Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Piusbruderschaft kritisiert ‚Doppelmoral‘ nach Verweigerung des Zutritts zur Basilika in Assisi
  2. 'Und ich dachte, es müßte um Gott und das Heil der Seelen gehen. Ich bin ja so naiv'
  3. 'Denn es wird nicht zu dem kommen, was diese Lügner versprechen.'
  4. Jesuitenpater Thomas Reese mit irrer Aussage: ‚Warum ich die alte lateinische Messe hasse‘
  5. Dann sollen sie doch in die Hölle gehen
  6. Nicht mehr zu retten - Zum Substanzverlust der Kirche
  7. ‚Synodalität – ein Wort ohne Begriff? Ein erfundenes Narrativ macht Karriere
  8. Kardinal Müller: „Muslime respektieren kein schwaches Christentum, das sich des Kreuzes schämt“
  9. Eine vergiftete Unterstützungserklärung
  10. Während Messfeier mit Erstklässlern: Bengalisches Feuer in katholische Kirche geworfen
  11. Kardinal Burke: Sexuelle Unmoral heute erinnert an Sodom und Gomorrha
  12. 'Gott, hilf mir. Jesus, hilf mir. Seid ihr Jungs bereit? Let’s Roll'
  13. Wundersame Heilung, eine Marienerscheinung und Berufung mit 4 Jahren
  14. ‚Das Exil von Pater Edmund‘
  15. Nigeria: Bischöfe schlagen nach erneuten Massakern Alarm

Arvo Pärt – Musik im Dienste Gottes

28. März 2018 in Kultur, 2 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


"Was geschieht, wenn ein Komponist aus dem Ostblock nach einer Phase des Experimentierens mit verschiedenen Strömungen der zeitgenössischen Musik zum Glauben findet?" - Die kath.net-Kulturkolumne DIO von Anna Diouf


Linz (kath.net)
Was geschieht, wenn ein Komponist aus dem Ostblock nach einer Phase des Experimentierens mit verschiedenen Strömungen der zeitgenössischen Musik zum Glauben findet und alsbald beinahe ausschließlich Sakralmusik schreibt? Wird er ein Leben in einer künstlerischen Nische fristen, unbeachtet von der Avantgarde? Im Gegenteil – er wird unter die angesehensten Komponisten der Gegenwart gezählt: Arvo Pärt (*1935).

Dabei geht der estnische Komponist in vielfacher Hinsicht dem Mainstream entgegengesetzte Wege: Seine Musik giert nicht nach bisher „Ungehörtem“, nach neuen oder verstörenden Klängen. Seine Themen provozieren nicht, sein Credo ist nicht der Bruch. Dennoch – oder vielleicht deshalb – ist er mit zahllosen Auszeichnungen bedacht worden. Zuletzt erhielt er 2017 den Joseph-Ratzinger-Preis. Ein Musiker und ein theologischer Preis? In Arvo Pärt wird eine Einheit wiederhergestellt, die seit der Reformation sukzessive zerstört wurde: Die zwischen Kunst und Kult.

Zahlreiche der bedeutenden Komponisten des Abendlandes waren nicht nur Christen und Katholiken, sondern sogar Priester, zum Teil Bischöfe. Jahrhundertelang war von Tonart bis Taktmaß jedem musikalischen Parameter eine theologische Dimension eigen.

Insofern ist Pärts Musik ganz im Sinne Benedikts XVI. „entweltlichend“: Der eigentliche Sinn des Musikschaffens, nämlich die Verherrlichung Gottes, wird zurückgewonnen. Die Wertschätzung ist wechselseitig – Pärt widmete sein schlichtes Vaterunser (2005) dem damals gerade gewählten Papst.
Obwohl manch einer den Mangel an „Neutönigkeit“ in Pärts Werken bemängelt, kann ihm doch niemand seine Bedeutung absprechen. Zumal er nicht von vornherein Neues abgelehnt, sondern nach und nach über die bedeutenden Stilrichtungen der zeitgenössischen Ernsten Musik zu seiner eigenen Musiksprache gefunden hat. Es handelt sich also nicht um stumpfes Beharren auf Althergebrachtem, sondern um lebendigen Umgang mit der Tradition - „katholischer“ kann Musik nicht sein.


