09 Juni 2018, 17:00
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Die Geschichte der Bekehrung eines lauen Muslims, der sich in den Dienst der Mission stellt - Von Alexa Gaspari.

Wien (kath.net/vision2000)
Wirklich ein guter Tipp meiner Freundin Traude, der mich zum Interview mit Christian – der christliche Name des ehemaligen Moslems – geführt hat. Heute bereitet er selbst Muslime auf den Glauben vor. Um sie nicht zu gefährden, bringen wir Fotos von meinem Gesprächspartner, auf denen er nicht gut zu erkennen ist.

Christians Vater kommt schon Anfang der 50-er Jahre nach Matura und Militärdienst in seiner Heimat Syrien nach Österreich. Er lernt schnell Deutsch und absolviert ein Medizinstudium. Danach bekommt er gleich eine Stelle in einem steirischen Krankenhaus. Während eines Urlaubs in der Heimat lernt er ein Mädchen, halb Libanesin, halb Syrerin, kennen und lieben. Als sie ihn in Österreich besucht, heiraten die beiden Muslime und bleiben in Österreich.

Mein Gegenüber wird als drittes von fünf Kindern in diese Ehe geboren. Die Eltern – mit der Mutter spricht der Bub arabisch, mit dem Vater deutsch – sind kaum gläubig: „Mein Vater, der Chirurg war, hat wie jeder andere im Ort gelebt, man hätte nicht gewusst, dass er muslimischen Glaubens ist,“ erläutert Christian. Die Mutter kleidet sich westlich, ist stets modisch frisiert, mit blondiertem Haar. „Wenig bis gar nicht“ wird zu Hause über den Islam gesprochen. Die Familie wohnt in einem Dorf im Burgenland, wo sie auch einen kleinen Bauernhof mit Schafen, Hühnern und viel Gemüse betreiben. „Da gab es auch Speck und Wurst und der Vater hat auch Bier getrunken,“ verdeutlicht mein Gegen­über die Einstellung der Eltern.

Lange Zeit denkt der Bub, die Nachbarin, die er Oma nennt – eine Witwe, deren Kinder beide gestorben waren und die sich rüh­rend um die Familie mit den fünf Kindern bemüht –, sei seine richtige Oma. Christian liebt sie heiß, seine „Oma“, eine tiefgläubige Katholikin. Ihre Küche ist voller christlicher Symbole. „Sie strahlte Ruhe und Freude aus. Dort war mein zweites Zuhause. Da gab es ein Jesusbild, von dem ich immer den Eindruck hatte, dass es zu mir spricht,“ erinnert er sich froh.

Die Nachbarin versucht nie, die Kinder zu bekehren, lebt aber ihren Glauben ganz selbstverständlich. Wenn die Oma Rosenkranz betet, sind die Kinder ganz ruhig und beobachten sie. „Es war faszinierend, ihr beim Beten zuzuschauen. Sie hat so eine Liebe ausgestrahlt.“ Die Erinnerung rührt ihn heute noch.

Als die Kinder ins Gymnasium gehen, beschließen die Eltern in die Steiermark zu übersiedeln. Christian fällt die Trennung von seiner Oma unendlich schwer. Noch dazu überredet ein Freund – ein strenggläubiger Moslem – den Vater, die Kinder in den islamischen Religionsunterricht zu schicken, was ihnen lästig ist und keinen positiven Eindruck bei ihnen hinterlässt. „Ich konnte das nicht glauben, was ich da zu hören bekam. Aber Fragen durfte man keine stellen.“

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Als Christian 15 ist, stirbt der Vater nach einem Schlaganfall. Ein massiver Einschnitt im Leben von Mutter und Kindern. Christian versteht nicht, wie Gott einen Vater von fünf Kindern sterben lassen kann. „Ich habe damals richtig einen Hass gegen Allah, der mir ohnedies nicht gefiel, entwickelt,“ erzählt er. Die Mutter fühlt sich völlig überfordert und fährt mit den Kindern zur elterlichen Familie nach Syrien.

Dort ist die ältere, sehr religiöse Schwester der Mutter, mit Kleidung und Lebensstil der Jüngeren gar nicht einverstanden. Der Tod des Ehemanns sei eine Strafe Allahs, meint sie zur verzweifelten Witwe und setzt ihr massiv zu, ihr Leben zu ändern. So steht eines Tages die Mutter verschleiert vor Christian. Er ist schockiert: „Das war eine richtige Gehirnwäsche gewesen,“ denkt er schon damals.

