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Ich mag Abkürzungen – aber Gottes Weg ist oft lang

1. September 2017 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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Wer in Gottes Reich hoch fliegen möchte, der darf die steilen Wege nicht scheuen. BeneDicta mit Inka Hammond


Linz (kath.net) Die Steilküste Dänemarks ist ein Paradies für Paraglider. Entlang der Dünen können sie bei den richtigen Windverhältnissen scheinbar mühelos auf und ab fliegen. Es macht Freude die vielen bunten Schirme zu beobachten, wie sie, aufgebläht von der Nordseebrise, mit einer ruhigen Eleganz durch die Luft gleiten.

Die Ausrüstung eines Paragliders ist groß und schwer. Nach der Landung auf dem Strand müssen die Sportler nicht nur mit fester, schwerer Schutzkleidung durch den Sand stapfen (während wir im Badeanzug sie entspannt beobachten), sondern auch den Schirm mit den langen Seilen, den Sitz und einen Ersatzschirm transportieren. Die Dünen sind steil und es führen nur schmale Treppen hinauf. Mit langsamen, konzentrierten Schritten arbeiten sich die Paraglider wieder nach oben, um erneut zu fliegen.

Der ein oder andere Sportler versucht direkt vom Strand wieder in die Lüfte zu kommen. Der Schirm spannt sich, aber es scheint sehr schwierig zu sein und bedarf wohl viel Erfahrung ohne extra Starthilfe wieder abzuheben. Nur wenigen ist das gelungen und die vielen Versuche haben mir als Zuschauerin ein paar lustige Szenen beschert.


Als ich vor ein paar Tagen einen Mann beobachtete, der mit viel Enthusiasmus, aber wenig Erfolg seinen Schirm wieder in die Luft befördern wollte, kam mir der Gedanke, dass wir uns im Leben ganz ähnlich verhalten. Ein paar Meter entfernt war eine Treppe – der Mann hätte seine Sachen zusammen packen können und sich auf dem Weg nach oben machen können. Von der Düne hätte er wesentlich bessere Chancen gehabt, wieder einen Flug genießen zu können. Ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen: mir ist es auch oft viel zu anstrengend, den langen Weg zu gehen. Ich mag Abkürzungen. Ich mag es, wenn Dinge einfach laufen und ich mich nicht verausgaben muss. Der Weg nach oben ist oft zu herausfordernd, ich mag es, wenn ich direkt ‚vom Strand aus‘ Erfolg haben kann.

Gott mutet uns aber oft genau diesen langen Weg zu. Abkürzungen sind selten auf Gottes Landkarte zu finden, Umwege schon eher. Gott hat kein Problem mit Umwegen, weil wir da lernen uns auf ihn zu konzentrieren, unsere eigene Schlauheit als gering zu achten und Ausdauer einzuüben. Wir weigern uns aber, wir wollen uns nicht mit einer schweren Ausrüstung diese enge Treppe hochquälen, wir wollen Ergebnisse ohne Anstrengung. Wir eilen Gott gerne voraus, überspringen wichtige Lektionen und meinen, alles im Griff zu haben. Dabei ist im Leben eines Christen nichts wichtiger, als die absolute und kompromisslose Abhängigkeit zu Jesus. Nicht unser Wissen, nicht unser Können, nicht unsere Erfahrung zählen. Sondern nur unser Blick auf Jesus, der unsere Glaubensmuskeln trainieren und unsere Ausdauer stählen will.

Oft finden wir uns in Situationen, die anstrengender, herausfordernder, schmerzhafter sind, als von uns erwartet oder einkalkuliert. Das irritiert und verängstigt uns. Unsere menschliche Natur will Lösungen und Auswege und bitteschön sofort! Und doch führt uns Gott immer wieder in diese Lebensphasen, wo wir uns diese enge Dünentreppe hinaufschleppen müssen. Wir ächzen und klagen, wir schwitzen und schnaufen, wir würden so gerne einfach nur in die Luft hopsen und davonschweben können. Doch auf diesen Treppen lernen wir echte Hingabe, kompromisslose Nachfolge, demütiges Ausharren. Und jede Treppe hat ein Ende! Der Herr ist treu und belohnt und beschenkt seine Kinder. Oben erwartet uns eine herrliche Aussicht. Ein Ort zum Durchatmen. Rückenwind. Neue Perspektiven. Von dort oben können wir in die nächste Lebensphase hinein springen. Wir können neue Flugtechniken einüben, uns ausprobieren, besser werden.

Die anderen sehen dann oft nur den leichten Sprung, das elegante Fliegen und ahnen nicht, welch Mühen diesem Höhenflug vorausgegangen sind. Wer in Gottes Reich hoch fliegen möchte, der darf die steilen Wege nicht scheuen.


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