18 Mai 2017, 15:00
'Will der Vatikan in einem Atemzug mit Saudi-Arabien genannt werden?'
 
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Christiane Florin kritisiert das Nein der Kirche zur Priesterweihe für Frauen. Der Journalistin, die ihre Karriere in kirchlichen Medien gemacht hat, ist kein Vergleich zu derb. kath.net-Kommentar von Peter Winnemöller

Bonn-Köln (kath.net/pw) Endlich mal ein Buch, das die Frau in der Kirche ultimativ von der grausigen – nein, nicht grausamen - Männerherrschaft zu befreien sucht. So etwas gab es ja noch nie. Es gruselt einen als Mann in der Kirche schon jetzt vor der Rache des Weibes. Mann ist geneigt, einen zweiten Pullunder überzuziehen, denn den Männern der Kirche geht es jetzt an den römischen Kragen. Die Journalistin Christiane Florin hat ein Buch geschrieben, das den bezeichnenden Titel „ Der Weiberaufstand“ trägt. Das wäre wirklich mal ein Operntitel! Ziel dieses Buches ist es, endlich die Frauen mit der Nase auf den Domteppich in die Prostratio zu bringen. D.h. es geht natürlich um die Priesterweihe für die Frau. Am besten gleich Bischöfinnen und Päpstinnen hinterher. Ja, Päpstinnen im Plural. Es glaubt doch wohl niemand ernsthaft, das Weibsvolk (sorry, aber Frau Florin hat zuerst Weiber gesagt!) werde sich hinter einer einzigen Päpstin sammeln. Aber das ist vorerst noch Zukunftsmusik. Als Frau des kräftigen Wortes scheut sich Florin natürlich nicht, auch mal kräftig unter Gürtellinie zu greifen. Es trifft nicht vorhandene Eier der Kastraten, bei denen sie die Kirche nun packen zu können glaubt. In früheren Jahren sangen diesen nämlich die hohen Töne in Chören und auf Bühnen. Ein Irrweg in der Kunst- und Kulturgeschichte ist das ganz sicher. Kulturell interessierte Päpste wirkten daran kräftig mit. Die Päpste Pius X. und Pius XII. machten dem Unfug Schritt für Schritt ein Ende. Es gibt sie, die Irrwege in der Kirchengeschichte, die zuweilen eben mit Irrwegen in der Gesellschafts-, Kultur- oder Politikgeschichte eng verwoben waren. Das kann niemand bezweifeln. Und es dürfte niemand ernsthafte Zweifel daran habe, dass Entweltlichung der Kirche ein Dauerpostulat ist.

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Da hat also nun im Laufe der (Kirchen-)Geschichte mal ein Apfel die Form einer Birne angenommen: Frauen dürfen plötzlich in Chören singen. Welch eine Errungenschaft! Am besten noch für die ehemaligen Kastraten. Oder? In einem Präludium in Christ und Welt, einer Beilage der Zeit, die Frau Florin vor ihrer jetzigen Stelle beim Deutschlandfunk geleitet hat, breitet sie schon einmal die eine oder andere These aus. Das Buch folgt am 22. Mai. Vier Tage vorher eine kostenlose Werbung mit solcher Reichweite ist für sich genommen schon mal klasse. Da darf es dann der kräftigen Worte gleich noch etwas mehr sein. Eine Kirche, die sich weigert Frauen zu weihen, nennt Frau Florin in einem Atemzug mit Saudi Arabien. An dieser Stelle schlägt der Kopf des Pullunder tragenden katholischen Macho mit Hochfrequenz immer wieder auf die Schreibtischplatte. Saudi Arabien, das ist das Land, in dem Frauen nicht Auto fahren dürfen. Ein Land, in dem sie im Grunde nicht einmal das Haus allein verlassen dürfen, keine Bürgerrechte haben und willkürlich ausgepeitscht werden können. Die Kirche, die weibliche Persönlichkeiten wie Theresa von Avila, Katharina von Siena oder in jüngerer Zeit Mutter Teresa oder Madeleine Delbrêl hervorgebracht hat, mit den Wahabiten zu vergleichen, ist so hanebüchen, dass man es kaum noch irgendwie einordnen kann.

