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Ladenschlussgesetze waren nicht der Grund...

21. Dezember 2017 in Kommentar, keine Lesermeinung
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Heiligabend ist kein Feiertag, sehr wohl aber der Sonntag - Gedanken von Claudia Sperlich


Berlin (kath.net)
Dass es die Gemüter erregt, wenn der Heiligabend auf einen Sonntag fällt, ist nicht neu, auch wenn die Frage in diesem Jahr in den sozialen Medien besonders heiß diskutiert wird wegen der Aufweichung der Ladenschlussgesetze an den Adventssonntagen. (Dabei sind das zwei verschiedene Sachen – der Heiligabend ist kein Feiertag, und auch wenn ich das Einkaufen am Heiligabend unabhängig vom Wochentag zu vermeiden suche, bin ich als Katholikin nicht zur Einkaufabstinenz am Heiligabend verpflichtet, sehr wohl aber am Sonntag, unabhängig vom Datum.)

Ladenschlussgesetze waren nicht der Grund, warum vor 979 Jahren ein Kaiser ein adventliches Machtwort sprach. Die Dauer der im 7. Jh. eingeführten Bußzeit vor Weihnachten war anfangs nicht einheitlich geregelt; sie dauerte je nach Gegend und Liturgie fünf bis sieben Wochen. Die gregorianische Liturgie mit vier Adventssonntagen setzte sich langsam durch, es herrschte aber noch keine Einigkeit darüber, ob es vier volle Wochen oder nur vier Sonntage (also evtl. drei volle und eine nur eben angebrochene Woche) sein sollten, ob es also im Bedarfsfall doch fünf Adventssonntage sein mussten. Immer, wenn Weihnachten auf einen Montag fiel (1038 war das in dem noch jungen Jahrhundert schon fünfmal der Fall gewesen), kochten die Gemüter hoch wie heute anlässlich des verkaufsoffenen Sonntags am Heiligabend. Die Frage zum sonntäglichen Heiligabend war: Ja, ist denn jetzt schon Weihnachten?

Konrad II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, König des Ostfrankenreichs, Italiens und Burgunds, ist im November 1038 auf dem Heimweg nach einer anstrengenden Reise zur Sicherung des Friedens im Reich. Am letzten Sonntag des Monats kommt er nach Straßburg zu seinem Onkel, dem Bischof Wilhelm. Der bereitet gerade die Feier des ersten Adventssonntages vor. Konrad zeigt sich irritiert: „Der erste Adventssonntag ist doch erst nächste Woche! Den will ich zu Hause feiern, mit Gisela!“ Bischof Wilhelm weist ihn nachsichtig zurecht: „Nein, Konrad, das hast du falsch verstanden. Wenn Heiligabend auf einen Sonntag fällt, zählt der nicht als Advent, sondern schon als Weihnachten.“ Aber Konrad will die vorweihnachtliche Fastenzeit nicht ohne seine Frau Gisela einläuten. Er feiert diesen angeblichen ersten Adventssonntag nicht! Da kann Onkel Wilhelm sagen, was er will!


Verstimmt bricht Konrad auf. Eine Synode will er, damit das mal klar wird mit dem Advent! Nach wenigen Tagen erreicht er das von ihm als Benediktinerabtei ausgebaute Kloster Limburg bei Bad Dürkheim (nicht zu verwechseln mit der 150 km entfernten Bistumsstadt Limburg) und lässt sofort alle erreichbaren Bischöfe zusammentrommeln. Den folgenden Sonntag feiert er daselbst mit seiner Frau – und er feiert ihn als ersten Adventssonntag, da kann ihm keiner dreinreden. Es ist ein besonders prächtiges Pontifikalamt, und dann beginnt die Synode.

Bischof Bardo von Mainz, ein Verwandter der Gisela, hat den Vorsitz. Er ist Benediktiner und war bis zu seiner Erhebung zum Bischof Abt des Werdener Klosters, wo ihm Disziplin und würdevolle Liturgie besondere Anliegen waren. Er ist dabei ein großzügiger Mensch, dem Gastfreundschaft und Armenpflege am Herzen liegen. Ordnung und Großzügigkeit, das sind gute Voraussetzungen, um eine geprägte Zeit der Buße und Besinnung zu regeln. Er will das Fasten nicht als Bürde verstehen, die am Ende zum Überdruss führt. Die vorösterliche Fastenzeit ist schon lang, und die Armen haben zudem im Winter oft genug ganz unfeierlichen Mangel zu leiden. Der Advent muss wirklich nicht überlang dauern, so schön er ist!

Bischof Reginbald, ebenfalls Benediktiner und vormaliger Abt, ein hochgelehrter und frommer Mann und Dombaumeister, vor sechs Jahren von Kaiser Konrad zum Bischof von Speyer berufen, stimmt ihm von Herzen zu.
Bischof Azecho von Worms hat Konrad zwei Jahre vorher auf seinen Feldzügen begleitet und ist ihm dadurch verbunden.
Bischof Heribert von Eichstätt, noch so ein bildungsbeflissener Dichter und Dombaumeister, entstammt selbst dem Geschlecht der Konradiner und hat Konrad ebenfalls auf mehreren Stationen seines Lebens begleitet.

Bischof Thietmar von Hildesheim, gebürtiger Däne und einst Hofgeistlicher der Königin Gunhild, war auf deren Bitten von Konrad zum Bischof von Hildesheim ernannt worden.

Bischof Walter von Verona, ein Ulmer von Geburt, hat sich im Benediktinerkloster Sancta Maria in Organo / Verona als Abt einen Namen gemacht, indem er bayerischen Auswanderern half, hier Fuß zu fassen. (Verona gehört noch zum Herzogtum Bayern.) In Verona hat Konrad vor zwei Jahren Weihnachten gefeiert. Man kennt sich.

Sechs zu eins – Bischof Wilhelm ist überstimmt. Vier Sonntage müssen es sein, wie Papst Gregor bestimmt hat, und zwar ist der erste davon frühestens am 27. November („Siehst du, Onkel Wilhelm? Der 26. November war nicht der erste Advent!“) und spätestens am 3. Dezember.

Vielleicht ist diese Synode nicht ganz fair. Denn die vom Kaiser zusammengerufenen Bischöfe sind ausnahmslos mit ihm befreundet oder irgendwie zu Dank verpflichtet. Aber sie ist gültig. (Fünfhundert Jahre später soll das Konzil von Trient diese Regelung bestätigen.) Kaiser Konrad hat jedoch nicht viel von der Entscheidung – er wird nie wieder einen ersten Advent feiern. Er stirbt im Sommer des folgenden Jahres. Gisela hingegen darf den Advent nach neuer Regelung noch viermal begehen.

Wir verdanken dem Kaiser und sechs Bischöfen, daß der Advent nicht länger sein kann als 28 Tage, genau vier Wochen – und meist ist er kürzer. Es sollte möglich sein, in dieser überschaubaren Zeit den Konsum einzuschränken – zumal ja der Sonntag das Fasten bricht, auch jeder Adventssonntag. Ich jedenfalls will es wieder in Angriff nehmen, den Advent nicht zum besinnungslosen Keksefuttern zu missbrauchen – und den Sonntag nicht zum Einkaufen.



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