Pärt nennt seinen eigenen Stil „Tintinnabuli“-Stil, „Glöckchen“. Das bezieht sich vor allem auf glockenartigen Effekte, die er nutzt. Aber mehr noch: Glöckchen sind seit Urzeiten Instrumente, die auf die Transzendenz verweisen; in der katholischen Liturgie kündigen sie bis heute Gottes Gegenwart an und fordern dazu auf, sich auf ihn hin auszurichten. Nichts anderes tun Pärts Werke. Besonders deutlich wird dies in seinem ergreifendsten Werk, seiner Passio Domini nostri Jesu Christi secundum Joannem.
Fast jeder kennt die berühmteste Vertonung der Passionsgeschichte – unnachahmlich in Musik gesetzt von Johann Sebastian Bach. Doch während diese so dramatisch angelegt ist, dass sie eher einem Passionsspiel gleicht, ist Pärts Johannespassion ganz und gar liturgisch. Nur zur Sicherheit sei übrigens gesagt, dass ich hier keinesfalls zwei großartige Werke gegeneinander ausspielen will. Ich zeige lediglich die Unterschiedlichkeit der Herangehensweise auf. Man darf es vielleicht mit etwas Humor betrachten, dass bei Pärt, dem Orthodoxen, das Bibelwort allein gilt, während beim Lutheraner Bach allerlei fromme Betrachtung die Schrift erläutert, kommentiert und ergänzt. Bei Pärt wird, anstelle eines Taktmaßes für das gesamte Stück, jedes Wort, selbst jede noch so kleine Präposition, als eigener Takt behandelt – das Wort selbst als Maß, „die Schrift allein“.

Ganz reduziert ist der Passionsbericht in Töne gesetzt, in feiner Symbolik, ohne plakative Effekte. Ähnlich konzentriert ist sonst nur noch der Gregorianische Choral. Beispielsweise ziehen sich bestimmte Dissonanzen durch das gesamte Stück, es wird kontinuierlich eine Spannung aufgebaut, die sich im letzten Wort des Stückes, „Amen“, auflöst: Zum ersten Mal singt der Chor einen reinen Akkord, ohne „schmerzende“ Dissonanzen. Das Heil des Menschen ist wiederhergestellt und damit treten Konsonanz und Erlösung ein- eschatologisch wie musiktheoretisch.

Wir werden hier nicht durch musikalische Effekt bis in die Seele erschüttert. Es ist der Impuls aus unserem eigenen Innern, der uns ergreift, indem wir wie bei einer lectio divina oder wie beim Gebet des Rosenkranzes in das Mysterium des Glaubens eintauchen.

Insofern ist die Pärtsche Passion „anstrengend“.Sie fordert unnachgiebig den Glaubensakt ein. Sie ist liturgische Musik, nicht Musik, die Liturgie zum Anlass nimmt; damit ist sie im eigentlichen Sinner geistlicher, purer, aber auch strenger als die meisten sakralen Werke der Klassik und Romantik.

Wer Pärts Werke in einem Konzertprogramm erblickt, sollte sich unbedingt zum Konzertbesuch aufraffen! Angesichts einer weitgehend entchristlichten Kulturszene ist es spannend, Repräsentanten eines Kunstverständnisses kennenzulernen, das Kult und Kultur nicht trennt, sondern verwurzelt im christlichen Erbe Kunst auch als Ausdrucksform des Glaubens versteht. Ja, diese Künstler gibt es, und es ist erstaunlich, dass mit Arvo Pärt ein solcher zu den bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten überhaupt zählt. Offensichtlich hat der Glaube an kultureller Kraft nichts verloren und selbst ein hochgradig säkularisierter Kulturbetrieb hat dieser Kraft wenig entgegenzusetzen.

Musikproben - unbedingt anhören

Magnifikat:



Johannes Passion:




Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Dio

  1. Der Märtyrertod in der Oper des 20. Jahrhunderts
  2. Jesus ist alles - Benjamin Brittens Raub der Lucretia
  3. Der Freischütz – Eine musikalische Beichtkatechese
  4. Hänsel und Gretel – Gott ist nicht totzukriegen







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Wundersame Heilung, eine Marienerscheinung und Berufung mit 4 Jahren
  3. Britisches Parlament stoppt Gesetz zur assistierten Sterbehilfe
  4. Zu jedem Zeitpunkt werden auf der Welt ungefähr 8.000 bis 9.000 Messen gefeiert
  5. Scharfe Kritik von Birgit Kelle an Leihmutterschaftsentschuldigung von Jens Spahn
  6. Kardinal Aveline: Motto von Leos Frankreichreise hat auch mit dem Lebensschutz zu tun
  7. X ist Nummer 1 unter Europas Nachrichten-Apps
  8. Jesuitenpater Thomas Reese mit irrer Aussage: ‚Warum ich die alte lateinische Messe hasse‘
  9. Messermann brüllte „Allahu Akbar” in französischer Kirche – Festnahme
  10. Britisches Unterhaus stimmt erneut über Sterbehilfe-Gesetz ab
  11. 'Gott ist gut'
  12. 'Und ich dachte, es müßte um Gott und das Heil der Seelen gehen. Ich bin ja so naiv'
  13. Nicht mehr zu retten - Zum Substanzverlust der Kirche
  14. Spanischer Erzbischof erinnert angesichts der Migrationskrise an die Reconquista
  15. Tantum ergo Sacramentum

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz