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Aleppo: Nicht einmal Ruhe für die Toten

28. Juli 2017 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
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Generalvikar: „Die Islamisten haben außerdem zahlreiche Gräber geplündert, Türen herausgerissen und Grabsteine geschändet“ - Von Josué Villalón und Tobias Lehner


München-Wien (kath.net/KIN) Bombenhagel und Granatenbeschuss auf das syrische Aleppo sind vorbei. Der Krieg und seine Folgen sind es noch lange nicht. 80 Prozent der Einwohner leben nach wie vor in Notunterkünften. Nach Hause können sie nicht: Vor allem der Ostteil Aleppos ist eine Trümmerwüste. Das Überleben ist ein tagtäglicher Kampf: Die Lebensmittelpreise sind enorm hoch. Die Währung verliert zunehmend an Wert.

Die Not ist groß, die körperlichen Wunden tief. Tiefer noch sind die Wunden der Seele: Bombennächte und monatelange Kämpfe haben die Bewohner traumatisiert. Fast jede Familie hat einen oder mehrere Tote zu beklagen. Doch wenn nicht einmal die Toten ihre Ruhe finden – wie sollen es dann die Lebenden?

Die christlichen Friedhöfe Aleppos befinden sich überwiegend am nordwestlichen Stadtrand. In dieser Gegend wütete eine monatelange Schlacht zwischen kurdischen Hilfstruppen und islamistischen Terroreinheiten.

„Mehrere Bomben haben auch unsere Friedhöfe getroffen“, erzählt Moses Alkhassi, der Generalvikar der griechisch-orthodoxen Erzdiözese von Aleppo. Die Wucht der Detonationen haben viele Särge aus den Grabnischen gerissen. Aber damit nicht genug: „Die Islamisten haben außerdem zahlreiche Gräber geplündert, Türen herausgerissen und Grabsteine geschändet“, erklärt der Generalvikar sichtlich bewegt.


Es gehe aber nicht nur um die gestörte Totenruhe. „Unsere Gemeindemitglieder, die im Krieg getötet und oft nur notdürftig verscharrt wurden, sollen ein würdiges Begräbnis in geweihter Erde bekommen“, so Alkhassi. Dabei handle es sich um über 2400 getötete Christen. Ein würdiges Begräbnis sei auch von enormer Bedeutung für die Angehörigen. Die Kosten für eine Beerdigung seien aber für viele Christen Aleppos unbezahlbar „Unsere Leute brauchen nicht nur Hilfe zum Überleben, sie brauchen auch Hilfe zum Trauern“, ist der Generalvikar überzeugt. „Darum sind wir dankbar, dass ,Kirche in Not' auch hier hilft.“

Das Hilfswerk, das sich in 148 Ländern weltweit für Seelsorge und pastorale Hilfe einsetzt, hat den Bedarf erkannt und hat sowohl für die Aufräumarbeiten auf den Friedhöfen als auch für die Neubestattung der getöteten Christen Hilfen zugesagt. „Tote begraben ist ein Werk der Barmherzigkeit“, erklärt der Generalvikar. „Nur wenn wir unseren Toten den letzten Liebesdienst erweisen können, können die Wunden des Krieges langsam vernarben.“

Bis dorthin sei es aber ein langer Weg: „Unsere griechisch-katholische Erzdiözese hat sehr gelitten: Zahlreiche unserer Kirchen und Gemeindehäuser wurden dem Erdboden gleichgemacht.“ Sie seien wichtige Anlaufstellen nicht nur für den Gottesdienst, sondern auch für die karitative Versorgung der Gemeinden.

Schlimmer aber noch habe die Erzdiözese die Entführung ihres Bischofs getroffen: „Unser Metropolit Boutros Yazigi wurde gleich zu Beginn des Krieges zusammen mit dem syrisch-orthodoxen Erzbischof Gregorios Yohanna Ibrahim vom IS verschleppt. Wir wissen noch immer nichts über ihr Schicksal“, erklärt der Generalvikar.

Trotz Schmerz und Trauer: Die Not des Krieges hat die christlichen Konfessionen Aleppos näher zusammengebracht. Es gibt viele gemeinsame Projekte, zum Beispiel Lebensmittel- und Medikamentenausgaben, Kleiderkammern, Besuchsdienste für alte und kranke Menschen – oder die gemeinsame Sorge um die Toten und den Trost für die Angehörigen. „Wir haben mitten im Krieg das große Wunder der Einheit erlebt“, sagt Alkhassi. „Über unseren Gräbern herrscht Trauer. Aber es keimt auch Hoffnung – auch dank der Hilfe unzähliger Christen weltweit.“

Um das Überleben und die pastorale Betreuung der christlichen Minderheit in Aleppo weiterhin gewährleisten zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden:

Kirche in Not Deutschland

Kirche in Not Österreich

Kirche in Not Schweiz

Foto: Zerstörte Grabkammern auf dem christlichen Friedhof von Aleppo (c) Kirche in Not


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Lesermeinungen

 Adamo 28. Juli 2017 
 

Kirche in Not

leistet in aller Welt die notwendige Soforthilfe, gemäß ihrem Gründer Pater Werenfried van Straaten. Kirche in Not sollte von jedem Christen durch großzügige Spenden finanziell unterstützt werden, weil sie blitzartig dort ankommen wo sie wirklich gebraucht werden.


3
 

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