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Vor 50 Jahren beendete Paul VI. den päpstlichen Hofstaat

27. März 2018 in Chronik, 7 Lesermeinungen
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Wozu braucht der Papst einen Hof- und einen Oberstallmeister? Im 20. Jahrhundert hatten diese Ämter ihren Sinn verloren, Papst Paul VI. schaffte sie daher 1968 kurzerhand ab - Von Johannes Schidelko


Vatikanstadt (kath.net/KAP) Vor 50 Jahren endete im Vatikan die Ära des feudalen Hofstaats. Im Zuge der Reformbestrebungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) räumte Papst Paul VI. (1963-1978) im Apostolischen Palast mit Strukturen und Mentalitäten einer höfischen Vergangenheit auf. In seinem Erlass "Pontificalis domus" vom 28. März 1968 wandelte er den Päpstlichen Hof zum "Päpstlichen Haus". Sein Haushalt und der Dienst in seiner unmittelbaren Umgebung sollten den "Vorrang des geistlichen Anliegens" deutlich machen. Es galt "all das hintansetzen, was nur Titel, äußere Aufmachung und Prunk ist", so das sechsseitige Motu proprio.

Mit "Pontificalis domus" verschwanden aus dem Papstpalast viele historische Ämter, Uniformen und klangvolle Titel aus einer Zeit, als die Päpste auch weltliche Herrscher waren. Etwa der "Hofmeister seiner Heiligkeit", der Oberstallmeister, der Meister des Hl. Hospizes, der Garderobenmeister oder der Geheime Speisevorkoster. Andere Namen wurden modernisiert: Der Magister des Apostolischen Palastes hieß nun Theologe des Päpstlichen Hauses, aus dem Präfekten der Apostolischen Sakristei wurde der Generalvikar des Papstes für die Vatikanstadt.


Viele dem Papst geleisteten Dienste hätten inzwischen ihre ursprüngliche Funktion verloren und als reine Ehrendienste keinen Bezug mehr zum realen Leben, begründete Paul VI. die Neuordnung. Zur Casa Pontificia - bestehend aus der "Päpstlichen Familie" (Famiglia Pontificia) und der "Cappella Pontificia" - sollten künftig nur noch Personen gehören, die tatsächlich eine Funktion ausübten und einen echten Dienst leisteten. Als weiteres Kriterium kam hinzu: "Im Päpstlichen Haus gilt kein einziges Amt als erblich."

Damit schwand der Einfluss der katholischen Adelsfamilien, die jahrhundertelang am Hof des Papstes ihre Aufgaben innehatten - und nun verstimmt reagierten. Die Familien der Orsini und der Colonna etwa stellten traditionell die Päpstlichen Thronassistenten, die Ruspoli den ranghöchsten Päpstlichen Kammerherrn. Die Sacchetti waren als sogenannte Großfouriere für die Logistik bei Papstreisen zuständig. Der "schwarze Adel" Roms betrachtete ein Amt am Hof des Papstes als standesgemäßes Betätigungsfeld. Etwa bei den "Ehrenkammerherren mit Degen und Mantel", die - meist in spanischer Hoftracht - hohe Gäste zum Papst führten. Für junge Adelige gab es die 1970 aufgelöste Nobelgarde.

Seither setzt keine Funktion im Päpstlichen Haus mehr den Adelsstand voraus, so das Motu proprio. Staatsgäste werden heute von meist bürgerlichen "Gentiluomini" (Kammerherren) in schwarzem Frack und mit silberner Ehrenkette durch die Vatikan-Korridore zu den Audienzsälen begleitet.

Geleitet wird das Päpstliche Haus von einem vom Papst ernannten Präfekten, seit 2012 vom deutschen Erzbischof Georg Gänswein. Er organisiert die feierlichen Audienzen des Papstes etwa für Staatsoberhäupter, aber auch die wöchentlichen öffentlichen Generalaudienzen. Er kümmert sich um alles, was die päpstlichen Zeremonien betrifft - mit Ausnahme des streng liturgischen Teils. Außerdem bereitet er die Papstbesuche in Rom und in Italien vor. "Famiglia" und "Cappella" spielten unter Franziskus die gleiche Rolle wie unter den Vorgängern, sagt Gänswein.

Zum Päpstlichen Haus gehören Personen - Kleriker und Laien, die den Papst bei der Ausübung seines kirchlichen und weltlichen Amtes in besonderer Weise unterstützen. "Familien"-Mitglieder sind etwa der Innen- und der Außenminister des Heiligen Stuhls, der Almosenmeister, der Haustheologe und der Hausprediger. Die "Cappella", die an den großen Papstzeremonien teilnimmt, umfasst außerdem das Kardinalskollegium und die Kurienchefs. Dazu den Abt von Montecassino, die Richter der Rota sowie den Klerus von Rom.

Das Motu proprio vom März 1968 trat sofort in Kraft. Eine der ersten Neuerungen war wenige Tage später die Einladung zu den Feiern der Karwoche. Sie wurde den Betroffenen nicht mehr auf Latein durch "Päpstliche Läufer" zugestellt, sondern erschien als einfache "Bekanntmachung" im "Osservatore Romano" - auf Italienisch.

Copyright 2018 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten
Foto: Symbolbild


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Lesermeinungen

 geistlicher rat 3. April 2018 

Nikolaus V.

Ja, mit der Auflösung des Hofstaates ging auch der Pomp verloren, wenn man so will die "Königlichkeit" und Einzigartigkeit des Amtes. Damit verbunden aber auch der Niedergang der Liturgie und deren Profanierung. Papst Nikolaus V. (1397-1455) sagte hierzu einmal: "Für den schwachen Glauben der ungebildeten Mehrheit sei es aber zusätzlich nötig, durch Prachtentfaltung und Demonstration von Stärke äußere Zeichen der kirchlichen Amtsgewalt zu setzen." Da hatte er (leider) nicht ganz unrecht. Man sieht es ja auch an den noch existierenden Monarchien. Je mehr man sich mit dem Volk gemein macht, desto mehr verschwindet das Ansehen, bis man zur Überzeugung gelangt, daß es das alles gar nicht mehr braucht. Diese "Kumpelhaftgkeit" zieht ja bis zur Basis hinunter. Es reicht ja schon, wenn Pfarrer in Jeans und Turnschuhen durch die Gegend laufen, statt mit Soutane oder wenigstens Priesterhemd. Wer soll da noch Respekt haben? Denn auch Kleider machen Leute und wie spektakulär war früher die Tiara?


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 girsberg74 28. März 2018 
 

Sehr knusprig sogar!

@mirjamvonabelin „Die meisten
Politiker sind des ‚Wahnsinns knusprige Beute‘.“

Auch der Teufel mag es knusprig.


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 anjali 28. März 2018 
 

Tippfehler

Sorry,Hofstat muss natuerlich sein Hofstaat!


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 anjali 28. März 2018 
 

Hofstat

War das alles ehrenamtlich?Oder war es auch sehr teuer? Wenn ehrenamtlich,dann finde ich es eigentlich schade dass es wegmodernisiert worden ist.


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 doda 28. März 2018 

Ich frage mich

warum zur päpstlichen Familie ein 'Haustheologe' und ein 'Hausprediger' gehören?
Kann mir dies jemand hier
erklären?


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 Stephaninus 28. März 2018 
 

Respekt vor der Geschichte, aber

die Zeit für diese doch sehr monarchischen Einrichtungen war wohl tatsächlich um. Gottlob blieb die Schweizer Garde erhalten.


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 GKC 28. März 2018 
 

Schade,

trotzdem


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