23 Oktober 2018, 12:20
Jugendseelsorger Johannes Paul II.
 
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Es ist eine Ironie, dass mit Johannes Paul II. der erfolgreichste päpstliche Jugendseelsorger der modernen Geschichte im Arbeitsdokument der 2018-Synode größtenteils ignoriert wurde - Von George Weigel

Rom (kath.net)
Karol Wojtyla hatte als Pole ein gut entwickeltes Gespür für historische Ironie. Von seiner gegenwärtigen Position in der Gemeinschaft der Heiligen, ist er wahrscheinlich von der gewissen Ironie ergriffen, dass die Synode “Jugend, Glaube und Unterscheidung zur Berufung”, die gerade in Rom stattfindet, mit dem 40-jährigen Jubiläum seiner Wahl als Papst Johannes Paul II, am 10.Oktober 1978, zusammenfällt.

Warum Ironie? Es ist eine Ironie, dass der erfolgreichste päpstliche Jugendseelsorger der modernen Geschichte – und vielleicht der ganzen Geschichte – im Arbeitsdokument der 2018-Synode größtenteils ignoriert wurde. Und die Leitung der Synode unter Lorenzo Kardinal Baldisseri scheint seltsam unwillig zu sein, seine Lehre oder auch nur sein Beispiel zu erwähnen.

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Aber lassen wir die Ironie hinter uns zurück. Welche Lektionen könnte die Synode von Johannes Paul II, dem Rattenfänger der Jugend, am Rubinjubiläum seiner Wahl, lernen?

1) Die brennenden Fragen bleiben die gleichen

Verschiedenste Bischöfe haben auf der 2018-Synode festgestellt, dass die jungen Menschen von heute in einer völlig anderen Welt leben, als diese Bischöfe, als sie aufgewachsen sind. Das beinhaltet selbstverständlich ein Körnchen Wahrheit, aber hier werden auch kurzandauernde und langhaltige Dinge verwechselt.

Als Adam Kardinal Sapieha den jungen Pater Wojtyla 1948 in die St. Florian Pfarre versetzt hat, um mit der Seelsorge für die, dort in der Nähe wohnenden, Uni-Studenten zu beginnen, waren die Zeiten in Krakau mit Sicherheit anders als 1938-39, als Wojtyla Student an der Jagiellonen-Universität war. 1948 befand sich Polen im tiefsten Winter des Stalinismus und organisierte katholische Jugendarbeit war verboten. Das sorgenfreie soziale und kulturelle Leben, das Wojtyla genossen hat, bevor die Nazis die Jagiellonen-Universität geschlossen haben, war vorbei und in vielen Klassenzimmern regnete es atheistische Propaganda. Aber Wojtyla wusste, dass die großen Fragen, die junge Erwachsene beschäftigen, immer dieselben sind: Was ist der Sinn meines Lebens? Was muss ich tun, damit Freundschaft hält? Was ist nobel und was ist ordinär? Wie umsegle ich die Felsen und Untiefen des Lebens, ohne fatale Kompromisse einzugehen? Was macht wahre Freude aus? Diese Fragen waren immer die gleichen und werden es auch immer sein.

Jungen Erwachsenen heute zu sagen, dass sie völlig anders sind, ist kuppelnd und auch eine Form von Respektlosigkeit. Wenn wir heranreifenden Erwachsenen helfen, sich die großen Fragen zu stellen und mit den bleibenden Dingen zu ringen, dann machen wir ihnen ein Kompliment, weil wir sie ernst nehmen. Wojtyla wusste das, und die Bischöfe der 2018-Synode sollten das auch wissen.

2) Wenn man den Weg mit jungen Erwachsenen geht, dann sollte dieser auch wohin führen

Einige Jugendliche von dieser Universitätsseelsorge in St. Florian, wurden Freunde von mir und wenn ich sie frage, wie er so war, als Weggefährte, geistlicher Begleiter und Beichtvater, dann greifen sie immer vor allem zwei Punkte heraus: Eine meisterhafte Fähigkeit zuzuhören, die dann zu durchdringenden Gesprächen geführt hat, und das Bestehen auf der persönlichen Verantwortung. Einer von ihnen hat es einmal so zu mir gesagt: „Wir haben stundenlang geredet und er hat Fragen erleuchtet, aber niemals habe ich ihn sagen hören: Du solltest dies oder das machen. Jedoch hat er immer gesagt: „Du musst eine Entscheidung treffen!“ Die wahre Bedeutung von „begleiten“, war für Karol Wojtyla als Jugendseelsorger, dass ernsthafte moralische Entscheidungen mit Sanftheit, aber Beharrlichkeit heraufbeschworen werden.

3) Heldenhaftigkeit ist niemals out

Als Johannes Paul II, als er Papst wurde, vorgeschlagen hat, das was dann zu den Weltjugendtagen wurde, zu beginnen, hat ein Großteil der römischen Kurie gedacht, dass er von Sinnen sei – junge Erwachsene im späten 20.Jahrhundert wären einfach nicht an einem internationalen Festival interessiert, das Katechismus, den Kreuzweg, Beichte und die Eucharistie beinhaltet. Im Gegensatz dazu, hat Johannes Paul verstanden, dass das Abenteuer eines Lebens voll heldenhafter Tugenden, in der späten Moderne noch genauso anziehend war, als es zu seinen Tagen war. Und er war voll Vertrauen, dass die zukünftigen Leiter des dritten Jahrtausend christlicher Geschichte, dem Aufruf zu einem Abenteuer Folge leisten würden.

Das heißt nicht, dass sie perfekt sein würden. Aber er hat zu jungen Leuten so oft gesagt: „Begnüge dich niemals, niemals mit etwas Niedrigerem als das, was die geistige und moralische Größe der Gnade Gottes in deinem Leben möglich macht. Du wirst fallen, wir alle! Aber senke nicht die Messlatte. Steh auf, schüttle den Staub ab und suche Versöhnung. Aber begnüge dich niemals mit etwas Niedrigerem, als die Heldenhaftigkeit für die du geboren wurdest.“

Diese Herausforderung – das Vertrauen, dass junge Erwachsene sich wirklich danach sehnen mit einem ungeteilten Herzen zu leben – hat eine Wiederbelebung in jungen Erwachsenen und in der Universitätsseelsorge, in den lebendigen Teilen der Weltkirche, ausgelöst. Die 2018-Synode sollte darüber nachdenken, diese Erfahrung sehr, sehr ernst zu nehmen.

Der Artikel erschien ursprünglich im Catholic World Report. Copyright der Übersetzung by KATH.NET - Stefanie Schelch.

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