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Religionsphilosophin Gerl-Falkovitz würdigt "Humanae vitae"

31. August 2018 in Weltkirche, 7 Lesermeinungen
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Theologische Sommerakademie in Aigen (OÖ) widmete sich der vor 50 Jahren erschienenen Enzyklika Pauls VI. und den Folgen der seither vorangeschrittenen Trennung von Fortpflanzung und Sexualakt


Linz (kath.net/KAP) Die Enzyklika "Humanae vitae" und die darin zum Thema Fortpflanzung entfaltete "Rücksicht auf die fein differenzierte Leiblichkeit der Frau" hat die Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz gewürdigt. Kritische Rückfragen an das vor 50 Jahren erschienene Lehrschreiben Papst Pauls VI. seien zwar im Hinblick darauf angezeigt, warum beim Geschlechtsverkehr die Absicht, ein Kind durch das Ausweichen auf die unfruchtbaren Zyklustage der Frau auszuschließen, moralisch anders zu bewerten sei als der Einsatz manipulativer oder chemischer Mittel wie der Pille. Gerl-Falkovitz' Ausgangspunkt ihres Vortrags bei der Theologischen Sommerakademie in Aigen (OÖ.) war jedoch ein anderer, nämlich: "Was bewirkt es für die Frau, wenn Liebe und Fruchtbarkeit getrennt werden?"

Gerl-Falkovitz war Hauptreferentin zum Thema "50 Jahre Humanae vitae" bei der zum 30. Mal veranstalteten, am Mittwoch endenden Sommerakademie, an der u.a. der Lemberger Erzbischof Mieczyslaw Mokrzycki, der St. Pöltner Altbischof Klaus Küng, der emeritierte Salzburger Weihbischof Andreas Laun sowie die Bioethikerin Susanne Kummer vom kirchlichen IMABE-Institut teilnahmen.


In einer Zeit, in der die "grüne Natur" geradezu verherrlicht werde, bleibt es für die an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz lehrende Philosophin "unverständlich, weshalb junge Frauen über zwei bis drei Jahrzehnte ihren Monatsrhythmus abstellen sollen". Mit dem Gebrauch empfängnisverhütender Mittel werde jedoch leider schon sehr früh begonnen - teilweise schon in der Pubertät, wenn der Organismus noch gar nicht ausgereift ist. Diese auch von der Frauenbewegung forcierte ständige "Neutralisierung" und "Bereitstellung" des weiblichen Leibes könne als "Sargnagel des Feminismus" gesehen werden, kritisierte Gerl-Falkovitz. Emanzipation auf Kosten vorwiegend der weiblichen Leiblichkeit sei letztlich "Emanzipation vom eigenen Leib, seien Ansprüchen und Seligkeiten - zugunsten einer verdeckten und uneingestandenen Unterwerfung unter den Mann". Paul VI. spreche in "Humanae vitae" nicht umsonst von einer Herabsetzung bzw. Verdinglichung des weiblichen Leibes zu einem "Werkzeug der Triebbefriedigung".

Samenbanken, Leihmütter, Wunschkinder

50 Jahre nach der dort abgelehnten Trennung der Fortpflanzung von der liebenden Vereinigung seien überdeutlich die Folgen dieser Abkoppelung sichtbar. Gerl-Falkovitz verwies auf Ei- und Samenbanken "mit Gen-Beipackzettel", anonyme Zeugungen im Labor, bezahlte Samenspender statt Väter. Auf der weiblichen Seite gebe es Leihmütter, die zum bloßen "Uterus" herabgesetzt würden, und Kinder würden zum "Werkzeug einer Wunscherfüllung", die auch "zurückgegeben" werden könnten, sofern die "Bestellung" nicht entspricht - wenn nicht gar eine Abtreibung erfolge. "Kinder werden 'gemacht' und nicht gezeugt", merkte Gerl-Falkovitz zum Zeitgeist an.

Die Schärfe all dieser "Reduktionen des Menschlichen" sei 1968 nicht vorauszusehen gewesen, "dennoch formuliert die Enzyklika die innere Logik einer von der Liebe getrennten Zeugung grundsätzlich richtig".

Wenn tatsächlich - wie der Papst damals empfahl - jeder eheliche Akt Hingabe und Fruchtbarkeit einschließen solle, so bedeutet das laut der Religionsphilosophin für Frau wie Mann eine kommunikative Herausforderung: Der viel tiefere leibliche Einsatz der Frau für das Kind bedeute klarerweise eine Asymmetrie der Geschlechter. "Sie muss immer wieder zu einem Gespräch führen über die Belastbarkeit der Frau durch Geburten, über verteilte Arbeit, über gemeinsam verantwortete Lösungen - statt einer leichten Automatik der Unfruchtbarkeit".

