02 Oktober 2018, 15:30
Missbrauchsopfer-Sprecher: Bilanz des Papstes "desaströs"
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Missbrauch'
Organisation "Rete L'Abuso" wirft Franziskus vor, in vier konkreten Fällen über Vergehen italienischer Kleriker informiert gewesen zu sein, aber nicht mit der angekündigten Strenge reagiert zu haben

Rom (kath.net/KAP) Eine italienische Initiative von Missbrauchsopfern hat dem Vatikan und dem italienischen Staat schwere Versäumnisse vorgeworfen. Die bisherige Bilanz von Papst Franziskus beim Vorgehen gegen Missbrauch sei "desaströs". Die Null-Toleranz-Linie existiere "nur auf dem Papier", sagte Francesco Zanardi, Sprecher der Organisation "Rete L'Abuso", am Dienstag in Rom. In vier konkreten Fällen sei der Papst über Vergehen italienischer Kleriker informiert gewesen, ohne mit der angekündigten Strenge vorzugehen, so Zanardi bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem internationalen Betroffenen-Netzwerk "Ending Clerical Abuse".

Werbung
christenverfolgung


Auf lange Sicht erhoffe man sich eine Änderung der Lateranverträge zwischen dem Heiligen Stuhl und Italien, um Missbrauchsvergehen besser verfolgen zu können, sagte Zanardi. Kirchliche Missbrauchsfälle müssten von staatlichen Gerichten behandelt werden.

Vielfach schützten staatliche Institutionen die Kirche, sagte Zanardi. Er forderte die Einrichtung einer unabhängigen Untersuchungskommission nach dem Vorbild anderer Länder. Italienische Medien berichteten unzureichend über Missbrauch, so der Sprecher von "Rete L'Abuso". Seine Organisation gehe für Italien von mindestens 300 kirchlichen Tätern aus, die innerhalb der vergangenen 15 Jahren sexuelle Übergriffe verübt hätten.

Matthias Katsch, Mitbegründer der deutschen Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch" und des Netzwerks "Ending Clergy Abuse", forderte den Papst auf, seinen Worten Taten folgen zu lassen. Der Vatikan müsse Akteneinsicht gewähren. Sexueller Missbrauch in der Kirche sei ein globales Problem, das eine globale Lösung erfordere. Während in Australien staatliche Ermittler und die Kirche vorbildhaft zusammenarbeiteten, falle die kirchliche Missbrauchsaufklärung in Polen negativ auf, sagte Katsch vor Journalisten in Rom.

Katsch mahnte einen genaueren Blick auf Priesterseminare an, da diese oft "Orte sexueller Gewalt in der Kirche" seien. Die am Mittwoch beginnende Bischofssynode zu Jugendthemen müsse auch über Kinderschutz und "Gerechtigkeit für Opfer" reden. "Ending Clerical Abuse" kündigte an, während der bis zum 28. Oktober dauernden Synode mit Aktionen auf das Thema Missbrauch in der katholischen Kirche aufmerksam zu machen.

Copyright 2018 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!










Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

„Welche Neurosen haben sich denn da zur Fachschaft versammelt?“ (91)

Maria 1.0 - Widerstand im Internet gegen Maria 2.0 (68)

„Als katholische Frau distanziere ich mich von der Aktion ‚Maria 2.0‘“ (46)

Eucharistie – Kausalprinzip der Kirche (31)

Vatikan: P. Hermann Geißler von Vorwürfen freigesprochen! (30)

Bischof Huonder zieht sich in Haus der Piusbruderschaft zurück (30)

Vor Wahlen: Notwendiges Gespräch oder „indirekte Wahlempfehlung“? (26)

"Ich vertraue mich dem Unbefleckten Herzen Mariens an" (25)

Haben Frauen in der Kirche wirklich nichts zu sagen? (21)

Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben (19)

Ein Schwimmbad auf Notre Dame? (19)

Deutschland: „Elternteil 1 und 2“ statt „Vater“ und „Mutter“ (19)

Protest gegen Monsterpfarreien im Bistum Trier (18)

Woelki distanziert sich von Anti-Kirche-Aktion 'Maria 2.0' (18)

Christoph Klingan wird neuer Generalvikar (17)