23 August 2018, 12:00
Heiligenkreuzer Klartext zum Missbrauchs- und Vertuschungsskandal
 
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Pater Johannes Paul Chavanne OCist: „Hinter der Fassade des Priestertums haben Menschen hier ganz schwere Verbrechen begangen.“

Heiligenkreuz (kath.net/pl) „Gott lass nicht zu, dass Unberufene sich in dein Heiligtum eindrängen und zum Anlass des Niederganges werden.“ Diesen Satz aus der Bernhardsnovene zitierte der Heiligenkreuzer Pater Johannes Paul Chavanne OCist in einer Predigt, in der er deutliche Worte zum kirchlichen Missbrauchs- und Vertuschungsskandal fand. Das Thema, so gestand er ein, ein tiefer Schmerz, auch für ihn „ganz persönlich“ In den Medien habe man „wieder aus einigen Diözesen in den USA“, aus Chile und Australien nicht nur „von Einzelfällen“ gehört, „sondern vom sexuellen Missbrauch an Jugendlichen und Kindern durch Priester. Und dass es auch Bischöfe gab, Hirten – die bestellt sind, wie Jesus sagt, um ihr Leben hinzugeben für die Herde –, die von diesen schweren, kranken Verbrechen gewusst haben, Jahre, Jahrzehnte, und aus welchen Gründen auch immer, Bequemlichkeit, oder aus Feigheit, oder aus einem falschen Prestigedenken, nicht dagegen unternommen haben. Hinter der Fassade des Priestertums haben Menschen hier ganz schwere Verbrechen begangen.“ Damit hätten sie das Leben „viel zu vieler (und ich sage es noch einmal ganz deutlich, es sind nicht Einzelne sondern es sind ganz viele, von den USA haben wir jetzt gehört, über 1.000 junge Menschen in den letzten 70 Jahren) … ganz schwer geschädigt.“ Chavanne nannte dies „pervers im wahrsten Sinne des Wortes“. Denn es sei die Berufung des Priesters, „zum Segen für andere zu werden! Diese Menschen sind zum Fluch geworden.“

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Er habe länger darüber nachgedacht, merkte der Zisterzienserpater an, ob er sich zu diesem Thema überhaupt äußern soll, denn „wer bin ich, als junger, einfacher Priester, dass ich dazu irgendetwas sagen kann?“ Doch „es haben genug Leute, die etwas sagen hätten sollen, lange nichts dazu gesagt. Und ich finde, dass gerade als ein relativ junger Mensch, gerade als ein junger Priester, der sein Leben in den Dienst der Verkündigung des Glaubens stellt, der sich aufgemacht hat, der sich aufgemacht hat, ein Priester zu sein und der daran glaubt, dass das Priestertum zum Heil der Menschen ist und der an die Heiligkeit der Kirche glaubt, und der auch mit Ehrfurcht und Respekt auf die Bischöfe schaut und dies auch in Zukunft machen möchte, dass gerade der, gerade ein junger Mensch, das Recht hat, hier etwas zu sagen.“ Man spüre es gerade auch als Priester, „dass nämlich diese Leute, die das zu verantworten haben, nicht nur schweres Leid, das ist das allerschlimmste, über diese Menschen gebracht haben und deren Leben tief beschädigt, vielleicht manchmal sogar zerstört haben. Die haben auch die vielen, vielen, und die muss man auch sehen, es ist die Mehrheit, der guten Priester und der guten Ordensleute und auch der guten Laien, die Tag für Tag in Treue und in Liebe sich einsetzen dafür, dass die Menschen ein Vertrauen zu Gott und ein Vertrauen zur Kirche haben, die sich darum bemühen, die Kirche aufzubauen, auch in die Zukunft aufzubauen, auch in den Herzen junger Menschen lebendig werden zu lassen, auch auf diese Priester und Ordensleute und auch auf diese Laien wird immer wieder dann der Mist gedreht und die Schande und der Vertrauensverlust ausgeschüttet. Man kann ein Krebsgeschwür nicht heilen, wenn man wegschaut.“

Chavanne erinnerte deutlich daran, dass wenn man sagt, man verzichte auf die Ehe um des Himmelreiches willen, dass nur der auf die Ehe verzichten könne, „der auch zur Ehe fähig ist“, denn „ansonsten ist es kein Verzicht um des Himmelreiches willen“. „Unberufen sind die, für die das Priestertum nur eine schöne Fassade ist, das ihnen eine anerkannte Position verleiht, hinter der sie ihre Unreife und ihre eigene Krankhaftigkeit und ihre eigene Flucht vor sich selber und ihre eigene Perversion leben und pflegen. Solche Leute gehören zum Psychiater und zum Arzt. Und das sage ich nicht einmal verurteilend. Aber sie gehören nicht ins Priesterseminar.“

Abschließend bemerkte Chavanne, dass dies zwar wirklich „kein schönes Thema“ sei, doch „wir dürfen eben nicht die Realität unter den Teppich kehren“. Man müsse Missbrauchsopfern „in die Augen schauen“, auch wenn dies ein großer Schmerz ist, und man müsse „genau all das erst recht vor den hinbringen, für den das der allergrößte Schmerz sein muss, nämlich vor Jesus Christus, der der Retter und der Heiland für alle Menschen sein möchte und will.“

Chavanne zitierte zum Ende seiner Ausführungen aber auch das chinesische Sprichwort: „Ein Baum, der umfällt, macht mehr Krach als ein ganzer Wald, der wächst.“ Es seien mehrere Bäume umgefallen, aber es gebe auch Wälder, die wachsen, und er „hoffe und bete“, dass Stift, Hochschule und Priesterseminar Heiligenkreuz in der Kirche Wälder seien, die wachsen. „Die Wälder, die wachsen, das sind die vielen guten und treuen und demütigen – demütigen! – Priester, Ordensleute und auch Laien in der Geschichte der Kirche und in der Gegenwart.“

Stift Heiligenkreuz - P.Johannes Paul Chavanne spricht Klartext zu den schweren kirchlichen Missbrauchs- und Vertuschungsfällen! - Montagspredigt 20.8.2018




Archivfoto Pater Johannes Paul Chavanne OCist (c) Stift Heiligenkreuz

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