07 April 2017, 12:00
Der Frühling ist da!
 
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So viele Christen bleiben lieber in ihrem Ägypten, im Gewohnten, im Überschaubaren. Aber Gott kam auf diese Welt, um uns aus dem fremden Land in das verheißene Land zu bringen - BeneDicta am Freitag mit Inka Hammond

Linz (kath.net)
Zartes Grün keimt auf. Samen, die lange in der Erde verborgen waren, bringen die schönsten Blumen hervor. Die Bäume hängen voller duftender Blüten. Frühling ruft in mir immer Aufbruchsstimmung hervor. Abenteuerlust. Sehnsucht nach einem Neuanfang.

Ich glaube, der Herr hat in uns eine Sehnsucht nach Veränderung hineingelegt, nach Vorangehen, nach Aufbruch. Immer im Kreis gehen, kein Ziel haben – das ist nichts für uns Menschen, die wir im Ebenbild Gottes geschaffen sind. Gott, der Schöpfer, der Kreative, der Visionär. Der Gott, der das Volk Israel aus Ägypten befreit hat, sie durch die Wüste geführt hat und sie schließlich ins verheißene Land brachte. Der Gott, der aus einem Hirtenjungen einen legendären König geformt hat. Der Gott, der die Ausländerin Ruth zu einer Vorfahrin Jesu werden ließ. Der Gott, der die unscheinbarsten Menschen ruft und sie in eine große Berufung führt.

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Gott hat etwas vor mit mir und mit dir.

In jeden von uns hat er etwas hineingelegt, einen Samen. Eine Idee. Eine Vision. Ein Herzensanliegen. Oft schlummert es jahrelang in den Tiefen unserer Seele – wir ahnen, da ist etwas, da lodert etwas in uns. Doch der Winter unseres Daseins hält uns gefangen, wir sind noch Sklaven in Ägypten, wir kennen unsere wahre Bestimmung noch nicht. Gott träumt Großes über unserem Leben und wir können es nicht fassen, dass unser Leben Sinn und Ziel haben darf. Wir drehen uns im Kreis, gehalten von falschen Erwartungen, die wir oder andere an uns haben. Wir wagen nicht zu träumen, weil zu oft schon die Träume wie Seifenblasen zerplatzt sind oder wir belächelt wurden für unsere Luftschlösser. Und so bleiben wir lieber im fremden Land, da wo wir eigentlich nicht hingehören. Wir bleiben dort, weil es bequemer scheint, weil wir jemanden haben, der uns sagt, wo es langgehen soll. Wir schuften für eine vermeintliche Sicherheit, bauen unsere Häuser solide Stein auf Stein und vergessen, dass es ein verheißenes Land gibt – außerhalb unserer Komfortzone.

Aber Gott ruft uns, die Sehnsucht pocht in unseren Herzen. Da ist mehr für uns, wir sind zu Großem geschaffen und berufen. Jesus ist gekommen, um uns Leben in Fülle zu schenken – und dieses Leben in Fülle ist nur dort zu finden, wo wir bereit sind, unser Leben aufzugeben. Was für ein Paradox! Doch der Same bringt nur Frucht, wenn er stirbt. Wahres Leben finde ich nur, wenn ich mich selbst aufgebe, meine Wünsche, meine Träume, meine Ambitionen und zuerst den frage, der mich geschaffen hat: Was willst DU? Und dann passiert erstaunliches, wunderschönes: je mehr ich mich für Jesus aufgebe, desto mehr werde ich lebendig. Desto mehr spüre ich wahre Freude. Der Winter meiner Seele weicht dem Frühling, dem Neuen.

So viele Christen bleiben lieber in ihrem Ägypten, im Gewohnten, im Überschaubaren. Aber Gott kam auf diese Welt, um uns aus dem fremden Land in das verheißene Land zu bringen, wo Milch und Honig fließen, wo Dinge passieren, die unser Verstand nicht greifen kann. Der Weg durch die Wüste ist dabei nicht zu umgehen – aber in der Wüste, da wo unser Ego stirbt, begegnen wir einem liebenden Gott. In der Wüste schmecken wir die Freiheit. In der Wüste lernen wir uns ganz und gar auf Gott zu verlassen. In der Wüste erleben wir Wunder der Versorgung. Da sprudelt Wasser aus dem Felsen, da liegt Manna auf dem Sandboden. Die Wüste ist trocken und heiß – aber nirgendwo sonst ist die Begegnung mit Jesus erfrischender. Nirgendwo sonst findet so viel geistliches Wachstum statt.

Es lohnt sich, sich aufzumachen und loszugehen. Jesus ruft unseren Namen und jeder Schritt in der absoluten Nachfolge ist wertvoll, auch wenn er schwer fällt. Oft frage ich mich, wie der Vater von Jakobus und Johannes sich wohl fühlte, als seine Söhne ihm im Boot mit all den Netzen zurückließen, um diesem Jesus nachzufolgen. Mit einem Schlag war das Familienbusiness dem Untergang geweiht. Oder was ging in dem reichen Jüngling vor, als Jesus von ihm verlangte, all sein Geld wegzugeben? Seine Lebensgrundlage, die sichtbare Definition seines Erfolges? Oder wie ging es Maria, als sie begriff, dass sie aufgrund einer außerehelichen Schwangerschaft für immer ein gesellschaftliches Stigma tragen würde? Vielleicht sogar umgebracht werden würde? Der Preis der Nachfolge ist nicht gering. Dietrich Bonhoeffer nannte es ‚teure Gnade‘. Das Kreuz auf sich zu nehmen, schmerzt, verlangt einem oft alles ab. Der Weg durch die Wüste in das verheißene Land ist lang.

Aber – welch Freiheit! Welch Freude. Welch Triumph über alle vergänglichen, weltlichen Errungenschaften. Nichts, was die Welt zu bieten hat, kommt auch nur annähernd an das Leben heran, das in Jesus verborgen ist. Und wenn man sich Jesus ganz hingibt, ihn das Ein und Alles sein lässt, dann bricht der Same in uns auf und wir erkennen plötzlich, wofür wir geschaffen sind. Der Winter weicht, der Nebel lichtet sich und wir können es schon am Horizont erkennen – das verheißene Land! Wir werden innerlich lebendig und Freude bricht sich Bahn. Unser Leben wird farbenfroh. Die kalte, harte, verkrustete Erde wird locker und satt. Der Frühling ist da!








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