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Gott beruft auch verwundete Krieger

25. Juli 2018 in Jugend, keine Lesermeinung
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Für uns als Christen ist jenes Blut, das Jesus, wahrer Gott, vergossen hat, das Blut des Sieges - Die Jugendkolumne von kath.net - Diese Woche ein Beitrag von Magdalena Preineder


Linz (kath.net)
In einer Gesellschaft, die als Wegwerfgesellschaft zu klassifizieren ist und nicht mehr weiß, wie man sich kaputt gegangener Dinge annimmt, und in welcher sich diese Mentalität immer mehr auch auf Menschen ausstreckt, wird man nur allzu schnell dazu verleitet zu denken, dass man immer „funktionieren“ muss, dass man „ganz“ sein muss und nicht verletzt sein darf. Wunden sind nur dann gern gesehen, wenn sie von einer Heldenleistung zeugen.

Zerbrechlichkeit erscheint als Armutszeugnis in einer Siegergesellschaft und die menschliche Ohnmacht muss Gottkomplexen weichen.

Als Christ erscheint diese Beobachtung von Menschen, die einem unnahbaren, unverwundbaren Gott gleich werden wollen widersinnig, denn unser Gott lehrt uns, dass es vollkommen in Ordnung ist Wunden zu haben – so wie er selbst welche trug. Er lehrt uns, dass Schwachheit und Verwundbarkeit nichts schlechtes ist – auch er kam als verletzliches Baby in die Welt.
Unser Gott selbst hat am Ölberg die Erfahrung menschlicher Verzweiflung gemacht. Jesus, wahrer Mensch, bat seinen Vater den Kelch an ihm vorüber gehen zu lassen. Er wusste, was kommen würde. Während seine Seele mit Betrübnis konfrontiert war, schliefen seine Jünger und nicht viel später stand er wieder dem Menschen gegenüber, der ihn verraten hat – er kannte das Gefühl menschlicher Verlassenheit. Er hatte Angst und hat Blut geschwitzt. Er kannte Wunden, die nicht sichtbar sind.


Jesus ist gegeißelt und mit Dornen gekrönt worden. Der König wurde einst wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt und dem für die Römer schändlichsten Tod – dem mors turpissima – und für die Juden einem Tod, der einen Fluch verhieß, hingegeben. Nägel sollten seine Haut, sein Fleisch, sein Gewebe durchtrennen – Wunden. Selbst als er schon seinen Geist in die Hände des Vaters gelegt hatte, gab man ihm noch einen Stoß mit der Lanze, der sein Herz durchdringen sollte und Blut und Wasser freisetzte – Wunden also.

In den Augen der Römer, Juden und auch vieler Menschen heute noch ein schmachvoller Tod, unvereinbar mit einer Gottheit.

Doch für uns als Christen ist jenes Blut, das Jesus, wahrer Gott, vergossen hat, das Blut des Sieges. Seine Wunden sind es, welche uns heil machen und sein Blut ist es, welches uns rein wäscht. Obwohl das alles für Jesus als Mensch sicher nicht einfach zu ertragen und voller grausamster Schmerzen war, hat er im selben Atemzug, in dem er den Vater bat, den Kelch vorüberziehen zu lassen, seinen Willen, dem des Vaters unterstellt.

Er hat sich ihm hingegeben in Gehorsam. Er war bereit, auf sich zu nehmen, was kommen sollte, weil er den Blick auf den Vater gerichtet hatte und wusste, dass aus dem Schmerz etwas Großes entstehen sollte.

Es ist faszinierend zu sehen, wie der Sohn zum Vater spricht. Wie er schon im Vorfeld des Kreuzweges leidet. Wie er im Hinblick auf alles, was noch auf ihn zukommen sollte, aber noch immer festhält: „Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.“ (Lk 22,42) Er gibt sich dem Vater hin – in Gehorsam und vor allem auch im Vertrauen darauf, dass der Wille des Vaters das Beste ersehnt.

In Anbetracht der eigenen Verwundungen und Verletzlichkeit ist es manchmal schwer, einen Sinn zu sehen oder man denkt, das man für nichts gut wäre, nicht toll genug funktioniert. Doch Jesus selbst ist es, der uns zeigt, dass auch Wunden nicht vergebens sein müssen, dass Schmerz nicht umsonst sein muss. Er ist es auch der uns zeigt, wie selbst der größte Schmerz, die tiefste Verwundung, sinnvoll sein kann – wie selbst diese dem Reich Gottes dienlich sein können. Er zeigt es uns bei seinem Gebet am Ölberg vor – „Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.“ – die Hingabe an den Vater, der im Gegensatz zu uns nicht nur einen Teil der Wirklichkeit sieht, sondern das Ganze, ist der Schlüssel. In der Hingabe an ihn kann jeder dienen, wie er ist, mit allem, was er mitbringt. Wunden und Zerbrechlichkeit halten Gott nicht auf, er beruft auch verwundete Krieger – unser
Feldherr selbst ist mit Wunden übersät und der Kelch, den er getrunken hat, das Blut, das er vergossen hat, ist für uns zum Sieg geworden.


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