Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  2. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  3. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  4. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  5. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  6. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  7. Ein Erzbischof auf Staatsbesuch
  8. „Das Ende von Maria 2.0“
  9. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  10. Politisch aber auch innerkirchlich „gibt es derzeit wieder viel Konfliktpotenzial“
  11. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  12. Wie die Piusbrüder - Linker belgischer Bischof plant weiterhin verbotene Weihen
  13. Anerkanntes Wunder von Fulton Sheen: Baby nach 61 Minuten Atemstillstand lebt, heute kerngesund
  14. Papst Leo: „Diese vier Tage waren buchstäblich erfüllt mit vielen Segnungen, fast schon Wundern“
  15. „Die katholische Kirche ruht auf zwei Säulen ihrer sichtbaren Einheit: Petrusamt und Eucharistie“

„Ein Christ ist verpflichtet, solidarisch mit Juden zu sein“

9. November 2018 in Chronik, 8 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Marx zur Reichspogromnacht: „Jüdisches Leben ist ein Seismograph der deutschen Gesellschaft“ – „Es ist nicht normal, dass 'Jude' auf manchen Schulhöfen zum Schimpfwort geworden ist und Kippaträger mit verbalen oder tätlichen Angriffen rechnen müssen“


Würzburg-Bonn (kath.net/DBK) kath.net dokumentiert das Grußwort von Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, zur Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht am 8. November 2018 in Würzburg in voller Länge. Es gilt das gesprochene Wort.

Der 9. November ist einer der denkwürdigsten Tage der deutschen Geschichte. Vor 80 Jahren, am 9. November 1938 brannten nicht nur hier in Würzburg, sondern in den Städten und Dörfern Deutschlands und Österreichs die Synagogen, wurden Torarollen in den Schmutz geworfen oder zerrissen, jüdische Wohnungen und Geschäfte geplündert und Juden auf offener Straße misshandelt. An den folgenden Tagen wurden etwa 30.000 Juden inhaftiert. Die Reichspogromnacht markiert den Übergang von der rechtlichen Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung der Juden zur offenen Verfolgung; ein Weg, der schließlich zur Shoah geführt hat. Dass damals so viele – die meisten von ihnen waren Christen – weggeschaut oder tatenlos zugeschaut haben, erfüllt uns bis heute mit Scham.

Doch der 9. November ist nicht nur der Tag der Reichspogromnacht. Am 9. November 1918 wird in Berlin die Republik ausgerufen. Am Tag zuvor wurde in München der Freistaat Bayern gegründet. Der 9. November ist aber auch der Tag des Hitlerputsches. In der Nacht vom 8. auf den 9. November 1923 versuchten Adolf Hitler und General Erich Ludendorff von München aus, die Republik zu stürzen. Der Putsch scheiterte. Aber 10 Jahre später war Hitler Reichskanzler. Schließlich ist der 9. November der Tag, an dem 1989 die Mauer in Berlin geöffnet wurde. Dieser Tag der Maueröffnung dürfte den meisten von uns in Erinnerung sein.


Manche aber werden sich fragen, ob es heute noch notwendig und sinnvoll ist, an die Reichspogromnacht zu erinnern. Doch wenn wir die Reichspogromnacht im Zusammenhang mit den anderen Ereignissen sehen, derer wir am 9. November gedenken, dann wird deutlich, warum dieses Gedenken auch heute sinnvoll und notwendig ist. Ich möchte zwei Punkte hervorheben: Zum einen zeigen die Ereignisse des 9. November, dass Rechtsstaat und Demokratie keine Errungenschaften sind, die einmal erworben werden und dann selbstverständlich sind. Die rechtsstaatliche Demokratie war und ist eine gefährdete Staatsform. Denn sie beruht auf den geteilten Überzeugungen der Bürgerinnen und Bürger, auf einem moralischen Grundkonsens. Die Achtung vor der Würde und den Grundrechten des Menschen ist nicht nur Aufgabe aller staatlichen Gewalt, wie das Grundgesetzt sagt. Sie ist auch eine moralische Norm, die die politische Kultur unseres Landes und das gesellschaftliche Miteinander bestimmen soll. Der demokratische Rechtsstaat setzt voraus, dass sich die Bürger im Alltag mit Respekt, Fairness und Wohlwollen begegnen, dass sie füreinander Verantwortung übernehmen und sich auch im Streit um Wahrheit und Wahrhaftigkeit bemühen. Wo diese Werte missachtet werden, gerät das friedliche Zusammenleben in Gefahr. Es sind nicht erst Taten oder offenkundige Rechtsverstöße, die den Grundkonsens angreifen und beschädigen. Die letzten Jahre der Weimarer Republik zeigen uns deutlich: Die Verrohung der Sprache führt zur Verrohung der Sitten.

