zur Sonnenklarheit, Geist der Wahrheit, Geist der Liebe." Es ist gut möglich, dass ich falsch liege. Aber mir ist es doch lieber, wenn mir der Wille Gottes klar ist, auch dort wo meine „Lebensrealität“ eine so ganz andere ist. Unvermögen, Versagen, Sünde und Schuld gehören nun einmal zu meinem Leben und das Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit zu meinem Glauben. „Wir sind nicht auf Erden, um heilig zu sein, sondern um heilig zu werden.“ habe ich einmal geschrieben. Dazu aber brauche wenigstens ich ein klares Ziel. So wie ich gerne in die Sonnenklarheit der Jurahöhen flüchte, wenn uns die Nebelsuppe hier in Grenchen „erdrückt“, so suche ich die Klarheit der Gebote Gottes in der Lehre unserer Kirche im Nebel der tausend Wenn und Aber dieser Welt.


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