03 August 2018, 10:00
Schisma in der äthiopisch-orthodoxen Kirche ist beendet
 
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Äthiopische Kirche hat jetzt zwei "Heilige Patriarchen", der "Addis Abeba"-Synod und der "Exil-Synod" sind zu einem Leitungsgremium verschmolzen - Versöhnungskonferenz in Washington brachte den Durchbruch

Washington-Addis Abeba (kath.net/KAP) Das knapp drei Jahrzehnte währende Schisma in der äthiopisch-orthodoxen Kirche ist beendet. Nach dem politischen Machtwechsel in Äthiopien 1991 war der damalige Patriarch Abuna Merkurios abgesetzt worden. Er ging mit etlichen Bischöfen in die USA und baute einen "Heiligen Synod der äthiopisch-orthodoxen Kirche im Exil" auf. In der Heimat übernahm zunächst Abuna Paulos (1935-2012) das Patriarchenamt, nach dessen Tod folgte Abuna Mathias. Die Patriarchen und die Synoden erkannten einander wechselseitig nicht an, obwohl es vom Amtsantritt von Abuna Mathias an tastende Versöhnungsversuche gab. Jetzt ist es mit tatkräftiger Hilfe des neuen äthiopischen Ministerpräsidenten Ahmed Abiy gelungen, das Schisma zu beenden.

Die feierliche Versöhnung erfolgte nach Angaben des Informationsdienstes der Wiener Stiftung "Pro Oriente" vom Donnerstag beim jüngsten USA-Besuch Premier Abiys in der vergangenen Woche. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche wird demnach künftig zwei Patriarchen haben: Abuna Merkurios kehrt aus den USA nach Äthiopien zurück, er wird in Addis Abeba durch "Gebet und Segnung" der Kirche dienen. Abuna Mathias wird sich um die Verwaltung der Kirche kümmern, aber ebenso "Gebet und Segnung" zu seinen Aufgaben zählen. Die beiden Patriarchen werden auf Lebzeiten als "gleich an Ehre" angesehen, in der Liturgie werden die Namen beider Patriarchen genannt. Die beiden Heiligen Synoden werden zusammengelegt, alle wechselseitigen Exkommunikationen werden aufgehoben.

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Die feierliche Verkündigung der Beendigung des Schismas fand am 27. Juli in Anwesenheit des äthiopischen Ministerpräsidenten in der äthiopisch-orthodoxen Michaelskathedrale in Washington statt. Auf den Gottesdienst folgte ein festlicher Empfang im historischen "Watergate"-Hotel.

Abuna Merkurios flog bereits am Montag mit Ministerpräsident Abiy und begleitet von einer Gruppe von Exil-Bischöfen nach Äthiopien zurück, um den "patriarchalen Thron wieder einzunehmen". Zeitgleich bekundete auch Abuna Mathias in Addis Abeba nach einer Sitzung des Heiligen Synods vor Journalisten "die Freude der Äthiopier über die Beendigung des Schismas". Viele hätten sich dafür eingesetzt, dass das Schisma zu Lebzeiten der Kontrahenten beendet wird, um eine Verfestigung der Spaltung zu vermeiden. Nach Angaben des äthiopischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird am 4. August in der Millenniumshalle in Addis Abeba ein großes Fest aus Anlass der Versöhnung der äthiopisch-orthodoxen Kirche stattfinden.

Zentrale Rolle Premier Abiys

In dem mit 26. Juli datierten Abschlussdokument der Washingtoner Versöhnungskonferenz heißt es, die gefährliche Situation der äthiopisch-orthodoxen Kirche in den vergangenen Jahren sei durch die Gebete der Mönche und aller Gläubigen "gemeinsam mit den Anstrengungen von Ministerpräsident Ahmed Abiy" zum Besseren verändert worden. Besonders gewürdigt wird auch die Arbeit eines Versöhnungskomitees, die bewirkt habe, dass die äthiopische Kirche wieder "die Freiheit, die Würde, die Einheit und den Frieden ihrer Herde" bewahren könne.

