29 April 2018, 10:00
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Prof. Conrad Artmüller, ein namhafter österreichische Dirigent bekehrt sich in Assisi - Von Alexa Gaspari / VISION 2000

Wien (kath.net/VISION2000)
Wie schön, dass Conrad Artmüller Gemeindemitglied, Organist und Chorleiter bei den Franziskanern in Maria Enzersdorf, unserer Gemeinde, ist. Den Weihnachtstag begingen wir heuer besonders feierlich: mit der von ihm komponierten Missa Francescana: Eine erhebende Musik, die uns dem Himmel wieder ein Stückchen näher gebracht hat. Da ich wusste, dass der Komponist früher evangelisch war, war ich sehr an seiner Geschichte interessiert.

Bei uns zu Hause erzählt er mir aus seinem bewegten, ganz von der Musik geprägten Leben: Geboren 1944, wächst er zunächst in der Wohnung der Großeltern in Währing auf: Eltern, Großeltern, Tante und zwei Buben in einer 3-Zimmer-Wohnung. Für die Buben ist es „selbstverständlich, ja ganz normal,“ wie sich Professor Artmüller erinnert, dass Eltern und Buben gemeinsam nur ein Zimmer bewohnen. Schon zu dieser Zeit fasziniert den kleinen Conrad die Musik. „Ich hatte damals die ersten prägenden Eindrücke, was die Musik anbelangt. Wenn die Tante auf dem Pianino gespielt hat, war ich schon an ihrer Seite und habe mein Ohr gegen das Holz gedrückt. Das hat mich magisch angezogen,“ weiß er noch heute, obwohl er damals erst drei oder vier Jahre alt war.

Mit sieben zieht er mit Bruder und Eltern nach Simmering. Der Vater hatte dort eine Anstellung als Beamter bekommen. Nun bewohnen sie eine „paradiesische 4-Zimmer-Wohnung“. Der Vater ist ein begnadeter Geiger, hat vor dem Krieg in einem Orchester gespielt. Nach dem Krieg gibt es das Orchester nicht mehr, und er arbeitet als technischer Zeichner, um die Familie durchzubringen.
Mit 12 darf Conrad endlich mit dem Klavierunterricht beginnen. „Jetzt geht das Leben erst so richtig los, habe ich gedacht,“ erzählt er lächelnd. Das Klavierspielen macht Freude, die Fingerübungen nicht. Als der Vater eines Tages die Geige wieder in die Hand nimmt, kann der Sohn schon die Sonatinen von Schubert spielen, „aber ich konnte nicht begleiten, wie mir der Vater bewiesen hat, es geht aber wirklich nur gemeinsam.“ Diese Abstimmung musste er erst lernen, was ihm später eine große Hilfe sein wird.

„Wenn der Vater am Abend heimkam, nahm er nach dem Essen die Geige in die Hand und wir haben gespielt.“ Und weiter in Gedanken: „Mit dem Vater habe ich die gesamte Violinkonzertliteratur – Mozart, Beethoven, Mendelssohn, Tschaikowski … – gespielt und so diese Musik überhaupt erst kennengelernt. Als ich auf die Hochschule kam, kannte ich das alles schon. Ein ungeheurer Vorteil für mich.“

