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„Es wird immer schwieriger, in Indien Christ zu sein“

6. März 2018 in Interview, 1 Lesermeinung
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Veronique Vogel, „Kirche in Not“-Fachreferentin für Indien, gibt im Interview mit Karla Sponar Auskunft über die prekäre Lage der indischen Christen.


München (kath.net/KIN) Der indische Subkontinent zählt fast 1,5 Milliarden Einwohner. Rund 30 Millionen von ihnen sind Christen. Sie sind nicht nur eine Minderheit, sondern auch sozial geächtet: Die meisten Christen gehören zu den Dalits, der untersten Kaste der hinduistischen Gesellschaftsordnung. Besonders schlimm ist die Lage für die Christen im Nordosten Indiens. Dort kommt es vermehrt zu Angriffen hinduistischer Nationalisten. Für das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ ist Indien das Schwerpunktland im asiatischen Raum. Veronique Vogel, Fachreferentin des Hilfswerks für Indien, gibt im Interview mit Karla Sponar Auskunft über die prekäre Lage der Christen und welchen Ansatz „Kirche in Not“ bei der Hilfe verfolgt.

Karla Sponar: Wie ist aktuell die Lage der Christen in Indien?

Veronique Vogel: Sie ist besorgniserregend. 2017 haben sich die antichristlichen Attacken im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt. 740 Vorfälle wurden gezählt, die meisten davon in Nordindien. Nicht nur die Zahl der Übergriffe auf Christen ist gestiegen, auch die Art der Attacken hat sich verändert: Sie sind noch hasserfüllter geworden. Einige Beispiele: Früher gab es immer wieder verbale Angriffe und Drohungen gegen katholische Schulen. In jüngster Zeit kommt es wiederholt zu Angriffen, etwa im nordindischen Bundesstaat Madhya Pradesh: Extremistische Gruppen dringen in die Schulen ein, stören den Unterricht, versetzen die Schüler in Todesangst und versuchen den Schulleitern und Lehrern ihre nationalistische Haltung aufzuzwingen. Ein Priester wurde auf offener Straße angegriffen und festgenommen – dabei war er nur auf dem Weg zu einer Adventsfeier von Gemeindemitgliedern. Ähnlich wie in Pakistan gibt es auch in Indien die Tendenz, einzelne Christen wegen Gotteslästerung anzuklagen.


Karla Sponar: Was ist der Hintergrund dieser steigenden Attacken?

Veronique Vogel: Christen werden als Gefahr für die nationale Einheit Indiens gesehen. Diese Tendenz hat seit der Parlamentswahl 2014 zugenommen. Die hindu-nationalistische Partei BJP wurde dabei stärkste Kraft. Heute regiert sie nicht nur auf Bundesebene, sondern in 19 von 29 Bundesstaaten. Das Christentum gilt den Nationalisten als „unindisch“ und aufgrund seiner internationalen Vernetzung als gefährlich.

Karla Sponar: Gibt es kritische Stimmen gegen diese Entwicklung?

Veronique Vogel: Vor allem katholische Medien, aber auch andere Quellen berichten, dass die Zahl der Angriffe auf Christen gestiegen ist und das Vorgehen immer härter wird. Die Indische Bischofskonferenz hat sich in ihrer jüngsten Sitzung im Februar mit der neuen Gewaltwelle beschäftigt. In einer Erklärung fordern die Bischöfe die Politik auf, die Gläubigen als vollwertige Inder zu behandeln. Das Argument, die Christen seien gegen die nationale Einheit, sei falsch.

Karla Sponar: Wie verhält sich die Gesellschaft angesichts der Übergriffe?

Veronique Vogel: 84 Prozent der Inder sind Hindus. Abgesehen von den Extremisten, die die verschiedenen Religionen gegeneinander aufwiegeln wollen, ist die Mehrheit der Hindus sehr gastfreundlich, pazifistisch und tolerant gegenüber religiöser Vielfalt. Der Hinduismus ist eine sehr individualistische Religion. Deshalb interessieren sich viele Hindus dafür, wie die Christen organisiert sind – auch im Blick auf die kleinen Gemeinschaften, die sich regelmäßig zum Gebet treffen. Viele Hindus empfinden diese Form als eine Bereicherung, auch im Blick auf ihre eigene Spiritualität. Die Mehrheit der Hindus ist also durchaus bereit, den Christen einen Platz in der Gesellschaft einzuräumen. Auch wenn es derzeit immer schwieriger wird, in Indien Christ zu sein …

Karla Sponar: Von den insgesamt über 5000 geförderten Projekten bei „Kirche in Not“ im Jahr 2017 nimmt Indien mit 584 Projekten den größten Länderanteil ein. Abgesehen davon, dass Indien nach China die größte Nation der Welt ist – was ist der Grund dafür?

Veronique Vogel: Papst Franziskus hat zu Recht gesagt: Die Kirche der Zukunft wird die Kirche Asiens sein. Indiens Christen spielen dabei eine wichtige Rolle – auch durch ihre große Treue zum Evangelium trotz Verfolgung und ihr soziales Engagement. „Kirche in Not“ steht in engem Kontakt mit Indiens Bischöfen, um ihnen bei ihrer pastoralen Arbeit zu helfen. Wir fördern die Ausbildung und den Lebensunterhalt von Priestern und Ordensleuten oder die Schulung von Katecheten, die oft die ersten Ansprechpartner in den Dörfern sind. Auch der Bau von Kirchen ist uns sehr wichtig. Sie sind Bezugspunkte für die Gläubigen, die zum Teil weite Wege zum Gottesdienst auf sich nehmen. Und wir unterstützen die „Kleinen christlichen Gemeinschaften“, die für Indiens Kirche sehr wichtig sind. In diesen Gemeinschaften teilen die Christen nicht nur ihren Glauben, sie stärken und unterstützen sich auch in ihrem schweren Alltag. Die Begegnung mit dem Christentum krempelt das Leben der Menschen in einer sehr starren Kastengesellschaft von Grund auf um – und das macht Frohe Botschaft für viele Inder anziehend!

Um die christliche Minderheit Indiens weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden:

Kirche in Not Deutschland

Kirche in Not Österreich

Kirche in Not Schweiz

Junge Christen im Bundesstaat Bihar/Nordostindien bei einer Prozession


Foto (c) Ismael Martinez-Sanchez/Kirche in Not


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Lesermeinungen

 Konrad Georg 6. März 2018 
 

Das Schicksal der Dalits

läßt sich nicht verbessern, indem man ihnen - welch glorreiche Idee - Häuschen baut. Damit erregt man nicht nur Neid und Mißtrauen der Andern, sondern schnell auch Haß. Das haben wir jetzt, liebe Jesuiten.

Lehrt die Gläubgen den Rosenkranz und drängt sie, diesen täglich wunschlos, also nicht für eigene Interessen zu beten. Es reicht völlig aus, Gott dreimal im Jahr zu erinnern: Herr, Du weißt was wir brauchen.

Ich habe das selbst so praktiziert, bei weitem nicht regelmäßig.


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