Was nützt die ganze Schelte an dieser Stelle? Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich. Manches hinkt so sehr, dass man mit der Verfasserin schon wieder Mitleid bekommt. Sie hat ihre Karriere in kirchlichen Medien gemacht. Es muss eine schreckliche Zeit gewesen sein. Gut, dass sie jetzt beim Deutschlandfunk unterkommen konnte. Da kann sie endlich antiklerikale Luft atmen, um ihren eigenen Klerikalismus fortzuentwickeln. Wir haben nun schon den Nichtvergleich Nr. 2 in dem Artikel. Das lässt hoffen! Das Buch, auf das eben dieser Artikel hinweist, wird hoffentlich ein Hochgenuss der unfreiwilligen linkskatholischen Stand-up-Comedy werden. Den Artikel über das Buch hatte die Autorin gleich selber verfasst. Die ehemaligen Mitarbeiter bei C&W haben es gedruckt. Das Thema ist schließlich mainstreamfähig. Warum also sollte man es nicht machen? Weil kein Vergleich zu doof ist, um damit eventuell Klicks zu verdienen, scheute sich selbst das „Kölner Domradio“ nicht, daraus Nektar zu saugen und twitterte exakt diesen Vergleich – zustimmungsheischend? Die „Katholische Nachrichtenagentur“ KNA machte eine Agenturmeldung aus dem Artikel über das Buch. Eine Tochter von KNA versorgte einst Christ und Welt mit Content. Man kennt sich, man hilft sich. Es geht nichts über gute Netzwerke.

Auch der Papst bekommt im Verlauf sein Fett weg. Wenn er nur wollte, dann könnte er, so die These der Autorin. Sie macht kein Hehl daraus, worum es ihr geht. Es geht um Macht, die sie hinter dem Amt vermutet. Fast möchte man ihr wünschen einmal wirklich zu erleben, wie erbärmlich wenig Macht mit dem Amt wirklich verbunden ist. Wir haben mit Papst Franziskus den machtbewusstesten Papst seit langer Zeit. Wenn er könnte, wie er vielleicht wollte, dann würde er ja unter Umständen so manches ändern. Doch was ändert sich im Kern? Richtig! Nichts! Wo ist denn diese grenzenlose Macht des Papstes, der Bischöfe, der Pfarrer? Der Irrtum, hinter dem Amt Macht zu vermuten, liegt ja so nahe. Doch so nahe wie er liegt, so falsch ist er auch.

Das Amt gibt Vollmachten, das ist etwas ganz anderes als Macht. Vollmachten beinhalten Verantwortung. Unter anderem die Verantwortung für die ganze Tradition der Kirche. Das Amt in der Kirche ist sakramental und in Ordinatio sacerdotalis ist eine letztverbindliche Entscheidung gefallen, die nicht eine Wahl zwischen zwei Optionen war, sondern das Depositum fidei festgehalten hat. Fazit: Die Kirche hat keine Vollmacht, Frauen die Weihe zu spenden. Der Papst hat die Vollmacht, aber auch die Bürde zu bewahren.

Es kann nicht bezweifelt werden, dass es gegenteilige Tendenzen gibt. Möglicherweise gibt es sie sogar im Episkopat. Das ist nicht auszuschließen. Das war im Laufe der Kirchengeschichte nie auszuschließen. Doch auch das ist Fakt, würde ein Bischof versuchen, Frauen zu weihen, so hätte dies nichts anderes als Schisma zur Folge. Ungeweihte Frauen, die sich dann einbildeten ein Amt zu haben, wären maßlos enttäuscht, weil am Ende nur eine neue Gemeinschaft entstanden ist, die von der Kirche verschieden ist.

Das soll – nicht nur nach Frau Florin – die Zukunft der Kirche sein. Wer wirklich glaubt, das sei die Zukunft der Kirche, schaue sich die EKD an. Jene EKD von der Evelyn Finger, eine Kollegin von Frau Florin, in der „Zeit“ gerade festgestellt hat, dass es sich dabei um die größte Gutmenschenorganisation Deutschlands handelt und ihr de facto absolute Irrelevanz bescheinigte. Schöne Zukunft. Verbindlichen Dank.

Keine gute Ouvertüre ohne Paukenschlag am Ende. Nach dem Auftakt hin zum Crescendo des Saudi-Arabien-Vergleiches folgen ein paar seichte Töne zur Beruhigung. Eine Lobrede auf die Eucharistie, die aber dann doch irgendwie ausgedient hat oder auch nicht. Die Autorin ist sich da mit sich selber nicht richtig einig. Marketing, Feminismus und Politik rivalisieren da plötzlich irgendwie. Vielleicht ein Werbetrick, um das Buch interessant zu machen? Ganz sicher. Sicher ist aber auch der allzu (macht-)politische Ansatz der Autorin. Eine politisch steuerbare Kirche, davon träumten schon viele.

Dann aber die Pauke. Die Tochter von Frau Florin findet - nach Aussagen der Autorin selbst - diese Kirche voll old school und sie findet ihre Mutter voll old school. Arme Mami! Die Jugend hat ja doch zuweilen den richtigen Riecher. Diese Kirche, die Frau Florin sich herbeiträumt ist so dermaßen langweilig, dass old school schon ein richtig mildes Urteil ist. Der Mutter sei geraten, mal zu überprüfen, ob ihre Tochter nicht heimlich zu Nightfever geht.

Zur Dokumentation - Kölner ´Domradio´, Tweet über den Christiane-Florin-Artikel




Der Originaltweet auf dem Twitterauftritt des Domradios




Foto oben: Zur Dokumentation (c) Kölner Domradio/Screenshot Twitter







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