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„Nicht einmal eine Eingangsbestätigung aus der Nuntiatur“

13. September 2018 in Weltkirche, 9 Lesermeinungen
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Der indische Bischof Mulakkal wird von Ordensfrau beschuldigt, sie ab 2014 über ein Dutzend Mal sexuell missbraucht zu haben – Drei weitere Frauen werfen ihm sexuelle Belästigung vor - UPDATE: Bischof muss erneut zum Verhör


Kochi (kath.net/pl) Bischof Franco Mulakkal (Bistum Jalandhar/Nordindien) wird von Ordensfrauen beschuldigt, seit 2014 eine ihrer Mitschwestern über ein Dutzend Mal sexuell missbraucht und vergewaltigt zu haben. Die betroffene Ordensfrau aus dem südinischen Bundesstaat Kerala hat ihre Vorwürfe in einer 72-Seiten starken Dokumentation zusammengestellt und Ende Juni an mehrere Stellen gesandt, darunter auch an den zuständigen Nuntius sowie direkt an den Vatikan. Doch Nuntiatur und Vatikan hätten „nicht einmal eine Eingangsbestätigung“ geschickt. Daraufhin demonstrierten sieben Ordensfrauen (davon fünf aus dem eigenen Orden sowie zwei Schwestern aus anderen Orden) am vergangenen Samstag öffentlich auf einem Platz in Kochi/Kerala. Sie vertraten: „Die Kirche hat uns keine Gerechtigkeit zukommen lassen. Ebensowenig die Polizei oder die Regierung.“ Die Demonstrantinnen wurden auch von Priestern unterstützt, außerdem von ökumenischen Gruppen sowie eigenen Verwandten und Freunden. Das berichtete der britische „Catholic Herald“ unter Verwertung indischer Medien.


Gegen den aus dem Bundesstaat Kerala stammenden Bischof liegen Vorwürfe von drei weiteren Frauen vor, auch hier geht es um sexuelle Belästigung. Trotzdem vertritt die Superiorin des betreffenden Konvents, dass der Bischof (dem der Orden unterstellt ist) unschuldig sei. Der Orden distanziert sich von den Vorwürfen und der Demontration.

Bischof Mulakkal bezeichnet sich als unschuldig. Die Ordensfrau wolle sich an ihm nur rächen, weil er sie gemaßregelt habe, da sie eine Affäre mit dem Ehemann einer ihrer Kusinen gehabt habe.

Der Priester Varghese Vallikkatt, Generalsekretär des Rates der katholischen Bischöfe Keralas, verweist darauf, dass die (weltliche) Gerichtsbarkeit nicht gegen den Bischof vorgeht, offenbar mangle es an der Stichhaltigkeit der Vorwürfe. Deshalb reagiere auch die Kirche nicht. Auch müsse man nicht öffentlich demonstrieren, denn es gebe in der Kirche genug Möglichkeiten, Missbrauch zu melden. Der Generalvikar der Diözese Jullundur, der Priester Peter Kavumkal, spricht von einer planmäßigen Kampagne gegen den Bischof, es gehe um Erpressung und es sei sogar das Leben des Bischofs bedroht.

Die „Neue Zürcher Zeitung“ weist auf indische Medienberichte hin, wonach versucht worden war, das mutmaßliche Missbrauchsopfer zum Schweigen zu bringen, indem man ihrem Orden die Schenkung eines Landstückes anbot. Die Ordensfrau lehnte ab. Der katholische Laienverband Keralas ruft die indische Bischofskonferenz zu dringlichen Maßnahmen auf.

UPDATE
Der unklare Fall wird von den zuständigen indischen Behörden erneut aufgegriffen. Bischof Mulakkal hat eine Vorladung zur Polizei erhalten und muss am 19. September zu weiteren Befragungen zur Verfügung stehen, man sei auf Widersprüche in den Darstellungen des Opfers, des Bischofs und der Zeugen gestoßen, denen nachgegangen werden soll. Das berichtete "UCA-News", eine katholische Nachrichtenagentur für den asiatischen Raum.

Der Vorgang hat inzwischen die höchste politische Ebene des indischen Bundesstaates Kerala erreicht, Ministerpräsident Pinarayi Vijayan lies durch Presseverantwortliche erklären, dass er auf der Seite des Opfers stehe. Ein hochrangiger Politiker Keralas drückte bereits öffentlich sein Erstaunen darüber aus, dass die Polizei derart zögerlich reagiere, obwohl doch alle Fakten bei ihr auf dem Tisch lägen.

Ein hochrangiger Polizeioffizier bestätigte außerdem, dass die Ordensfrau inzwischen Todesdrohungen erhalten haben.

Foto: Bischof Mulakkal


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