Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:









Top-15

meist-diskutiert

  1. Hamburger Erzbischof Heße meint: 'Christus ist nicht Mann geworden'
  2. "Haltet immer zum Papst, und ihr werdet Christus nie verlieren!"
  3. Bätzing: „Es gibt keine Tendenzen in irgendeiner Weise, uns als Nationalkirche abzuspalten“
  4. Ein unheiliger Zorn von Bischof Bätzing
  5. „Aus den Kirchen und ihren Amtsträgern waren bisher keine kritischen Stimmen zu hören“
  6. "Religion nicht instrumentalisieren"
  7. Diese Ablehnung aus Rom war deutlich genug
  8. "Aus dem Star, der Himmel und Erde gemacht hat, wird also ein Sternchen. Kyrie eleison!"
  9. Kardinal Koch: Papst hat seine Sorge über Deutschland geäußert
  10. Vatikanischer Kurienpräfekt Becciu verliert Kardinalsrechte
  11. Woelki: „Ich bin gerne bereit mich auf einen Dialog über Lebenswirklichkeiten einzulassen“, aber…
  12. Oster: „Irritierend, dass Sie nicht auf Problematik des ungeschützten jungen Lebens eingehen“!
  13. Corona: Schönborn nimmt Politiker in Schutz gegen Vorwürfe
  14. USA gegen ‚sexuelle und reproduktive Rechte’ in UNO-Resolution zu Covid-19
  15. Bätzing/ DBK-Vollversammlung: „Wenn wir Bischöfe in diesen Tagen auch Kontroversen nicht verbergen“

Schisma in der äthiopisch-orthodoxen Kirche ist beendet

3. August 2018 in Weltkirche, 5 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Äthiopische Kirche hat jetzt zwei "Heilige Patriarchen", der "Addis Abeba"-Synod und der "Exil-Synod" sind zu einem Leitungsgremium verschmolzen - Versöhnungskonferenz in Washington brachte den Durchbruch


Washington-Addis Abeba (kath.net/KAP) Das knapp drei Jahrzehnte währende Schisma in der äthiopisch-orthodoxen Kirche ist beendet. Nach dem politischen Machtwechsel in Äthiopien 1991 war der damalige Patriarch Abuna Merkurios abgesetzt worden. Er ging mit etlichen Bischöfen in die USA und baute einen "Heiligen Synod der äthiopisch-orthodoxen Kirche im Exil" auf. In der Heimat übernahm zunächst Abuna Paulos (1935-2012) das Patriarchenamt, nach dessen Tod folgte Abuna Mathias. Die Patriarchen und die Synoden erkannten einander wechselseitig nicht an, obwohl es vom Amtsantritt von Abuna Mathias an tastende Versöhnungsversuche gab. Jetzt ist es mit tatkräftiger Hilfe des neuen äthiopischen Ministerpräsidenten Ahmed Abiy gelungen, das Schisma zu beenden.

Die feierliche Versöhnung erfolgte nach Angaben des Informationsdienstes der Wiener Stiftung "Pro Oriente" vom Donnerstag beim jüngsten USA-Besuch Premier Abiys in der vergangenen Woche. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche wird demnach künftig zwei Patriarchen haben: Abuna Merkurios kehrt aus den USA nach Äthiopien zurück, er wird in Addis Abeba durch "Gebet und Segnung" der Kirche dienen. Abuna Mathias wird sich um die Verwaltung der Kirche kümmern, aber ebenso "Gebet und Segnung" zu seinen Aufgaben zählen. Die beiden Patriarchen werden auf Lebzeiten als "gleich an Ehre" angesehen, in der Liturgie werden die Namen beider Patriarchen genannt. Die beiden Heiligen Synoden werden zusammengelegt, alle wechselseitigen Exkommunikationen werden aufgehoben.

Die feierliche Verkündigung der Beendigung des Schismas fand am 27. Juli in Anwesenheit des äthiopischen Ministerpräsidenten in der äthiopisch-orthodoxen Michaelskathedrale in Washington statt. Auf den Gottesdienst folgte ein festlicher Empfang im historischen "Watergate"-Hotel.

Abuna Merkurios flog bereits am Montag mit Ministerpräsident Abiy und begleitet von einer Gruppe von Exil-Bischöfen nach Äthiopien zurück, um den "patriarchalen Thron wieder einzunehmen". Zeitgleich bekundete auch Abuna Mathias in Addis Abeba nach einer Sitzung des Heiligen Synods vor Journalisten "die Freude der Äthiopier über die Beendigung des Schismas". Viele hätten sich dafür eingesetzt, dass das Schisma zu Lebzeiten der Kontrahenten beendet wird, um eine Verfestigung der Spaltung zu vermeiden. Nach Angaben des äthiopischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird am 4. August in der Millenniumshalle in Addis Abeba ein großes Fest aus Anlass der Versöhnung der äthiopisch-orthodoxen Kirche stattfinden.