Die nächsten 15 Jahre bleibt sie auch in Österreich verschleiert, wohin sie zu Schulbeginn 1999 zurückkehren. Damals ist sie im Ort – im Gegensatz zu heute – die einzige Frau mit Schleier. Man kann sich das Erstaunen der Gemeindebewohner über die Veränderung der schicken Frau Doktor vorstellen. „Ich habe mich geschämt,“ erinnert sich der Sohn noch allzu gut. Die Mutter macht nun auch ständig Vorschriften und Vorhaltungen, spricht nur von Verboten, ist nicht mehr die fröhliche Frau von einst.

Die Jahre vergehen, Christian maturiert und absolviert 2002 das Bundesheer als Sanitäter. Wenn er frei hat, fährt er zu seiner Oma ins Burgenland. Zu Hause hält er es nicht aus. 2003 beginnt er mit dem Jus-Studium in Wien. Zur selben Zeit erleidet die Oma mit 73 Jahren einen Schlaganfall. Wieder hadert der junge Mann mit Gott – falls es Ihn überhaupt gibt. „Diese arme Frau, die niemandem je etwas Böses getan hat, immer dankbar war, wieso muss die so etwas erleiden?“, verzweifelt der Bursche.

Zwei Jahre lebt Oma noch in einem Altersheim, an den Rollstuhl gefesselt, bis sie an den Folgen des Schlaganfalls 2005 stirbt. „Das waren die schlimmsten Jahre meines Lebens. Jedes Wochenende bin ich sie von Wien besuchen gefahren. Manchmal hat sie mich erkannt, dann wieder war sie wie abwesend. Sprechen konnte sie nicht mehr. Ich konnte das kaum ertragen. Aber hätte ich sie nicht besucht, wäre mein Schmerz noch größer gewesen. Ich habe wirklich wieder Hass gegen Allah entwickelt: der uns ohne Herz, wie es ihm passt, Unglück und Strafen schickt.“

Nach Hause fährt Christian so selten wie möglich, um den Fragen der Mutter: „Jetzt ist Ramadan, fastest du eh?“, auszuweichen, um ihren religiösen Verboten und vorwurfsvollen Anklagen zu entkommen. „Ich habe ohne Glauben gelebt. Mich an keinerlei religiöse Vorschriften gehalten. Nach Partys konnte es sein, dass ich irgendwo in einer fremden Badewanne aufgewacht bin, ohne zu wissen, wie ich dorthin gekommen bin.“

Er engagiert sich in der Hochschülerschaft. Ein Jahr lang ist er ihr Vorsitzender für ganz Österreich, schließt 2008 das Studium erfolgreich ab und arbeitet nach dem Gerichtsjahr in einer Anwaltskanzlei bis 2012.

Als 2011 der Krieg in Syrien ausbricht, ist die strenge Tante gerade auf Besuch in Österreich und kann nun nicht ohne Risiko zurück. Als ihr Visum abläuft, fährt der Neffe mit ihr nach Traiskirchen, um für sie um Asyl anzusuchen. „Was ich dort gesehen habe, werde ich nie vergessen: Menschenmassen! Und keiner, der deren Sprachen spricht! So viele Flüchtlinge, die nicht wissen, wem sie ihre vielen Fragen stellen könnten.“ Schnell bemerkt man den jungen Mann, der Arabisch spricht. Er wird umringt und bedrängt. „Da habe ich mir gedacht: Die sind wirklich arm, brauchen Hilfe.“ Als er sich bei einer Organisation in Graz als Rechtsberater für Flüchtlinge anbietet, empfängt man ihn mit offenen Armen. Seinen Job beim Anwalt gibt er auf.

Nun lebt er wieder bei der Mutter, aber die Stimmung ist, auch dank der strenggläubigen Schwester, schlecht: Immer wieder Streit zwischen den Geschwistern und der Tante, die viel Kritik am westlichen Lebensstil der Jugend übt. Christian ist froh, dass er den ganzen Tag arbeitet und nach der Arbeit sich mit Freunden treffen kann.

Eines Tages muss er für eine Kollegin Flüchtlinge aus dem Iran übernehmen. Persisch kann er nicht und so kommt ein Dolmetscher zu Hilfe. Dabei geht es um die Konversion eines iranischen Flüchtlings zum Christentum. „Ich wusste bis dahin nicht, dass Moslems bei uns zum Christentum wechseln,“ schildert er seine Überraschung damals. H., der Dolmetscher, beeindruckt Christian vom ersten Moment an. „Der hat gestrahlt, so glücklich gewirkt, innere Zufriedenheit, Ruhe und Freude ausgestrahlt. Ich war zwar damals mit meinem Leben zufrieden, aber glücklich war ich eigentlich nicht,“ überlegt er. Als ihn der Dolmetscher später fragt, ob er noch Zeit für einen Kaffee hat, ist Christian daher sofort dabei.

