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Kardinal Müller warnt vor neuer Spaltung in der Kirche

26. November 2017 in Weltkirche, 33 Lesermeinungen
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Früherer Chef der Glaubenskongregation: Kirchenleitung müsse "diejenigen anhören, die ernste Fragen oder berechtigte Beschwerden haben, nicht sie ignorieren oder, schlimmer noch, demütigen"


Rom (kath.net/KAP) Der ehemalige Chef der Glaubenskongregation im Vatikan, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat vor einer Spaltung in der katholischen Kirche gewarnt. Es drohe die Gefahr, dass ein Teil der Katholiken sich desorientiert und enttäuscht abtrenne, sagte Müller der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" (Sonntag). Die Kirche müsse aus dem "protestantischen Schisma Martin Luthers" Lehren über zu vermeidende Fehler ziehen.

Müller verlangte von der Kirchenleitung, sie müsse "diejenigen anhören, die ernste Fragen oder berechtigte Beschwerden haben, nicht sie ignorieren oder, schlimmer noch, demütigen". Er selbst sei bei Papst Franziskus von anonymen Zuträgern verleumdet worden, "die besser einen Seelenklempner aufgesucht hätten". Manche sähen ihn, Müller, gern an der Spitze einer Bewegung gegen den Papst. Er stehe als Bischof und Kardinal der katholischen Kirche jedoch "von Natur aus auf Seiten des Heiligen Vaters" und werde "niemandem erlauben, meine negativen Erfahrungen der vergangenen Monate zu instrumentalisieren", so Müller. Der Kardinal hatte nach einer fünfjährigen Amtszeit an der Spitze der Glaubenskongregation im Juli keine Verlängerung erhalten.


Müller sagte, es gebe Spannungen zwischen einem traditionalistischen Lager "auf einigen Internetseiten" und einer ebenso übertrieben liberalen Front. In beiden Fällen handle es sich um Minderheiten. Wenn aber die römische Kurie als ungerecht wahrgenommen werde, könne "eine schismatische Dynamik in Gang kommen, die schwer einzufangen ist", so der Kardinal.

Kreis um Papst agiert als "Spion"

So dürften die Kardinäle, die Fragen an die Morallehre des Papstes geäußert hatten, und andere Kritiker nicht als Scheinheilige und Grantler abgetan werden. Nötig sei ein "klarer und aufrichtiger Dialog". Er habe jedoch den Eindruck, dass ein Kreis um den Papst "sich vor allem darum kümmert, den Spion gegen angebliche Gegner zu spielen", sagte Müller.

Weiter plädierte Müller, die von Papst Franziskus ausgerufene Phase der Kirche als "Feldlazarett" müsse vorüber sein. "Heute bräuchten wir eher ein Silicon Valley der Kirche. Wir müssten die Steve Jobs des Glaubens sein", sagte er unter Anspielung auf den Apple-Gründer. Die "Volkstheologie einiger Monsignori" genüge ebenso wenig wie die "zu journalistische" Theologie von anderen. Nötig sei auch Theologie "auf akademischem Niveau", so der frühere Regensburger Dogmatiker.

Kardinal Müller


Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten
Archivfoto Kardinal Müller (c) Markus Gehling/kath.net




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