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Lachend meint er: „Wir hatten damals natürlich weder Fernseher noch Computer. Dafür haben wir jeden Tag musiziert.“ Wie schön das sein muss, denke ich, durch die Musik so mit dem Vater verbunden zu sein, so viel miteinander zu erleben. Conrad fährt fort: „Mir ist da eine unglaubliche Routine geschenkt worden. Ich habe das alles im Ohr, weil ich es so oft gespielt habe. Ich bin meinem Vater zu totalem Dank verpflichtet. Auf der Hochschule mussten wir z.B. bei einem Professor nach Partituren am Klavier spielen – nicht ganz einfach. Da legt er mir z.B. die Haffner Symphonie (Mozart) vor, die ich fast ganz auswendig spielen konnte, weil ich sie so oft mit dem Vater gespielt hatte. Ich musste fast gar nicht hineinschauen. Der Professor war ganz weg, wollte wissen, wieso ich das so gut konnte. Ich habe es ihm nicht gesagt,“ fügt er schmunzelnd hinzu.
Zurück in die Jugend: Erster Opernbesuch auf Stehplatz mit 14: „Die Zauberflöte! Ich war hingerissen, bin selig nach Hause getaumelt.“ Ab nun gibt es nur mehr Zauberflöte. Er bettelt so lange, bis er zu Weihnachten eine Klavierfassung der Oper, geschenkt bekommt. Ab nun wird statt der Fingerübungen die Zauberflöte geübt. Da gibt es jedoch ein größeres Problem: Er kann bald fast alles spielen, nur nicht die Ouvertüre –„eine geniale Komposition“–, denn sie ist polyphon.

Da lerne ich nun etwas Neues: „Die Polyphonie ist für Pianisten das Schwerste: Die Hände müssen völlig voneinander unabhängig sein. Auf der Orgel kommen dann noch die Füße dazu.“ Also nimmt er die Noten und erhofft sich Hilfe vom Klavierlehrer, merkt aber schnell, dass auch dieser damit nicht zurecht kommt. Später, auf der Hochschule wird er es erlernen. Auf der Suche nach einem anderen Lehrer landet er beim protestantischen Stadtkantor Adolf Wurm. Conrads Eltern waren nämlich Anfang der 40-er Jahre, wie viele andere in dieser Zeit, evangelisch geworden, daher auch die Kinder.
Sein neuer Lehrer ist ein hervorragender Organist. „Er hatte die Orgelliteratur perfekt im kleinen Finger. Ein ganz lieber, geduldiger Lehrer,“ erinnert sich Artmüller, „verständnisvoll und väterlich. Er hat mir die ganze Orgelliteratur eröffnet.“ Auf Wunsch des Lehrers legt er die Organistenprüfung ab. Wurm bringt ihm viel Hymnologie, die Lehre vom Kirchenlied – wieder etwas gelernt! – bei. Mit 16 spielt er bereits in einer evangelischen Kirche in Simmering die Orgel.

Nach der Matura weiß der junge Conrad nicht so recht, was er studieren soll. Adolf Wurm, der selbst nicht dirigieren kann, preist ihm den berühmten Hans Swarowski – europaweit der beste Lehrer für Dirigenten – an. Artmüller wird zur Aufnahmsprüfung bestellt und als einer von sieben Schülern – unter mehr als 30 Kandidaten – aufgenommen. Bei der Akustik-Prüfung erkennt er alle Akkorde und kann gleich die Tonarten, die Swarowski gespielt hat, dazu sagen.

In der folgenden Zeit an der Hochschule hat er für sein „Leben prägende Begegnungen“. Allen voran mit Leonard Bernstein, der Anfang der 60-er Jahre öfter für ein paar Wochen in Wien weilt und an der Oper dirigiert. Conrad erinnert sich dankbar: „Wir Studenten, manchmal waren wir nur zu zweit, sind zu seinen Proben mit den Philharmonikern gegangen.“ Noch heute höre ich die Ehrfurcht aus Conrads Stimme, als er fortfährt: „Nach jeder Probe hat Bernstein uns Studenten ins Dirigentenzimmer geholt und uns z.B. die Vierte von Beethoven erklärt.“ Lächelnd fügt er hinzu: „Nach zwei Stunden, wenn seine Whisky-Flasche leer war, sind wir gegangen.“ Und wieder mit Begeisterung: „Ein wunderbarer Mensch: gütig, stets bereit, all sein Wissen weiterzugeben. Damals gab es den ganzen Rummel um die West Side Story.“ Ja, den Film habe ich auch mehrmals gesehen, füge ich hinzu. Die West Side Story wird übrigens eines der Stücke sein, die Artmüller am öftesten dirigieren wird.

