25 September 2018, 16:30
Tickende Zeitbombe für Papst Franziskus in Großbritannien
 
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Journalistenvorwurf: Papst soll 2013 Untersuchungen der Glaubenskongregation gegen seinen Freund Kardinal Murphy-O'Connor gestoppt haben - Kardinal soll Frau missbraucht und Missbrauchsfälle vertuscht haben – Staatliche Untersuchungen starten

London-Vatikan (kath.net)
Gegen Papst Franziskus sind am Montag neue brisante Vertuschungsvorwürfe im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche aufgetaucht. So soll der Papst im Jahr 2013 (wenige Monate nach seiner Wahl) Untersuchungen der Glaubenskongregation gegen den britischen Kardinal Cormac Murphy-O'Connor persönlich gestoppt haben. Dies berichten "LifeSiteNews" und der italienische Vatikanjournalist Marco Tossati. Letzterer beruft sich für die Information auf eine hochrangige Vatikanquelle, die direkt in der Regierungskurie tätig ist und unmittelbar mit der Causa beschäftigt war. Brisant ist die Sache auch deswegen, weil der britische Kardinal, der 2017 verstarb, als Mitglied der sogenannten "Sankt Gallen Mafia" gilt, die bei der Papstwahl 2013 eine wesentliche Rolle gespielt hat.

Zurück zum Missbrauchsfall in England. Laut dem Medienbericht soll es sich hier um eine Frau handeln, die im Alter von 13 oder 14 Jahren das erste Mal von einem englischen Priester missbraucht wurde. Father Hill, der pädophile Priester, wurde 1997 das erste Mal und 2002 erneut für das und andere Verbrechen verurteilt. Der Priester soll über 30 junge Burschen missbraucht haben. Bereits vor vielen Jahren schreibt die britische Zeitung "The Guardian" dazu: "Sein Fall ist besonders berüchtigt, weil der Kirchenführer, Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, ihm (A.d.Red. gemeint ist der Priester) diesen Posten gab, obwohl er gewarnt wurde, dass er bereits junge Burschen missbraucht habe." Hill wurde damals trotz Beschwerden der Eltern von einer Pfarre zur nächsten weitergereicht. Murphy-O'Connor war damals Bischof von Arundel und Brighton und hat Hill 1985 zum Kaplan von Gatwick Airport ernannt. Bereits kurz danach soll es dort den ersten Missbrauchsfall gegeben haben.

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Ein Bericht, der später angelegt wurde, zeigte, dass Murphy-O'Connor ab einem gewissen Zeitpunkt zugeben musste, dass sein Priester ein Missbrauchstäter war. Der Kardinal soll den Opfern jeweils etwa 50.000 britische Pfund angeboten haben, allerdings gegen Schweigen in der Öffentlichkeit. Später leugnete der Kardinal dies und meinte, dass ein Weihbischof dies in seinem Namen angeboten habe.

Doch zurück zur Frau, die schließlich gegen den Kardinal bei der Glaubenskongregation Beschwerde eingebracht hat. Laut ihren Aussagen passierten die ersten Missbrauchsfälle durch Hill in den späten 60-Jahren. Dafür bekam sie von der Diözese später 40.000 britische Pfund als Entschädigung. Brisant ist allerdings, dass die Frau von einem weiteren Missbrauchsfall berichtet hat und dabei soll es sich direkt um den damals jungen Murphy-O'Connor handeln. Die Frau hat diesen Vorfall irgendwann zwischen 2009 und 2010 dem damaligen Kardinal Vincent Nichols, dem Erzbischof von Westminster, geschildert und gemeldet. Doch der Nachfolger von Kardinal Murphy-O'Connor hat sich geweigert, die Sache zu untersuchen.

