09 März 2018, 12:00
Gott will kein 'Fake-Life' für uns
 
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Nicht zuletzt müssen wir aber erkennen, wer wir in Christus sind. Denn durch Ihn und in Ihn finden wir unseren Selbstwert, nicht durch irgendein Like oder Post auf Facebook und Co. - BeneDicta am Freitag von Isabella von Kageneck

Linz (kath.net)
Das englische Wort „fake“ ist nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Bezeichnung „Fake-News“ im öffentlichen Sprachgebrauch zum Ausdruck und Synonym für Vertrauensverlust, Zweifel und Unsicherheit geworden. Doch scheinen wir nicht nur dort, sondern auch in anderen Bereichen von Dingen umgeben zu sein, die nicht das zu sein scheinen, was sie sind.

Dabei wird es immer schwieriger, nicht in ein pauschales Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen, sondern mit bedacht und differenziert Eindrücke auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. So ist in den letzten Jahren eine ganze Social Media-Industrie (Facebook, Twitter, Instagram, Whatsapp u.v.a.) entstanden (und man darf gespannt sein, was sich daraus noch alles entwickeln wird), die auf den ersten Blick völlig harmlos erscheint und Menschen einander näherbringen möchte. Doch tut sie das wirklich? Glaubt man neuesten Studien zum immer größer werdenden Problem der Vereinsamung in unseren Wohlstandsländern, ist die paradoxe Situation eingetreten, dass wir trotz ständiger digitaler Kommunikation immer einsamer werden. Zudem, so zeigen die Studien weiter, fühle man sich immer unzufriedener durch den permanenten Vergleich mit der „gefakten“ Realität der Anderen. Mein Haus, mein Garten, mein Auto lautet dort meistens die Devise und diesem „Vergleich“ setzen wir uns Dank Smartphone 24 Stunden am Tag aus.

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Doch bringen Facebook und Co. noch ein ganz anderes Problem mit sich: sie verführen uns zu einem „Fake-Life“. Ganz langsam und zunächst auch nicht spürbar entgleiten wir dem wirklichen, wahrhaftigen Leben und verlieren uns in einem zweiten digitalen Leben, von dem wir immer süchtiger werden. Das beginnt schon in dem Moment, in dem wir unfähig werden einen Sonnenuntergang einfach mal real auf uns wirken zu lassen, ohne dem sofortigen Drang nachzugehen, nach dem Smartphone zu greifen, um ein Foto zu schießen, welches dann natürlich sofort gepostet wird. Ich habe selbst auch erfahren, dass man so unfähiger werden kann, Gottes Segnungen zu spüren und anzunehmen. Man könnte vielleicht entgegnen: Ja, aber man kann doch wohl einen schönen Moment mit der Kamera festhalten?! Selbstverständlich. Man muss es aber auch nicht. Man kann sich einen schönen Augenblick, den eine Kamera einzufangen nie im Stande sein wird, auch einfach mal ins Herz legen lassen. Und das geht auch ohne Smartphone-Kamera und anschließendes Posten sehr gut. Der Wunsch danach, „den Augenblick verweilen zu lassen“, ihn für ewig festzuhalten, wurde schon Faust zum Verhängnis. Einfach mal diesem Impuls, seine privaten Momente direkt einer gleichgültigen Öffentlichkeit preiszugeben, nicht nachgeben. Stattdessen innehalten und Gott danken. Dies versuche ich, nicht zuletzt gerade jetzt in der Fastenzeit, im Eigenexperiment und spüre, dass das Leben wieder deutlich mehr Farben zurückerhält.

Es war vor ungefähr vier Jahren, als mein Mann und ich mit einem befreundeten Ehepaar einen Tag in einer schönen niederländischen Stadt verbracht haben. Was wir nicht ahnen konnten: Unser befreundetes Ehepaar stritt sich an diesem Tag mehrfach in unserer Gegenwart. Dabei versuchte jeder Partner einen von uns jeweils auf dessen Seite zu ziehen. Kurzum: der Tag war leider nicht so schön wie von uns erwartet. Als ich abends dann meinen Facebook-Account öffnete, traute ich meinen Augen nicht, als mir die Status-Meldung meiner Freundin fröhlich entgegensprang: „Hatten einen suuuuper Tag in Maastricht!“ Dazu ein Foto, das mein Mann und ich in einem der wenigen frohen Augenblicke von ihnen geschossen hatten. Auch jetzt muss ich noch schmunzeln, wenn ich daran zurückdenke; denn diese Anekdote sagt etwas Entscheidendes aus: Mein Leben ist schön, wenn es auf Facebook schön ist. Oder umgekehrt formuliert: Alles, was mir in meinem wirklichen Leben nicht gefällt, male ich mir auf Instagram und Co. schön. Doch das ist nichts anderes als eine Weltflucht. Denn nur und gerade dann, wenn wir unser echtes Leben anerkennen, mit all seinen Widrigkeiten, haben wir die Möglichkeit Christus zu begegnen. Er kann uns nicht heilen, wenn wir uns in eine digitale Fantasie-Welt flüchten, von der wir uns die Bestätigung erhoffen, die uns das wahre Leben vorzuenthalten scheint.

Das Gefährliche ist, dass oberflächlich betrachtet sogar erstmal in dieser digitalen Fantasie-Welt unsere Bedürfnisse nach Wertschätzung gestillt werden. Doch diese „Like-Sucht“ verlangt nach immer mehr. Auf Instagram habe ich junge Frauen erlebt, die (zumindest gaben sie sich so aus) Lehrerinnen sind und irgendwann anfingen halbnackte Foto von sich einer wildfremden Öffentlichkeit zu präsentieren. Dabei gibt es doch so viele andere und gesündere Möglichkeiten der Selbstwerterhöhung. Im Bekanntenkreis sind Ehen gescheitert, weil Er oder Sie plötzlich „jemanden auf Facebook“ kennengerlernt hat. Es ist traurig und erschreckend zugleich, was das Gefühl eines gestörten Selbstwertes, das nicht von Gott kommt, mit uns machen kann. Oft können die Ursachen in der Kindheit zu finden sein. Ganz sicher gibt es immer eine Ursache dafür, zu der der Einzelne auch gar nichts kann. Nicht zuletzt müssen wir aber erkennen, wer wir in Christus sind. Denn durch Ihn und in Ihn finden wir unseren Selbstwert, nicht durch irgendein Like oder Post auf Facebook und Co. Vor allem aber müssen wir Christus bitten, unsere Fesseln zu lösen (Jesaja 61,1). Denn Er ist gekommen, „damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Johannes 10,10). Wir sollten aufhören, aus einer digitalen Beifalls-Pfütze zu trinken, wenn Gott uns sein klares und reines Wasser schenken will.

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