02 März 2017, 08:30
Missbrauchsopfer verlässt päpstliche Kinderschutzkommission
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Vatikan'
Mit Rücktritt von Marie Collins gehört der nun 16 Mitglieder umfassenden Kommission kein Missbrauchsopfer mehr an

Vatikanstadt (kath.net/KAP) Aus Frustration über mangelnde Kooperationsbereitschaft vatikanischer Behörden ist das irische Missbrauchsopfer Marie Collins aus der päpstlichen Kinderschutzkommission ausgetreten. Dieses Motiv habe Collins in ihrem Rücktrittsersuchen an Papst Franziskus genannt, teilte die Kinderschutzkommission am Mittwoch mit. Der Papst habe den Rücktritt unter "großer Anerkennung ihrer Arbeit für die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester angenommen".

Werbung
bibelsticker


Damit gehört der nun 16 Mitglieder umfassenden Kommission kein Missbrauchsopfer mehr an. Das zweite Missbrauchsopfer in dem Gremium, der Brite Peter Saunders, hatte im Februar 2016 eine Auszeit angekündigt, um über seine Mitwirkung in der Kommission nachzudenken. Diese dauert bis heute an. Hintergrund für die Entscheidung soll der kirchliche Umgang mit Vertuschungsvorwürfen gegen Kardinal George Pell im australischen Missbrauchsskandal gewesen sein.

Weiter kündigte die Kommission am Mittwoch an, dass Collins bereit sei, weiter mit dem Gremium zusammenzuarbeiten. Sie habe das Angebot des Kommissionsvorsitzenden dazu angenommen. Collins verfüge über "außergewöhnliche pädagogische Fähigkeiten" und rufe durch ihr persönliches Zeugnis als Opfer eine starke Wirkung hervor.

"Wir werden auch weiter aufmerksam auf all das hören, was Marie uns über ihre Sorgen mitteilen möchte und werden ihre wichtigen Beiträge als Kommissionsmitglied sehr vermissen", heißt es in einer Erklärung des Kommissionsvorsitzenden, Bostons Kardinal Sean Patrick O'Malley. Zugleich kündigte O'Malley an, in der nächsten Sitzung der Kommission über Collins' Beweggründe zu erörtern.

Collins war Gründungsmitglied und eine der profiliertesten Stimmen der im März 2014 von Papst Franziskus eingerichteten "Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen". Das Gremium soll Vorschläge für ein wirksameres Vorgehen gegen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche erarbeiten.

Der Kommission gehören Psychotherapeuten, Sozialarbeiter, Theologen und Juristen an, unter ihnen der deutsche Jesuit Hans Zollner, der das Kinderschutzzentrum der Päpstlichen Universität Gregoriana leitet.

Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten







kath.net ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon EU, das zur Bereitstellung eines Mediums für Webseiten konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu Amazon.de Werbekostenerstattung verdient werden kann.


Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 

meist kommentierte Artikel

'Mama, ich weiß jetzt endlich, wozu man ein Dildo braucht' (79)

Debatte um Sexualerziehung - Kritik an Bischof Benno Elbs (49)

Wie ich einmal eine Messe rettete (28)

Kardinal Marx: Auch viele Katholiken wollen Abschottung Europas (24)

Gnade. Ein vergessener Aspekt des christlichen Lebens (23)

Medien: Romero wird beim Weltjugendtag 2019 heiliggesprochen (18)

Die Entgöttlichung Christi und die 'Figur Jesu von Nazareth' (18)

Josef Schuster: Luther war ein Antisemit (17)

Caritas München: Sexualaufklärung für Flüchtlinge (17)

Evangelische Jugendaktion mit Lutherzitaten auf Kondomen gestoppt (15)

2016 nur ein Eintritt ins Münchner Priesterseminar (15)

'Die größte Enttäuschung war die Haltung des Superintendenten' (14)

'Franziskus betreibt keine Abkehr von Tradition der Kirche' (13)

Schönborn: Loyalität gegenüber Papst ist 'katholische Normalität' (13)

Die Gefahr der Verheidung und der atheistische Katholik (11)