Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „Wir können nicht sagen, dass das, was 1.600 Jahre lang getan wurde, jetzt nicht mehr gültig sei“
  2. Kissler-Kritik an Papst Leo XIV.: „Fatale Botschaft“ bei Lampedusa-Besuch
  3. Die US-Bischöfe fördern die natürliche Familienplanung
  4. INSA-Umfrage: Relative Mehrheit der Deutschen lehnt Leihmutterschaft ab
  5. Gänswein wird 70: Kirchenkarriere wohl noch nicht am Ende
  6. Pax tecum – Wenn der Papst über Frieden spricht
  7. Neues Video bringt Sea-Watch unter schweren Verdacht: Zusammenarbeit mit bewaffneten Schleusern?
  8. 'Weihnachten im Juli': Der Gedenktag der Heiligen Drei Könige
  9. Vatikan dementiert Berichte über Ende des Rupnik-Verfahrens
  10. Deutsches Auswärtiges Amt verzichtet auf Genderschreibweise
  11. Papst ruft zu christlichem Lebensstil im Urlaub auf
  12. Vatikan stuft schottische Mönche nach unerlaubter Bischofsweihe als exkommuniziert ein
  13. Papst Leo: „So können wir als Christen das Alter leben: gebrechlich, aber zugleich berufen“
  14. "Ein Schisma und mein Ausstieg aus der Priesterbruderschaft St. Pius X."
  15. Leo beruft den lehramtstreuen US-Erzbischof Cordileone in die Apostolische Signatur

Neues und Altes

19. April 2018 in Spirituelles, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Meine Erfahrungen als Katholik mit der persönlichen Bibellektüre. Kolumne „Gedanken eines Nichttheologen“. Von Stefan Fleischer


Grenchen (kath.net/sf) Wenn ich heute auf mein Leben zurückblicke und mich frage, was mir das „Wort des lebendigen Gottes“, die Heilige Schrift, in diesen vielen Jahren bedeutet hat und heute bedeutet, so kommt mir spontan die Schriftstelle bei Matthäus 13,52 in den Sinn: „Da sagte er zu ihnen: Jeder Schriftgelehrte also, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt.“ Dieser voran gehen verschiedene Gleichnisse und dann die Frage des Herrn: „Habt ihr das alles verstanden?“ Die Jünger antworteten spontan mit Ja. Daraufhin sprach der Herr diese nicht ganz leicht zu verstehenden Worte.

Meine Jugend war noch geprägt von einer Mentalität, welche unsere reformierten Kameraden behaupten ließ, wir Katholiken dürften die Schrift nicht lesen, das sei bei uns den ausgebildeten Theologen vorbehalten. Das war natürlich ein Missverständnis. Wir wussten einfach, dass die Schrift nicht leicht zu verstehen, dass vieles darin nur auf dem Hintergrund des ganzen katholischen Glaubens verständlich ist, dass gewisse Schriftstellen, aus dem Gesamtkonzept gerissen, zu Irrtümern bis hin zu Irrlehren führen können. Dass dies zu einer gewissen Vernachlässigung der Schrift führen kann, das wurde mir später klar.

Im Internat dann, bei den Redemptoristen, wurde ich zum ersten Mal mit der täglichen Schriftlesung konfrontiert. Es war Tradition, dass wir eine gewisse Zeit unseres Studiums dazu verwenden sollten. Darauf aber waren weder ich noch viele meiner Mitschüler genügend vorbereitet. Es blieb bei einer „Pflichtübung“, die wir oft ziemlich vernachlässigten. Nach dem Austritt aus diesem Internat was das schnell vergessen. Der Kontakt mit der Schrift reduzierte sich wieder auf die sonntäglichen Gottesdienste. Zum Glück hatte ich immer noch meinen Schott oder Bomm – ich weiss nicht mehr welchen – der dann weiter half, wenn in der vorkonziliaren, lateinischen Liturgie nur das Evangelium, nicht aber die Lesung, auch noch deutsch vorgetragen wurden.


Im Religionsunterricht und in der Homilie dagegen wurde damals dem Wort Gottes und seiner Erläuterung ein entscheidender Platz eingeräumt. Dabei – so sehe ich das im Rückblick heute – waren die Prediger sehr bemüht, die offizielle Auslegung zu verkünden. Eigene oder gar eigenwillige Interpretationen kamen sehr selten vor. Solches erlebte ich eigentlich erst kurz vor dem Konzil und besonders danach. Das war dann jene Zeit, in welcher dem „mündigen“ Christen „der Tisch des Wortes reichlicher gedeckt“ werden sollte. Dass dieses zu einer intensiveren Beschäftigung der einfachen Gläubigen mit der Schrift geführt hätte, war – wenigstens in meinem Umfeld – nicht zu erkennen.

Für mich persönlich begann das eigentlich erst, als ich schon gegen die fünfzig Jahre ging. Immer deutlicher spürte ich das Auseinanderdriften der Fortschrittlichen und der Konservativen im meinem Bekanntenkreis. Als dann noch auf der einen Seite eher fragwürdige „Erscheinungen und Botschaften“ ins Spiel kamen, und auf der anderen Seite ein Laientheologe in der Predigt behauptete, christlich sei dort, wo man den Militärdienst verweigere, da stellte sich mir die Frage: „Wo stehst Du? Was glaubst Du?“ Das führte dann dazu, dass ich mich intensiver – nicht nur, aber besonders – mit der Schrift zu befassen begann.