Es wird sein längster „Kaffee“: „Ungefähr 4,5 Stunden sind wir dort gesessen und H. hat mir aus seinem Leben erzählt, wie aus einem Moslem im Iran ein Christ wurde.“: H., am Glauben nicht sehr interessiert, nimmt an Protesten gegen das Regime teil. Eines Nachts hat er einen Traum: Eine Lichtgestalt erscheint ihm und gibt ihm ein Buch mit den Worten: „Nimm mein Sohn und lies, was ich für dich getan habe.“ Auf dem Buch – ein Kreuz. H. sieht, dass die Lichtgestalt Wundmale an Händen und Füßen hat.

Ohne Vorkenntnis weiß er doch plötzlich mit Sicherheit, dass es Jesus ist und dass dieser ihm die Bibel gegeben hat. Jesus sagt ihm noch, Er gäbe ihm ein Zeichen. Sollte er dieses eines Tages wiedersehen „wird dein Glaube an mich vollkommen werden. Du wirst es erst später verstehen.“ In dem gezeigten Symbol erkennt der junge Mann auch einen Panther. Auch seine Schwester hat in derselben Nacht diesen Traum, bekommt allerdings ein anderes Symbol. Was für eine Bestätigung für die Echtheit der Botschaft! Beide lassen sich in der Folge heimlich im christlichen Glauben unterweisen und werden Christen.

Dann muss H. aus dem Iran fliehen. Nur weg, egal wohin. Ein Schlepper bringt ihn schließlich nach Graz. H. stellt sich sofort der Polizei und beantragt Asyl. Während er bei einer der Behörden wartet, sieht er plötzlich über der Türe das Symbol mit dem Panther, das ihm Jesus im Traum gezeigt hatte. Was denn dies sei, fragt er nach. „Das steirische Wappen,“ hört er! Und H. begreift: Jesus hat ihn hierher geführt, hier kann er seinen Glauben leben – und er beginnt zu weinen.

Diese Lebensgeschichte wühlt Christian auf. Kann das wahr sein? War es Zufall, dass er H. kennengelernt hat? In den nächsten Tagen lässt ihn das nicht los. Erinnerungen an die Oma, was sie gesagt hat, die Bilder von Jesus und Maria steigen in ihm auf. Mit der Mutter oder gar der Tante kann er nicht darüber reden. So gibt er schließlich im Internet die Begriffe Islam und Christentum ein. Er stößt auf Debatten zwischen Moslems und Christen und findet, dass die Christen überzeugender wirken, stets die besseren Argumente haben. So beschließt er in der Bibel sowie im Koran zu lesen und zu vergleichen. Als er das erste Mal die Bibel aufschlägt, steht da: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Eindrucksvoll!

In den folgenden zwei Jahren liest und recherchiert er viel. Das verändert ihn: Er hat nun immer mehr Freude am Leben, denn Gott ist ganz anders als Allah: „Gott führt uns, ist immer bei uns. Der Tod, auch der Liebsten, gehört dazu. Später werden wir den Grund für alles verstehen. Dann werden wir sehen, dass Gott durch und durch gut ist.“ Sein Verständnis für das Christentum wächst. Was soll er jetzt tun? Noch traut Christian sich nicht, zu seinen Einsichten zu stehen.

Eine Verwandte der Oma, Marianne, die er immer wieder trifft, wird seine einzige Vertraute, mit der er über alles reden kann. Anfang 2014 lädt sie ihn zu einer Pilgerfahrt im April nach Medjugorje ein. Er ist sofort einverstanden. Daheim erklärt er, er mache Urlaub in Kroatien. Als nach langer Reise die Kirche von Medjugorje im Blickfeld auftaucht, erinnert er sich an Bilder bei der Oma, die öfters hierhergefahren war. Er fühlt sofort eine tiefe Verbundenheit.

In den folgenden Tagen macht er bei allem mit: Wanderung auf den Kreuzberg, Rosenkranz, Anbetung. Er geht auch mit zur Messe und lässt sich von Marianne alles genau erklären. „Es war wie ein Crashkurs des katholischen Glaubens.“ Er empfindet einen tiefen Frieden. Nur Beichte und Kommunion bleiben ihm verwehrt. Er ist ja nicht katholisch.

