18 Juli 2018, 10:30
Die erste heiliggesprochene Inderin: Sr. Alphonsa aus Kerala
 
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Ihr Grab wird auch von Hindus und Moslems besucht. Ein Heilungswunder geschieht an einem Hindumädchen, das dort Kerzen opfert - VIDEO - Die monatliche Kolumne von Claudia Sperlich

Thiruvananthapuram (kath.net/cs) Der Bundesstaat Kerala liegt im Südwesten Indiens. Über 18 % seiner Einwohner sind Christen (im übrigen Indien sind etwa 2% der Bevölkerung Christen). Die Syro-Malabarische Katholische Kirche ist mit Rom uniert.

1910 wird Annakutty Muttathupadathu als fünftes Kind einer syro-malabarischen Familie in dem Dorf Kudamaloor geboren. Annakutty, „kleine Anna“, ist ein Achtmonatskind, entwickelt sich aber gut. Ihre Mutter stirbt, als Annakutty erst drei Monate alt ist. Die Kleine wächst bei ihren frommen und liebevollen Großeltern dennoch glücklich auf. Gebet und fröhliche Hilfsbereitschaft gegenüber den Armen gehören zum Alltag. Wie in christlichen Familien in Kerala damals üblich, trifft sich die Familie allabendlich zu einer Stunde des Gebets, und schon als Fünfjährige übernimmt Annakutty das Vorbeten.

Ihre Erstkommunion empfängt die Siebenjährige mit größter Freude. Mit ihrer Großmutter liest sie die Schriften der Hl. Theresia von Lisieux. Ihre Schwestern werden nach Landessitte früh verheiratet. Annakutty will Jesus Christus gehören, Er soll ihr einziger Bräutigam sein.

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Nach den ersten drei Jahren Grundschule muss sie zu ihrer Tante Anna Murickal ziehen – so hat die sterbende Mutter es verfügt. Aber die Adoption durch Tante Anna stellt sich als Prüfung heraus. Fromm ist sie, die Tante – aber auf eine seltsam lieblose Art. Sie fordert strengsten Gehorsam von dem Kind und ist selbst eine eifrige Beterin und Kirchgängerin – aber die Freundschaft des Mädchens zu den Karmelitinnen befremdet sie, und wenn die kleine Anna in stundenlanger Hingabe vor dem Altar kniet, reagiert die große Anna gereizt. Annakutty soll gefälligst lernen, was eine gute Ehefrau können muss. Als sie dreizehn Jahre alt ist, will die Tante eine Ehe arrangieren. Annakutty betet die ganze Nacht – sie will nur Christus gehören. Am Ende sieht sie keine andere Möglichkeit, sich der Ehe zu entziehen, als die Selbstverletzung. Sie tritt mit einem nackten Fuß auf einen glühenden Holzstoß. Wenn sie hinkt, wird sie doch keiner wollen?

Aber Selbstverletzung ist kein geeigneter Weg. Sei es, dass ihr Fuß ungewöhnlich schnell heilt, sei es, dass ein leichtes Hinken ihrer Schönheit keinen Abbruch tut – es gibt weiterhin Heiratsbewerber, und die Tante sieht nicht ein, dass Annakutty eine andere Berufung hat. Annakuttys Beichtvater ist klüger. Er macht sie mit der franziskanischen Spiritualität bekannt und sorgt dafür, dass sie ihre Schulzeit in einem von Klarissen geführten College fortsetzen kann. Als 18jährige beginnt sie dort ihr Postulat und nimmt den Ordensnamen Alphonsa von der Unbefleckten Empfängnis an, im Gedenken an den Heiligen Alphonso de Liguori. Im Mai 1930 wird sie eingekleidet.

Bald darauf beginnt eine von häufigen schmerzhaften Krankheiten geprägte Zeit. Ihre Arbeit als Lehrerin nimmt sie 1932 auf, kann aber schon im folgenden Jahr nur noch sporadisch als Hilfslehrerin und Katechetin arbeiten sowie als Sekretärin, vor allem wegen ihrer schönen Handschrift. (Schreibmaschinen gibt es in den 1930er Jahren noch lange nicht für das in Kerala gesprochene Malayalam മലയാള.)

1935 scheint sich die Gesundheit der Postulantin zu bessern; sie wird endlich ins Noviziat aufgenommen. Aber schon eine Woche darauf erleidet sie schwere Blutungen aus Nase und Augen und eitrige Wunden an den Beinen; ihr Zustand verschlechtert sich. Sie sieht all das geradezu heiter. Sie betet eine Novene zu Kuriakose Elia Chavara, einem 1871 verstorbenen Priester und Sozialreformer aus Kerala, zu ihrer Zeit als Diener Gottes anerkannt. (Er wird 1984 selig- und 2014 heiliggesprochen.) Nach der Novene ist sie plötzlich geheilt. Im Sommer 1936 legt sie die ewige Profess ab. Sie betet: „Mein Herr, tue mit mir, was du willst. Ich bin Dein! Verbrenne mich im Feuer der Leiden. Verwunde mein Herz mit quälendem Schmerz. Biete mir keinerlei weltliche Behaglichkeit, sondern führe mich, dass ich wahre Tugend erringe.”

So geschieht es. Sie macht zahlreiche schwere Krankheiten durch, darunter Typhus und Lungenentzündung. Ihr letztes Lebensjahr ist eine Abfolge schmerzhafter Leiden. Sr. Alphonsa nimmt sie mit Freude an, opfert sie auf und ist dabei von einer erstaunlich fröhlichen Grundstimmung. Sie versteht ihr Leiden als von Jesus Christus gewolltes Sühnopfer, so sehr, dass sie einen Tag ohne Leiden als verlorenen Tag empfindet. Sie stirbt am 28. Juli 1946, bis zuletzt mit einem gewinnenden und liebevollen Lächeln.

Im Zuge ihres Seligsprechungsprozesses sagt Pongana, eine Hinduistin, die als Grundschülerin mit Alphonsa Annakutty befreundet war: „Annakutty war ein besonders feines Mädchen. Immer war sie bereit, Leid zu ertragen und anderen zu verzeihen. Ihre Geduld und Klugheit, ihre Liebe zu dem, der sie verletzt hatte, hat mich sehr beeinflusst und zum Gutsein angetrieben!”

Ihr Grab wird auch von Hindus und Moslems besucht. Ein Heilungswunder geschieht an einem Hindumädchen, das dort Kerzen opfert. 2008 wird Alphonsa als erste Inderin heiliggesprochen.

Heute gibt es in Alphonsas Geburtsort Kudamaloor eine St Alphonsa School und eine Alphonsa Bakery – Bildung und Brot unter dem Segen der Heiligen Alphonsa.

kath.net-Buchtipp
Die Befreier
13 Geschichten von Verwandten, Nachbarn und anderen Dämonen
Von Claudia Sperlich
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2017 Tredition
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Syro-malabarische Katholiken singen ein Lied zu Ehren der hl. Alphonsa (Kerala/Südindien) in der Sprache Malayalam


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