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Die katholische Mission des Heiligen Liberatus in Äthiopien

3. März 2018 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Am 3. März 1716 sterben die Patres Liberatus, Michael Pio und Samuele Marzorato im Steinhagel. Es ist ihr Geburtstag im Himmel - Die monatliche Kolumne von Claudia Sperlich


Linz (kath.net)
Um 316 entstand die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche. Tewahedo bedeutet Einheit; gemeint ist die Einheit der göttlichen und menschlichen Natur Christi, genauer: die Überzeugung, in Christus seien die beiden Naturen eins geworden, das Göttliche habe dabei dominiert. Man nennt das seit dem 7. Jahrhundert etwas unscharf und polemisch Monophysitismus (von gr. monos, einzig und physis, Natur); Anhänger der Tewahedo-Kirche bevorzugen den Begriff Miaphysitismus (von gr. mia, eins). Das widerspricht der im Konzil von Chalcedon 451 erkannten Zweinaturenlehre, nach der die göttliche und die menschliche Natur Jesu „unvermischt und ungetrennt“ bestehen.

Wieweit die Tewahedo-Kirche bereits in ihrer Frühzeit miaphysitisch war, ist strittig. Im 7. Jahrhundert. aber gerät sie durch die islamische Expansion in eine von anderen Kirchen isolierte Lage und verlor die Möglichkeit theologischen Austausches. Dadurch entwickelt sie Sonderwege, die sie schließlich von Rom trennen. So hat sie starke Anklänge ans Judentum bewahrt (z.B. Beschneidung von Jungen) und hat einen umfangreicheren Bibelkanon als die katholische Kirche (Henoch und Jubiläenbuch zählen dazu). Einigkeit mit der katholischen Kirche besteht darüber, daß Jesus eine Person des Trinitarischen Gottes ist.


Eine Legende erreicht zur Zeit der Kreuzzüge Europa: Ein äthiopischer Priester namens Johannes sei König geworden. Dieser legendäre Priesterkönig war zwar schon im 7. Jahrhundert in Indien vermutet worden, nun will man ihn in Äthiopien wissen. Eine Zeitlang glaubt man auch, der siegreiche Feldherr Dschingis Khan sei jener Priesterkönig Johannes – bis dessen Grausamkeiten bekannt werden, die zu einem heiligmäßigen christlichen Herrscher nicht passen. Franziskanische und jesuitische Missionare mühen sich im 15. Jahrhundert, den Priesterkönig zu finden. Jesuiten erlangen im 16. Jahrhundert sogar eine Einigung zwischen Äthiopien und Rom, die aber von kurzer Dauer ist. 1636 vertreibt Kaiser Fasilides die Patriarchen und europäischen Missionare aus dem Land. Anfang des 18. Jahrhunderts sieht es wieder nach einer Einigung aus, diesmal durch die Vermittlung von Franziskanern. Die vom äthiopischen Kaiser diesmal ausdrücklich befürwortete Mission wird sorgfältig organisiert.

Wenige Jahre vorher ist der junge Johannes Laurenzius Weiß in Graz dem Orden der Franziskaner-Minoriten beigetreten und hat den Namen Liberatus angenommen, „der Befreite“. 1704 wird die Bewerbung des Pater Liberat für die äthiopische Mission angenommen. Eine abenteuerliche Reise beginnt, in deren Verlauf die Missionare durch Schutzzölle von verschiedenen Fürsten ziemlich ausgeplündert und mehrmals von gekränkten Konsuln und Kleinkönigen mit Haft und Tod bedroht werden sowie eine Zeitlang im Sudan als Arbeitssklaven gefangen sind. Der Ordensobere stirbt an Entkräftung; aus seinen Papieren geht hervor, daß Pater Liberat zum Unterpräfekten der Äthiopischen Mission ernannt wurde. Am Ende sind nur noch er und sein Amtsbruder Pater Michael Pio am Leben und werden nach Ägypten abgeschoben. Liberat berichtet nach Rom, die Mission sei gescheitert – und erhält die Antwort, sie sollen einen neuen Versuch wagen.

Gemeinsam mit Pater Samuele Marzorato gelangen sie 1712 endlich nach Äthiopien. Liberat lernt die Landessprache. Die politischen Verhältnisse wechseln hier von Kaiser zu Kaiser. Zunächst dürfen die Missionare zwar reisen und lehren und ein Hospital bauen, aber nicht predigen. 1715 schlägt Pater Liberat dem Kaiser Justos Gespräche zur Einigung mit Rom vor, aber zahlreiche Feinde der Katholiken machen Stimmung gegen die Missionare, es kommt zu einer Revolte. Kaiser Justos wird abgesetzt, sein Nachfolger, David III., verurteilt die Missionare zum Tod durch Steinigung. Kaiser David bietet ihnen Begnadigung an, sofern sie zur Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche übertreten – aber das lehnen die drei vehement ab, ebenso wie die Vermittlungsversuche des abgesetzten Kaisers.

Am 3. März 1716 sterben die Patres Liberatus, Michael Pio und Samuele Marzorato im Steinhagel. Es ist ihr Geburtstag im Himmel.

Die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche ist heute die größte unter den orientalisch-orthodoxen Kirchen. Eine Einigung mit Rom ist derzeit nicht in Sicht. Die katholische Kirche hat heute in Äthiopien 800000 Mitglieder, das ist unter 1% der Bevölkerung. Die Äthiopisch-Katholische Kirche ist mit Rom uniert; sie entstand 1846 und hat 72000 Mitglieder.

Scheinbar ist die katholische Mission in Äthiopien so gut wie gescheitert. Aber der Selige Liberatus und seine Gefährten sind Samenkörner, gesät vom Dreieinen Gott, um von Jesus zu künden, der Wahrer Mensch und Wahrer Gott ist. Jeder einzelne Katholik im heutigen Äthiopien ist Frucht dieser Saat und selbst auch Samenkorn.


Literaturhinweis: P. Basilius Pandzic OFM / Dr. P. Ludwig Raber OFM: Sehnsucht nach Äthiopien. Die blutige Missionsgeschichte der Franziskaner in Ostafrika, Missionsdruckerei St. Gabriel, A-2340 Mödling

Foto: (c)wikipedia, By Gyrofrog - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6302643


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