Immer tiefer ist ihm bewußt: Der Gott der Christen ist ein liebender Gott, der für jeden einen wunderbaren Plan hat. Und so fängt Christian einfach an, mit Ihm zu sprechen. Als dann ein Priester – er trägt ein von Pater Pio geschenktes Kreuz um den Hals – Marianne und Christian segnet, weiß dieser zwar nicht, wie ihm geschieht, doch er fällt automatisch auf die Knie und spürt im ganzen Körper minutenlang ein Kribbeln – als hätte die personifizierte Liebe und Geborgenheit von ihm Besitz ergriffen.

Wieder daheim umarmt er die Mutter, der er schon am Telefon den wahren Grund der Reise gestanden hatte, und erzählt nun ohne Hemmungen – die Tante war längst abgereist – von seinen Recherchen, seinen Einsichten, seinen Erfahrungen.

Im Mai läuft der Vertrag als Rechtsberater aus und er bewirbt sich als Assistent auf der Universität. Er bekommt den Job, wird dort aber erst im Juli anfangen. Also beschließt er wieder nach Medjugorje zu fahren – es werden drei Wochen. „Das war die schönste Zeit meines Lebens, wie der Himmel auf Erden. Ich betete dort ununterbrochen. Obwohl Fußball-WM war und mich das normalerweise begeistert hätte, habe ich nichts davon gesehen. Was für ein Frieden! Kein Groll, kein Ärger, keine Probleme. Ich war ganz frei und glücklich. Am liebsten wäre ich ganz dortgeblieben.“ Diese Freude strahlt er heute noch aus. „Ich spürte: die katholische Kirche ist mein Zuhause.“

Kein Wunder, dass die Mutter seinen Zustand mehr als erstaunlich empfindet. Da der Sohn aber so glücklich wirkt und von seiner Freude über seinen neuen Glauben erzählt, wird sie beim Zuhören immer nachdenklicher. Was ist geschehen? Auch die Geschwister wollen es genau wissen: „Bist du Christ geworden?“ Er antwortet mit „Ja“, denn im Herzen ist er bereits ein überzeugter Christ, obwohl der Pater – den er kontaktiert hatte, um getauft zu werden – ihm erklärt hatte, dieser Schritt bedürfe einer Zeit der Vorbereitung und Unterweisung.

Wird die Familie ihn jetzt hinauswerfen? Auch das würde ihm nichts ausmachen. Doch weder die Geschwister noch die Mutter haben so etwas im Sinn. „Ich habe der Mutter immer wieder etwas zum Nachdenken gegeben, jeden Tag ein bisschen.“ Eines Tages erklärt ihm diese: „Da du so begeistert von der Hl. Schrift bist, besorg mir eine auf Arabisch.“ Was er sofort tut. Sie liest die vier Evangelien, deren Lektüre der Sohn ihr als Erstes empfiehlt, in vier Tagen. Bald verändert sich auch die Mutter: Ihre frühere Freude wird wieder sichtbar. Und bald geht sie – ohne Kopfbedeckung – einkaufen! „Hast du nicht etwas vergessen?“, fragt der Sohn erstaunt. „Nein, das Kopftuch will ich nicht mehr,“ ist die fröhliche Antwort.

Immer häufiger stellt sie nun Fragen zum christlichen Glauben. Sie spürt, dass von der Hl. Schrift so viel Liebe und Frieden ausgehen. Jetzt versteht sie vieles besser, fühlt sich angenommen, meint einmal mit Tränen in den Augen: „Wenn das die Wahrheit ist, wurde ich 61 Jahre lang belogen.“ Christian ist überglücklich, dass Jesus seine Mutter – wie er gebetet hatte – nach nicht einmal zwei Monaten zur Wahrheit führt. „Es war mir so wichtig, dass meine Mutter diese Freiheit hat und nicht mehr in diesen Ketten leben muss.“ Ich sehe ihm an, wie unendlich froh er darüber ist: „Das war soooo schön,“ lacht er.

Im September 2014 äußert die Mutter den Wunsch, nach Medjugorje zu fahren. Auch der älteste Bruder fährt mit. Drei wunderschöne Tage für die Mutter und die Brüder. In der Kirche steht eine Statue der Muttergottes von Lourdes. Christian kniet sich vor sie hin und dankt von ganzem Herzen. Nach einigen Minuten dreht er sich zur Mutter um. Sie blickt mit Tränen in den Augen unverwandt auf die Statue, wirkt ganz erschüttert. Die Brüder bringen die Mutter hinaus. Was denn los sei, fragen sie. Und darauf die Mutter: „Sie hat mich angelächelt.“ „Die Statue?“, fragt Christian ungläubig. „Das ist keine Statue“, erklärt die Mutter mit größter Selbstverständlichkeit. „Sie hat mich mit so einem liebevollen Blick angelächelt, dass ich im Herzen unendlich viel Liebe gespürt habe. Als würde der Blick sagen: ,Danke, dass du gekommen bist’. Sie hat auf mich gewartet.“ Eine Stunde lang verspürt die Mutter ein Kribbeln im ganzen Körper, als ob sie umarmt würde. Sie ist einfach glücklich. Christian erzählt: „Die Mutter hat diese drei Tag dort – mit einem Lächeln im Gesicht – geweint. Das ganze Wesen meiner Mutter, ihr Gesicht, hat sich in diesen Tagen total verändert. Auch bei meinem Bruder.“

