11 November 2018, 11:00
Das Reich Gottes - um was muss es uns gehen?
 
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Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben (Mt 6,33). Spirituelle Gedanken von Stefan Fleischer.

Grenchen (kath.net)
Vor nicht allzu langer Zeit habe ich wieder einmal eine Reich-Gottes-Predigt erlebt, in welcher es um ein Reich in dieser Welt ging, um eine Welt, in welcher Friede und Gerechtigkeit herrschen und diese Schöpfung nicht immer mehr zerstört wird. Ist das wirklich jenes Reich, welches diese Schrift-stelle meint? Wird dabei nicht schlicht überlesen, dass es auch um "SEINE Gerechtigkeit" gehen muss? Natürlich kann dieses "seine" beides bedeuten, die Gerechtigkeit dieses irdischen Reiches wie die Gerechtigkeit Gottes. Aber wenn es um unsere irdische, menschliche Gerechtigkeit gehen würde, wäre dann dieser Einschub nicht überflüssig? Und ist nicht auch schon dieses "SEIN Reich" eindeutig das Reich Gottes, und nicht ein Reich von uns Menschen?

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Wenn wir die Schrift nach "Reich Gottes" durchsuchen, dann finden sich viele Stellen, welche eindeutig von jenem ewigen Reich sprechen, zu welchem wir hier auf Erden erst unterwegs sind. Es gibt aber auch Stellen, welche mit diesem Ausdruck klar etwas bezeichnen, welches sich in dieser Welt hier und jetzt ereignet, was schon angebrochen, zu uns gekommen ist.

Gemäss der erwähnten Predigt sollte es uns darum gehen, dieses Reich hier und jetzt aufzubauen, auch wenn wir wissen, dass dieses nie ganz, und schon gar nicht sofort realisierbar ist. Irgendwann und auf irgendeine Art und Weise wird es schlussendlich doch Realität werden. Im Verständnis der Prediger meiner Jugend musste es uns immer zuerst darum gehen, dieses im Himmel bereits existierende Reich zu suchen, unseren Weg durch diese Welt als unseren Weg zu dieser unserer ewigen Heimat zu verstehen, entsprechend zu gehen und nicht davon abzuweichen. Sollte dies aller Anstrengungen zum Trotz doch einmal passieren, müssten wir sofort wieder umzukehren um mit Blick auf Gott und an seiner Hand wieder neu zu beginnen. Etwas überspitzt ausgedrückt, die moderne Predigt wollte aus uns die Baumeister eines Reiches Gottes hier und jetzt machen, in der vorkonziliaren Sicht waren wir einfach Pilger unterwegs zu diesem Reich.

Um was muss es uns also gehen? Matthäus fährt fort: "Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage." In der Parallelstelle bei Lukas heisst es: "Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben. Verkauft eure Habe und gebt den Erlös den Armen! … Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz." (Lk 12,33-34) Es geht also irgendwie um beides. Doch es gibt eine Reihenfolge. Zuerst muss es uns immer um das ewige Reich Gottes gehen. Dann werden wir auch bereit sein "unsere Habe zu verkaufen und den Erlös den Armen zu geben" damit unser Herz "droben" bei Gott sei. Je mehr wir aber in diesem Sinn und Geist leben, wird desto schneller und nachhaltiger wird auch diese Welt hier und jetzt besser, friedlicher, gerechter, desto weniger wird auch die Schöpfung zerstört werden.

Auch Christus, unser Bruder und Herr, ist nicht Mensch geworden, um eine bessere Welt hier und jetzt zu errichten. Dazu hätte er nicht im Stall geboren werden, und dann sein Leben hingeben müssen "um sein Volk aus seinen Sünden zu erlösen." (Ps 130,8 / Mt 1,21). Er ist gekommen, um den Willen seines Vaters zu erfüllen und uns am Kreuz den Weg in die ewige Heimat wieder zu erschliessen. Diesen Weg zu gehen, seine Jünger zu sein, unser Kreuz auf uns zu nehmen wo seine Nachfolge dies erfordert und das Kreuz unseres Nächsten tragen zu helfen, wo uns dies möglich ist, oder wie Papste Franziskus formulierte: "mit dem Kreuz Christi zu den Menschen gehen", das erwartet der Herr von uns. Und das gelingt uns umso besser, je entschiedener es uns um sein (Gottes) ewiges Reich geht. Denn dann wird der Herr uns jenen Frieden und jene Gerechtigkeit schenken, welche diese Welt nicht zu geben vermag, welche aber das wahre Heil unserer Welt bedeuten.

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