Abiy hatte von seinem Amtsantritt im April an signalisiert, dass seine Regierung die "Heilung des Schismas" in der orthodoxen Kirche des Landes vollinhaltlich unterstütze. Diese Botschaft vermittelte er nicht nur im Parlament in Addis Abeba, sondern auch im direkten Gespräch mit Abuna Mathias, in Kontakten mit Repräsentanten von Abuna Merkurios und mit Vertretern des seit geraumer Zeit tätigen Versöhnungskomitees. Abiy unterstrich immer wieder die Bedeutung der Einheit der äthiopisch-orthodoxen Kirche für die Einheit des äthiopischen Staates; er stammt selbst aus einer konfessionell gemischten Familie, seine Mutter ist eine äthiopisch-orthodoxe Christin, sein Vater ein sunnitischer Muslim. Der Premier selbst gehört der protestantischen Mekane-Yesus-Kirche an.

Durchbruch Mitte Juli

Mitte Juli wurde klar, dass ein Durchbruch erzielt worden war, als der äthiopisch-orthodoxe Erzbischof von Washington, Abuna Fanuel, ankündigte, dass es im Zusammenhang mit dem US-Besuch von Ministerpräsident Abiy eine Versöhnungskonferenz der beiden Synoden geben werde und dabei ausdrücklich von den "beiden Heiligen Patriarchen" sprach. Tags darauf verwendete auch Abuna Barnabas als Sprecher der Exil-Synode die Formel von den "beiden Heiligen Patriarchen". Bis dahin hatten sich beide Seiten geweigert, den jeweils "anderen" Patriarchen anzuerkennen.

Die Delegation des "Addis Abeba-Synods" hatte vor ihrer Abreise nach Washington eine Begegnung mit dem Ministerpräsidenten. Abiy unterstrich dabei, dass die "Einheit der Orthodoxie" nicht nur für die Mitglieder der äthiopisch-orthodoxen Kirche höchste Bedeutung habe, sondern auch für "Sprache, Kultur, Geschichte und Einheit des Landes". Zugleich verwies er darauf, dass Streit und Spaltung leicht von statten gehen, Versöhnung und Heilung aber viel schwieriger seien. Der Delegation gehörten außer drei Bischöfen auch prominente Laien wie der frühere Generaldirektor der "Ethiopian Airlines", Girma Wake, und der Langstreckenläufer und Immobilienmakler Haile Gebreselassie an.

Bei der Versöhnungskonferenz des "Addis Abeba-Synods" und des "Exil-Synods" in der vergangenen Woche in Washington wurden dann "Nägel mit Köpfen" gemacht und die Formalitäten "von Einheit und Frieden in der heiligen Kirche" geregelt.

Teil eines größeren Konzepts

Die Versöhnung der gespaltenen äthiopisch-orthodoxen Kirche ist offensichtlich Teil eines größeren Konzepts des erst 41-jährigen Ministerpräsidenten Abiy. Er hat mit vielen Haltungen der seit 1991 an der Macht befindlichen EPRDF (Revolutionäre Demokratische Front der äthiopischen Völker) gebrochen und u.a. die Versöhnung mit Eritrea eingeleitet, die Entlassung zahlreicher politischer Gefangener veranlasst und sich vor wenigen Tagen für ein "Mehrparteien-System" in Äthiopien ausgesprochen.

In kirchlichen Kreisen in Addis Abeba wird betont, dass die Kirche jetzt die Gunst der Stunde ergreifen und ihre Rolle als Lehrerin und Schützerin der Gläubigen auf dem Weg gesellschaftlicher Erneuerung ernst nehmen müsse. Es sei die Aufgabe der "kirchlichen Hierarchie, der Mönche wie des ganzen Volkes Gottes", im Prozess der Versöhnung innerhalb Äthiopiens wie auch mit den Nachbarn voranzugehen.

In einem weltweit beachteten Schritt hatten auf Initiative Premier Abiys Äthiopien und Eritrea nach jahrzehntelanger Feindseligkeit vor wenigen Tagen offiziell ihren Kriegszustand beendet und wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen.

Zahlenmäßig zweitgrößte Ostkirche

Die äthiopisch-orthodoxe Kirche mit laut Stiftung "Pro Oriente" vermutlich an die 60 Millionen Gläubigen ist nach der russisch-orthodoxen Kirche die zahlenmäßig zweitgrößte Ostkirche. Die Wurzeln der Kirche reichen in Äthiopien tief in die Antike zurück. Als einziger christlicher Staat in Afrika hat Äthiopien mehr als 1.000 Jahre islamischen Eroberungsversuchen erfolgreich widerstanden. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche gehört zur orientalisch-orthodoxen Kirchenfamilie, die die Beschlüsse des Konzils von Chalcedon im Jahr 451 nicht anerkannt hat.

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