Doch die Geschichte geht weiter: 2011 haben schließlich zwei englische Diözesen (Portsmouth und Northampton) die Glaubenskongregation über diesen Vorfall informiert und den damaligen Kardinal William Levada gebeten, die Sache zu untersuchen. Gleichzeitig haben sie angezeigt, dass die Erzdiözese von Westminster sich geweigert hat, die Protokolle im Fall von Missbrauchsfällen anzuwenden. Charles Scicluna, der heutige Erzbischof von Malta, hat damals alle Akten aus England angefordert. 2012 wurde er zum Erzbischof ernannt und dadurch von der Causa "Murphy-O'Connor" von der Glaubenskongregation abgezogen. Danach übernahm Monsignore Robert W. Oliver die Angelegenheit in der Glaubenskongregation. Dieser traf sich 2013, um mit den englischen Bischöfen die Sache zu besprechen. Die Erzdiözese von Westminster war schließlich bereit, das erste Mal das Opfer zu empfangen, was auch durch einen damaligen Weihbischof passiert. Eine Untersuchung wurde aber von der Erzdiözese abgelehnt, damit lag weiterhin bei der Glaubenskongregation, die den Fall weiterhin untersuchte.

Inzwischen wurde Papst Franziskus Papst. Kardinal Murphy-O'Connor, der Franziskus als "seinen Mann" bezeichnet, soll im Vorfeld der Papstwahl kräftig Werbung für den damaligen Erzbischof Bergoglio gemacht haben. Doch jetzt passierte Brisantes. Wenige Monate nach seiner Wahl ließ Franziskus plötzlich alle Untersuchungen gegen den englischen Kardinal durch Kardinal Müller, den neuen Präfekten der Glaubenskongregation, stoppen. Marco Tosatti, der römische Vatikanjournalist, berichtet, dass Franziskus dies Kardinal Müller so unmittelbar mitteilen ließ, dass der Sekretär von Franziskus dafür eine Heiligen Messe , die Müller gerade in der Kirche von Santa Monika gefeiert hat, unterbrach und der Franziskus-Mitarbeiter zum Altar stürmte und ihn unterbrach. Tosatti schildert diesen Vorfall, bei dem deutsche Studenten dabei waren, so: "Der Papst möchte Sie sprechen." "Haben Sie ihm erzählt, dass ich gerade die Hl. Messe feiere." "Ja", sagte der Sekretär, "aber er sagte, dass das nichts ausmache. Er möchte sofort mit Ihnen sprechen." Die beiden gingen schließlich in die Sakristei. Dort befand sich Franziskus, der sehr schlecht gelaunt war. Dieser übergab ihm einige Anweisungen über ein Dossier eines Freundes, einen Kardinal aus England. Laut Tossati handelte sich dabei um Kardinal Murphy O'Connor. "Dieser wurde beschuldigt, eine Frau missbraucht zu haben." Seit vielen Jahren hat sie diesen Vorwurf immer wieder erhoben und schließlich Beschwerde bei der Glaubenskongregation eingelegt. Laut Tossati hat Franziskus die Untersuchungen stoppen lassen. "LifeSiteNews" hat dazu die Glaubenskongregation befragt und angefragt, ob man diese Sache bestätigten oder verneinen könne. Die Glaubenskongregation wollte die Sache nicht kommentieren, was als "Nicht-Verneinung" einzustufen ist. Eine Anfrage bei der vatikanischen Pressestelle wurde bis jetzt auch nicht beantwortet.

Die ganze Causa ist allerdings unabhängig von kirchlichen Untersuchungen eine tickende Zeitbombe für Franziskus. Denn inzwischen laufen in Großbritannien Untersuchungen der Missbrauchsfälle der katholischen Kirche durch den Staat selbst. Das sogenannte "Truth Projekt" hat sich inzwischen nach der Kontaktaufnahme mit der Frau der Sache angenommen und staatliche Stellen haben inzwischen die Herausgabe der Akten "Murphy-O'Connor" von der Erzdiözese von Westminster angefordert. Daneben haben weiter drei englische Diözesen (Arundel and Brighton, Portsmouth und Northhampton) die Akte der Kommission des Staates bereits ausgehändigt.

Archivfoto Papst Franziskus


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