"Humanae vitae" könne so zum Impuls für ein neues Miteinander der Geschlechter werden. Gerl-Falkovitz wörtlich: "Könnte über alle Morallehren hinweg, die wenig greifen, die Vision heute erneuert werden, dass sich in dem Einlassen auf das fremde Geschlecht eine göttliche Spannung, eine lebendige Fruchtbarkeit und die Not(wendigkeit) asymmetrischer Gemeinschaft ausdrückt?"

Copyright 2018 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


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Lesermeinungen

 girsberg74 2. September 2018 
 

@Roalndo an @girsberg74

Gut!

Solche Leute heißen halt (noch) so.

Eine Parallele bei dem Musical "Evita":

"Sie (3. Person Plural) nennen mich eine Hure."
Machen Sie sich nichts daraus, ich war früher Admiral, habe diese Stellung nicht mehr, man sagt aber immer noch "Admiral" zu mir.

(So, frei aus dem Gedächtnis zitiert.)


1
 
 Zeitzeuge 1. September 2018 
 

Gut, daß auch andere, innerkirchlich wichtige Themen

und "offene Wunden" jetzt nicht ins Hintertreffen geraten, das wäre fatal!

Danke kath.net!


4
 
 Rolando 1. September 2018 
 

girsberg 74

„Eine ganz andere Sache ist es, wenn katholische Moraltheologen heute noch immer Humanae nicht verstehen, obwohl sie, alleine von den rein weltlichen Folgen her, die Richtigkeit von Humanae vitae anerkennen müssten; vom Theologischen ganz abgesehen„.
Ein kath. Moraltheologe, der Humanae Vitae nicht versteht und nicht anerkennt, ist keiner, wie kann er sich kath. Moraltheologe nennen? Da wurde viel verwüstet.


9
 
 mirjamvonabelin 1. September 2018 
 

Egal, anwesend oder nicht anwesend

Frau Prof. Barbara Gerl-Falkovitz ist einmalig.

Sie spricht es so klar aus was wir nur irgendwie vernebelt sehen und nicht formulieren können.
Wenn man nicht in erster Linie von Moral redet, sonder so wie sie vom Mensch/Frau sein, dann versteht es jede Frau/Mann.

Naturschützer horcht auf!


8
 
  1. September 2018 
 

Wann beginnen unsere Bischöfe endlich, den Scherbenhaufen, den sie uns ihre Vorgänger angerichtet

haben, aufzuräumen?
Die bevorstehende Seligsprechung von Papst Paul VI wäre ein ideales Datum für einen diesbezüglichen Startschuss, um diverse "Erklärungen" zu korrigieren. Frau Prof. Gerl Falkovitz und viele andere Frauen werden da bestimmt gerne hilfreich sein. Was spricht dagegen, endlich einmal etwas zukunftsweisendes zu tun anstatt ständig den Untergang zu verwalten? Der Aufruf von Papst Paul VI in Humane vitae muss man sich wirklich einmal neu zu Gemüte führen und was ist ehrenwerter, zumindest für einen Bischof, als dem Rat und der Bitte eines Seligen zu folgen?


7
 
 girsberg74 31. August 2018 
 

@Philosophus „Gerl-Falkovitz“

Wäre ich dort gewesen, würde auch ich ihr Fehlen bedauert haben. Nichtsdestotrotz, selbst ihr Geschriebenes hat es noch in sich.

Zum Thema / Anlass der Tagung: "Humanae vitae" war prophetisch. Der Welt, dem Zeitgeist gefällt das nie und nimmer; Paul der VI. Wird nach wie vor herabgesetzt und belächelt; das ist die eine Sache.

Eine ganz andere Sache ist es, wenn katholische Moraltheologen heute noch immer Humanae nicht verstehen, obwohl sie, alleine von den rein weltlichen Folgen her, die Richtigkeit von Humanae vitae anerkennen müssten; vom Theologischen ganz abgesehen.

Humanae vitae wird weiter abgelehnt, im Ton eher sachlich. Eberhard Schockenhoff, Moraltheologe aus Freiburg, wird nach einem Interview mit dem „Osnabrücker Kirchenboten“ vom 8. Juli 2018, dieser zugleich Mantelteil für weitere Kirchenzeitungen, in der Schlagzeile auf Seite 1 so wiedergegeben: „Das Lehramt hat sich isoliert.“


6
 
 Philosophus 31. August 2018 
 

Gerl-Falkovitz

war nicht Hauptreferentin, sondern eine Referentin neben acht anderen. Abgesehen davon, war sie aus familiären Gründen persönlich gar nicht anwesend. Iht Vortrag wurde lediglich verlesen!


5
 

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