Zum anderen ist jüdisches Leben ein Seismograph der deutschen Gesellschaft. Das war vor 80 Jahren so, das ist auch heute so. Gottlob drohen heute keine staatlich organisierten Pogrome. Heute stehen Polizeiwagen vor Synagogen, jüdischen Gemeindezentren, Kindertagesstätten und Schulen. Das ist beruhigend, aber normal ist es nicht. Erst recht ist es nicht normal, dass „Jude“ auf manchen Schulhöfen zum Schimpfwort geworden ist und Kippaträger mit verbalen oder tätlichen Angriffen rechnen müssen.

Eine Lehre aus den Ereignissen vor 80 Jahren lautet: Wir dürfen nicht wegschauen, wenn Juden in welcher Form auch immer angegriffen werden. Wir sind verpflichtet, antijüdischen Vorurteilen zu widersprechen und antijüdischen Angriffen zu widerstehen. Das ist nicht nur eine Bürgerpflicht, es ist auch eine Christenpflicht.

Papst Franziskus hat es auf die bekannte Formel gebracht: „Ein Christ kann kein Antisemit sein!“ Ich füge hinzu: Ein Christ ist verpflichtet, solidarisch mit Juden zu sein. Noch einmal dürfen und werden wir nicht wegschauen!

´Frankfurter Allgemeine´: Zeitzeugin zur Reichspogromnacht: ´Die Anfänge hat damals auch niemand ernst genommen´



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Antisemitismus

  1. Israel wird Charlie Kirk für dessen Einsatz gegen Antisemitismus ehren
  2. Sydneys Erzbischof: "Angriff auf Juden ist Angriff auf uns alle"
  3. „Die katholische Gemeinschaft hat heute Morgen für unsere jüdischen Nachbarn und Freunde gebetet“
  4. Wien: Erzdiözese distanziert sich "auf das Schärfste" von Palästina-Flaggen auf Votivkirche
  5. Schweizergarde: Jüdische Betroffene schildert Details zu antisemitischem Vorfall im Vatikan
  6. Eklat durch NS-Vergleich gegenüber Israel bei interreligiösem Kongress in Rom
  7. Botschaft Israel: „Ein Gotteshaus in Deutschland darf nicht für Blutlügen missbraucht werden“
  8. Jüdische Studenten und Professoren begrüßen Vorgehen der Regierung Trump gegen Antisemitismus
  9. Deutschland: Muslime eher antisemitisch als der Durchschnitt der Bevölkerung
  10. „Jerusalem Post“: Davidsstern wird von Twitter als „hasserfülltes Bild“ gesperrt







Top-15

meist-gelesen

  1. Bekannte US-Influencerin und Mutter von neun Kindern konvertierte zum Katholizismus
  2. Leo an Bischöfe: „Liebe Brüder, wir müssen immer wieder in die Schule des Kreuzes zurückkehren“
  3. Chefredakteur Philippe Marie: „Ich werfe dem Erzbistum Paris vor, die Pressefreiheit zu verletzen“
  4. Dem Leben verpflichtet: Johanna Gräfin von Westphalen
  5. Kurienkardinal Parolin nennt „Lebensschutz“ eines der Schwerpunktthemen von Leos Frankreichreise
  6. USA: Medienbischof Fulton Sheen ist nun seliggesprochen!
  7. Eine Stadt im völligen Ausnahmezustand: Hohe Sicherheitsstufe für Papstbesuch in Paris
  8. Priester bei Messer-Attacke in polnischem Kloster getötet
  9. Anerkanntes Wunder von Fulton Sheen: Baby nach 61 Minuten Atemstillstand lebt, heute kerngesund
  10. Pater Stanisław Tasiemski OP vor Papstreise: „Wohin gehst du, Frankreich?“
  11. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  12. 'Putin ist auf dem besten Weg, in diesem Jahr mehr Christen zu töten als der ISIS'
  13. Der evangelischen Theologischen Hochschule Basel soll die Akkreditierung entzogen werden
  14. Über das Dämonische
  15. 'Kirche casht ab' - Immer weniger österreichische Katholiken, immer mehr Millionen!

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz