26 Juli 2017, 10:40
Irak: 'Mossul ist komplett zerstört'
 
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Erzbischof berichtet über die Situation nach Befreiung vom IS. "Kirche in Not"-Interview von Olivier Labesse

München-Wien (kath.net/KIN) Nach erbitterten monatelangen Kämpfen ist die irakische Metropole Mossul von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) befreit. Vor der Eroberung lebten in der zweitgrößten Stadt des Irak nach lokalen Angaben über 25 000 Christen. In der umliegenden Ninive-Ebene waren viele Dörfer mehrheitlich christlich besiedelt. Wie die Bewohner dort werden auch die Christen Mossuls nun zunächst stunden- und tageweise zurückkehren. Sie finden eine Trümmerwüste vor. Olivier Labesse hat für die Päpstliche Stiftung „Kirche in Not“ mit dem syrisch-katholischen Erzbischof von Mossul, Yohanna Petros Mouche, über die Lage und die Zukunftsaussichten der Christen gesprochen.

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Kirche in Not: Herr Erzbischof, wie haben Sie die Befreiung von Mossul erlebt?

Erzbischof Yohanna Petros Mouche:
Nach drei Jahren des Krieges, der Vertreibung und des Todes können wir endlich wieder Hoffnung schöpfen! Mossul ist offiziell vollständig befreit, auch wenn sich an manchen Orten noch IS-Anhänger versteckt halten. Aber ich bin sicher, dass man sie bald ausfindig machen wird. Ich hoffe, dass sich dann auch die Einstellung der Bewohner ändert, die sich von der islamistischen Ideologie haben verführen lassen. Für uns syrisch-katholische Christen im Irak ist die Befreiung Mossuls ein besonderer Grund zur Freude: Denn die Mehrheit der Gläubigen meiner Diözese lebte rund um Mossul.

Kirche in Not: Wann werden die Christen zurückkehren können?

Erzbischof Mouche:
Das wird noch einige Zeit dauern, vielleicht Jahre. Momentan ist es unmöglich, dauerhaft hier zu leben. Denn Mossul ist vollständig zerstört. Die Christen werden jetzt nach und nach stundenweise herkommen, um nach ihren Häusern zu sehen. Für viele ist die Rückkehr in die Ninive-Ebene eine Alternative. Die christlichen Dörfer dort sind zwar auch zerstört, aber der Wiederaufbau hat schon begonnen – dank der Hilfe von „Kirche in Not“.

Kirche in Not: Der IS ist zwar geschlagen, aber das ist nicht das Ende des Islamismus. Wie kann man, abgesehen von militärischen Maßnahmen, den Terror noch bekämpfen?

Erzbischof Mouche:
Das ist ja das Schwierige: Es muss gelingen, die Einstellung der Menschen zu ändern. Krieg ist keine dauerhafte Lösung. Seit 1958 gab es immer wieder Krieg im Irak. Wir haben alle genug davon. Es muss auch weiterhin möglich sein, dass Christen und Muslime zusammenleben. Früher war das kein Problem. Wir müssen jetzt wieder lernen, im Frieden miteinander zu leben.

Kirche in Not: Sie haben den Wiederaufbau in der Ninive-Ebene angesprochen, den „Kirche in Not“ maßgeblich unterstützt. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Erzbischof Mouche:
Einige Familien sind bereits in die Ninive-Ebene zurückgekehrt. Mit der Hilfe von „Kirche in Not“ werden sie ihre Häuser wiederaufbauen können. Manche haben schon Arbeit gefunden. Handwerksbetriebe, Geschäfte und Lokale öffnen nach und nach wieder. Die syrisch-katholischen Christen sind die am stärksten betroffene christliche Gruppe. Ihr Anteil an den Flüchtlingen im Nordirak liegt bei 60 Prozent. Sie brauchen viel Mut, um jetzt wieder ganz von vorne anzufangen! Es ist eine große Gnade, dass wir dabei auf die Hilfe von „Kirche in Not“ zählen können.

„Kirche in Not“ unterstützt den Wiederaufbau in neun christlichen Dörfern der irakischen Ninive-Ebene. Dort sind rund 13 000 Gebäude beschädigt oder komplett zerstört. Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau betragen rund 250 Millionen US-Dollar.

„Kirche in Not“ hat ein Wiederaufbau-Komitee ins Leben gerufen, in dem die syrisch-katholische, die chaldäisch-katholische und die syrisch-orthodoxe Kirche vertreten sind. Aktuellen Angaben des Komitees zufolge sind bereits 599 Familien in die Ninive-Ebene zurückgekehrt, 342 Häuser sind bereits wiederinstandgesetzt. Rund 90 000 Christen halten sich nach wie vor als Binnenflüchtlinge rund um die kurdische Hauptstadt Erbil im Nordirak auf. „Kirche in Not“ unterstützt die Menschen dort mit Lebensmittel- und Medikamentenspenden, hilft bei der Anmietung von Wohnraum und hat acht Schulen für Flüchtlingskinder errichtet.


Um das Überleben der christlichen Minderheit in einer der Ursprungsregionen des Christentums zu erhalten, bittet „Kirche in Not“ um Spenden:

Kirche in Not Deutschland

Kirche in Not Österreich

Kirche in Not Schweiz

Weitere Informationen zum Wiederaufbauprogramm der christlichen Kirchen im Irak unter dem Vorsitz von „Kirche in Not“ finden sich auf der englischsprachigen Website: www.nrciraq.org

Erzbischof Mouche zeigt eine zerstörte Ikone in der Kirche von Bartella




Foto (c) Kirche in Not







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