Im Frühjahr 1966 macht er die Diplomprüfung. Nun darf sich Artmüller also Magister nennen. Schon bald bekommt er ein Engagement an die Volksoper. zunächst als Korrepetitor. Das richtige Dirigieren lernt er erst jetzt von den ausgezeichneten Dirigenten – Quadri, Bernet, Lovro von Matacic, „große Vorbilder“ –, die damals an der Volksoper wirkten. „Dirigieren lernt man nur durch Praxis,“ schildert er mir Laien anschaulich: „Dirigieren ist das Einbeziehen des ganzen Körpers in die Musik. Die Körpersprache ist ganz wichtig. Was macht man z.B mit der linken Hand? Diese Hand soll phrasieren (= wie wird ein Ton gespielt?), sie soll dem Sänger den Einsatz geben, den Musiker sozusagen zu sich herziehen – und nicht wie die rechte den Takt geben…“

1969, als er einmal bei der Spielplanvorschau die Zauberflöte ohne Dirigenten angeschlagen sieht, geht Artmüller zum Direktor und erklärt forsch: „Wenn Sie keinen Dirigenten haben, würde ich gern dirigieren.“ Zunächst keine Reaktion. Tage später erklärt ihm der Direktor, er solle am nächsten Tag die Bühnenmusik der Csardasfürstin dirigieren. Dabei beobachtet man ihn, und offenbar ist das Ergebnis zufriedenstellend, denn er bekommt den Auftrag, eine Studioproduktion vom Waffenschmied von Lortzing zu dirigieren. Große Freude: „Also ich – ab durch die Decke,“ lacht er, „so hat es angefangen mit dem Dirigieren.“ Bald darauf soll er Hänsel und Gretel (Humperdinck), ein eher schwieriges Werk, dirigieren. Es heißt: „Artmüller, ich schmeiß Sie ins kalte Wasser: entweder Sie schwimmen jetzt oder Sie gehen unter.“ Wir wissen: Er ist nicht untergegangen!

In der Wendezeit, als Kreisky an die Macht kommt, wird die Spitze des Bundestheaterverbandes umbesetzt. Die Theater bekommen linke Chefs. Korruption ist an der Tagesordnung. Keine leichte Zeit für Musiker. Gott sei Dank hat Artmüller damals bereits einen Dirigentenvertrag, sodass ihm nicht viel geschehen kann. 1976 dirigiert er seine erste Premiere, Albert Herring von Ben­jamin Britten. Ein großer Erfolg. In Zeitung und Fernsehen gibt es Berichte und Interviews. Schon stellen sich die Agenturen in London und Amsterdam, ein.

Nun wird er im Ausland weitergereicht. Es beginnt eine intensive Reisetätigkeit mit Konzerten und Opern: in Europa, sechs Mal in Japan und vielen anderen Ländern der Erde.
Seine Tätigkeit als Organist der evangelischen Simmeringer Kirche beendet er: „Nicht nur, dass sich das zeitlich nicht mehr ausging, es war auch die Zeit, wo ich mich nicht mehr als Mitglied der Gemeinde gesehen habe,“ erinnert er sich. „Ich fühlte mich als Veranstalter, nicht wie jemand, der zum Gottesdienst kommt.“
Schon seit einiger Zeit griff er, oben bei der Orgel sitzend, zur Zeitung oder ging einen Kaffee im Pfarrhaus trinken, wenn die 20-minütige Predigt des Pastors begann. Predigten, ja der Glaube ganz allgemein, das alles war nichts mehr für ihn. „Das war glaubensmäßig mein Tiefpunkt,“ erkennt er heute. Er ist damals 31. „Ich habe gemerkt, mit dem Glauben meiner Kindheit fange ich nichts mehr an.“ Nun liest er viel esoterische Literatur und geht nicht mehr in die Kirche.
Eine neue Phase seines Lebens beginnt, als er 1983 (bis 1990) Musikdirektor der Mödlinger Singakademie wird. Hier lernt er nämlich die Liebe seines Lebens, Christine, kennen. 1983 gründet er auch selbst einen großen Konzertchor – bis zu 100 Leute: die Wiener Kantorei. Mit diesem Chor bringt er „vieles, was ein Dirigent unbedingt gerne aufführen möchte,“ heraus: etwa Verdis Messas da Requiem, den Elias (Mendelssohn), die Missa Solemnis (Beethoven), Haydns Schöpfung und andere große Werke der Oratorienliteratur.