Wenn ich mich richtig erinnere, hatten wir immer eine Bibel zu Hause. Sie war zwar relativ dick, aber im Taschenbuchformat. Das war die Zeit, da ich infolge eines Arbeitsplatzwechsel zu einem Arbeitsweg von einer guten halben Stunde gezwungen war. Nun war sie meist in meiner Mappe, und manchmal im Zug oder in der Mittagspause nahm ich mir einen kurzen Abschnitt vor. Nach und nach wurde daraus eine regelmäßige Übung, und heute noch gehören je ein Anschnitt aus dem Alten und dem Neuen Testament zur täglichen geistlichen Lesung.

Mit dem eigenen PC zu Hause kam irgendwann die Quadro-Bibel dazu. Die Möglichkeit elektronisch nach Stellen zu suchen, wenn mir ein Text nur noch teilweise präsent ist, schätze ich auch heute noch sehr. Ohne diese könne ich mir meine Arbeiten als Schreiberling kaum vorstellen. Ohne sie hätte ich auch wohl kaum bemerkt, wie reichhaltig und umfassend diese Bücher des Alten und neuen Testamentes überhaupt sind, wie man daraus immer wieder „Neues und Altes hervorholen kann.“

Einer Gefahr wurde ich mir dabei allerdings auch bewusst, nämlich dass man einseitig in eine ganz bestimmte Richtung sucht, das man alles weglässt, was nicht zur eigenen Meinung passt, was diese vielleicht sogar in Frage stellen könnte, dass man überall Bestätigungen der eigenen Auslegung sieht. (Dass man solches immer zuerst bei anderen beobachtet und viel zu wenig bei sich selber, ist eine altbekannte Schwäche, wohl nicht nur von mir.) Das führt mich zur Behauptung, auch unsere Schriftlesung müsse katholisch, allumfassend sein, wenn sie gut Früchte bringen soll. Auf die Hilfe unser „Mater et Magistra“, der Heiligen Kirche, können und dürfen wir dabei nie verzichten.

Eine Stelle der Schrift dürfen wir also auch beim Umgang mit ihr nie aus den Augen verlieren: „Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.“ (Gen 3,4-5) Bescheidenheit, oder besser vielleicht Demut, vor Gott, das Bewusstsein unser Begrenztheit und Fehleranfälligkeit, ja unserer Sündhaftigkeit, werden uns mit der erforderlichen Ehrfurcht an dieses unermessliche Geschenk herangehen lassen. Dann nur werden wir jene Hausherren, oder besser gesagt Verwalter, welche aus diesem reichen Vorrat immer wieder Neues und Altes hervorbringen, zu unserem Nutzen und zum Nutzen unserer Nächsten.

kath.net-Buchtipp
Heiligkeit für Anfänger
Ein Wegbegleiter
Von Stefan Fleischer
Taschenbuch, 156 Seiten
2011 BoD
ISBN 978-3-8448-0949-7
Preis 12.40 EUR

Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:

Link zum kathShop

Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus, Linz:
Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland: [email protected]

Buchhandlung Provini Berthier GmbH, Chur:
Für Bestellungen aus der Schweiz/Liechtenstein: [email protected]

Alle Bücher und Medien können direkt bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus (Auslieferung Österreich und Deutschland) und der Provini Buchhandlung (Auslieferung Schweiz und Lichtenstein) bestellt werden. Es werden die anteiligen Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den jeweiligen Ländern (A, D, CH) aufgegeben, dadurch entstehen nur Inlandsportokosten.

Symbolbild Bibel


Foto Stefan Fleischer


Foto oben (c) Petra Lorleberg/kath.net


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Bibel

  1. „Die Bibel steht eindeutig im Visier der Regierung“
  2. USA: Mehr als die Hälfte der Männer der Gen-Z und Millenials lesen wöchentlich in der Bibel
  3. Demokratischer Politiker aus Texas behauptet, die Bibel unterstützt Abtreibung
  4. „Hören Sie dieses Evangelium persönlich: Er kennt Ihre Geschichte. Er verurteilt Sie nicht“
  5. Bibel-Podcast wieder unter den Top 10 der Apple Podcasts
  6. In Frankreich ist die Bibel seit Jahren Bestseller
  7. Großbritannien: Bibelzensur an der Universität Sheffield
  8. Warum ging das evangelikale US-Bibelportal „Bible Gateway“ in EU und Großbritannien offline?
  9. „Klug verwalten – frei leben“
  10. Angst, Suche nach Hoffnung – Verkauf von Bibeln in den USA in diesem Jahr um 22 Prozent gestiegen






Top-15

meist-gelesen

  1. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  2. „Wir können nicht sagen, dass das, was 1.600 Jahre lang getan wurde, jetzt nicht mehr gültig sei“
  3. Kissler-Kritik an Papst Leo XIV.: „Fatale Botschaft“ bei Lampedusa-Besuch
  4. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  5. Gänswein wird 70: Kirchenkarriere wohl noch nicht am Ende
  6. DANKE JUSTIN! - Kanadischer Sänger bringt Stadion während WM-Finale mit „Halleluja“ zum Schweigen!
  7. Krebs und Paradies – Das Leben des 17-jährigen David Buggi
  8. Auf der Intensivstation zum ständigen Diakon geweiht: Pino Cannavò
  9. INSA-Umfrage: Relative Mehrheit der Deutschen lehnt Leihmutterschaft ab
  10. Leo beruft den lehramtstreuen US-Erzbischof Cordileone in die Apostolische Signatur
  11. Erzdiözese Wien bestätigt Pensionierung von Dompfarrer Faber
  12. Ahmad Mansour: „Nennen wir es beim Namen: Es ist der Islamismus“
  13. Birkenstock springt auf "Nun Girl Summer"-Trend auf: Animierte Filz-Nonne in Birkenstock-Sandalen
  14. Medjugorje: Brandanschlag und Schändungen kurz vor Jugendfestival
  15. Neues Video bringt Sea-Watch unter schweren Verdacht: Zusammenarbeit mit bewaffneten Schleusern?

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz