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Leben in Fülle - Lasst euch mit Gott versöhnen

27. April 2018 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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„Die Frage der Erlösung, des Kreuzesopfers unseres Herrn, wird eher mehr als weniger ausgeklammert.“ Kolumne „Gedanken eines Nichttheologen“. Von Stefan Fleischer


Grenchen (kath.net/sf) „Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10)

Die Theologie von heute gibt sich alle erdenkliche Mühe den Begriff "Leben in Fülle" zu erklären. Eine klare Definition aber ist kaum erhältlich. Von einem Gerede um den heißen Brei herum bis zur Behauptung, Christus sei gekommen, um noch vor dem jüngsten Tag für uns Menschen wieder paradiesische Zustände herbei zu führen, ist alles zu hören. Dabei ist mehr oder weniger allen gemeinsam, dass einerseits die Verwirklichung eines solchen Lebens in der Hand des Menschen liege, und dass dabei die Frage der Erlösung, des Kreuzesopfers unseres Herrn, eher mehr als weniger, ausgeklammert wird.

In der Theologie meiner Jugend, ja, wenn ich richtig informiert bin seit Beginn des Christentums, wurde unter "Leben in Fülle" immer zuerst einmal jenes ewige Leben verstanden, zu welchem wir hier und jetzt unterwegs sind. Eine solche "Vertröstung auf das Jenseits" lässt sich der Mensch von heute nicht mehr gefallen. Zu Recht bemängelt er, dass es dabei zu Einseitigkeiten gekommen ist, zur Verachtung des irdischen Glücks und des Strebens danach. Aber dass man deswegen heute ins andere Extrem verfällt, in die Geringschätzung oder dann in den Glauben an einen Automatismus des ewigen Heils, ist genauso falsch.


Immer mehr glaube ich, dass wir heute uns wieder von Völkerapostel sagen lassen müssen: "Wir sind also Gesandte an Christi Statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi Statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!" (2 Kor 5,20).

"Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen", das wussten unsere Vorfahren noch aus eigener Erfahrung. Inzwischen ist es dem Bösen zwar gelungen, das Gewissen weitgehend einzuschläfern, und Sünde und Schuld zu relativieren. Doch im Tiefsten weiß und spürt jeder Mensch, dass er der Versöhnung mit Gott bedarf. Das macht ihn unruhig, lässt ihn das "Leben in Fülle" überall suchen und doch nicht finden.

Diejenigen aber, welche erfahren haben, welches Glück, welche Erfüllung die Sicherheit schenkt, mit Gott versöhnt zu sein, und sich, wenn nötig immer wieder, mit ihm wieder versöhnen lassen zu können, werden schon hier und jetzt ein Leben in einer Fülle haben, wie es Welt und all ihr Glück nicht zu schenken vermag.

Die Botschaft also, die wir, als Kirche und als Einzelne, im Zusammenhang mit einem geglückten Leben, mit dem Leben in Fülle, neu zu verkünden haben, ist jene welche schon Paulus so eindringlich verkündet hat: "Lasst euch mit Gott versöhnen.“

kath.net-Buchtipp
Heiligkeit für Anfänger
Ein Wegbegleiter
Von Stefan Fleischer
Taschenbuch, 156 Seiten
2011 BoD
ISBN 978-3-8448-0949-7
Preis 12.40 EUR

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Foto Stefan Fleischer


Foto oben (c) Petra Lorleberg/kath.net


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