Zentrale Rolle Premier Abiys

In dem mit 26. Juli datierten Abschlussdokument der Washingtoner Versöhnungskonferenz heißt es, die gefährliche Situation der äthiopisch-orthodoxen Kirche in den vergangenen Jahren sei durch die Gebete der Mönche und aller Gläubigen "gemeinsam mit den Anstrengungen von Ministerpräsident Ahmed Abiy" zum Besseren verändert worden. Besonders gewürdigt wird auch die Arbeit eines Versöhnungskomitees, die bewirkt habe, dass die äthiopische Kirche wieder "die Freiheit, die Würde, die Einheit und den Frieden ihrer Herde" bewahren könne.

Abiy hatte von seinem Amtsantritt im April an signalisiert, dass seine Regierung die "Heilung des Schismas" in der orthodoxen Kirche des Landes vollinhaltlich unterstütze. Diese Botschaft vermittelte er nicht nur im Parlament in Addis Abeba, sondern auch im direkten Gespräch mit Abuna Mathias, in Kontakten mit Repräsentanten von Abuna Merkurios und mit Vertretern des seit geraumer Zeit tätigen Versöhnungskomitees. Abiy unterstrich immer wieder die Bedeutung der Einheit der äthiopisch-orthodoxen Kirche für die Einheit des äthiopischen Staates; er stammt selbst aus einer konfessionell gemischten Familie, seine Mutter ist eine äthiopisch-orthodoxe Christin, sein Vater ein sunnitischer Muslim. Der Premier selbst gehört der protestantischen Mekane-Yesus-Kirche an.

Durchbruch Mitte Juli

Mitte Juli wurde klar, dass ein Durchbruch erzielt worden war, als der äthiopisch-orthodoxe Erzbischof von Washington, Abuna Fanuel, ankündigte, dass es im Zusammenhang mit dem US-Besuch von Ministerpräsident Abiy eine Versöhnungskonferenz der beiden Synoden geben werde und dabei ausdrücklich von den "beiden Heiligen Patriarchen" sprach. Tags darauf verwendete auch Abuna Barnabas als Sprecher der Exil-Synode die Formel von den "beiden Heiligen Patriarchen". Bis dahin hatten sich beide Seiten geweigert, den jeweils "anderen" Patriarchen anzuerkennen.

Die Delegation des "Addis Abeba-Synods" hatte vor ihrer Abreise nach Washington eine Begegnung mit dem Ministerpräsidenten. Abiy unterstrich dabei, dass die "Einheit der Orthodoxie" nicht nur für die Mitglieder der äthiopisch-orthodoxen Kirche höchste Bedeutung habe, sondern auch für "Sprache, Kultur, Geschichte und Einheit des Landes". Zugleich verwies er darauf, dass Streit und Spaltung leicht von statten gehen, Versöhnung und Heilung aber viel schwieriger seien. Der Delegation gehörten außer drei Bischöfen auch prominente Laien wie der frühere Generaldirektor der "Ethiopian Airlines", Girma Wake, und der Langstreckenläufer und Immobilienmakler Haile Gebreselassie an.

Bei der Versöhnungskonferenz des "Addis Abeba-Synods" und des "Exil-Synods" in der vergangenen Woche in Washington wurden dann "Nägel mit Köpfen" gemacht und die Formalitäten "von Einheit und Frieden in der heiligen Kirche" geregelt.

Teil eines größeren Konzepts

Die Versöhnung der gespaltenen äthiopisch-orthodoxen Kirche ist offensichtlich Teil eines größeren Konzepts des erst 41-jährigen Ministerpräsidenten Abiy. Er hat mit vielen Haltungen der seit 1991 an der Macht befindlichen EPRDF (Revolutionäre Demokratische Front der äthiopischen Völker) gebrochen und u.a. die Versöhnung mit Eritrea eingeleitet, die Entlassung zahlreicher politischer Gefangener veranlasst und sich vor wenigen Tagen für ein "Mehrparteien-System" in Äthiopien ausgesprochen.

In kirchlichen Kreisen in Addis Abeba wird betont, dass die Kirche jetzt die Gunst der Stunde ergreifen und ihre Rolle als Lehrerin und Schützerin der Gläubigen auf dem Weg gesellschaftlicher Erneuerung ernst nehmen müsse. Es sei die Aufgabe der "kirchlichen Hierarchie, der Mönche wie des ganzen Volkes Gottes", im Prozess der Versöhnung innerhalb Äthiopiens wie auch mit den Nachbarn voranzugehen.

In einem weltweit beachteten Schritt hatten auf Initiative Premier Abiys Äthiopien und Eritrea nach jahrzehntelanger Feindseligkeit vor wenigen Tagen offiziell ihren Kriegszustand beendet und wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen.

Zahlenmäßig zweitgrößte Ostkirche

Die äthiopisch-orthodoxe Kirche mit laut Stiftung "Pro Oriente" vermutlich an die 60 Millionen Gläubigen ist nach der russisch-orthodoxen Kirche die zahlenmäßig zweitgrößte Ostkirche. Die Wurzeln der Kirche reichen in Äthiopien tief in die Antike zurück. Als einziger christlicher Staat in Afrika hat Äthiopien mehr als 1.000 Jahre islamischen Eroberungsversuchen erfolgreich widerstanden. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche gehört zur orientalisch-orthodoxen Kirchenfamilie, die die Beschlüsse des Konzils von Chalcedon im Jahr 451 nicht anerkannt hat.