Eine eigene Geschichte wäre die Erzählung, wie die Mutter zurück in Österreich auf wunderbare Weise von jahrelangen Unterleibsproblemen befreit wurde.

Der Pfarrer ist glücklich, als er erfährt, dass sich Mutter und Sohn taufen lassen wollen. Es folgen Glaubenskurse. Zu Pfingsten 2015 werden beide in Fürstenfeld getauft, empfangen Erstkommunion und Firmung – beide am selben Tag. Ein wunderbares Fest für die ganze Pfarrgemeinde. Die Kirche ist gesteckt voll. „Auch die Geschwister – bis auf einen, der noch Zeit braucht – wurden etwas später getauft.“ In die Familie kehrt Freude und Ruhe ein. Die Mutter fühlt sich nun befreit und teilt dankbar und bedenkenlos ihrer Familie in Syrien ihre Konversion mit.

Christian sucht nun nach einem Job im christlichen Bereich. Durch eine irakische Familie, die konvertieren möchte, kommt er mit Hermann Klettler (heute Bischof in Innsbruck) – damals Pfarrer in der Steiermark, der muslimische Konvertiten auf die Taufe vorbereitet, – in Kontakt. Als dieser von Christians Arabischkenntnissen erfährt, fragt er ihn ob er ihn nicht unterstützen könnte. Ja, das mache er gerne, ist die Antwort, es ist ja das, was er sich gewünscht hatte. Bald nimmt diese Arbeit sehr viel Zeit in Anspruch, denn er erhält auch den Auftrag, die Taufwerber zu unterrichten.

Weil er sich auf diese Tätigkeit konzentrieren möchte, beendet Christian seine Arbeit an der Uni und wird hauptamtlich als Katechet tätig. Er unterrichtet Muslime aus dem arabischen Raum, Macht einen theologischen Fernkurs und berät die Bischöfe in einschlägigen Rechtsfragen. Auf diesem Platz will Gott ihn haben, da ist er sich sicher.

Er hat nun die unterschiedlichsten Menschen aus dem arabischen Raum – Syrien und Irak sind die Hauptländer – als Taufwerber, großteils sind es Familien. „Für mich ist es eine große Bereicherung, Menschen kennenzulernen, die nach der Taufe fragen, ihre Geschichten zu hören. Manche hatten schon in ihrer Heimat christliche Freunde. Sie wollten schon dort konvertieren, was aber zu gefährlich gewesen wäre. Manche finden zum Christentum erst in Österreich durch Begegnungen. Sie sagen: ,Die Leute sind so nett zu uns, helfen uns, wo man uns doch gesagt hatte, Christen seien böse und würden uns hassen.’“

Familien, die in die Kirche aufgenommen werden möchten, gingen regelmäßig in die Kirche, erzählt Christian, denn sie hätten verstanden, dass katholischer Glaube und Kirche untrennbar zusammengehören. „Sie sind oft ein gutes Beispiel in ihren Pfarren, möchten sich integrieren, helfen beim Pfarrkaffee…“

Medjugorje, der wahrscheinlich größte Beichtstuhl der Welt, ist für Christian Tankstelle geblieben, nicht wegen der Erscheinungen, sondern als Gebetsstätte, „weil man dort geistig auftanken kann“. Hier hat er schon beim ersten Mal gespürt: Jesus, Seine Botschaft – das ist die Wahrheit. Hier ist er in die Schule des Glaubens gegangen. Eine Schule in die er, unbewusst, schon als Kind durch die „Oma“ eingeführt worden war - durch ihr Gebet, ihre Bilder von Jesus, der Muttergot­tes, ihrem Rosenkranz und vielem mehr. Das ist ihm heute klar.

Ist das nicht beruhigend für alle Eltern und Großeltern die vielleicht meinen, ihre Kinder, Enkel, usw. hätten nichts von ihrem Glauben, von all dem, was sie ihnen vorgelebt haben, mitbekommen? „ Alles braucht seine Zeit“, betont Christian.

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