01 Juni 2017, 17:00
Frühsommerliche Festserie!
 
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Wenn Pfingsten, wie in diesem Jahr, in den Juni fällt, feiern Katholiken in einem einzigen Monat sechs Hochfeste! Grund genug, sich diese frühsommerliche Festserie genauer anzuschauen. kath.net-Kolumne von Claudia Sperlich

Berlin (kath.net/cs) Wir feiern mit Pfingsten und Trinitatis den ungreifbaren, unbegreiflichen Gott und zugleich die Tatsache, dass er im Geschenk der flammenden Begeisterung uns zu berühren vermag und dass Er als Menschgewordener zur göttlichen Dreieinigkeit gehört. Fronleichnam und Herz Jesu vergegenwärtigen uns auf eindringliche Weise die Gegenwart des Herrn. Johannis und Peter und Paul zeigen den Vorläufer und die Nachfolger.

Pfingsten: Das Erlösungswerk ist vollbracht, wir sind frei!

Das Pfingstwunder lässt Gottes Geist sichtbar, hörbar, spürbar werden: begeisternde Flammen auf den Köpfen der Jünger, ein Brausen, das das ganze Haus erfüllt, ein Sprachenwunder, und dann der alle ergreifende Bekennermut. Der Heilige Geist, diese in unserer Zeit im Westen so vernachlässigte Person der Dreifaltigkeit, manifestiert sich als machtvoller, Grenzen überschreitender, gewohnte Ordnung umstürzender Gott. Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf. Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude. Man freut sich in deiner Nähe, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird. (Jes. 9,1-2) – diese Lesung haben wir im Advent gehört, und Pfingsten ist ihre flammende Bestätigung. Wir feiern zu Pfingsten nicht nur die Erinnerung an das Pfingstwunder, das lang vergangen ist, sondern dass uns damals für immer der Heilige Geist geschenkt wurde, und dass Er sich immer wieder neu schenkt, und auch in unserer Zeit sinnlich wahrnehmbar. Vergleichbare Sprachwunder gibt es zuweilen z.B. in Gottesdiensten der Charismatischen Erneuerung, ebenso gibt es auch heute Gnadengaben des Heiligen Geistes wie Visionen und Auditionen. Auch die verständnislose Umwelt, die die Beschenkten bestenfalls für beschwipst hält, gibt es nach wie vor. Ziehen wir uns nicht zurück! Der Heilige Geist ist kein Geist des Spießertums, das „so etwas“ lieber in den eigenen vier Wänden behält. Königliche, priesterliche, prophetische Würde wurde uns in der Firmung verliehen – mit Vollmacht, Freimut und Wahrhaftigkeit können wir sagen: Jesus lebt, und Er hat uns den Heiligen Geist geschenkt, der keine wabernde Einbildung ist, sondern wesensgleich mit dem Vater und dem Sohn, wahrer Gott voll Macht und Liebe.

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Sagen wir es also laut! Und wenn man uns für betrunken hält? Reagieren wir mit Petri Humor: „Nein, um diese Uhrzeit sind wir noch nicht betrunken.“ (vgl. Apg. 2,13)

Trinitatis: Vater, Sohn, Heiliger Geist – drei Personen gemeinsam, ein Gott allein

Am 11. Juni feiern wir den Dreifaltigkeitssonntag. Wir haben über ein halbes Jahr immer wieder die großen Glaubensgeheimnisse gefeiert: Menschwerdung, Leiden und Tod des Herrn, Auferstehung, Himmelfahrt, Geistsendung. Nun folgt das feierliche Bekenntnis: Ein Gott in drei Personen! Vater, Sohn, Heiliger Geist – gleich ewig, gleich göttlich. In drei Personen wird der eine Gott angebetet – wer eine der drei Personen ehrt, ehrt alle, wer eine ablehnt, lehnt alle ab. Die Erlösungsgeschichte ist das Werk aller drei Personen des einen Gottes. Die Trinitätslehre ist vielleicht der am schwersten begreifbare Teil des Christentums, ohne den das Christentum aber nicht sein kann: Ein Gott, nicht drei Götter – aber drei Personen, nicht eine. Für mich ist das am ehesten nachvollziehbar durch die Worte Jesu, die den Abschluss des Matthäusevangeliums bilden: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu Meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was Ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Die Macht ist dem Sohn gegeben – und als Geber kommt nur der Vater in Frage. In der Taufformel setzt Jesus sich selbst, den Vater und den Heiligen Geist als gleichrangig ein, und das kann nur heißen: Sie alle sind der eine Gott.