Als der damalige Mödlinger Kulturstadtrat 1986 das Mödlinger Symphonische Orchester initiiert, dirigiert Artmüller schon im Juni 1987 das erste Konzert. „War das nicht ein bisserl viel auf einmal?“, frage ich. Conrad beruhigt mich: Er habe da schon das Reisen eingeschränkt, mehr freie Kapazität gehabt. „Mit dem Orchester ist es schnell bergauf gegangen,“ schildert er. Unter seiner Führung entwickelt sich das Amateur-Orchester zu einem professionellen mit umfangreichem Repertoire: „Im Jahr 2000 waren wir das erste Orchester, das im neuen Jahrtausend in Japan aufgetreten ist.“

Und in der Volksoper? In 25 Jahren dirigiert er da rund 800 Vorstellungen, davon zwölf Premieren. Dann nimmt ihn der damalige Direktor, Eberhart Wächter, der zum Staatsoperndirektor wird, in sein neues Haus mit. Er ist dort für den Probenbetrieb zuständig und auch als Dirigent im Einsatz: In den 13 Jahren, die er dort bis zur Pensionierung arbeitet, „habe ich es immerhin noch auf 200 Vorstellungen gebracht,“ fasst er zufrieden zusammen. Die Stadt Wien verlieh ihm das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Stadt.

Eine sehr schöne Zeit, in der er „mit allen großen Sängern dieser Zeit“ arbeiten kann: Domingo, Carreras, Hampson, Mirella Freni… „Leute, bei deren Stimmen man sich niedergekniet hat. Wenn ich mit ihnen probte, konnte ich immer wieder feststellen, was das für einfache, liebenswürdige Menschen sind, dankbar für jede Hilfe. Agnes Baltsa hatte einmal starke Rückenschmerzen, konnte sich nicht rühren, war verzweifelt. Schnell habe ich ihr ein Schmerzmittel besorgt. Sie war ganz narrisch vor Glück, als sie keine Schmerzen mehr hatte.“ Er fügt hinzu: „Musiker und Sänger sind wie Kinder, glücklich, wenn sie sehen, dass man sie mag und sich um sie sorgt.“

Nette, weniger nette und lustige Episoden können in einer so langen Zeit natürlich nicht fehlen. Artmüller plant, über all das ein Buch zu schreiben. Ich bitte ihn um eine Kostprobe. Er denkt nicht lange nach: „Es gab da einen Kammersänger, der den Herodes in der Oper Hérodiade von J. Massenet in der Staatsoper auf Französisch gesungen hatte (übrigens die umgekehrte Geschichte, nicht wie sie in der Bibel steht: Salome liebt Johannes und leidet darunter, dass der Vater gegen ein Zusammenkommen mit ihm ist). In einem Duett zwischen Herodes und der verzweifelten Salome verkündet ihr dieser die Hinrichtung des Johannes. Salome liegt hingestreckt am Boden und Herodes soll nun singen „tremble! tremble!“ (auf Französisch „zittre!, zittre!“). Der spanische Sänger kann jedoch kein Französisch und singt aus vollem Hals: „Trampel, Trampel!“ Worauf sich das Orchester krumm lacht.“