Copyright 2018 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 prim_ass 4. August 2018 
 

Sehr schöne Nachricht

Eine schöne Nachricht, ein schönes Zeugnis.


1

0
 
 Zwiefalten 3. August 2018 
 

@Schlegl

Sie haben Recht! Ich hatte mich getäuscht


6

0
 
 SCHLEGL 3. August 2018 
 

@Zwiefalten

Was Wie sie geschrieben haben, ist leider falsch!
Um den Titel "Theotokos = Gottesgebärerin" ging es ein Konzil früher,nämlich in Ephesus (431).Der Titel Gottesgebärerin war in den orientalischen Sprachen noch anstößiger, als im Griechischen!Es klang so, als ob der ewige Gott
(überzeitlich,ungeschaffen)eine Mutter hätte!
Aus diesem Grund ist die apostolische Kirche des Ostens (später irrtümlich Nestorianer genannt) von der Gesamtkirche weggegangen!
Auf dem Konzil von Chalcedon(451)jedoch ging es um die beiden Naturen in Christus(Hypostatische Union).Die Ägypten(Kopten),Äthiopier,Westsyrer u. im 6.Jh auch die Armenier(Synode v.Dvin u.Manazkert) erfassten die Differenz zwischen Natur u.Person nicht,weil ihre Sprachen nicht so differenziert waren,wie Griechisch u. Latein, glaubten,Chalcedon lehre 2Personen.
Sie begnügten sich mit der Formulierung v.Kyrill v. Alexandria:
EINE GOTTESNATUR,die Fleisch angenommen hat.
Die äthiop.Kirche war bis 20.Jh. v. Ägypten abhängig.Msgr.Erzpr.F.Schlegl


9

0
 
 doda 3. August 2018 

Ein christlicher Ministerpräsident kann im Bemühen um Frieden und Einheit segensreich wirken

Das Wirken Ahmed Abiys möge andere zu guten Haltungen und Werken inspirieren!


6

0
 
 Zwiefalten 3. August 2018 
 

Konzil von Chalzedon

man muss hier erklären: das Konzil von Chalzedon war für das Patriarchat von Alexandria mit gutem Grund inakzeptabel:
Maria als "Gottesgebärerin" zu bezeichnen hätte dazu geführt, dass sie mit der paganen ägyptischen Göttin Isis, die ebenfalls als "Gottesgebärerin" bezeichnet wurde, verwechselt worden wäre.Diese völlige Unsensibilität des Konzils für die spezielle Situation Afrikas führte zwangsläufig zum Bruch.
Aus imho zwingenden pastoralen Gründen mussten sich die Kopten absondern.


2

0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Afrika

  1. Mosambik: Vermisste Ordensfrauen und Gläubige „gesund und sicher“ zurück
  2. Afrika: Fünf Tote durch Gewitter bei einer Taufe
  3. Afrika: Flüchtlingsdramen abseits der Medien
  4. Das Blutvergießen ist Folge der wirtschaftlichen Ausbeutung
  5. Lebensschützerin: Westen will Afrika seine Werte aufdrängen
  6. Kairo: Augustinus-Film im Mittelpunkt einer Fastenveranstaltung
  7. Franziskaner gewinnt 1-Million-Dollar-Preis für den weltbesten Lehrer
  8. Der Rassismus des Emmanuel Macron
  9. Missio Österreich: Dramatische Situation im Senegal
  10. Priester sterben bei Brandanschlägen auf Kirchen in Somalia








Top-15

meist-gelesen

  1. Hamburger Erzbischof Heße meint: 'Christus ist nicht Mann geworden'
  2. Ein unheiliger Zorn von Bischof Bätzing
  3. Kardinal Koch: Papst hat seine Sorge über Deutschland geäußert
  4. Vatikanischer Kurienpräfekt Becciu verliert Kardinalsrechte
  5. Sizilien: Kirche der Heiligen Agatha verwüstet
  6. "Aus dem Star, der Himmel und Erde gemacht hat, wird also ein Sternchen. Kyrie eleison!"
  7. Bätzing: „Es gibt keine Tendenzen in irgendeiner Weise, uns als Nationalkirche abzuspalten“
  8. Weinendes Marienbildnis sorgt in Griechenland für Aufsehen
  9. „Aus den Kirchen und ihren Amtsträgern waren bisher keine kritischen Stimmen zu hören“
  10. Diese Ablehnung aus Rom war deutlich genug
  11. Klare Antwort von Bischof Overbeck: „Nein, für die Wandlungsworte ist das nicht denkbar“
  12. Eine nie dagewesene Glaubenskrise – hin zu einem Schisma?
  13. Woelki: „Ich bin gerne bereit mich auf einen Dialog über Lebenswirklichkeiten einzulassen“, aber…
  14. Kardinal Becciu verteidigt sich: Habe kein Geld unterschlagen
  15. "Haltet immer zum Papst, und ihr werdet Christus nie verlieren!"

© 2020 kath.net | Impressum | Datenschutz