Fronleichnam – Jesu schlagendes Herz in die Welt tragen

An Fronleichnam – heuer am 15. Juni – wird der Eucharistische Herr vor aller Augen durch die Straßen getragen. Das wird von Außenstehenden gern als „Demonstration“ missverstanden. Das ist es nicht, aber ich glaube, es darf auch ein wenig davon haben; gerade in Zeiten der Christenverfolgung und -verachtung dürfen wir sagen „Wir sind hier – ob es der Welt passt oder nicht“. Demonstrieren bedeutet im Wortsinn vorzeigen, und wir zeigen der Welt den Herrn und unseren Glauben, laden ein, teilzunehmen. Selbst wenn die meisten Umstehenden das befremdlich finden, kann es doch den einen oder anderen berühren, vielleicht zuerst nur dadurch, dass da etwas Prächtiges, Klangvolles, Geheimnisvolles geschieht und viele Menschen froh und treu dabei sind. Wir dürfen auch nie ausschließen, dass der Herr aus der Monstranz in ein dem Christentum noch fernstehendes Herz strahlt, oder dass der ein oder andere Spötter über die Ästhetik dieses Gottesdienstes zum Respekt vor dem Christentum findet.

So Gott will, werde ich Fronleichnam wieder mitten in Berlin feiern. Der Gendarmenmarkt wird voll von Betern sein, und die Prozession wird mitten durch ein ganz und gar konsumorientiertes Viertel führen, eine vollkommen friedliche, frohe Unterbrechung des hektischen Getümmels. Bringen wir Gott den Menschen nah – leiblich in der Hostie, geistlich durch unsere Lieder und Gebete.

Tun wir es wirklich! Bitte, liebe Christen: Fronleichnamsprozessionen sind keine Wandertage. Singt, betet oder schweigt. Eure Verwandten, Nachbarn, Arbeitsplätze und Urlaubspläne könnt ihr später erörtern. Und wenn der Herr erhoben wird – kniet nieder! Habt keine Scheu vor dem Straßenstaub. Kniet auch dann, wenn es regnet. Vor Gott knien ist selig. Und übrigens schadet es auch nichts, wenn die Welt sieht, dass Christen nicht zimperlich sind.

Herz Jesu – Herz der Kirche, Herz der Welt

Am darauffolgenden Freitag feiern wir das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu. Eingeführt im Jahre 1856, ist ein junges Fest, aber seinen Ursprung hat es in mittelalterlicher Spiritualität, besonders in der deutschen Mystik des 13. und 14. Jahrhunderts. Biblische Begründung ist Joh. 19,34: einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Damit wurde letzte Sicherheit erlangt, dass Jesus wirklich tot war (und daraus folgt, dass Er auch nicht irgendwie geheilt, sondern tatsächlich vom Tode auferstanden ist). Die letzte Wunde, die Jesus zugefügt wurde, war der Lanzenstich ins Herz – in das Herz, das für alle Menschen schlug.

Das Herz des Auferstandenen schlägt ewig weiter für alle Menschen, Er ist das Herz der Kirche, das Herz der Welt, und mit der Hostie nehmen wir das Herz Jesu in uns auf und sind zugleich in Ihm geborgen.

Vor einer guten Woche haben wir Jesu schlagendes Herz der Welt gezeigt. Nun ist unsere Ehrfurcht stiller, innerlicher – jedes Herz kann nur deshalb schlagen, weil Seines schlägt. Beten wir, dass unsere und immer mehr Herzen für Ihn schlagen.

Dargestellt wird das Herz Jesu traditionell mit Kreuz, Flamme, blutender Wunde und Dornenkranz. Jesu Herz brennt für uns, litt für uns unter dem Dornenkranz, starb für uns am Kreuz, wurde von der Lanze durchbohrt. Jedes Herz, das für Jesus brennt, riskiert damit Leiden vom Spott bis zum Foltertod, heute mehr denn je. Das irdische Leben ist damit äußerst unsicher. Sicher ist einem solchen Herzen nur die ewige Seligkeit.

Johannis – Geburtstag des Vorläufers

In diesem Jahr folgt das nächste Fest auf dem Fuße – der Geburtstag des Täufers Johannes wird am 24. Juni gefeiert. Die Geburt des Johannes ist kaum weniger wunderbar als die Geburt Jesu. Seine Mutter ist steril, und sie hat die Menopause lange hinter sich. Dem Vater Zacharias wird im Tempel von einem Engel die Geburt eines Sohnes vorhergesagt; Zacharias reagiert erst einmal ungläubig (wer will es ihm verdenken?) und verliert daraufhin das Sprechvermögen bis zu dem Augenblick, wo er seinem neugeborenen Sohn den von einem Engel verheißenen Namen Johannes gibt. Das Kind aber hat schon im sechsten Schwangerschaftsmonat Erstaunliches gezeigt – und hier kommen wir wieder auf den Heiligen Geist.









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