Eine andere Story: „Wir hatten Ariadne auf Naxos am Spielplan. Eine Amerikanerin als Ariadne, mit einer wunderschönen Engelsstimme, aber sehr füllig. Als Bacchus singt: ,So willst du mit mir kommen auf mein Schiff’, sollte sie antworten: ,Ich bin bereit!’ Der Souffleur aber lässt sie singen: ,Ich bin zu breit!’ Gott sei Dank ist es nur eine Probe, denn das Ensemble liegt flach.“
Nun kommen wir aber auf Conrads spirituellen Weg zu sprechen. Weit weg vom Glauben, der ihn nicht interessiert, spricht ihn, wie gesagt, esoterische Literatur an, ohne dass er allerdings Esoterik praktiziert. 2007 kommt es zum Umschwung in seinem Leben: Er reist mit Christine in der Karwoche nach Assisi. Es ist ihr großer Wunsch. Sie ist katholisch, gläubig und leidet darunter, dass Conrad nichts von der Kirche wissen will. Aber nach Assisi fährt er gerne mit. Als Tourist interessiert ihn die Stadt, über Franziskus informiert er sich vorher.

Was er dort sieht, gefällt ihm. Es kommt der Gründonnerstag. Sie gehen in die Vesper nach San Damiano. Ihm gefiel die italienische Sprache – als Dirigent italienischer Opern beherrscht er die Sprache – immer schon sehr. Es wird auch sehr schön gesungen. Für einen Musiker also alles bestens. Doch dann: „Auf einmal heißt es: 15 Minuten Stille. 15 Minuten?! Das ist lang. Was mache ich jetzt? Hinausgehen und eine rauchen?“ Er schaut sich um. Die Leute knien, ganz in sich versunken. „Da habe ich begriffen, dass diese Zeit der Stille zum Beten gedacht ist. Und so habe ich halt irgendwie begonnen zu beten. Auf einmal ist da etwas gewesen, das ich als Gnade bezeichne: Ich bin am Schluss wie erschlagen, überwältigt dagesessen. Wir sind dann hinaus, hinunter nach Rivotorto gefahren und dort gemeinsam in die Hl. Messe gegangen – mit Tränen in den Augen.“ Beim Abschied von Assisi meint er zu Christine: „Wir kommen wieder, ich aber als Katholik!“

Ab da setzt die Änderung ein: „Zu Hause bin ich aus der evangelischen Kirche ausgetreten und habe mich auf die Suche gemacht, wie und wo ich katholisch werden könnte.“ In Maria Enzersdorf trifft er Prof. Grasemann, (Portrait 6/07), Organist in der Wallfahrtskirche, der als junger Musiker sein Musikprofessor im Gymnasium war. „Ich habe ihn sehr geschätzt, als Professor, als Mensch aber auch als Organist und Musiker.“ Grasemanns Frau, Mitglied im Symphonieorchester, macht Conrad mit P. Thomas, dem Pfarrer, bekannt. Nach langen Gesprächen und einer Lebensbeichte nimmt dieser Artmüller in die Katholische Kirche auf. Am 1. August 2007 wird Conrad gefirmt. Er erinnert sich noch genau: „Tagsüber hatte ich Proben für Figaros Hochzeit in Lockenhaus und abends fuhr ich schnell nach Maria Enzersdorf zu meiner Hl. Firmung. So hat mein Weg in der katholischen Kirche begonnen.“
Sein neuer Glaubensweg hat großen Einfluss auch auf seinen Komponierstil: „Die Zwölftontechnik der Sechzigerjahre war etwas, was ich immer abgelehnt habe, daher ist mein Komponierstil lange Zeit brach gelegen. Ich wollte nicht etwas komponieren, was ohnehin nicht aufgeführt worden wäre. Spätestens 2007 habe ich aber erkannt, dass Kirchenmusik ein eigenes Genre ist, Musik zur Ehre Gottes und nicht beliebige ,Musik in der Kirche’.

Dies bedeutet, dass die Kirchenmusik den liturgischen Anforderungen der Kirche zu dienen hat, vor allem aber dem Messbesucher eine Vertiefung seines Glaubens ermöglichen muss. Diese mir auf der neuen Glaubensbasis geschenkte Erkenntnis führte dazu, dass in relativ rascher Folge zwei große Oratorien entstanden.“ 2008 komponiert er: Cantico delle creature, den Sonnengesang des Hl. Franziskus mit Uraufführung in der Südstadtkirche. Mit dem Mödlinger Symphonie Orchester und zwei Chören – 130 Mitwirkende – wird das Werk im selben Jahr auch in Assisi in der Basilica Superiore aufgeführt. Es folgt ein zweites Oratorium: INRI, das zunächst wieder in der Südstadtkirche und später in der Stiftskirche Heiligenkreuz aufgeführt wird. Auf Wunsch der Zisterzienser in Heiligenkreuz komponiert er dann die Heiligenkreuzer Messe. Sie wird zu Pfingsten 2014 uraufgeführt.

Das Oratorium Elias soll 2017 zum 30-jährigem Bestehen des Mödlinger Symphonieorchester aufgeführt werden. Als geistliche Musik, die die Menschen heute – angeblich – nicht mehr wollen, wird es vom Orchester zunächst abgelehnt, dann aber doch mit großem Erfolg in der Burg in Percholdsdorf aufgeführt. Der Zustrom ist so groß, dass die Generalprobe öffentlich stattfindet. Es ist das letzte Mal, dass Conrad Artmüller das Orchester dirigiert.

„Nach meiner Konversion ging es Prof. Grasemann gesundheitlich schon nicht mehr gut. Er hat mich gefragt, ob ich zu den festlichen Messen Orgel spielen würde.“ Von da an dirigiert Grasemann am Pult und Conrad spielt die Orgel, wenn große Messen gefeiert werden „Der Friedl hat mir exemplarisch den Umgang mit der Liturgie klargemacht. Dafür bin ich ihm unendlich dankbar. Ich kannte das von früher ja nur aus evangelischer Sicht.“

Nach Grasemans Tod wird Artmüller Chorleiter in Maria Enzersdorf bei den Franziskanern. Seit zwei Jahren hat er nun dieses Amt inne. „Gott stellt uns dorthin, wo er uns braucht: Das ist die Hand Gottes. So habe ich das gesehen.“ Heute ist er sehr froh, bei der Gemeinschaft der Wallfahrtskirche und des Chores in Maria Enzersdorf gelandet zu sein. „Das bedeutet mir sehr viel, ist für mich enorm wichtig und es ist eine Tätigkeit die mit meinem Glauben untrennbar verbunden ist. Hier kann ich öffentlich und frei sagen, dass ich glaube.“ Und weiter: „Der Glaube ist für mich wesentlich: Wenn ich heute oben auf der Empore sitze, dann habe ich nicht das leiseste Problem, die Messe so mitzufeiern, wie wenn ich unten säße. Früher war das nicht so. Da war ich eben Veranstalter.“
Und lächelnd: „Der Stress ist nur da, wenn ich zur Eucharistie hinunter laufe. Der Weg ist doch recht weit. Wenn nicht viele Leute in der Messe sind, dann schaffe ich es kaum.“

Und zusammenfassend: „Ich bin ein glückseliger Katholik, unendlich dankbar für die Gnade, die mir widerfahren ist und geschenkt wurde, die ich erlebt habe. Ich muss danken für dieses Leben, bin sehr zufrieden. Das hängt sehr mit dem Glauben zusammen. Er lässt einen doch anders handeln und denken. Es fällt dieses Gift weg, mit dem wir uns so oft sonst selbst zudröhnen. Wir sind ja zur Fröhlichkeit aufgerufen. Als Christen sind wir doch aufgerufen, frohe Menschen zu sein!“

Foto: (c) Vision2000

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